Kategorie: Aktuell

  • Fortsetzung von Sybillas Weg

    …Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen…

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Im Sommer gab es besonders viel Arbeit, denn zusätzlich zur Haus- und Stallarbeit war noch die Arbeit auf den Feldern zu bewerkstelligen. Auf dem langen schmalen Feld, das direkt am Berghang lag, wurden im jährlichen Wechsel Kartoffel und Korn angebaut und im großen Feld, gleich hinter dem Haus wurden Rüben gepflanzt und Gerste. Diese hat Vater an einen Händler in Friedberg verkauft, der sie weiterlieferte an die große, schon fast fünfhundert Jahre alte Brauerei in Budweis. Von dort kam das gute Bier, von dem am Samstag Sybilla für den Vater im Gasthaus immer einen großen Krug voll holte. Und die Kinder durften dann auch einen Schluck davon trinken.

    Abends, wenn es dunkel wurde, hat Mutter den Kienspan angezündet und in den Eisenring gesteckt, der an der Wand neben dem Herrgottswinkel angebracht war. Dann gab es das Abendmahl.

    Die Mutter hat auf dem oberen Feld Flachs angebaut, gesponnen und daraus feines Leinen gewebt, aus dem sie für die Mädchen Kleider und Schürzen genäht hat und Hemden für die Buben.  

    Schon seit Sybilla ein junges Mädchen war, ist für sie im Winter das Federnschleißen die lustigste Beschäftigung. Die Frauen und die jungen Mädchen treffen sich immer abwechselnd bei den einzelnen Bauern, singen mit Vorliebe das Lied von der Wuida auf die die Sonne so guida scheint, lachen dabei und die jungen Mädchen überlegen schon, welcher Bursche zu Ostern ein schön geritztes Scheckl bekommt. Vielleicht findet sich dann auch der passende Heiratskandidat.

    Die festen Federkiele werden dem Pfarrer und den Zisterzienserbrüdern im Kloster verkauft, damit sie daraus Schreibfedern machen können.  Vater hat gesagt, dass es im Kloster einen großen Saal gibt, der voll ist mit schönen handgeschriebenen Büchern und auch solchen, die schon auf einer Maschine gedruckt wurden.  Es sind schon so viele, dass bald eine neue Bibliothek gebaut werden muss.

    Wir haben nur die Bibel, aus der Vater uns am Abend vor dem Schlafengehen vorlas.

    Für Vater haben wir auch ein paar Federkiele aufgehoben. Er war sehr klug und konnte lesen und schreiben und sogar rechnen. Das musste er als Zimmerer können. Das hat er beim Pfarrer gelernt, denn eine Schule gab es zu seiner Kinderzeit noch nicht.

    Diese wurde erst sieben Jahre nach Sybillas Geburt, oben im Pfarrdorf, neben der Kirche gebaut. Vater schickte die Kinder aber nicht hin, einmal weil der Weg so weit ist und vor allem, weil sie immer mit irgend einer Arbeit beschäftigt waren und keine Zeit hatten. Für die Mädchen ist es  sowieso nicht notwendig, meinte er, weil sie heiraten und sie dann das Gelernte nicht mehr brauchen. Vater hat den Kindern aber trotzdem das Buchstabieren beigebracht, damit sie in der Bibel lesen können und er hat ihnen gezeigt, wie sie ihren Namen zu schreiben haben. Auch ein bisschen Rechnen hat er ihnen beigebracht, damit die Händler, die immer in das Dorf kamen, oder die durchziehenden Hausierer sie nicht betrügen können.

    Nur Hannes, der einmal den Hof erben sollte, durfte im Winter, wenn nicht so viel Arbeit war, die Schule besuchen.

    Vater hat viel gewusst und konnte viel erzählen. In seiner Jugend, als er auf der Walz war, kam er weit im Land herum, sogar bis Wien, Bayern, Tirol und Prag.

    Am besten gefiel Sybilla wenn er von der Prinzessin Maria Theresia in Wien, die später mal Kaiserin werden wird, von König Ludwig XIV. in Frankreich, Peter dem Großen in Russland und dem Alten Fritz aus Preußen erzählt, die in prächtigen Schlössern wohnen.

    Sybilla konnte sich das gar nicht richtig vorstellen. Sie sollen angeblich viel schöner und größer sein als die Schlösser in Krummau und Rosenberg, die sie schon ein paar Mal gesehen hat, wenn sie dort auf dem Markt war.

    Alle diese Neuigkeiten hat er von den durchziehenden Fremden gehört, wenn er unten in Friedberg war.

    Gerade neulich hat er auch gehört, dass der Kaiser Karl VI. schon wieder Streit hat mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm und der junge russische Zar Peter II. der jetzt in St. Petersburg regiert, zankt sich mit den Türken.

    Immer wieder streitet sich ein Land mit dem anderen, und immer wieder wird das Volk hineingezogen. Hoffentlich gibt es keinen neuen Krieg.

    Manchmal kann man schon wieder wilde Soldatenhorden beobachten, die unten durch das Moldautal ziehen. Aber herauf, auf den Berg, kommen sie selten. Man erzählt sich, dass sie oft ganz schreckliche Dinge anstellen, brandschatzen, plündern und morden.

    Sybilla schreckte aus dem Schlaf. „San do heid nid a poar von dej rauha Gsölln im Woid unterwejgs gwejn?“ Sie überlegte fieberhaft, aber es wollte ihr einfach nicht mehr einfallen. Sie war aber auch gar nicht ganz wach geworden und schlief gleich wieder ein und träumte den schönen Traum ihrer Jugend weiter.

  • alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Die närrische Zeit, Fasching, Karneval, Fasnacht oder wie immer sie in den verschiedenen Regionen genannt wird, ist seit zwei Wochen vorbei und wir finden uns schon in der Fastenzeit.

    Jesus und wir – was unterscheidet uns in der Fastenzeit?

    Fastenzeit – der eine oder andere von uns ist in permanenter „Fastenzeit“ um die in der Weihnachtszeit sich auf den Hüften und am Bauch festgesetzten Vanillekipferl oder Christstollen wieder los zu werden. Unsere Gedanken gelten der eingemotteten Sommergarderobe ob diese noch passt. Erst in sechs Wochen wird die Waage uns den Erfolg zeigen. Inzwischen werden wir oft von vielen kleinen Teufeln geplagt, die uns den einen oder anderen Genuss schmackhaft machen wollen. Nur die wenigsten können der Versuchung  widerstehen.

    Machen wir uns aber auch einen Gedanken, was die Fastenzeit wirklich bedeutet?

    Für viele der Religion abgewandten Menschen ist die biblische Bedeutung unbekannt.

     Auch Jesus hat nach seiner Taufe vierzig Tage in der Wüste mit Fasten verbracht. Sein „fasten“ bezog sich weniger auf die leiblichen Genüsse sondern eher auf die innere Einkehr und Rücksprache mit Gott. Auch Jesus wurde vom Teufel heimgesucht, der ihm alle Reichtümer der Welt versprach, wenn er ihn statt Gott anbete. Jesus hat den Versuchungen widerstanden.

    Für die frühen Christen gab es sehr viele verbotene Speisen, auf die man verzichten musste,

    jedoch war es nicht so streng wie bei Jesus, der 40 Tage weder gegessen noch getrunken hat.

    Heute geht es mehr um den bewussten Verzicht auf Gewohnheiten anstatt um strenge Verbote. All diese Verzichts-Vorgaben sind für uns Christen kein MUSS  sondern ein SOLL.

    Trotzdem schadet es keinem von uns für einen bestimmten Zeitraum auf das Schnitzel, Schweinebraten, Tortenstücke oder sonstiges Liebgewordenes zu verzichten. Das Fasten muss sich nicht unbedingt auf Essen und Trinken beziehen. Unseren Kindern oder Enkeln fällt der Verzicht auf Handy und Social Media Konsum schon schwerer.

    Das Fasten in anderen Religionen

    Zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit hat für Muslime am 18. Februar deren Fastenzeit Ramadan begonnen, die 30 Tage bis zum 20. März dauert. Deren Verzichtsvorgaben sind für gläubige Muslime um ein Vielfaches umfangreicher und strenger und eine absolute MUSS-Vorschrift.

    Die Juden feiern vom 1. bis 9. April das Pessach Fest, das ebenfalls mit vielen strengen Fasten- und Verzichtsvorschriften behaftet ist. Pessach ist jedoch eher mit dem christlichen Ostern als Freudenfest vergleichbar. Die Juden feiern die Beendigung aus der Sklaverei und den Auszug aus Ägypten, wogegen wir Christen die Auferstehung Jesu feiern.

    Dies waren meine ganz persönlichen Gedanken zur Fastenzeit und sollen nicht als „Wort zum Sonntag“ gesehen werden.

    Sudetendeutscher Tag 2026 in Brünn (Brno)

    Der 76. Sudetendeutsche Tag findet vom 22. bis 25. Mai 2026 (Pfingsten) erstmals in der Tschechischen Republik, in Brünn (Brno), statt. Unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“.

    Begegnung – ja das würden wir alle uns wünschen. Leider ist es jedoch Tatsache, dass einer Begegnung auch Grenzen gesetzt sind. Für uns Mitglieder und Leser von Glaube und Heimat sind diese Grenzen hauptsächlich durch die Finanzlage gesetzt. Zum anderen wird eine Begegnung bzw. Verständigung mit den tschechischen Besuchern durch mangelnde Sprachkenntnisse erschwert. Es müsste zudem ein Dolmetscher anwesend sein. Aus diesen Gründen wird es in diesem Jahr erstmals keinen Stand von Glaube und Heimat beim Sudetendeutschen Tag geben. Leider!

    und allen Lesern des neuenHeimat-Blattes

    herzliche Grüße

    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Fortsetzung der Geschichte von Sybillas Weg

    Darüber wurde aber im Familienkreis nie gesprochen und es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was der gute Laurentius in seiner Jugend alles getrieben hat.

    Dass aus der eigenen Familie doch alle anderen Kinder überlebt haben, scheint ein wahres Wunder zu sein. Oft sind mehr als die Hälfte aller neugeborenen Kinder gestorben. Die Eltern machten nicht sehr viel Aufhebens darum und fügten sich mit den Worten „Gott hat’s gegeben, Gott hat’s genommen“. Alle haben damals ziemliche Not gelitten.

    Laurentius hat den Kindern oft von seinem Vater, dem Wenceslaus erzählt, der noch alle die Schrecken, die der Dreißigjährige Krieg über das Land brachte und in dem halb Europa zerstört wurde, selbst erlebt hat. Nur den Wallenstein, der die Heimat so gut wie möglich vor den Schweden schützen wollte, hat er sehr verehrt, obwohl auch der sich auf Kosten der armen Bauern bereichert hat. Wenceslaus, der Vater vom Larentius war so um die zehn Jahre alt, als Wallenstein in Eger, einer Stadt gleich an der Grenze zu Bayern, ermordet wurde.

    Viel zu lachen gab es damals und auch heute noch über einen schwäbischen Sterndeuter, der dem Wallenstein und sogar dem König Rudolf von Böhmen die Sterne berechnet hat und daraus das Horoskop gesehen hat. Manche seiner Vorhersagen sind auch eingetreten, manche aber auch nicht. So hat er doch tatsächlich vorgeschlagen, man solle Schiffe und Segel bauen, die für die Himmelslüfte geeignet sind. Dann würde es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Weltraumes nicht zurückschreckten. Nun ist dieser Johannes Kepler schon seit bald hundert Jahren tot und wir lachen noch immer über diese verrückte Idee.

    Das ist doch Gotteslästerung! Nur Jesus und Maria sind in den Himmel aufgefahren, predigt der Pfarrer.

    Gleich nach dem Ende des Krieges ist Laurentius geboren und auch er konnte sich noch gut daran erinnern, wie viele Jahre es gedauert hat, ehe die verwüsteten Felder wieder ordentlich bestellt werden konnten und Früchte trugen.  

    Schon vor dem großen Krieg haben die Osmanen Feldzüge nach Europa unternommen und Sybilla, sie war damals gerade elf Jahre alt, erinnerte sich noch gut an die Belagerung von Wien, wo der Kaiser Leopold I. lebte. Die Kommissäre haben von den Bauern überall das Getreide, Kartoffeln und Vieh konfisziert, um  Proviant für die Truppen zu besorgen oder versprengte Soldaten haben noch das letzte Hab und Gut der Leute geplündert. Das hörte erst auf, als Prinz Eugen im Jahr 1718 die Türken endgültig aus dem österreichischen Kaiserreich vertrieb. Voll Freude sangen damals alle das Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt dem Kaiser  wiedrum kriegen Stadt und Festung Belgarad und ließ schlagen eine Brucken, dass man kunnt hinüber rucken, mit der Armee wohl vor die Stadt“.

    An den langen Winterabenden hat Laurentius seinen Kindern viele Geschichten von seinen Vorfahren erzählt, die er von seinen Eltern und Großeltern gehört hat. So sollen vor vielen, vielen Jahren die Vorfahren aus Italien sich im Böhmerwald angesiedelt haben. Genaueres darüber wusste er aber nicht. Die alten Pfarrer im Dorf haben noch keine Matriken geschrieben und so ist vieles in Vergessenheit geraten.

    Das Land Italien ist viele, viele Tagereisen von daheim entfernt und dazwischen liegt noch ein großes Gebirge, mit Bergen die noch zwei- oder dreimal so hoch sind wie diese rund um das Dorf. Italien könnte nur mit der Postkutsche erreicht werden. Das war aber viel zu teuer und solche Reisen waren nur den hochgestellten Personen vorbehalten oder Händlern und natürlich den Soldaten.

    Auch viele Wissenschaftler und Künstler sind zwischen den Ländern gereist, besonders die italienischen Maler und Baumeister waren sehr berühmt und man hat viel von ihnen gesprochen.

    Sybilla wäre gerne einmal dorthin gereist und hätte auch gerne das große Meer gesehen, von dem so viel erzählt wurde. Außer den Fischteichen und dem Fluss, unten im Tal, hat sie noch kein großes Wasser gesehen.

    Wäre sie erst einmal am Meer gewesen, hätte sie auch mit einem Schiff nach Amerika reisen können. Von diesem weit entfernten Land wurde sehr viel im Dorf gesprochen und einige der jungen Burschen haben tatsächlich überlegt, ob sie nicht dorthin auswandern sollten. Angeblich sollte es ein unheimlich reiches Land sein.

    Aber woher sollte sie das Geld nehmen? Der Vater Laurentius verdiente als Zimmerer gerade so viel, dass er die Familie gut versorgen konnte und der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte gerade aus, um den Eigenbedarf der Familie zu decken und die Mitgift für die Kinder zu erwirtschaften. 

    Später, als Sybilla als Magd bei ihrem Bruder am Hof arbeitete, verdiente sie auch nur ein paar Kreuzer und konnte nur wenige Gulden im Jahr sparen.

    In Sybillas Traum von Italien  kehrten die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugendzeit  zurück und vermischten sich immer stärker ineinander.

    Die Stiefmutter behandelte Sybilla genau so liebevoll wie ihre eigenen Kinder. Sie hatte eine wundervolle Zeit, obwohl sie schon von Kindesbeinen an viel und hart arbeiten musste. Wie gut, dass sie noch viele Geschwister bekam, die alle mithelfen mussten.

    Sybilla war das älteste Kind und kümmerte sich um die kleinen Geschwister. Das jeweils jüngste Kind, solange es noch nicht laufen konnte, band sie sich einfach mit einem großen Tuch auf den Rücken und so hatte sie immer beide Hände frei, um noch eine andere Arbeit zu machen.

    Als Joannes, der Hannes gerufen wurde, sieben Jahre alt war, durfte er das erste Mal als Hüterjunge die Kühe und Ziegen auf die Wiese treiben und darauf achten, dass sie nicht zu viel frischen Klee fraßen. Sobald er größer und kräftiger war, hat Vater ihm eine Sense in die Hand gedrückt und gezeigt, wie man Gras und Getreide mäht. Petrus-Paulus, den alle eigentlich nur Petrus nannten, rückte  dann als Hüterbub nach.

    Bei den Mädchen war es genau so. Als Sybilla älter wurde, half sie der Mutter bei der Wäsche. Im Sommer wurde draußen im Hof der große Bottich aufgestellt, die Wäsche darin eingeweicht und danach so lange auf den großen, glatten Stein geschleudert, bis sie sauber war. Wenn die Sonne schien, wurde die weiße Leinenwäsche auf der Wiese neben dem Hof zum Bleichen ausgebreitet .

    Sybilla half Mutter, die sehr gut kochen konnte, in der Küche und  hat von ihr gelernt, wie man Kartoffelsterz mit Milchsuppe, ogschtroute Eadejpfü, rupfane Kneijl mit saurer Milch oder Sauerkraut,  Schwammerlsauce mit Knödel und jede Form von Mehlspeisen, Pfannkuchen, Eierspeisen, Kaiserschmarren oder Strudel zubereitet.

    Wenn mal ein Schwein geschlachtet wurde, war dies jedes Mal ein Festmahl. Die Innereien wurden sofort gegessen und das Fleisch wurde geräuchert, um es für lange Zeit haltbar zu machen. Dieses gab es dann mit Kraut und Mehlknödeln nur an besonderen Feiertagen.

    Die Hühner wurden hauptsächlich zum Eierlegen gebraucht und wenn das Huhn zu alt wurde und keine Eier mehr legte, gab es daraus eine kräftige Hühnersuppe. Das zähe Fleisch wurde klein geschnitten und mit Kartoffeln geröstet.

    Wenn die Buben mal an die Moldau zum Angeln hinuntergingen, hat Mutter die Forellen gebraten. Das war dann aber ein herrschaftliches Essen. Bei den Bauern war Fisch nicht so beliebt, denn man wurde nicht so satt davon.

    Im Herbst wurden im Wald Pilze, meist Steinpilze, Maronen und Eierschwämme sowie Beeren, hauptsächlich Preiselbeeren Blaubeeren, und Himbeeren gesammelt. Die Pilze wurden klein geschnitten und getrocknet und aus den Beeren hat Mutter ein leckeres Beijnakou gekocht, das zu den Mehlspeisen gegessen wurde.

    Auch jetzt noch geht Sybilla jeden Herbst in den Wald, um diese Köstlichkeiten zu sammeln, die der Wald in reicher Fülle und kostenlos liefert, auch wenn ihr das Bücken mit ihren siebenundfünfzig Jahren schon schwerfällt.

    Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen.

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Fortsetzung folgt…

  • alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Drei Tage kommt er – Drei Tage bleibt er – Drei Tage geht er

    Bei diesem „Gast“ freuen wir uns nicht, wenn er seinen Besuch ankündigt. Um so mehr freuen wir uns, wenn er dann endlich wieder weg ist.

    Ich hoffe, dass Ihr von der überall herrschenden Erkältungswelle verschont geblieben seid, bzw. wünsche ich allen, die mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit kämpfen eine baldige Genesung. Wenn schon die viel gepriesenen Medikamente nur der Gesundheit der Pharmaindustrie dienen, hilft vielleicht bei der Gesundung der Blasius-Segen, der auch heute noch vielerorts am 3. Februar gespendet wird.

    Der Hl. Blasius (*316) war Bischof in Sebaste/Klein-Armenien. Zahlreiche Legenden erzählen von seinen Heilungen. Die bekannteste darunter ist, dass er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Deshalb wird er gegen Halsleiden angerufen.

    Am Tag vorher, dem 2. Februar, feiern wir Mariä Lichtmess. Früher war es nicht so leicht, einfach mal den Arbeitsplatz zu wechseln, wenn man sich schlecht behandelt fühlte, oder auch, wenn der Arbeitgeber nicht mit dem Dienstboten zufrieden gewesen sein sollte. Mariä Lichtmess war traditionell der Tag, an dem die Dienstboten, den Arbeitsplatz wechselten oder für ein neues Arbeitsjahr übernommen wurden. In jedem Fall, wurde ihnen das Geld für die geleistete Arbeit ausbezahlt. Wenn der Knecht oder die Magd für ein weiteres Jahr übernommen wurden, erhielten sie im allgemeinen zusätzlich zum Arbeitslohn neue Arbeitskleidung und -schuhe.

    Über das schon merklich längere Tageslicht sagt ein altes Sprichwort:

    „Zu Weihnachten ein Mückenschritt, zu Neujahr ein Hahnentritt,
    zu Heilig Drei König ein Hirschensprung und zu Mariä Lichtmess eine ganze Stund.“

    Aber welche Bedeutung hat Mariä Lichtmess in der katholischen Kirche?Lichtmess eines der ältesten Feste der christlichen Kirche, wurde um das Jahr 650 als Feiertag eingeführt und gedenkt der Darbringung Jesu im Tempel durch Maria und Josef gemäß jüdischem Gesetz, wo Simeon Jesus als “Licht der Völker” erkannte.

    Seit dem 11. Jahrhundert kam der Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozessionen auf. An Lichtmess wurden dann auch die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien gesegnet

    Ich erinnere mich daran, dass diese gesegneten Kerzenstöcke bei Gewitter angezündet wurden. Die ganze Hausgemeinschaft saß am Tisch und  betete darum, dass das Gewitter, Haus, Hof und Feld verschonen möge.

    Ein trügerisches Märchen

    Nicht nur die Erkältung hat viele von uns erwischt; auch die geopolitische Kälte hat uns in den letzten Wochen sehr zu schaffen gemacht. Manchmal könnte man an die Geschichte von Rumpelstilzchen erinnert werden: „heute back‘ ich, morgen brau‘ ich, übermorgen hol‘ ich der Königin ihr Kind“ oder mit neuem Text

     „heute fordere ich, morgen verzicht ich, übermorgen hol ich mir vielleicht doch noch das Inselchen oder vielleicht ein Land“. Nur ist der Tanz am Rande des Vulkans gefährlicher als der um ein Lagerfeuer. Hoffen wir, dass alle Beteiligten doch noch zur Vernunft kommen.

    Freuen wir uns also darauf, dass es in den nächsten Wochen von Tag zu Tag heller wird und vielleicht schon die ersten Schneeglöckchen oder Primeln unter dem Schnee hervorlugen.

    Mit den herzlichsten Grüßen
    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Tod von Pater H. Roman

    Tod von Pater H. Roman

    Abschrift aus der Nachricht:

    H. Roman wurde am 5. November 1924 als zweiter Sohn der Eheleute und Stiftsbediensteten Wenzel und Johanna Foissner in Hohenfurth im Böhmerwald geboren und auf den Namen Johann getauft, besuchte dort die Volks- und zwei Jahre lang die Bürgerschule, bevor er seinem um ein Jahr älteren Bruder Otto ans Jesuitenseminar Maria Schein in Nordböhmen folgte – eine Zeit, in der beide Buben von heftigem Heimweh geplagt wurden. Die sich ankündigen-
    den schlimmen Ereignisse brachten 1938 die Schließung des dortigen Gymnasiums, sodass sie in ihre Heimat zurückkehrten und dann das Gymnasium in Krumau besuchten; in dieser Zeit erlebten sie auch die Aufhebung des Zisterzienserstiftes Hohenfurth.
    Der Zweite Weltkrieg wurde für ihn nach der Kriegsmatura bestimmend für seinen weiteren Weg: vormilitärische
    Ausbildung in Karlsbad, danach Arbeitsdienst, Militardienst in Krumau, ferner in Agram (Zagreb) und anderen
    Kriegsschauplätzen in Jugoslawien, schließlich an der russischen Front. Da er sich weigerte, die Offiziersausbildung
    zu absolvieren, wurde er immer wieder an die vorderste Front gestellt und erlebte viele gefahrliche Situationen. Im Juli 1944 wurde er in den Pripjet-Sumpfen schwer verwundet und überlebte wohl nur, weil ein Kamerad aus Gurten ihn in Sicherheit brachte; der rechte Unterschenkel musste ihm amputiert werden. Damit war der Krieg für ihn zu Ende. Es folgten Aufenthalte in verschiedenen Lazaretten in Norddeutschland. Ende 1945 erreichte er die Heimat.
    Schon im September 1946 mussten er, seine Eltern und sein Bruder diese in Richtung Österreich verlassen – die diesbezügliche Aufforderung gehörte zu seinen wohlgehüteten Dokumenten; dieses schmerzhafte Ereignis blieb zeitlebens eine Wunde, und er schrieb einmal: „Die Vergangenheit holt mich gedanklich immer wieder ein.“

    Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Aufnahme in einem österreichischen Kloster zu finden, kamen er und sein Bruder auf Anraten eines Innviertler Priesters schließlich nach Reichersberg und wurden als Konrad und Roman am 20. Oktober mit einem weiteren Mitbruder ins Noviziat aufgenommen. Die theologischen Studien absolvierten sie an der Hauslehranstalt in St. Florian. Am 28. Juni 1951 wurden beide wegen einer Blinddarmentzündung von H. Ro-
    man, die mit Komplikationen verbunden war, von Bischof Fließer in dessen Privatkapelle zu Priestern geweiht. Schon als Jugendlicher hatte H. Roman Klavier und Orgel gespielt; diese Begabungen wurden erkannt, man ermöglichte ihm eine Ausbildung am Brucknerkonservatorium, und bereits 1954 übernahm er die Leitung der Liedertafel und des Reichersberger Kirchenchores, den er schließlich zu großen Erfolgen im In- und Ausland führte. Bis 1957 wirkte H. Roman dann als Stiftskaplan, im Jahr 1958 wurde ihm das Amt des Rentmeisters übertragen – eine schwierige Aufgabe, litt das Stift doch an drückenden Schulden. Nach schwierigem Beginn leitete er aber eine sehr fruchtbare Tätigkeit ein: defizitäre Betriebe wurden geschlossen, neue Möglichkeiten erschlossen: Erneuerung der Weinkellerei, Förderung des Fremdenverkehrs, vor allem aus dem Bäderdreieck, Pflege der Kirchenmusik, Reichersberger Sommer, zwei große Landesausstellungen (1974 und 1984), 1969 Errichtung des Bildungshauses im Nord- und Südtrakt. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass unter seiner Führung – großteils immer mit hauseigenen Kräften das gesamte Stift renoviert und auf den Stand der Zeit gebracht wurde; mit der ihm eigenen Zähigkeit und Ausdauer und trotz mancher gesundheitlicher Beschwerden schaffte er oft schier Unmenschliches. Nicht unerwähnt sei auch die Errichtung einer neuen, sehr guten Stiftsorgel durch die Fa. Metzler. Nicht zuletzt war er auch ein Förderer der Kunst und selbst ein guter Fotograf; um die Bilder besser bearbeiten zu können, schaffte er sich im Alter von 75 Jahren seinen ersten Computer an und entwickelte erstaunliches Geschick.

    Solange es ging, leistete er auch im hohen Alter noch gerne Seelsorgsaushilfen, z. B. im Kurhaus Schärding. Ein Oberschenkelbruch nach einem Sturz Ende November leitete seine letzte irdische Lebensphase ein. Uns bleibt der Dank für sein erfolgreiches Wirken – in die Stiftsgeschichte wird sein Wirken als Rentmeister, das 1991 endete, als eine Zeit großer Blüte eingehen. Er selbst hat an das Ende seiner biographischen Notizen die Worte geschrieben, die auch den Abschluss bilden sollen: „Deo gratias!“

    Wir beten für unseren verstorbenen Mitbruder am Mittwoch, 21. Jänner, um 19 Uhr in der Stiftskirche den Rosenkranz, am Donnerstag, 22. Jänner, versammeln wir uns um 945 Uhr
    zum Totenoffizium (Terz), feiern für ihn anschließend das Requiem und bestatten ihn danach auf dem Ortsfriedhof.

  • alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Hurra! Hurra! Das neue Jahr ist da!

    Dieses erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026
    möchte ich mit den allerbesten Wünschen für Euch und alle Eure Lieben beginnen.

    Und wie jedes Jahr fragen wir uns, was das Neue bringen mag. Ja, ein neues Jahr – 2026.

    Auch vor 80 Jahren – 1946 – haben unsere Eltern und Großeltern, und wohl auch einige von unseren älteren Landsleuten sich gefragt, was das neue Jahr bringen mag.

    In jenem Jahr begann in großem Stil die Umsetzung der auf der Potsdamer Konferenz endgültig beschlossenen Vertreibung der Deutschen aus der Heimat. Von Manchen etwas beschönigend als „Transfer“ oder „Odsun“ bezeichnet.

    Wie schwer mag es gefallen sein, Hab und Gut, das Vieh im Stall oder gar Maunzi, die Hauskatze zurückzulassen und mit einer schnell gezimmerten Kiste oder ein paar „Binckeln“ die Reise ins Unbekannte anzutreten.

    Meine Eltern hatten dabei noch Glück, denn mein Vater konnte noch ein bisschen Werkzeug zu meinen erlaubten 50 kg Ausreisegepäck einpacken. In meinem Alter von vier Monaten besaß ich außer ein paar Windeln, einer Stoffpuppe und meinem Kinderwagen nichts.  Der allerdings wurde im Lager Kaplitz als nicht zur Ausfuhr zugelassenes Gut konfisziert. Selbst dieses spärliche Reisegepäck war vor Plünderungen nicht sicher.

    Endlich nach einer Woche im Lager in Furth im Wald angekommen, ging’s erst einmal in Wolken von DDT Pulver zum Entlausen.

    Schließlich, nach einer weiteren Woche im Lager Mainburg kamen wir, d.h. meine Eltern, meine beiden schon erwachsenen Schwestern, Großmutter und ich, bei einem sehr guten Bauern in Grafendorf in der Hallertau an, wo wir alle in der „guten Stube“ untergebracht wurden. Alle anderen Räume waren schon mit Flüchtlingen aus Schlesien belegt. Für die nächsten Jahre fanden wir also in der Hallertau unsere vorläufige und danach in Germering unsere endgültige neueHeimat.

    Für das Ausleben der Wehmut hatten die Menschen damals keine Zeit. Oftmals waren die Männer im Krieg gefallen, vermisst oder noch in Gefangenschaft, so dass viele Frauen mit oft fünf oder mehr Kindern auf sich alleine gestellt waren.

    Es hieß also „Ärmel aufkrempeln und anpacken“ . Bürgergeld, Hartz IV oder Grundsicherung waren Worte, die damals noch nicht erfunden waren. Und Sozialfürsorge? Gott bewahr! Diese Schande wollte man sich nicht antun. Aber gerade durch diese Zähigkeit, die den Böhmerwäldlern nachgesagt wird, sind wird endgültig auch bei den Einheimischen  „angekommen“ und jeder hat in relativ kurzer Zeit eine wirkliche neueHeimat gefunden.

    Bei all diesen Überlegungen erinnerte ich mich an ein  Gedicht von Theodor Fontane mit dem unser Lehrer uns quälte. Zwei Strophen daraus scheinen mir zum heutigen Thema „neues Jahr“ und „Zukunft“ sehr passend und ich möchte sie hier wiedergeben.

    Gerade die zweite Strophe möchte ich allen Malschingern, den Malsching-Freunden und allen Lesern der homepage von glaubeundheimat.de ans Herz legen. Denkt daran, in weniger als acht Monaten, vom 21. bis 23. August möchten wir beim Pfarrtreffen in Malsching wieder die Gläser klingen lassen und alte Freunde an der Hand fassen.

    Ich bin gerade dabei, für den Samstagsausflug ein paar interessante Punkte zu sammeln. In einem der nächsten neueHeimat-Blätter werde ich wohl schon Näheres darüber berichten können. Wir freuen uns, wenn auch Nicht-Malschinger zu unserem Treffen kommen. Es ist immer sehr kurzweilig und es wurden sogar schon verwandtschaftliche Verbindungen entdeckt, die bisher unbekannt waren.

    Bankverbindung für Spenden

    Bei der Einrichtung der neuen Homepage von Glaube und Heimat haben wir bedauerlicher-weise etwas Wichtiges vergessen: Es gibt nirgendwo ein Anmeldeformular als Neumitglied zum Verein Glaube und Heimat eV noch einen Hinweis auf die Kontoverbindung.

    Erst als die Spender ihre vorgesehenen Weihnachtsspenden nicht überweisen konnten, wurden wir darauf aufmerksam gemacht. Sowohl die Kontonummer der Raiffeisenbank Altmühl-Jura eG (GENODEF1GDG) DE96 7606 9462 0002 5260 00 als auch ein Anmelde-formular stehen jetzt in der Homepage.

    Wir würden uns sehr freuen, wenn die Leser der Homepage glaubeundheimat.de, die sich noch nicht als Mitglied registriert haben, anmelden.

    Selbstverständlich dürft Ihr aber auch jetzt noch Eure Spende überweisen. All Jene, die durch Eure Spende das Jahr über bedacht werden, danken Euch dafür. (Siehe auch Brief von Bruder Bernhard.)

    Mit den besten Glückwünschen für ein gesundes, freudvolles und friedvolles Jahr an die Geburtstagskinder, ebenso wie an alle Leser dieses Berichtes, beende ich das erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026.

    Mit herzlichen Grüßen

    Gerdy Hecker-Pischulti