Kategorie: Aktuell

  • Fortsetzung von Sybillas Weg (05/26)

    Sybilla schreckte aus dem Schlaf. „San do heid nid a poar von dej rauha Gsölln im Woid unterwejgs gwejn?“ Sie überlegte fieberhaft, aber es wollte ihr einfach nicht mehr einfallen. Sie war aber auch gar nicht ganz wach geworden und schlief gleich wieder ein und träumte den schönen Traum ihrer Jugend weiter.

    Vater hatte noch ein Stückchen Land dazugekauft, weil er jetzt ja eine große Familie hatte; Vater, Mutter und neun Kinder.  Die Kinder waren mittlerweile schon groß und der Vater alt und gebrechlich geworden.

    Joannes der älteste Bruder und drei Jahre jünger als Sybilla, ist schon seit fast zwanzig Jahren mit Ursula verheiratet, der Tochter von Pauli und Maria Proll aus Stüblern, wo ihr Vater Richter war. Es war eine schöne Hochzeit, am Freitag nach Lichtmess im Jahr 1711.

    Das war in dem Jahr, als in Wien der Kaiser Joseph I. gestorben ist und sein Bruder Karl VI neuer Kaiser wurde. Im gleichen Jahr haben auch die Russen einen Krieg gegen die Türken geführt. Die Schlachten haben sich sogar bis nach Rumänien hin gezogen. Ein paar Burschen aus dem Böhmerwald sollen angeblich für den Zar gekämpft haben.

    Nach der Hochzeit hatte Vater dem Joannes den Hof übergeben. Sieben Jahre später, am Johanni-Tag, ist Vater verstorben. Er war um die siebzig Jahre alt. Mutter hat noch vier Jahre gelebt und ist nach der Kartoffelernte, so wie die meisten Frauen, an Wassersucht mit vierundsiebzig Jahren verstorben.

    Sybilla und ihr Bruder Hyacinthus, den alle nur Zintl nannten und der zehn Jahre jünger ist als sie, haben nie geheiratet und sind als Magd und Knecht auf dem Hof beim Bruder geblieben.

    Sybilla mangelte es nicht an Burschen, die ihr den Hof machten. Aber Vater konnte für Sybilla keine Mitgift mehr aufbringen und das Muttergut ihrer Mutter Agneta war aufgezehrt. Es galt deshalb, zuerst die Kinder aus der zweiten Ehe zu verheiraten.

    Sybilla und Zintl sind genügsam und brauchen nicht viel. An den hohen Feiertagen gehen sie manchmal nach Friedberg oder sogar nach Hohenfurth oder Rosenberg, wenn dort ein Markttag abgehalten wird. Meistens bleibt es aber beim Anschauen und Staunen über die vielen schönen Sachen, die dort in den Buden  gezeigt werden. Zintl kaufte  mal für sich selbst und für Joannes eine Pfeife und Sybilla hat für Ursula, ihre Schwägerin, ein Kopftuch gekauft und für ihre Neffen und Nichten Naschwerk mitgebracht.

    Mit Ursula gab es deshalb schon Reibereien, besonders wenn sie die Kinder zu sehr verzog. Als Catharina, die älteste Tochter ihres Bruders, geboren wurde, war Sybilla schon beinahe 40 Jahre alt. Besonders Adamus, ein aufgeweckter, lustiger und gescheiter Bub der einmal den Hof übernehmen sollte, war ihr sehr ans Herz gewachsen.

    Im Abstand von drei, vier Jahren folgten Magdalena, Johannes und Apolonia.

    Jetzt fielen ihr auch wieder ihre eigenen Geschwister ein. Was mag aus denen geworden sein? Das waren jetzt auch schon alte Leute.

    Sophia und Ephemia haben geheiratet. Es wollte ihr aber nicht einfallen, wen sie geheiratet haben. Sicherlich einen Burschen aus einem weiter entfernten Ort, denn sie hat sie bei ihren sonntäglichen Kirchgängen nie mehr gesehen.

    Die Ursula hat den Udalricus Valenti geheiratet und wohnt jetzt in Mörowitz. In der Kirche sieht sie sie nicht, denn die gehen in ihre eigene Pfarrkirche nach Friedberg. Sie besuchen sich aber wenigstens zwei oder drei Mal im Jahr, weil der Ort nur eine gute halbe Stunde Fußmarsch entfernt ist.

    Auch die Maria besucht sie manchmal an hohen Feiertagen. Sie hat in der Kirche in Friedberg den Bauernsohn Urbani Payr von Nachles geheiratet. 

    Als Sybilla aus ihrem Dämmerschlaf erwachte, war es schon dunkel geworden und vereinzelt blinkten Sterne durch das dichte Dach, das die Tannen bildeten. Seit Tagen schon ging Sybilla in den Wald um von den Bäumen die trockenen Zweige abzu-schlagen und unter dem Schnee nach Brennholz zu suchen. Sie hatte schon einen großen Stapel am Waldesrand aufgebaut, den sie in ihrer Bugelkraxn heimtragen wollte.

    Es ist ja nicht so weit nach Hause, nur eine knappe halbe Stunde. Jetzt fror sie auch nicht mehr so stark. „Nea a kloans Weilei no nofizn  und oft geh i hoam“ dachte Sybilla, und schon fiel sie wieder in Schlaf.

    Ihr Bruder Petrus erschien noch in Sybillas Traum. Das war ein rechter Hallodri. Er ging gerne zum Tanzen und war hinter jedem Weiberrock her. Als er schon fünfunddreißig Jahre alt war, hatte er ein Auge auf die Eva vom Gangl geworfen, die ein Kind bekam, das auf  den Namen Urbanus getauft wurde. Wenigstens hat er sich zu dem Kind bekannt, damit dem armen Wurm in der Taufmatrik nicht ein unbekannter Vater eingetragen werden musste.

    Viele junge Frauen, besonders unten in Friedberg,  haben in dieser Zeit illegitime Kinder von demissionierten Soldaten bekommen, von denen sie nicht einmal den Namen kannten und die bald wieder verschwunden waren.

    Der Petrus ist jetzt schon dreiundfünfzig und verdingt sich im Sommer als Knecht bei den Bauern und im Winter arbeitet er als Holzhauer im Wald, der dem Grafen gehört. Im letzten Winter entging er knapp dem Tode, als ihn ein umstürzender Baum streifte, weil er nicht mehr schnell genug zur Seite springen konnte. Für sein Alter ist er aber noch gut beisammen und wird bestimmt mal steinalt.

    Andreas, der Vetter vom Vater, hatte die Ursula eine Tochter vom Pauli und der Maria Pomoißl  aus Weijlas geheiratet. Sybilla wusste schon, dass der Pfarrer und die Brüder im Kloster den Namen Weijlas anders schrieben. Wie genau, das wusste sie aber nicht mehr. Obwohl der Vater ihr ein bisschen lesen und schreiben beibrachte, hat sie vieles vergessen, weil sie es nie mehr gebraucht hat.  Aber das ist nicht so schlimm, denn sogar der Herr Pfarrer nimmt es mit den Buchstaben nicht so genau und macht beim Schreiben oft Fehler. Vater hat auch gesagt, dass manch einer der Pfarrer oft vergessen hat, etwas in der Matrik einzutragen, besonders wenn viele Hochzeiten, Taufen oder Sterbefälle waren.

    Andreas und Ursula hatten ein Söhnchen, Christophorus mit Namen. Das Kindchen ist aber schon nach drei Tagen verstorben. Wahrscheinlich hatte es auch die Frais, so wie alle Kinder zu dieser Zeit. Die Ursula ist dann zwei Jahre nach dem Kind gestorben und der Andreas hat wieder geheiratet; die  Barbara vom Urbani und der Apollonia Gstettner. Die hatten aber keine Kinder mehr bekommen. Der Vetter Andreas ist auch schon seit ein paar Jahren tot. Jetzt ist die ganze Familie, die vom Vincentius-Onkel abstammt, ausgestorben.

    Fortsetzung folgt im nächsten neueHeimat-Blatt.

  • alterGlaube & neueHeimat – Mai 2026

    alterGlaube & neueHeimat – Mai 2026

    Mai, mit diesem Wort verbinden wir hauptsächlich positive Gefühle. Der April mit seinen Wetterkapriolen und Schwankungen zwischen Nachtfrost und Hochsommertemperaturen ist zu Ende, Bäume und Sträucher stehen in voller Blüte und die Maiglöckchen verströmen ihren unvergleichlichen Duft. Am Morgen werden wir von den Sonnenstrahlen und Vogelgezwitscher geweckt.

    Die ersten Frühnachrichten im Radio bringen uns aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Schreckliche Unfälle haben sich in der Nacht ereignet, endlose Staus an den Zufahrtsstraßen zu den Städten, denn eine der zahlreichen Gewerkschaften hat wieder einmal zum Streik aufgerufen und den gesamten öffentlichen Verkehr lahm gelegt.  Ganz zu schweigen von dem nicht enden wollenden Krieg in der Ukraine und dem von größenwahnsinnigen  Machtmenschen neu entfachten Krieg im nahen Osten.

    Wie wohl klingt es in den Ohren, wenn man hört, dass der Lieblingsfußballverein wieder mal gewonnen hat oder sogar bis in die Finalrunde kommt. Wir freuen uns  auch darüber, dass die eine oder andere Kommunal- oder internationale Wahl zur eigenen Zufriedenheit ausgegangen ist oder der Benzinpreis nur noch einmal am Tag erhöht werden darf. Von Preissenkungen habe ich persönlich aber noch nichts mitbekommen.

    Dann denken wir auch noch an den 8. Mai vor 81 Jahren. Wie sehr hatte man sich gefreut, dass der Krieg endlich zu Ende war. An die schrecklichen Ereignisse die danach folgten wagte damals keiner zu denken.

    Einladung zum Malschinger Pfarrtreffen vom 21. bis 23. August

    Sicherlich habt Ihr Alle den Termin schon seit langem vorgemerkt. Ich habe die Zeit genutzt, um für Samstag ein interessantes Ausflugsziel zu finden, das verkehrsmäßig einfach erreichbar ist.

    Voraussichtliches Programm

    Freitag,  21. August

    Ich möchte aber erst mal mit den schon am Freitag Früh-Ankommenden beginnen. Die im vergangenen Jahr durchgeführte Fahrt mit dem Schlauchboot von Hohenfurth nach Rosenberg hat bei allen Beteiligten großen Anklang gefunden. Von vielen Seiten wurde ich gebeten, auch dieses Jahr wieder so eine Fahrt zu organisieren. Das mache ich gerne, wenn das Wetter so gut mitspielt wie im vergangenen Jahr. Auch wenn das erst sehr kurzfristig entschieden werden kann bitte ich doch darum, mir bis zum 15. Juni Bescheid zu geben, wer sich dieses Jahr auf große Fahrt begeben möchte. Die Fahrt würde dann wieder so gegen 14:00 Uhr beginnen, mit Abholung am Hotel Šumava in Hohenfurth.

    Für all jene, die erst im Laufe des Nachmittags oder auch erst abends ankommen ist kein gemeinsames Abendessen geplant. Der eine oder andere hat schon unterwegs gegessen oder war bei Bekannten eingeladen.  Das erste Zusammentreffen findet dann ab 18 Uhr im Hotel Šumava statt. Selbstverständlich ist unser immer gastfreundlicher Wirt Jiři auf die individuellen aufkommenden „Hungerzeiten“ vorbereitet, und freut sich, wenn er uns auch schon am Freitag mit festen und flüssigen Speisen bewirten darf. Bei schönem Wetter im Biergarten, ansonsten in der Gaststube.

    Samstag, 22. August

    (Foto: Gisela Gensch – Titelbild des Buches)

    Wie immer, ist dieser Tag unseren Ausflügen vorbehalten. In diesem Jahr werden wir tief in die Vergangenheit unserer Heimat eintauchen, vom 16. Jahrhundert bis in unsere Tage. Auf der Suche nach einem interessanten Ausflugsziel fiel mein Blick auf das Buch „Das Bautnerhaus“  von Gisela Gensch, die auch das vielen von uns ebenfalls bekannte Buch „Kranewitter“ verfasst hat. Über mehrere Umwege ist es mir gelungen, mit Herrn Penner, dem derzeitigen Eigentümer des Bautnerhauses in Piberschlag Kontakt aufzunehmen. Obwohl das Haus Privateigentum und kein öffentliches Denkmal ist, ist er bereit uns die Besichtigung dieses Juwels der Vergangenheit zu erlauben.

    Wer die oben zitierten Bücher schon gelesen hat, kann sich in etwa vorstellen, was uns erwartet und wie stark die Geschichte des Bautnerhauses mit der eigenen Vergangenheit im Böhmerwald verbunden ist. Ich will aber jetzt nicht vorgreifen und lasse Euch neugierig bis zum Besuch des Bautnerhauses.

    Herr Penner erwartet uns am Samstag, den 22. August um 14:00 Uhr vor dem Bautnerhaus in Piberschlag Nr. 6.

    Wir können also gemütlich frühstücken oder zu Mittag essen. Nach Piberschlag kommen wir von Hohenfurth aus in etwas weniger als einer halben Stunde am besten über Heuraffel-Gugelwald oder auch über Bad Leonfelden–Vorderweißenbach. Eine genaue Wegbeschreibung kommt mit dem nächsten neueHeimat-Blatt.

    Sonntag, 23. August

    Der erste Teil des Sonntags verläuft in bekannter Weise.

    10:00 Uhr Gottesdienst in der Pfarrkirche und anschließend Totengedenken am Friedhof

    Mittagessen in der alten Schule.

    Hier kann sich jedoch noch eine  Änderung des zeitlichen Ablaufes ergeben …
    …weil ein besonderes Highlight vorgesehen ist.

    Bürgermeister Jan Dojčar hat bei seiner Recherche zur Geschichte von Malsching herausgefunden, dass es in der Malschinger Kirche eine sehr wertvolle Holzskulptur aus Anfang des 16. Jahrhunderts gab. Wann und wie diese Malschinger Madonna in das Museum nach Prag verbracht wurde, ist derzeit nicht bekannt.

    Auf jeden Fall war Herr Dojčar stark interessiert, diese Madonna wieder in ihren Heimatort zurückzuführen. Natürlich nicht als Original, sondern als maßstabsgetreue Kopie aus dem 3-D-Drucker.

    Im Rahmen unseres Malschinger Pfarrtreffens soll diese wirklich sehr schöne Plastik auch den ihr gebührenden kirchlichen Segen erhalten.

    Über diesen wesentlichen Hauptteil unseres diesjährigen Treffens werde ich im nächsten neueHeimat-Blatt Näheres berichten.

    Ich hoffe, dass diese ersten Informationen Euch schon so neugierig auf das Treffen gemacht haben, dass alle Leser des Berichtes, ob Malschinger oder Nicht-Malschinger, zum Treffen kommen werden.

    Und wie immer ein organisatorisches Thema, das zur Planung erforderlich ist.

    Ich bitte um Anmeldung bis 15. Juni

    • für die Schlauchbootfahrt am Freitag
    • für den Ausflug zum Bautnerhaus am Samstag
    • für das gemeinsame Abendessen am Samstagabend

    Viele Besucher des Treffens werden erst am Sonntag anreisen. Ihr wisst, die Kirche bietet Platz für alle, der Wirt sollte aber doch wissen, für wie viele Gäste er das Mittagessen planen soll. Für das Mittagessen am Sonntag reicht die Anmeldung bis zum 15. Juli.

    Bitte benutzt für die Anmeldung nach Möglichkeit meine e-mail: g-hecker@t-online.de

    Auf Euer Kommen freuen sich Euer Kanonikus Siegfried Weber und Gerdy Hecker-Pischulti, senden Euch die herzlichsten Grüße und wünschen Euch einen fröhlichen Tanz in den Mai.

  • alterGlaube und neueHeimat – April 2026

    alterGlaube und neueHeimat – April 2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching,

    Palmsonntag, die Karwoche und Ostern

    Es ist Zufall, dass in diesem Jahr die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit zeitgleich auf den Palmsonntag (29. März) fiel. Dennoch steckt dahinter, wenigstens für mich, ein bisschen Symbolik. Hat der Palmsonntag nicht auch für die Menschen eine Umstellung, hin zu mehr Licht, bedeutet?

    Wir alle kennen die Ereignisse vom Palmsonntag bis zur Auferstehung von Jesus Christus an Ostern. Deshalb will ich hier nicht die christliche Ostergeschichte wiederholen, sondern mich auf die weltlichen Sitten und Bräuche konzentrieren.

    Palmesel: Beginnen wir gleich am frühen Morgen des Palmsonntags. Wer als Letzter der Familie aus dem Bett kommt, wird als „Palmesel“ bezeichnet. Aber warum? Seit dem Mittelalter werden vielerorts Prozessionen abgehalten, bei denen eine Holzfigur, die Jesus darstellt, auf einem Esel mitgeführt wird. Der Letzte, der zur Kirche kam wurde verspottet und als „fauler Esel“ bezeichnet der hinter dem Esel herlaufen musste. Wer war bei Euch der Palmesel?

    Palmweihe: Beim Gottesdienst in der Kirche wurden die „Palmbuschen“, Sträußchen aus den bereits erblühten Palmkätzchen/Weidenkätzchen geweiht. Diese wurden dann als Schutzbringer zuhause unter das Kreuz gesteckt, um das Haus vor Unglück zu schützen.

    Es gibt auch den Brauch, dass einige der Palmkätzchen dem Vieh unter das Futter gemischt wurden oder ein Zweig aus dem Palmbuschen am Ostersonntag mit einigen Eierschalen auf den Feldern verteilt wurden. Das sollte das Vieh und die Feldfrüchte schützen.

    Palmburschen: Sehr beeindruckend muss es auch gewesen sein, wie in Malsching der Palm-sonntag gefeiert wurde. Schon tagelang waren die Burschen des Ortes damit beschäftigt, die Palmkätzchenzweige in großen Bündeln zusammen mit bunten Bändern auf lange Stangen zu binden, um damit in die Kirche einzumarschieren und sich neben dem Altar aufzustellen. Es war ein regelrechter Wettbewerb, wer den höchsten Palmbuschen vorweisen konnte. Was als Siegprämie ausgelobt wurde, ist mir nicht überliefert worden. Vielleicht ein Freibier im neben der Kirche liegenden Gasthaus? Hat Jemand Fotos von den Palmburschen?

    Am Palmsonntag beginnt die Karwoche

    Gründonnerstag, der fünfte Tag der Karwoche ist nach der Überlieferung der Tag des letzten Abendmahls das Jesus zusammen mit seinen Jüngern eingenommen hat. Nach der Überlieferung gab es Brot und Wein. Bei uns ist es üblich, dass am Gründonnerstag grüne Speisen, überwiegend Spinat, Salat, grünes Gemüse oder grüne Kräutersaucen gegessen werden.

    Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ wird in vielen Ländern unterschiedlich benannt. Besonders in Süddeutschland und auch in Tschechien  wird der Name Gründonnerstag verwendet wobei sich die Bezeichnung „grün“ nicht unbedingt auf die Farbe grün bezieht und unterschiedliche Bedeutungen haben kann.  Im süddeutschen/österreichischen  Sprachraum führen wir die Bezeichnung eher auf die alt- und mittelhochdeutschen Worte grinan, grinen, greinen (weinen) zurück.

    Als kirchlicher Brauch werden von Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht die Altäre mit schwarzen Tüchern verhängt und keine Glocken geläutet. Sie „fliegen nach Rom“, wie man sagt.

    Die Karwoche war eine schöne Zeit für die „Ratschnbuam“ (Ratschn sind Holzklappern). Diese gab es in den verschiedensten Formen, zum Schieben oder als Handrasseln. Nicht nur beim Gottesdienst wurden sie von den Ministranten anstatt der Altarglöckchen benutzt, sondern die Buben zogen damit von Haus zu Haus und sagten ihre Sprüche auf, damit sie von den Hausfrauen mit Eiern, Osterfladen oder sonstigen Leckerbissen belohnt wurden. Aus den Erzählungen meine Eltern ist mir in Erinnerung:

    „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss“.

    Der Karfreitag ist nach der christlichen Fastenordnung ein strenger Fast- und Abstinenztag. An diesem Tag wird auf Fleisch verzichtet. Das traditionelle Essen am Fretag ist Fisch. Am Karfreitag gedenken wir des Todes von Jesus Christus. Der Tag wird als „stiller Feiertag“  bezeichnet, an dem keine laute Musik, Tanzveranstaltungen oder sonstige Belustigungen erlaubt sind. Der Karfreitag ist kein Feiertag in Österreich und  einigen anderen Ländern.

    Der Karsamstag ist kein gesetzlicher Feiertag, wird jedoch als Tag der Grabesruhe ebenso weitestgehend ruhig verbracht.

    weitestgehend ruhig verbracht.

    Das Osterfeuer – Sieg des Lichts über den Tod.- Christus als „Licht der Welt“. –

    In der Nach von Karsamstag auf Ostersonntag wird vielerorts auf dem Kirchenvorplatz das Osterfeuer entzündet und die Osterkerze geweiht. Nach dem Erlöschen des Feuers wird die Kerze zum Auferstehungsgottesdient in die Kirche getragen.

    Ostern ist für uns Christen das Fest des Lichts, symbolisch als Sieg des Lichts über den Tod.

    In der Osterzeit bis Pfingsten wird die Kerze zu allen Gottesdiensten entzündet.

    Aber auch während des Jahres wird die Kerze zu Taufen und Trauerfeiern  als Symbol des Lichtes benutzt. Wie wir alle wissen, stehen die Zeichen

    Α (Alpha) und Ω (Omega) sowohl für Anfang als auch für Ende.

    Der Ostersonntag wird als Feier- und Freudentag gefeiert. Die Fastenzeit ist zu Ende und in vielen Familien wird richtig festlich „aufgetischt“. Zuerst gehört die Zeit jedoch den Kindern. „Auf geht’s zum Ostereier suchen“! Unter Büschen und Sträuchern im Garten – sofern vorhanden – oder in der Wohnung wird unter Bett und Couch nach dem Osternest gesucht. Der kalorienreiche Tag beginnt schon bei einem reichhaltigeren Frühstück als an normalen Sonntagen. Wer den Auferstehungsgottesdient besucht hat, kann zum Morgenkaffee die beim Ostergottesdient geweihten Schinken, Eier, Hefefladen, Brot und Salz genießen. Geübte Bäcker erfreuen ihre Liebsten aber auch mit einem selbstgebackenen Osterlämmchen aus Biskuitteig.

    Ich erinnere mich, dass ich als Kind zusammen mit anderen Kindern am Ostermontag einen Emmausgang zur nahegelegenen „Lourdesgrotte“ am Kirchberg unternommen habe. Ich erinnere mich auch, dass meine Eltern vom Emmausgang erzählten. Wo der wohl hin ging? Auf den Turmberg? Wer von Euch weiß, wohin die Malschinger gepilgert sind?

    Ob Goethe wohl an den Emmausgang dachte, als er das Gedicht „Osterspaziergang – Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ in sein meistbekanntes Werk  „Faust“ einfügte?

    Warum gibt es zu Ostern Eier und Hasen? Das Ei steht symbolisch für neues Leben, das aus einer harten Schale schlüpft. Der Osterhase gilt als Frühlingsbote und steht ebenfalls für Fruchtbarkeit und Leben.

    Eine alte Bauernweisheit behauptet:

    „Ist es am Gründonnerstag weiß, wird der Sommer heiß“.

    oder

    Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee.

    Wo immer wir auch die Ostereier suchen, ob im Schnee oder in der Blumenwiese …

    … wünsche ich uns allen, den Pfarrangehörigen und Freunden von Malsching ein fröhliches, friedliches  und gesegnetes Osterfest.

    Eure Gerdy Hecker-Pischulti

  • Landeanflug eines Schwans

    Landeanflug eines Schwans

    Danke an Erna Hauber für das Bild.

  • Fortsetzung von Sybillas Weg

    Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen…

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Im Sommer gab es besonders viel Arbeit, denn zusätzlich zur Haus- und Stallarbeit war noch die Arbeit auf den Feldern zu bewerkstelligen. Auf dem langen schmalen Feld, das direkt am Berghang lag, wurden im jährlichen Wechsel Kartoffel und Korn angebaut und im großen Feld, gleich hinter dem Haus wurden Rüben gepflanzt und Gerste. Diese hat Vater an einen Händler in Friedberg verkauft, der sie weiterlieferte an die große, schon fast fünfhundert Jahre alte Brauerei in Budweis. Von dort kam das gute Bier, von dem am Samstag Sybilla für den Vater im Gasthaus immer einen großen Krug voll holte. Und die Kinder durften dann auch einen Schluck davon trinken.

    Abends, wenn es dunkel wurde, hat Mutter den Kienspan angezündet und in den Eisenring gesteckt, der an der Wand neben dem Herrgottswinkel angebracht war. Dann gab es das Abendmahl.

    Die Mutter hat auf dem oberen Feld Flachs angebaut, gesponnen und daraus feines Leinen gewebt, aus dem sie für die Mädchen Kleider und Schürzen genäht hat und Hemden für die Buben.  

    Schon seit Sybilla ein junges Mädchen war, ist für sie im Winter das Federnschleißen die lustigste Beschäftigung. Die Frauen und die jungen Mädchen treffen sich immer abwechselnd bei den einzelnen Bauern, singen mit Vorliebe das Lied von der Wuida auf die die Sonne so guida scheint, lachen dabei und die jungen Mädchen überlegen schon, welcher Bursche zu Ostern ein schön geritztes Scheckl bekommt. Vielleicht findet sich dann auch der passende Heiratskandidat.

    Die festen Federkiele werden dem Pfarrer und den Zisterzienserbrüdern im Kloster verkauft, damit sie daraus Schreibfedern machen können.  Vater hat gesagt, dass es im Kloster einen großen Saal gibt, der voll ist mit schönen handgeschriebenen Büchern und auch solchen, die schon auf einer Maschine gedruckt wurden.  Es sind schon so viele, dass bald eine neue Bibliothek gebaut werden muss.

    Wir haben nur die Bibel, aus der Vater uns am Abend vor dem Schlafengehen vorlas.

    Für Vater haben wir auch ein paar Federkiele aufgehoben. Er war sehr klug und konnte lesen und schreiben und sogar rechnen. Das musste er als Zimmerer können. Das hat er beim Pfarrer gelernt, denn eine Schule gab es zu seiner Kinderzeit noch nicht.

    Diese wurde erst sieben Jahre nach Sybillas Geburt, oben im Pfarrdorf, neben der Kirche gebaut. Vater schickte die Kinder aber nicht hin, einmal weil der Weg so weit ist und vor allem, weil sie immer mit irgend einer Arbeit beschäftigt waren und keine Zeit hatten. Für die Mädchen ist es  sowieso nicht notwendig, meinte er, weil sie heiraten und sie dann das Gelernte nicht mehr brauchen. Vater hat den Kindern aber trotzdem das Buchstabieren beigebracht, damit sie in der Bibel lesen können und er hat ihnen gezeigt, wie sie ihren Namen zu schreiben haben. Auch ein bisschen Rechnen hat er ihnen beigebracht, damit die Händler, die immer in das Dorf kamen, oder die durchziehenden Hausierer sie nicht betrügen können.

    Nur Hannes, der einmal den Hof erben sollte, durfte im Winter, wenn nicht so viel Arbeit war, die Schule besuchen.

    Vater hat viel gewusst und konnte viel erzählen. In seiner Jugend, als er auf der Walz war, kam er weit im Land herum, sogar bis Wien, Bayern, Tirol und Prag.

    Am besten gefiel Sybilla wenn er von der Prinzessin Maria Theresia in Wien, die später mal Kaiserin werden wird, von König Ludwig XIV. in Frankreich, Peter dem Großen in Russland und dem Alten Fritz aus Preußen erzählt, die in prächtigen Schlössern wohnen.

    Sybilla konnte sich das gar nicht richtig vorstellen. Sie sollen angeblich viel schöner und größer sein als die Schlösser in Krummau und Rosenberg, die sie schon ein paar Mal gesehen hat, wenn sie dort auf dem Markt war.

    Alle diese Neuigkeiten hat er von den durchziehenden Fremden gehört, wenn er unten in Friedberg war.

    Gerade neulich hat er auch gehört, dass der Kaiser Karl VI. schon wieder Streit hat mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm und der junge russische Zar Peter II. der jetzt in St. Petersburg regiert, zankt sich mit den Türken.

    Immer wieder streitet sich ein Land mit dem anderen, und immer wieder wird das Volk hineingezogen. Hoffentlich gibt es keinen neuen Krieg.

    Manchmal kann man schon wieder wilde Soldatenhorden beobachten, die unten durch das Moldautal ziehen. Aber herauf, auf den Berg, kommen sie selten. Man erzählt sich, dass sie oft ganz schreckliche Dinge anstellen, brandschatzen, plündern und morden.

    Sybilla schreckte aus dem Schlaf. „San do heid nid a poar von dej rauha Gsölln im Woid unterwejgs gwejn?“ Sie überlegte fieberhaft, aber es wollte ihr einfach nicht mehr einfallen. Sie war aber auch gar nicht ganz wach geworden und schlief gleich wieder ein und träumte den schönen Traum ihrer Jugend weiter.

  • alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Die närrische Zeit, Fasching, Karneval, Fasnacht oder wie immer sie in den verschiedenen Regionen genannt wird, ist seit zwei Wochen vorbei und wir finden uns schon in der Fastenzeit.

    Jesus und wir – was unterscheidet uns in der Fastenzeit?

    Fastenzeit – der eine oder andere von uns ist in permanenter „Fastenzeit“ um die in der Weihnachtszeit sich auf den Hüften und am Bauch festgesetzten Vanillekipferl oder Christstollen wieder los zu werden. Unsere Gedanken gelten der eingemotteten Sommergarderobe ob diese noch passt. Erst in sechs Wochen wird die Waage uns den Erfolg zeigen. Inzwischen werden wir oft von vielen kleinen Teufeln geplagt, die uns den einen oder anderen Genuss schmackhaft machen wollen. Nur die wenigsten können der Versuchung  widerstehen.

    Machen wir uns aber auch einen Gedanken, was die Fastenzeit wirklich bedeutet?

    Für viele der Religion abgewandten Menschen ist die biblische Bedeutung unbekannt.

     Auch Jesus hat nach seiner Taufe vierzig Tage in der Wüste mit Fasten verbracht. Sein „fasten“ bezog sich weniger auf die leiblichen Genüsse sondern eher auf die innere Einkehr und Rücksprache mit Gott. Auch Jesus wurde vom Teufel heimgesucht, der ihm alle Reichtümer der Welt versprach, wenn er ihn statt Gott anbete. Jesus hat den Versuchungen widerstanden.

    Für die frühen Christen gab es sehr viele verbotene Speisen, auf die man verzichten musste,

    jedoch war es nicht so streng wie bei Jesus, der 40 Tage weder gegessen noch getrunken hat.

    Heute geht es mehr um den bewussten Verzicht auf Gewohnheiten anstatt um strenge Verbote. All diese Verzichts-Vorgaben sind für uns Christen kein MUSS  sondern ein SOLL.

    Trotzdem schadet es keinem von uns für einen bestimmten Zeitraum auf das Schnitzel, Schweinebraten, Tortenstücke oder sonstiges Liebgewordenes zu verzichten. Das Fasten muss sich nicht unbedingt auf Essen und Trinken beziehen. Unseren Kindern oder Enkeln fällt der Verzicht auf Handy und Social Media Konsum schon schwerer.

    Das Fasten in anderen Religionen

    Zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit hat für Muslime am 18. Februar deren Fastenzeit Ramadan begonnen, die 30 Tage bis zum 20. März dauert. Deren Verzichtsvorgaben sind für gläubige Muslime um ein Vielfaches umfangreicher und strenger und eine absolute MUSS-Vorschrift.

    Die Juden feiern vom 1. bis 9. April das Pessach Fest, das ebenfalls mit vielen strengen Fasten- und Verzichtsvorschriften behaftet ist. Pessach ist jedoch eher mit dem christlichen Ostern als Freudenfest vergleichbar. Die Juden feiern die Beendigung aus der Sklaverei und den Auszug aus Ägypten, wogegen wir Christen die Auferstehung Jesu feiern.

    Dies waren meine ganz persönlichen Gedanken zur Fastenzeit und sollen nicht als „Wort zum Sonntag“ gesehen werden.

    Sudetendeutscher Tag 2026 in Brünn (Brno)

    Der 76. Sudetendeutsche Tag findet vom 22. bis 25. Mai 2026 (Pfingsten) erstmals in der Tschechischen Republik, in Brünn (Brno), statt. Unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“.

    Begegnung – ja das würden wir alle uns wünschen. Leider ist es jedoch Tatsache, dass einer Begegnung auch Grenzen gesetzt sind. Für uns Mitglieder und Leser von Glaube und Heimat sind diese Grenzen hauptsächlich durch die Finanzlage gesetzt. Zum anderen wird eine Begegnung bzw. Verständigung mit den tschechischen Besuchern durch mangelnde Sprachkenntnisse erschwert. Es müsste zudem ein Dolmetscher anwesend sein. Aus diesen Gründen wird es in diesem Jahr erstmals keinen Stand von Glaube und Heimat beim Sudetendeutschen Tag geben. Leider!

    und allen Lesern des neuenHeimat-Blattes

    herzliche Grüße

    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Fortsetzung der Geschichte von Sybillas Weg

    Darüber wurde aber im Familienkreis nie gesprochen und es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was der gute Laurentius in seiner Jugend alles getrieben hat.

    Dass aus der eigenen Familie doch alle anderen Kinder überlebt haben, scheint ein wahres Wunder zu sein. Oft sind mehr als die Hälfte aller neugeborenen Kinder gestorben. Die Eltern machten nicht sehr viel Aufhebens darum und fügten sich mit den Worten „Gott hat’s gegeben, Gott hat’s genommen“. Alle haben damals ziemliche Not gelitten.

    Laurentius hat den Kindern oft von seinem Vater, dem Wenceslaus erzählt, der noch alle die Schrecken, die der Dreißigjährige Krieg über das Land brachte und in dem halb Europa zerstört wurde, selbst erlebt hat. Nur den Wallenstein, der die Heimat so gut wie möglich vor den Schweden schützen wollte, hat er sehr verehrt, obwohl auch der sich auf Kosten der armen Bauern bereichert hat. Wenceslaus, der Vater vom Larentius war so um die zehn Jahre alt, als Wallenstein in Eger, einer Stadt gleich an der Grenze zu Bayern, ermordet wurde.

    Viel zu lachen gab es damals und auch heute noch über einen schwäbischen Sterndeuter, der dem Wallenstein und sogar dem König Rudolf von Böhmen die Sterne berechnet hat und daraus das Horoskop gesehen hat. Manche seiner Vorhersagen sind auch eingetreten, manche aber auch nicht. So hat er doch tatsächlich vorgeschlagen, man solle Schiffe und Segel bauen, die für die Himmelslüfte geeignet sind. Dann würde es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Weltraumes nicht zurückschreckten. Nun ist dieser Johannes Kepler schon seit bald hundert Jahren tot und wir lachen noch immer über diese verrückte Idee.

    Das ist doch Gotteslästerung! Nur Jesus und Maria sind in den Himmel aufgefahren, predigt der Pfarrer.

    Gleich nach dem Ende des Krieges ist Laurentius geboren und auch er konnte sich noch gut daran erinnern, wie viele Jahre es gedauert hat, ehe die verwüsteten Felder wieder ordentlich bestellt werden konnten und Früchte trugen.  

    Schon vor dem großen Krieg haben die Osmanen Feldzüge nach Europa unternommen und Sybilla, sie war damals gerade elf Jahre alt, erinnerte sich noch gut an die Belagerung von Wien, wo der Kaiser Leopold I. lebte. Die Kommissäre haben von den Bauern überall das Getreide, Kartoffeln und Vieh konfisziert, um  Proviant für die Truppen zu besorgen oder versprengte Soldaten haben noch das letzte Hab und Gut der Leute geplündert. Das hörte erst auf, als Prinz Eugen im Jahr 1718 die Türken endgültig aus dem österreichischen Kaiserreich vertrieb. Voll Freude sangen damals alle das Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt dem Kaiser  wiedrum kriegen Stadt und Festung Belgarad und ließ schlagen eine Brucken, dass man kunnt hinüber rucken, mit der Armee wohl vor die Stadt“.

    An den langen Winterabenden hat Laurentius seinen Kindern viele Geschichten von seinen Vorfahren erzählt, die er von seinen Eltern und Großeltern gehört hat. So sollen vor vielen, vielen Jahren die Vorfahren aus Italien sich im Böhmerwald angesiedelt haben. Genaueres darüber wusste er aber nicht. Die alten Pfarrer im Dorf haben noch keine Matriken geschrieben und so ist vieles in Vergessenheit geraten.

    Das Land Italien ist viele, viele Tagereisen von daheim entfernt und dazwischen liegt noch ein großes Gebirge, mit Bergen die noch zwei- oder dreimal so hoch sind wie diese rund um das Dorf. Italien könnte nur mit der Postkutsche erreicht werden. Das war aber viel zu teuer und solche Reisen waren nur den hochgestellten Personen vorbehalten oder Händlern und natürlich den Soldaten.

    Auch viele Wissenschaftler und Künstler sind zwischen den Ländern gereist, besonders die italienischen Maler und Baumeister waren sehr berühmt und man hat viel von ihnen gesprochen.

    Sybilla wäre gerne einmal dorthin gereist und hätte auch gerne das große Meer gesehen, von dem so viel erzählt wurde. Außer den Fischteichen und dem Fluss, unten im Tal, hat sie noch kein großes Wasser gesehen.

    Wäre sie erst einmal am Meer gewesen, hätte sie auch mit einem Schiff nach Amerika reisen können. Von diesem weit entfernten Land wurde sehr viel im Dorf gesprochen und einige der jungen Burschen haben tatsächlich überlegt, ob sie nicht dorthin auswandern sollten. Angeblich sollte es ein unheimlich reiches Land sein.

    Aber woher sollte sie das Geld nehmen? Der Vater Laurentius verdiente als Zimmerer gerade so viel, dass er die Familie gut versorgen konnte und der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte gerade aus, um den Eigenbedarf der Familie zu decken und die Mitgift für die Kinder zu erwirtschaften. 

    Später, als Sybilla als Magd bei ihrem Bruder am Hof arbeitete, verdiente sie auch nur ein paar Kreuzer und konnte nur wenige Gulden im Jahr sparen.

    In Sybillas Traum von Italien  kehrten die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugendzeit  zurück und vermischten sich immer stärker ineinander.

    Die Stiefmutter behandelte Sybilla genau so liebevoll wie ihre eigenen Kinder. Sie hatte eine wundervolle Zeit, obwohl sie schon von Kindesbeinen an viel und hart arbeiten musste. Wie gut, dass sie noch viele Geschwister bekam, die alle mithelfen mussten.

    Sybilla war das älteste Kind und kümmerte sich um die kleinen Geschwister. Das jeweils jüngste Kind, solange es noch nicht laufen konnte, band sie sich einfach mit einem großen Tuch auf den Rücken und so hatte sie immer beide Hände frei, um noch eine andere Arbeit zu machen.

    Als Joannes, der Hannes gerufen wurde, sieben Jahre alt war, durfte er das erste Mal als Hüterjunge die Kühe und Ziegen auf die Wiese treiben und darauf achten, dass sie nicht zu viel frischen Klee fraßen. Sobald er größer und kräftiger war, hat Vater ihm eine Sense in die Hand gedrückt und gezeigt, wie man Gras und Getreide mäht. Petrus-Paulus, den alle eigentlich nur Petrus nannten, rückte  dann als Hüterbub nach.

    Bei den Mädchen war es genau so. Als Sybilla älter wurde, half sie der Mutter bei der Wäsche. Im Sommer wurde draußen im Hof der große Bottich aufgestellt, die Wäsche darin eingeweicht und danach so lange auf den großen, glatten Stein geschleudert, bis sie sauber war. Wenn die Sonne schien, wurde die weiße Leinenwäsche auf der Wiese neben dem Hof zum Bleichen ausgebreitet .

    Sybilla half Mutter, die sehr gut kochen konnte, in der Küche und  hat von ihr gelernt, wie man Kartoffelsterz mit Milchsuppe, ogschtroute Eadejpfü, rupfane Kneijl mit saurer Milch oder Sauerkraut,  Schwammerlsauce mit Knödel und jede Form von Mehlspeisen, Pfannkuchen, Eierspeisen, Kaiserschmarren oder Strudel zubereitet.

    Wenn mal ein Schwein geschlachtet wurde, war dies jedes Mal ein Festmahl. Die Innereien wurden sofort gegessen und das Fleisch wurde geräuchert, um es für lange Zeit haltbar zu machen. Dieses gab es dann mit Kraut und Mehlknödeln nur an besonderen Feiertagen.

    Die Hühner wurden hauptsächlich zum Eierlegen gebraucht und wenn das Huhn zu alt wurde und keine Eier mehr legte, gab es daraus eine kräftige Hühnersuppe. Das zähe Fleisch wurde klein geschnitten und mit Kartoffeln geröstet.

    Wenn die Buben mal an die Moldau zum Angeln hinuntergingen, hat Mutter die Forellen gebraten. Das war dann aber ein herrschaftliches Essen. Bei den Bauern war Fisch nicht so beliebt, denn man wurde nicht so satt davon.

    Im Herbst wurden im Wald Pilze, meist Steinpilze, Maronen und Eierschwämme sowie Beeren, hauptsächlich Preiselbeeren Blaubeeren, und Himbeeren gesammelt. Die Pilze wurden klein geschnitten und getrocknet und aus den Beeren hat Mutter ein leckeres Beijnakou gekocht, das zu den Mehlspeisen gegessen wurde.

    Auch jetzt noch geht Sybilla jeden Herbst in den Wald, um diese Köstlichkeiten zu sammeln, die der Wald in reicher Fülle und kostenlos liefert, auch wenn ihr das Bücken mit ihren siebenundfünfzig Jahren schon schwerfällt.

    Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen.

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Fortsetzung folgt…

  • alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Drei Tage kommt er – Drei Tage bleibt er – Drei Tage geht er

    Bei diesem „Gast“ freuen wir uns nicht, wenn er seinen Besuch ankündigt. Um so mehr freuen wir uns, wenn er dann endlich wieder weg ist.

    Ich hoffe, dass Ihr von der überall herrschenden Erkältungswelle verschont geblieben seid, bzw. wünsche ich allen, die mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit kämpfen eine baldige Genesung. Wenn schon die viel gepriesenen Medikamente nur der Gesundheit der Pharmaindustrie dienen, hilft vielleicht bei der Gesundung der Blasius-Segen, der auch heute noch vielerorts am 3. Februar gespendet wird.

    Der Hl. Blasius (*316) war Bischof in Sebaste/Klein-Armenien. Zahlreiche Legenden erzählen von seinen Heilungen. Die bekannteste darunter ist, dass er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Deshalb wird er gegen Halsleiden angerufen.

    Am Tag vorher, dem 2. Februar, feiern wir Mariä Lichtmess. Früher war es nicht so leicht, einfach mal den Arbeitsplatz zu wechseln, wenn man sich schlecht behandelt fühlte, oder auch, wenn der Arbeitgeber nicht mit dem Dienstboten zufrieden gewesen sein sollte. Mariä Lichtmess war traditionell der Tag, an dem die Dienstboten, den Arbeitsplatz wechselten oder für ein neues Arbeitsjahr übernommen wurden. In jedem Fall, wurde ihnen das Geld für die geleistete Arbeit ausbezahlt. Wenn der Knecht oder die Magd für ein weiteres Jahr übernommen wurden, erhielten sie im allgemeinen zusätzlich zum Arbeitslohn neue Arbeitskleidung und -schuhe.

    Über das schon merklich längere Tageslicht sagt ein altes Sprichwort:

    „Zu Weihnachten ein Mückenschritt, zu Neujahr ein Hahnentritt,
    zu Heilig Drei König ein Hirschensprung und zu Mariä Lichtmess eine ganze Stund.“

    Aber welche Bedeutung hat Mariä Lichtmess in der katholischen Kirche?Lichtmess eines der ältesten Feste der christlichen Kirche, wurde um das Jahr 650 als Feiertag eingeführt und gedenkt der Darbringung Jesu im Tempel durch Maria und Josef gemäß jüdischem Gesetz, wo Simeon Jesus als “Licht der Völker” erkannte.

    Seit dem 11. Jahrhundert kam der Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozessionen auf. An Lichtmess wurden dann auch die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien gesegnet

    Ich erinnere mich daran, dass diese gesegneten Kerzenstöcke bei Gewitter angezündet wurden. Die ganze Hausgemeinschaft saß am Tisch und  betete darum, dass das Gewitter, Haus, Hof und Feld verschonen möge.

    Ein trügerisches Märchen

    Nicht nur die Erkältung hat viele von uns erwischt; auch die geopolitische Kälte hat uns in den letzten Wochen sehr zu schaffen gemacht. Manchmal könnte man an die Geschichte von Rumpelstilzchen erinnert werden: „heute back‘ ich, morgen brau‘ ich, übermorgen hol‘ ich der Königin ihr Kind“ oder mit neuem Text

     „heute fordere ich, morgen verzicht ich, übermorgen hol ich mir vielleicht doch noch das Inselchen oder vielleicht ein Land“. Nur ist der Tanz am Rande des Vulkans gefährlicher als der um ein Lagerfeuer. Hoffen wir, dass alle Beteiligten doch noch zur Vernunft kommen.

    Freuen wir uns also darauf, dass es in den nächsten Wochen von Tag zu Tag heller wird und vielleicht schon die ersten Schneeglöckchen oder Primeln unter dem Schnee hervorlugen.

    Mit den herzlichsten Grüßen
    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Tod von Pater H. Roman

    Tod von Pater H. Roman

    Abschrift aus der Nachricht:

    H. Roman wurde am 5. November 1924 als zweiter Sohn der Eheleute und Stiftsbediensteten Wenzel und Johanna Foissner in Hohenfurth im Böhmerwald geboren und auf den Namen Johann getauft, besuchte dort die Volks- und zwei Jahre lang die Bürgerschule, bevor er seinem um ein Jahr älteren Bruder Otto ans Jesuitenseminar Maria Schein in Nordböhmen folgte – eine Zeit, in der beide Buben von heftigem Heimweh geplagt wurden. Die sich ankündigen-
    den schlimmen Ereignisse brachten 1938 die Schließung des dortigen Gymnasiums, sodass sie in ihre Heimat zurückkehrten und dann das Gymnasium in Krumau besuchten; in dieser Zeit erlebten sie auch die Aufhebung des Zisterzienserstiftes Hohenfurth.
    Der Zweite Weltkrieg wurde für ihn nach der Kriegsmatura bestimmend für seinen weiteren Weg: vormilitärische
    Ausbildung in Karlsbad, danach Arbeitsdienst, Militardienst in Krumau, ferner in Agram (Zagreb) und anderen
    Kriegsschauplätzen in Jugoslawien, schließlich an der russischen Front. Da er sich weigerte, die Offiziersausbildung
    zu absolvieren, wurde er immer wieder an die vorderste Front gestellt und erlebte viele gefahrliche Situationen. Im Juli 1944 wurde er in den Pripjet-Sumpfen schwer verwundet und überlebte wohl nur, weil ein Kamerad aus Gurten ihn in Sicherheit brachte; der rechte Unterschenkel musste ihm amputiert werden. Damit war der Krieg für ihn zu Ende. Es folgten Aufenthalte in verschiedenen Lazaretten in Norddeutschland. Ende 1945 erreichte er die Heimat.
    Schon im September 1946 mussten er, seine Eltern und sein Bruder diese in Richtung Österreich verlassen – die diesbezügliche Aufforderung gehörte zu seinen wohlgehüteten Dokumenten; dieses schmerzhafte Ereignis blieb zeitlebens eine Wunde, und er schrieb einmal: „Die Vergangenheit holt mich gedanklich immer wieder ein.“

    Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Aufnahme in einem österreichischen Kloster zu finden, kamen er und sein Bruder auf Anraten eines Innviertler Priesters schließlich nach Reichersberg und wurden als Konrad und Roman am 20. Oktober mit einem weiteren Mitbruder ins Noviziat aufgenommen. Die theologischen Studien absolvierten sie an der Hauslehranstalt in St. Florian. Am 28. Juni 1951 wurden beide wegen einer Blinddarmentzündung von H. Ro-
    man, die mit Komplikationen verbunden war, von Bischof Fließer in dessen Privatkapelle zu Priestern geweiht. Schon als Jugendlicher hatte H. Roman Klavier und Orgel gespielt; diese Begabungen wurden erkannt, man ermöglichte ihm eine Ausbildung am Brucknerkonservatorium, und bereits 1954 übernahm er die Leitung der Liedertafel und des Reichersberger Kirchenchores, den er schließlich zu großen Erfolgen im In- und Ausland führte. Bis 1957 wirkte H. Roman dann als Stiftskaplan, im Jahr 1958 wurde ihm das Amt des Rentmeisters übertragen – eine schwierige Aufgabe, litt das Stift doch an drückenden Schulden. Nach schwierigem Beginn leitete er aber eine sehr fruchtbare Tätigkeit ein: defizitäre Betriebe wurden geschlossen, neue Möglichkeiten erschlossen: Erneuerung der Weinkellerei, Förderung des Fremdenverkehrs, vor allem aus dem Bäderdreieck, Pflege der Kirchenmusik, Reichersberger Sommer, zwei große Landesausstellungen (1974 und 1984), 1969 Errichtung des Bildungshauses im Nord- und Südtrakt. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass unter seiner Führung – großteils immer mit hauseigenen Kräften das gesamte Stift renoviert und auf den Stand der Zeit gebracht wurde; mit der ihm eigenen Zähigkeit und Ausdauer und trotz mancher gesundheitlicher Beschwerden schaffte er oft schier Unmenschliches. Nicht unerwähnt sei auch die Errichtung einer neuen, sehr guten Stiftsorgel durch die Fa. Metzler. Nicht zuletzt war er auch ein Förderer der Kunst und selbst ein guter Fotograf; um die Bilder besser bearbeiten zu können, schaffte er sich im Alter von 75 Jahren seinen ersten Computer an und entwickelte erstaunliches Geschick.

    Solange es ging, leistete er auch im hohen Alter noch gerne Seelsorgsaushilfen, z. B. im Kurhaus Schärding. Ein Oberschenkelbruch nach einem Sturz Ende November leitete seine letzte irdische Lebensphase ein. Uns bleibt der Dank für sein erfolgreiches Wirken – in die Stiftsgeschichte wird sein Wirken als Rentmeister, das 1991 endete, als eine Zeit großer Blüte eingehen. Er selbst hat an das Ende seiner biographischen Notizen die Worte geschrieben, die auch den Abschluss bilden sollen: „Deo gratias!“

    Wir beten für unseren verstorbenen Mitbruder am Mittwoch, 21. Jänner, um 19 Uhr in der Stiftskirche den Rosenkranz, am Donnerstag, 22. Jänner, versammeln wir uns um 945 Uhr
    zum Totenoffizium (Terz), feiern für ihn anschließend das Requiem und bestatten ihn danach auf dem Ortsfriedhof.

  • alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Hurra! Hurra! Das neue Jahr ist da!

    Dieses erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026
    möchte ich mit den allerbesten Wünschen für Euch und alle Eure Lieben beginnen.

    Und wie jedes Jahr fragen wir uns, was das Neue bringen mag. Ja, ein neues Jahr – 2026.

    Auch vor 80 Jahren – 1946 – haben unsere Eltern und Großeltern, und wohl auch einige von unseren älteren Landsleuten sich gefragt, was das neue Jahr bringen mag.

    In jenem Jahr begann in großem Stil die Umsetzung der auf der Potsdamer Konferenz endgültig beschlossenen Vertreibung der Deutschen aus der Heimat. Von Manchen etwas beschönigend als „Transfer“ oder „Odsun“ bezeichnet.

    Wie schwer mag es gefallen sein, Hab und Gut, das Vieh im Stall oder gar Maunzi, die Hauskatze zurückzulassen und mit einer schnell gezimmerten Kiste oder ein paar „Binckeln“ die Reise ins Unbekannte anzutreten.

    Meine Eltern hatten dabei noch Glück, denn mein Vater konnte noch ein bisschen Werkzeug zu meinen erlaubten 50 kg Ausreisegepäck einpacken. In meinem Alter von vier Monaten besaß ich außer ein paar Windeln, einer Stoffpuppe und meinem Kinderwagen nichts.  Der allerdings wurde im Lager Kaplitz als nicht zur Ausfuhr zugelassenes Gut konfisziert. Selbst dieses spärliche Reisegepäck war vor Plünderungen nicht sicher.

    Endlich nach einer Woche im Lager in Furth im Wald angekommen, ging’s erst einmal in Wolken von DDT Pulver zum Entlausen.

    Schließlich, nach einer weiteren Woche im Lager Mainburg kamen wir, d.h. meine Eltern, meine beiden schon erwachsenen Schwestern, Großmutter und ich, bei einem sehr guten Bauern in Grafendorf in der Hallertau an, wo wir alle in der „guten Stube“ untergebracht wurden. Alle anderen Räume waren schon mit Flüchtlingen aus Schlesien belegt. Für die nächsten Jahre fanden wir also in der Hallertau unsere vorläufige und danach in Germering unsere endgültige neueHeimat.

    Für das Ausleben der Wehmut hatten die Menschen damals keine Zeit. Oftmals waren die Männer im Krieg gefallen, vermisst oder noch in Gefangenschaft, so dass viele Frauen mit oft fünf oder mehr Kindern auf sich alleine gestellt waren.

    Es hieß also „Ärmel aufkrempeln und anpacken“ . Bürgergeld, Hartz IV oder Grundsicherung waren Worte, die damals noch nicht erfunden waren. Und Sozialfürsorge? Gott bewahr! Diese Schande wollte man sich nicht antun. Aber gerade durch diese Zähigkeit, die den Böhmerwäldlern nachgesagt wird, sind wird endgültig auch bei den Einheimischen  „angekommen“ und jeder hat in relativ kurzer Zeit eine wirkliche neueHeimat gefunden.

    Bei all diesen Überlegungen erinnerte ich mich an ein  Gedicht von Theodor Fontane mit dem unser Lehrer uns quälte. Zwei Strophen daraus scheinen mir zum heutigen Thema „neues Jahr“ und „Zukunft“ sehr passend und ich möchte sie hier wiedergeben.

    Gerade die zweite Strophe möchte ich allen Malschingern, den Malsching-Freunden und allen Lesern der homepage von glaubeundheimat.de ans Herz legen. Denkt daran, in weniger als acht Monaten, vom 21. bis 23. August möchten wir beim Pfarrtreffen in Malsching wieder die Gläser klingen lassen und alte Freunde an der Hand fassen.

    Ich bin gerade dabei, für den Samstagsausflug ein paar interessante Punkte zu sammeln. In einem der nächsten neueHeimat-Blätter werde ich wohl schon Näheres darüber berichten können. Wir freuen uns, wenn auch Nicht-Malschinger zu unserem Treffen kommen. Es ist immer sehr kurzweilig und es wurden sogar schon verwandtschaftliche Verbindungen entdeckt, die bisher unbekannt waren.

    Bankverbindung für Spenden

    Bei der Einrichtung der neuen Homepage von Glaube und Heimat haben wir bedauerlicher-weise etwas Wichtiges vergessen: Es gibt nirgendwo ein Anmeldeformular als Neumitglied zum Verein Glaube und Heimat eV noch einen Hinweis auf die Kontoverbindung.

    Erst als die Spender ihre vorgesehenen Weihnachtsspenden nicht überweisen konnten, wurden wir darauf aufmerksam gemacht. Sowohl die Kontonummer der Raiffeisenbank Altmühl-Jura eG (GENODEF1GDG) DE96 7606 9462 0002 5260 00 als auch ein Anmelde-formular stehen jetzt in der Homepage.

    Wir würden uns sehr freuen, wenn die Leser der Homepage glaubeundheimat.de, die sich noch nicht als Mitglied registriert haben, anmelden.

    Selbstverständlich dürft Ihr aber auch jetzt noch Eure Spende überweisen. All Jene, die durch Eure Spende das Jahr über bedacht werden, danken Euch dafür. (Siehe auch Brief von Bruder Bernhard.)

    Mit den besten Glückwünschen für ein gesundes, freudvolles und friedvolles Jahr an die Geburtstagskinder, ebenso wie an alle Leser dieses Berichtes, beende ich das erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026.

    Mit herzlichen Grüßen

    Gerdy Hecker-Pischulti