Kategorie: Aktuell

  • Hammern (Hamry) Heimattreffen 2026

    Hammern (Hamry) Heimattreffen 2026

    Unter dem Motto „“Voagiß d‘ Hoamat net!“ fand am 04.07.2026 in Hammern und in Lam wieder das jährliche Heimattreffen statt. Samstagvormittags trafen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen traditionell in der Kirche „Zur Schmerzhaften Muttergottes“ in Hammern zum Gottesdienst. Ihn zelebrierte Dk i. R. Alois Ehrl, der in der Kirche 1945 noch getauft wurde und der tschechische Pfarrer Marek Hric aus Klatovy. Er ist der neue zuständige Pfarrer für Nyrsko und Hamry. Die musikalische Gestaltung lag in Händen von der Kirchenmusikerin Therese Dinauer, deren kurz zuvor verstorbene Mutter Anna Dinauer, geb. Stahl, vom Röderhof stammt. Gekonnt spielte sie die Orgel und sang zu Ehren der Patronin der Kirche und zur Freude der Gottesdienstbesucher als Solistin das Ave Maria von Bach Gunod. Zweistimmig sang sie zur Kommunion zusammen mit Christine Brüderlein, einer Tochter von Rosi Braun, geb. Glaser von der Rödermühle, das moderne Kirchenlied „Wo ich auch stehe, da warst du schon da.“ Alle, die den Gottesdienst mitfeierten, waren davon sehr berührt.

    Die Predigt von DK i. R. Alois Ehrl stand unter dem Leitgedanken: „In der Erinnerung an ein bitteres Geschehen – Gedanken des Heils“. Er bezog sich dabei auf ein Zitat von Alexander Kluge „Die Erinnerung an Menschen ist wie eine vielseitige Melodie“ und auf die Worte des Propheten Jeremia „Ich habe Gedanken des Heils für euch, nicht des Unheils“ (Jer 29, 14). Die Erinnerung an den Verlust der Heimat im Böhmerwald verbindet sich zunächst für die Erlebnisgeneration nicht als Melodie mit hellen Tönen, sondern mehr mit Moll-Akkorden. Der Schmerz der Vertreibung, das Verlassen der Häuser, der Felder, der Gräber der Angehörigen, der Aufbruch in die Fremde klingen da an. Andrerseits klingen trotzdem in der Erinnerung auch frohmachende Töne an: Dankbarkeit für das Überleben und Finden einer neuen Heimat, die Versöhnung der Deutschen und Tschechen, die möglich wurde, die freundschaftliche Begegnung über Grenzen hinweg. Gerade die aus Ruinen wieder erstandene Heimatkirche zeigt, wie aus Zerbrochenem wieder ein heller Klang entstehen kann. Eine Freude für die, die einst hier wohnten und auch für die, die heute an diesem Ort leben.

    Die Erinnerung an den Verlust von Heimat und den Aufbruch in die Fremde spricht auch der Prophet Jeremia  an (Jer 29,10-14). Die aus der Heimat Vertriebenen erreicht die frohe Nachricht, dass sie nicht von Gott vergessen sind „Ich wende euer Geschick und sammle euch aus allen Völkern und von allen Orten.” So wie damals Gott sein Volk nicht vergessen hat, war er auch nicht weit weg in der Zeit der Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg. Er hat dafür gesorgt, dass sich der Verlust der Heimat für die meisten Hammerer wieder zum Guten gefügt hat. Sie konnten wieder eine neue Existenz und Heimat finden.

    Am Samstagabend fand in Lam dann die alljährliche Mitgliederversammlung und die Wahl der Vorstandschaft statt. Der erste Vorsitzende des Vereins Stiftung Künische Gemeinde Hammern e.V. bleiben weiter Erwin Wierer, der zweite Vorsitzende Franz Reuel und Kassenführerin Angela Braun. Nur DK i. R. Alois Ehrl wurde auf eigenen Wunsch hin aus der Vorstandschaft verabschiedet.

    Bericht: Alois Ehrl

  • alterGlaube und neueHeimat – August 2026

    alterGlaube und neueHeimat – August 2026

    Die Malschinger Madonna kehrt zurück!

    So oder ähnlich könnte die Schlagzeile in der Tagespresse lauten. Dieses neueHeimat-Blatt findet zwar nicht den Weg in die internationale Presse, wird aber  nicht nur von Mitgliedern des Vereins Glaube und Heimat e.V. gelesen, sondern auch von vielen Menschen, die am Böhmerwald interessiert sind und  die home page von glaubeundheimat.de anklicken.

    Und jetzt zum Höhepunkt unseres diesjährigen Treffens.

    In der Sonderausgabe des  neueHeimat-Blattes 2026.6.1 habe ich Euch schon vorab über den in diesem Jahr etwas geänderten Programmablauf informiert. Vor ein paar Tagen war ich nochmal bei Bürgermeister Herrn Jan Dojčar in Malsching und kann Euch heute genauere Zeiten, wie es unten im Programm angegeben ist,  bekannt geben.

    Schon in den vorhergehenden neueHeimat-Blättern habe ich davon berichtet, dass der Bürgermeister von Malsching, Herr Jan Dojčar, die Madonnenfigur aus dem 15./16. Jhdt. die ursprünglich in Malsching stand und sich jetzt im Nationalmuseum in Prag befindet, im 3-Druck-Verfahrenin Originalgröße nacharbeiten ließ.

    Die Vorstellung der Madonna hat Herr Dojčar bewusst auf das Datum unseres Malschinger Pfarrtreffens gelegt. Auf einer Bühne am Dorfplatz wird er die Figur allen Anwesenden vorstellen. Anschließend wird die Segnung der Madonna in der Kirche von Kanonikus Siegfried Weber und im Beisein von Pater Justin vom Kloster Hohenfurth vorgenommen.

    Nach der Segnung wird die Madonna von allen Gläubigen und mithilfe von kräftigen ortsansässigen Männern in einer feierlichen Prozession zur Kapelle auf dem Turmberg getragen, wo sie ihren ursprünglich angestammten Platz finden wird.

    Für Gehbehinderte organisiert Herr Dojčar Fahrzeuge zur Fahrt auf den Turmberg, damit

    alle an der kompletten Zeremonie teilhaben können.

    Nach der Zeremonie kann in dem am Dorfplatz aufgestellten Zelt bei Musik ausgiebig gefeiert

    werden. Es wäre schön, wenn es anlässlich dieses gemeinsamen Festes zu guten Kontakten mit den Bewohnern von Malsching käme. Vielleicht gibt es doch den einen oder anderen der deutsch oder englisch spricht. Oder kann einer von uns „Alt-Malschingern“ ein paar Worte tschechisch?


    Hier kommt nochmals das nunmehr festgelegte Programm:

    FREITAG, 21. August 2026

    Individuelle Anreise und erstes Zusammentreffen ab 17:00 Uhr im Hotel Šumava in Hohenfurth. Abendessen individuell nach Belieben, bei schönem Wetter im Gastgarten vom Šumava.

    Für alle Kanufahrer! Abfahrt ist um 14:00 Uhr ab Hotel Šumava. Spontane Anmeldungen sind noch bis 15. August möglich.

    Informationen zur Schlauchbootfahrt findet ihr am Ende dieses Berichtes.

    SAMSTAG, 22. August

    10:00 Uhr Vorstellung der Madonna durch Herrn Bürgermeister Dojčar im Zelt am Dorfplatz.

    Anschließend in der Kirche Segnung der Madonna durch Herrn Kanonikus Siegfried Weber und Pater Justin vom Kloster Hohenfurth.

    Im Anschluss wird die Madonna in einer Prozession in die Kapelle am Turmberg gebracht.

    Nach der Rückkehr vom Turmberg gemeinsames Zusammensein mit den Dorfbewohnern bei Musik und Frohsinn (Bewirtung!) im Zelt am Dorfplatz

    18:00 Uhr – gemeinsames Abendessen im Hotel Šumava.

    SONNTAG, 23. August:

    10:00 Uhr Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Margareta
    anschließend Totengedenken an den Priestergräbern

    danach Mittagessen in der alten Schule

    Ob am Nachmittag nochmals eine gemeinsame Wallfahrt auf den Turmberg stattfindet, wird sich kurzfristig entscheiden.


    Informationen zur Schlauchbootfahrt am Freitag, 21. August 2026

    Schiff ahoi!

    Mein Vorschlag zu einer Schlauchbootfahrt auf der Moldau von Hohenfurth bis Rosenbergwurde auch für dieses Jahr wieder gut angenommen. Dauer 2-3 Stunden, je nach Fließgeschwindigkeit des Wassers. Vier Boote sind schon besetzt.

    Wir treffen uns um 14:00 Uhr im Hotel Šumava. Von dort werden wir abgeholt und zum Bootsanleger gebracht. Nach der Ankunft aller Boote in Rosenberg werden wir von dort auch wieder abgeholt und zum Šumava zurückgebracht. Der Preis pro Person beträgt ca. 20,00 € bei derzeitigem Belegungsstand. Der Betrag ist von mir bei Abholung in einer Summe in Bar zu zahlen. Bitte haltet vor Abfahrt den jeweiligen Betrag für mich bereit.

    Natürlich fahren wir nur bei schönem Wetter. Wer Lust hat, kann sich noch bis spätestens 15. August bei mir anmelden, damit ggf. noch weitere Boote reserviert werden.

    Die Fahrt auf der Moldau bedarf keiner Erfahrung. Das Wasser der Moldau übernimmt die Hauptarbeit. Wenigstens ein Bootinsasse muss aber gelegentlich schon selbst ein bisschen paddeln. Unterwegs gibt es etwa auf halber Strecke eine Getränkestation. Trotzdem sollte jeder bei heißem Wetter selbst noch etwas zum Trinken mitnehmen.

    Welche Kleidung? Sollte nicht gerade die beste sein und auch mal einen Spritzer Wasser nicht übelnehmen oder besser gleich die passende Badekleidung anziehen. Bitte auf keinen Fall ein Cap oder Sonnenhut und Sonnencreme vergessen! Am Boot sind wasserfeste Tonnen vorhanden, in denen Wertgegenstände, Kleidung und Schuhe etc. verwahrt werden können.

    Alle boat people vom vergangenen Jahr sind wieder wohlbehalten zurückgekehrt.


    In Verbindung mit unserem diesjährigen Malschinger Treffen können wir noch ein weiteres denkwürdiges Jubiläum begehen.

    Für den 1. Weltkrieg wurden die aus den Jahren 1669 bis 1780 stammenden Malschinger Kirchenglocken zu Waffen umgearbeitet. Es war für die Gläubigen ein großes Opfer, schon im Jahr 1923 wieder neue Glocken einzuweihen. Nach nur weniger als 20 Jahren ereilte diese das gleiche Schicksal. Sie wurden wieder für Kriegswaffen eingeschmolzen.

    Nach der Vertreibung erklang mehr als ein halbes Jahrhundert kein Glockengeläute über Malsching. Doch vor 25 Jahren, am 4. August 2001 konnten die durch Spenden der Malschinger Pfarrangehörigen finanzierten neuen Glocken auf einem geschmückten Pferdefuhrwerk in einem festlichen Umzug durch das Dorf gefahren werden.

    Alle, die damals dabei waren, erinnern sich an die Menschenmenge, die den Weg des Glocken-Fuhrwerks durch das Dorf säumte.

    Nach der Weihe der Glocken durch Abt Albarich vom Kloster Hohenfurth

    Kanonikus Franz Irsigler,
    Pfarrer Siegfried Weber
    weiteren Geistlichen aus dem Kloster  Hohenfurth und zahlreichen Ministranten …

    … und den Segenswünschen der drei Glockenpatinnen …

    St. Michael, Durchmesser 118cm, Gewicht 750 kg
    Maria Lang, geb. Bendl, Guglbaun Wörles
    Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen
    St. Johannes Nepomuk Neumann, Durchmesser 87,5 cm, 410 kg
    Elfriede Krabatsch Prizer 47  CZ-Rozmberk
    Wo keine Gerechtigkeit ist, da ist keine Freiheit und wo keine Freiheit ist, dort ist keine Gerechtigkeit
    St. Margareta, Durchmesser 74,9 cm, 250 kg
    Michaela Perner (Glockengießerei), Passau
    Frieden ist allerwegen nur in Gott

    … wurden die Glocken mithilfe eines Kranes, den dankenswerterweise Severin Krabatsch von der Feuerwehr Priesern-Rosenberg organisierte, in mühevoller Präzisionsarbeit durch die engen Turmluken in den Glockenstuhl gehoben und von Spezialisten der Glockengießerei Perner aus Passau eingebaut. Manch einer hatte Tränen in den Augen, als schließlich pünktlich um 12:00 Uhr die Glocken erklangen.

    Es ist traurig, dass die Glocken jetzt so selten zum Klingen gebracht werden. In drei Wochen wird jedoch der Klang der Glocken am Samstag nicht nur alle Besucher des Pfarrtreffens sondern auch alle Bürger von Malsching zur Weihe der Madonna und am Sonntag zum Gottesdienst rufen. Es wäre doch sehr wünschenswert, wenn dies nicht nur bei unseren Pfarrtreffen so wäre.

    Die Bilder der Glockenpatinnen stammen aus der Festschrift, die anlässlich der Glockenweihe herausgegeben wurde. Man sollte halt nichts wegwerfen, auch wenn man es erst wieder in 25 Jahren braucht.

    Damit Alle, die sich noch spontan zur Teilnahme an diesem Pfarrtreffen entscheiden, die Möglichkeit zur Planung der Fahrt und Unterkunftssuche haben, kommt dieses neueHeimat-Blatt schon etwas früher als gewohnt.

    Ihr seht, es wartet wieder ein sehr interessantes und spannendes Wochenende auf uns Mitglieder und alle Freunde der Pfarrei Malsching. Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und wünschen eine gute Anreise.

    Herzliche Grüße und bis bald

    Kanonikus Siegfried Weber und Gerdy Hecker-Pischulti

  • alterGlaube und neueHeimat – Juli 2026

    alterGlaube und neueHeimat – Juli 2026

    Hochsommer – endlich gibt es wieder was zu meckern.
    „Diese Hitze – nicht zum aushalten!“

    Es stimmt schon, für viele Wetterfühlige waren die Temperaturen in den letzten Junitagen alles andere als angenehm. Zu bedauern waren auf jeden Fall all jene, die im Freien arbeiten mussten. Ganz besonders denke ich dabei an den Handwerker, der gerade in den heißesten Tagen bei über 30° in meinem Vorgarten schwere Granitplatten verlegt hat.

    Wie gut, dass wir jetzt ein paar wohltemperierte Tage genießen können, bevor die nächste angekündigte Hitzewelle auf uns zurollt.

    Wir mussten aber auch über eine andere „Welle“ meckern, die uns heiße Stunden in kurzen Nächten verursacht hat.

    1954 die erste….
    2026 die letzte WM

    Wie unterschiedlich doch die Bilder sind.       Von Sepp Herberger (Bundestrainer 1954)      stammt u.a. auch der Ausspruch „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“  Aber auch eine weitere Weisheit: „Das Runde muss in das Eckige!“ Also: Kopf hoch!

    Historisches und noch nicht Historisches

    Mich hat die Hitze ins abgedunkelte Büro getrieben, um wieder einmal in den Matriken von Malsching zu blättern. Wer ist im Juli  in Malsching geboren? Die Einträge in den öffentlich zugänglichen Matriken enden Anfang des Jahre 1918. Den letzten im Juli geborenen Täufling hat Pater Zeno Reinelt wie folgt dokumentiert:

    24. July 1917 Anna Sulzbacher (als Kleinkind am 5. Dezember 1918 verstorben)

    Vater: eheliche Tochter des Johann Sulzbacher, Häusler in Wörles Nr. 34, ehelicher Sohn des Wenzl Sulzbacher, Hausbesitzer in Wörles Nr. 3 und der Maria geb. Standfest aus Wörles Nr. 3

    Mutter: Anna, eheliche Tochter des Josef Deutsch, Häuslers in Sahorsch Nr. 23 und der Maria, geb. Hohenschläger aus Sahorsch Nr. 12

    Hebamme: Josefa Wagner geprüft, Wullachen

    (theoretisch konnte jede Frau Kindern auf die Welt helfen. Es gab aber doch Unterschiede: „Zufalls-Hebammen“ (z.B. Mutter, Schwester, Nachbarin), dann solche Frauen, die sich sehr gut auf Geburtshilfe verstanden, mit Zusatzeintrag ‚ungeprüft‘  und dann jene, die eine richtige Ausbildung erhalten haben und eine Prüfung abgelegt haben)

    Keine 109 Jahre sondern nur 65 Jahre müsste man zurückgehen, um einen weiteren Geburtstag im Juli zu finden. Im Malschinger Geburtenregister wäre dann eingetragen:

    11. Juli 1961 – Siegfried Weber Unterlangendorf 6

    Aus diesem Täufling von 1961 wurde im Lauf der Jahre der uns allen bekannte und hochgeschätzte Siegfried Weber Militärdekan und Kanonikus an der Kathedrale von Budweis sowie 1. Vorstand von Glaube und Heimat e.V.

    Alle Angehörigen und Freunde der Pfarrei Malsching, ebenso wie alle Mitglieder und Leser von Glaube und Heimat gratulieren ganz herzlich zum 65. Geburtstag und wünschen alles Gute, Gesundheit und Gottessegen.


    Nicht nur Geburtstagskinder dürfen feiern

    Vor einigen Wochen erhielt ich von Herrn Herbert Pischulti (Baumgartner/Wörles) die nachfolgende Nachricht.

    „Gestern (29.5.2026) war ein schöner Tag.  50 Jahre CVS. Ich durfte 27 Jahre im Vorstand / Rat, so wie im DCV mitwirken. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde ich gestern mit dem goldenen Caritas-Abzeichen des deutschen Caritas-verbandes ausgezeichnet. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, “Menschen am Rande der Gesellschaft sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens “.  Meine Mama und Oma waren nach der Vertreibung auch einmal Menschen am Rande – sie waren Flüchtlinge – das sollte man nicht vergessen! 

    Außerdem wurde ich vor 3 Wochen zum Ehrenmitglied des TSV Rohr NB ernannt. Der Verein hat 947 Mitglieder.“

    Lieber Herbert, Du kannst jetzt eine weitere Ehrung zu Deinen bereits vielfach erhaltenen Auszeichnungen, darunter der Bayerische Verdienstorden, in die Vitrine stellen.       

    Herzlichen Glückwunsch!


    Malschinger Treffen 21. bis 23. August 2026

    Nur noch knapp sieben Wochen bis zum „großen Ereignis“ in Malsching. Hoffen wir auf anhaltend gutes Wetter, damit die von Vielen gewünschte Bootfahrt auf der Moldau stattfinden kann. Ihr denkt daran – Abfahrt 14:00 Uhr ab Hotel Šumava.

    Alles Weitere wie im neueHeimat-Blatt  2026.6 und der Sonderausgabe 2026.6.1.1 beschrieben.

    Sollten sich kurzfristig doch noch Änderungen ergeben, werde ich das in der August-Ausgabe bekanntgeben.

    Viele sommerliche Grüße Gerdy Hecker-Pischulti

  • “Ein Sudetendeutscher Tag für die Geschichtsbücher”

    “Ein Sudetendeutscher Tag für die Geschichtsbücher”

    Das erste Pfingstreffen in der Tschechischen Republik ist in Tschechien und Deutschland auf breite Resonanz gestoßen

    „Nur wer wagt, gewinnt“, hatte Bernd Posselt in seinem Leitartikel zum neuen Jahr in der Sudetendeutschen Zeitung geschrieben. Es war der Einstieg in ein besonderes Jahr. 80 Jahre, nachdem die meisten Sudetendeutschen aus ihrer jahrhundertealten Heimat vertrieben worden sind, hat erstmals ein Sudetendeutscher Tag in der Tschechischen Republik stattgefunden. Daß dies ein historischer Erfolg für die (sudeten-)deutsch-tschechische Verständigung wird, war noch vor Wochen nicht unbedingt absehbar.

    Bei seinem Antrittsbesuch bei Ministerpräsident Markus Söder im Februar in München hatte der neue tschechische Premierminister Andrej Babiš noch wenig aufgeregt reagiert. Zu der Einladung der Initiative Meeting Brno und den Planungen für den Sudetendeutschen Tag in Brünn sagte Babiš in der Pressekonferenz: „Wir haben uns in der Regierung nicht mit dem Thema beschäftigt. In unseren Augen ist das die Initiative von Bürgern. Ich habe offiziell keine Position dazu.“

    Doch dann begannen in der Koalition seine rechtsradikalen Juniorpartner SPD und Autofahrer-Partei Druck zu machen, insbesondere SPD-Parteichef Tomio Okamura und Außenminister

    Petr Macinka, die versuchten eine antideutsche Stimmung zu entfachen. Gelungen ist ihnen das nicht. Auf dem Mährischen Platz und beim Brünner Versöhnungsmarsch zeigten Sudetendeutsche und Tschechen, wie gelebte Versöhnung funktioniert. Und zwar ohne dabei die Vergangenheit grundsätzlich zu vergessen.

    So bildete den Auftakt dieses historischen Sudetendeutschen Tags am Donnerstag am Brünner Hauptbahnhof ein Gedenken der Schoa-Opfer. Viele Brünner Juden waren hier am Gleis 5 in Viehwaggons von den Nazis in die Vernichtungslager deportiert worden. Posselt nutzte diesen Gedenkauftakt für zwei Botschaften insbesondere an die Kritiker des Sudetendeutschen Tags.

    Erstens begrüßte er die Demonstranten und meinte, er freue sich, denn vor der Samtenen Revolution seien öffentliche Proteste nicht möglich gewesen.

    Und zweitens nahm Posselt alljenen den Wind aus den Segeln, die immer noch meinen, die Sudetendeutschen wollten ihre eigene Geschichte nicht wahrhaben. Zum wiederholten Mal bat Posselt öffentlich im Namen aller Sudetendeutschen um Vergebung für die Taten, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auch von zahlreichen Sudetendeutschen begangen worden sind.

    Der Brünner Versöhnungsmarsch war dieses Mal ein Gedenken aller Vertreibungsopfer und erinnerte nicht ausschließlich an den Brünner Todesmarsch im Mai 1945 im Rahmen der Wilden Vertreibung. Auch dieser Tag war historisch. Mit mehreren Tausend Teilnehmern, die vom Massengrab in Pohrlitz gemeinsam in ihre Stadt Brünn zurück gingen, war dies eine eindrucksvolle Demonstration, zumal sie von führenden Politikern beider Länder unterstützt wurde. Für Deutschland und Bayern nahmen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bayerns weitere Ministerpräsidentin Ulrike Scharf teil. Und für Tschechien führte Senatspräsident Miloš Vystrčil auf dem letzten Kilometer den Versöhnungsmarsch an und entfachte am Mahnmal im Augustinerkloster eine Kerze für die deutschen Opfer der Vertreibung. Und am Pfingstmontag folgte das Gedenken der tschechischen Opfer am Kaunitz-Kolleg.

    Politischer Höhepunkt auch dieses Sudetendeutschen Tages war die Hauptkundgebung am Pfingstsonntag in der Brünner Messe. Im Fokus standen dieses Mal nicht nur die Festreden des Volksgruppensprechers und des Ministerpräsidenten als Schirmherrn, sondern eine besondere Ehrung.

    Posselt verlieh den Europäischen Karls-Preis, die höchste Auszeichnung der Sudetendeutschen, an den Brünner Ehrenbürger, Schriftsteller, ehemaligen Dissidenten und Parlamentspräsidenten Dr. Milan Uhde. Posselt würdigte ihn als „todesmutigen Vorkämpfer der Menschenrechte, bedeutenden, völkerverbindenden Schriftsteller und Politiker von europäischem Format“. Der Sudetendeutsche Tag in Brünn sei maßgeblich auch seiner Initiative zu verdanken.

    Besonders war auch die Teilnahme zweier Winton-Kinder und des Sohnes von Sir Nicholas Winton, Nick Winton, an mehreren Veranstaltungen des Sudetendeutschen Tags. Milena Grenfell-Baines und Eva Paddock waren im Sommer 1939 mit dem letzten Kinder-Transport von Prag nach England vor den Vernichtungslagern der Nazis gerettet worden. Alle drei eint das große Ziel „Nie wieder“.

    Nick Winton wurde in Brünn von einer tschechischen Zeitung mit einem großen Satz zitiert: „Vergebung bedeutet nicht zu sagen, daß jemand nicht schuldig war. Vergebung bedeutet anzuerkennen, daß diese Taten geschehen sind, und gemeinsam weiterzuleben.“

    „Der Sudetendeutsche Tag hat in allen Punkten meine sehr optimistischen Erwartungen bei weitem übertroffen“, zog Volksgruppensprecher Bernd Posselt Bilanz. Diese Einschätzung wurde auch von den anwesenden Politikern aus Bayern bestätigt. MdL Jürgen Mistol (Grüne), der auch den Versöhnungsmarsch mitgegangen ist, konnte das nur bestätigen: „Man sieht, daß Völkerverständigung und Aussöhnung zwei Seiten brauchen. Das ist in Brünn gegeben gewesen mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Initiative Meeting Brno, die seit zweieinhalb Jahrzehnten dafür arbeitet, daß über das Thema auch in Tschechien gesprochen wird.“

    Volkmar Halbleib, MdL und Vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Ich bin tief beeindruckt. Es war auch für mich ein bewegender Moment. Meine Mutter, die aus dem Egerland stammte und vor zwei Jahren verstorben ist, hätte sich so eine Geste zeitlebens gewünscht. Es war ein sehr gelungener Sudetendeutscher Tag – trotz der Proteste oder vielleicht auch wegen der Proteste. “

    Dr. Petra Loibl, CSU-MdL und Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene: „Es war ein historischer Sudetendeutscher Tag. Ich bin froh und dankbar, daß ich dabei sein durfte. Man hat eine richtige Aufbruchsstimmung gespürt.“ Torsten Fricke

    Grußwort von Dr. Markéta Vaňková, Oberbürgermeisterin der Stadt Brünn

    „Unrecht läßt sich nicht durch weiteres Unrecht beseitigen“

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Nachbarn, verehrte Gäste, ich möchte Sie herzlich in unserer schönen Stadt begrüßen.

    Brünn ist eine Stadt mit einem außergewöhnlichen kulturellen Gedächtnis. Schon immer war es ein Ort, an dem Menschen verschiedener Sprachen, Kulturen, Glaubensrichtungen und Traditionen nebeneinander lebten. Ihr wirtschaftliches, kulturelles und intellektuelles Leben wurde gemeinsam von Tschechen, Deutschen und Juden geprägt.

    Brünn ist zudem eine grüne Stadt, eine Stadt, die ruhige Orte bietet, an denen man entspannen und neue Kraft schöpfen kann. Einer dieser Orte ist auch der Brünner Stausee. Den ich mir nun für eine kleine Metapher ausleihe.

    Die Oberfläche dieses Stausees wirkt auf den ersten Blick meist ruhig und ausgeglichen. Doch es genügt, einen großen Stein hineinzuwerfen, das Wasser trübt sich, der Schlamm vom Grund steigt auf, es entsteht Unruhe. Und alles Lebendige zieht sich erschrocken zurück. Es kann lange dauern, bis die ursprüngliche Entspanntheit und das Vertrauen wieder zurückgekehrt sind. Aber nichts wird wieder so sein, wie es vorher war, und auch die Steine bleiben irgendwo liegen.

    Solche Momente kennen wir auch aus der Geschichte unserer Länder. Genau deshalb hat unsere heutige Begegnung in Brünn eine tiefere Bedeutung. Wir begegnen uns nicht, um die unermeßlichen Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Frage zu stellen, das Unrecht wieder aufleben zu lassen und es vereinfacht in schwarz-weiße Urteile zu gießen. Wir treffen uns hier, um Verständnis zu suchen. Unrecht läßt sich nicht durch weiteres Unrecht beseitigen. Unrecht bleibt Unrecht. Ob beim ersten oder hundertsten Mal. Die einzige Möglichkeit, die eine Zukunft eröffnen kann, ist die Versöhnung. Es braucht den Mut, der Vergangenheit ins Auge zu schauen, aber gleichzeitig nicht zuzulassen, daß Haß unser Schicksal und das Schicksal künftiger Generationen bestimmt.

    Umso bedeutungsvoller sind Momente wie diese. Wenn wir nebeneinander statt gegeneinander stehen. Momente, in denen die Nachkommen derer, die gehen mußten, nicht mit Forderungen und dem Wunsch nach Vergeltung kommen, sondern mit dem Wunsch, die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen und neue Beziehungen zu knüpfen. Es ist unsere Verantwortung, Brücken zu bauen zwischen Erinnerung und Verständnis zwischen den Völkern, die einst durch Krieg und Haß getrennt wurden. Ob wir nun tschechisch oder deutsch sprechen, es geht immer in erster Linie um konkrete menschliche Schicksale, um unsere Mütter, Kinder, Familien, um verlorene Liebesbeziehungen, um die verlorene Heimat, aber auch um wiedergewonnenes Vertrauen.

    Heute, da unweit von uns bereits im fünften Jahr Krieg tobt, wird uns noch stärker bewußt, wie zerbrechlich der Frieden ist, wie leicht und schnell Nationalismus, Angst und die Spaltung der Gesellschaft Nachbarn zu Feinden machen können. Ich danke denen, die den Mut bewiesen haben, auch über schmerzhafte Themen zu diskutieren, zu sprechen, sich auszutauschen. Und ich danke allen, die daran glauben, daß Versöhnung keine Schwäche, sondern eine Stärke ist. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß wir trotz unserer schmerzhaften Vergangenheit unseren weiteren Weg gemeinsam beschreiten können. Ich wünsche mir, daß aus Brünn eine wichtige Botschaft deutlich in voller Kraft erklingt. Die Botschaft, daß die Stärke Europas nicht darin liegt zu vergessen, sondern in der Fähigkeit, aus der eigenen Geschichte zu lernen. Ich danke Ihnen.

    Ein Handschlag gegen Haß und Hetze

    Staatspräsident Petr Pavel empfängt Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder auf der Prager Burg

    Es ist mehr als eine Geste. Es ist ein klares Statement für Demokratie und Völkerverständigung: Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel hat Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder nur Stunden nach dessen Rede auf dem Sudetendeutschen Tag in Brünn am Pfingstsonntag auf der Prager Burg empfangen.

    Das Staatsoberhaupt konterte damit einer Kampagne, die die Rechtsaußen, Parlamentspräsident Tomio Okamura und Außenminister Petr Macinka, gegen die deutsch-tschechische Verständigung initiiert hatten. Zuvor hatte Pavel bereits die Schirmherrschaft für das Festival Meeting Brno, unter dessen Dach der Sudetendeutsche Tag erstmals in der Tschechischen Republik stattfand, übernommen.

    Söder kommentierte nach dem Treffen: „Bayern und Tschechien sind Freunde und Partner: Vielen Dank an Präsident Petr Pavel für die Einladung. Bayern und Tschechien haben die letzten Jahre ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufgeschlagen. Das werden wir weiter intensivieren. Früher lagen unsere Länder am Rand der Blöcke – heute gestalten wir im Herzen Europas.“

    Und Pavel erklärte: „Wir waren uns einig, daß die tschechisch-deutschen Beziehungen auf gegenseitigem Respekt und einer gemeinsamen Zukunftsperspektive beruhen und daß die Vergangenheit kein Hindernis für gutnachbarliche Beziehungen sein darf. Bayern ist unter den deutschen Bundesländern ein wichtiger Wirtschaftspartner für uns, weshalb es umso wichtiger ist, die Zusammenarbeit weiter auszubauen, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Handel, Kultur, Tourismus oder Gesundheitswesen.“

    Söder unterstrich, daß Bayern auch „ein Anwalt Tschechiens“ gegenüber dem Bund sei. „Gerade in einer Welt im Wandel mit immer neuen internationalen Krisen und Kriegen brauchen wir Gemeinsamkeit in Europa. “

    Am Freitag vor Pfingsten hatte Pavel außerdem mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefoniert. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es anschließend: „Gutnachbarschaftliche Beziehungen sind Eckpfeiler jeder Außenpolitik. Tschechien und Deutschland verbindet heute eine außergewöhnlich enge und starke Partnerschaft. Wir legen großen Wert auf den Pfad der Versöhnung, den unsere Nationen nach einem dunklen und schmerzhaften Kapitel unserer Geschichte beschritten haben. Im Geist von gegenseitigem Verständnis, Respekt und Partnerschaft haben unsere Länder einen weiten Weg zurückgelegt.“

    Rekordbeteiligung am Brünner Versöhnungsmarsch

    Die Menschlichkeit ist zurück in Brünn

    „Es gab nicht nur den einen Brünner Todesmarsch, der am 30. Mai 1945 am Augustinerkloster begann, sondern einen weiteren am 6. Juni von der Wiener Straße in Brünn“, erklärt Dr. Günter Reichert auf der Busfahrt vom Hotel Internatioal nach Pohrlitz. 60 000 Deutsche lebten 1944 in Brünn. Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 immer näherrückte, flüchtete wer konnte Richtung Westen. Zurück blieben alte Männer, Frauen und Kinder oder jene, die selbst unter den Nazis gelitten hatten und sich keinerlei Mitschuld bewußt waren. Am 26. April hatte die Rote Armee dann die deutsch-jüdisch-tschechische Stadt eingenommen. Und mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 waren der Zweite Weltkrieg und die menschenverachtende Nazi-Herrschaft beendet. Es herrschten wieder Recht, Gesetz, Frieden – eigentlich. 

    Es ist kurz nach acht Uhr. Und ein ganzes Dutzend an vollbesetzten Bussen rollt auf der Autobahn gen Süden der österreichischen Grenze entgegen. Das Interesse am Brünner Versöhnungsmarsch sprengt dieses Jahr alle Dimensionen. Statt Hunderte sind es Tausende Sudetendeutsche und Tschechen, die gemeinsam in ihre Stadt zurückgehen wollen. Tage zuvor hatte Meeting Brno, der Veranstalter, die Anmeldung stoppen müssen.

    Am Fronleichnamstag 1945 war es ebenfalls 8 Uhr, als eine im Rückblick schwer erklärbare Koalition aus Arbeitern der Brünner Rüstungswerke und ehemaligen Häftlingen der Nazis, unterstützt von Partisanen, damit begann, unter Waffengewalt 20 000 bis 25 000 Menschen vom Augustinerkloster in Richtung Österreich zu treiben – ohne jede Form von Menschlichkeit. Wer nicht mehr konnte, wurde erschlagen oder erschossen und am Straßengraben liegengelassen.

    Nach einer halben Stunde erreicht der Bus, in dem Dr. Reichert einen kurzen, fundierten Abriß der damaligen Nachkriegsverbrechen gab, die Gedenkstätte in Pohrlitz. Es wimmelt bereits von Menschen. Laufend kommen neue Busse an. Die Polizei hat die Landstraße gesperrt und regelt den Verkehr.

    Auch im Mai 1945 herrschten hier Enge und Gedränge. Weil Österreich die Grenze geschlossen hatte, werden die Brünner Deutschen in einer Lagerhalle eingepfercht. Die Verhältnisse sind unmenschlich. Es grassiert Hunger und Durst. Es gibt keine Toiletten. Seuchen brechen aus – das große Sterben beginnt.  Allein hier, im Massengrab von Pohrlitz, sollen 800 Menschen begraben sein. Wie viele Opfer der Brünner Todesmarsch insgesamt gefordert hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Aber welchen Sinn macht ein Streit um Zahlen, wenn jedes einzelne Menschenleben zählt?

    Es ist 8.31 Uhr, als eine Kolonne mit schwarzen Limousinen Pohrlitz erreicht. Es folgt das übliche Prozedere. Beim Wagen in der Mitte, einem 7er BMW mit schwarz-rot-goldener Standarte, bleiben die Türen geschlossen. Aus den anderen Limousinen steigen die Personenschützer des Bundeskriminalamtes aus. Trotz der Hitze tragen die BKA-Beamten Anzug. Und unter deren Hemden zeichnen sich die Unterziehwesten ab. Kurz darauf steigt auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt aus und wird begrüßt von Steffen Hörtler, der als Landesobmann der SL-Bayern seit Jahren am Brünner Versöhnungsmarsch teilnimmt, Stephan Mayer, MdB und Präsident des Bundes der Vertriebenen, und den Vertretern von Meeting Brno, Petr Kalousek, David Macek und Veronika Smyslová.

    Auch Staatsministerin Ulrike Scharf ist bereits in Pohrlitz – aber anders als Dobrindt im sportlichen Outfit. Sie wird einen Großteil der Strecke mitgehen, während Dobrindt und Volksgruppensprecher Bernd Posselt in der Brünner Messe den Sudetendeutschen Tag eröffnen.

    Bereits im Vorjahr hatte die Schirmherrschaftsministerin am Brünner Versöhnungsmarsch teilgenommen. Und ihre empathische Rede zeigt, daß die Ministerin diese Eindrücke nachhaltig geprägt haben.

    Die Delegation geht vorbei an dem großen Eisenkreuz mit den beiden Gedenkplatten. Unbekannte hatten sie in der Nacht mit Hakenkreuzen beschmiert – was Tschechiens aufrechter Staatspräsident Petr Pavel mit scharfen Worten öffentlich kritisierte. Genau hier hatte der rührige Bürgermeister von Pohrlitz, Miroslav Novák, vor einem Jahr Volksgruppensprecher Bernd Posselt empfangen, um gemeinsam und abseits der großen Öffentlichkeit der Opfer zu gedenken. Die Schmierereien sind ihm peinlich – auch wenn er dafür nun wirklich nicht verantwortlich ist.

    In der Menschenmenge kommt es für Minister Dobrindt zu einer besonderen Begegnung. Ihm werden zwei ältere Damen vorgestellt. Milena Grenfell-Baines und Eva Paddock. Im Sommer 1939 waren sie mit dem letzten Kindertransport von Prag nach Großbritannien vor den Nazis gerettet worden. An ihrer Seite ist Nick Winton, der Sohn von Sir Nicholas Winton, der damals 669 meist jüdische Kinder vor dem Tod in den Konzentrationslagern bewahrt hat. Für Volksgruppensprecher Bernd Posselt ist dies bereits die zweite Begegnung mit diesen Zeitzeuginnen, die sich weltweit für das „Nie wieder“ engagieren.

    Beobachtet wird die gesamte Szenerie von einer Handvoll Gegendemonstranten, die hinter der Hecke stehen – was ungewollt komisch wirkt.

    Nach Reden, Gebet und Kranzniederlegungen sowie einem Gruppenfoto von einer Hebebühne beginnt kurz nach 10 Uhr der Marsch zurück nach Brünn. Es sind Tausende, die sich in diesem besonderen Jahr gemeinsam auf den Weg machen. Darunter auch die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, die bereits im Vorjahr die gesamte Strecke mitgegangen ist, und ihr Kollege Jürgen Mistol, der sich seit Jahren für die bayerisch-tschechische Aussöhnung engagiert. Kurz nach Pohrlitz führt die Strecke über die Autobahn. Dann folgt eine Abzweigung nach links. Es geht einen Hügel hinauf. Von hier sieht man, wie sich das Teilnehmerfeld über mehrere Kilometer hinzieht. Die Beteiligung am Brünner Versöhnungsmarsch ist unglaublich. Was 2007 der Student Jaroslav Ostrčilík mit zwei Kommilitoninnen, die ihn damals aus reinem Mitleid begleitet hatten, gestartet hat, ist zu einer eindrucksvollen Demonstration der Versöhnung geworden – es sind Tausende. An einigen Stellen hatten Gegendemonstranten ihre Parolen auf den Teer gesprüht. Aber es gab auch Widerspruch. „Willkommen daheim“ prangte in großen Lettern auf der Straße.    

    Nach 17 Kilometern ist in Großraigern der erste Halt. Wasser, Verpflegung und Bier stehen bereit – anders als vor über 80 Jahren. Plötzlich wird es laut. Eine Rockergruppe, die die rechtsradikale Autofahrerpartei unterstützt, nutzt den Kreisverkehr für ihren Protest. Haß und Hetze in Lederjacken – die Mimen und Gesten der Rocker dürften denen der Bewacher des Brünner Todesmarsches nicht unähnlich gewesen sein. Aber heute hat die tschechische Polizei alles im Griff.

    Stunden später erreichen die Versöhnungsmarschierer dann das Gymnasium an der Wiener Straße, der traditionelle Treffpunkt vor der letzten Etappe. Hier warten ebenfalls Tausende, um gemeinsam den letzten Kilometer bis in den Garten des Augustinerkloster zu gehen. An der Spitze ist der zweithöchste Mann Tschechiens, Senatspräsident Miloš Vystrčil. Gemeinsam mit Staatspräsident Petr

    Pavel hatte er die Schirmherrschaft über das Festival Meeting Brno inklusive des Versöhnungsmarsches und des Sudetendeutschen Tags übernommen und damit ein deutliches Zeichen gesetzt.

    Auf dem Weg durch die Brünner Innenstadt geht Vystrčil unaufgeregt und aufrecht an den Demonstranten vorbei. Der Mann hat Größe. Im Klostergarten setzt der Senatspräsident dann das nächste Zeichen. Er entzündet eine Kerze – am Mahnmal für die sudetendeutscher Opfer des Brünner Todesmarsches. Die Menschlichkeit ist zurück in Brünn. Torsten Fricke

    Sudentendeutscher Tag 2026 – Kranzniederlegung

    Mährischer Platz in Brünn

    Der lange Tisch der guten Laune

    „Wir müssen nach dem suchen, was uns verbindet, und nicht nach dem, was uns trennt“, hatte der neue Prager Erzbischof Stanislava Přibyl vor wenigen Wochen bei seiner Amtseinführung appelliert. Meeting Brno hat diese Worte mit der Aktion „Der lange Tisch“ am Freitag auf dem Mährischen Platz in Brünn umgesetzt.

    Bei Bier und Schmankerln, Musik und Tanz kamen Sudetendeutsche und Tschechen schnell ins Gespräch – umrahmt auch hier von ein paar Gegendemonstranten, deren steinerne Mienen Volksgruppensprecher Bernd Posselt launig so interpretierte: „Die würden am liebsten mitfeiern, aber deren Auftraggeber haben es ihnen verboten.“

    „Unsere Einladung ist angenommen worden. Das freut uns sehr. Das Konzept geht auf. Alle kommen an diesem Nachmittag miteinander ins Gespräch“, freut sich Petr Kalousek von Meeting Brno über den vollbesetzten Platz.

    Schirmherrschaftsministerin Ulrike Scharf war von der Veranstaltung begeistert und schrieb anschließend auf ihrem Facebook-Kanal, daß vor allem viele junge Menschen diesen Ort der Begegnung mitten in Brünn genutzt haben. Ebenfalls unter den zahlreichen Gästen waren Dr. Bernd Fabritius, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, und natürlich zahlreiche Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wie Volksgruppensprecher Bernd Posselt, Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Steffen Hörtler, Landesobmann der SL in Bayern.

    Und auch friedliche Gegendemonstranten, die sich nach anfänglichem Zögern doch an den langen Tisch trauten, wurden mit ausgestreckter Hand zum Gespräch eingeladen. Insbesondere Radek Novák vom Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität (rechts) sowie die Karls-Preisträger Milan Horáček und Dr. Libor Rouček diskutierten engagiert für die Völkerverständigung.

    Ein weiterer Höhepunkt waren die Auftritte der Trachtengruppen. Sogar eine Abordnung aus Brasilien zeigte ihr Können und machte deutlich, daß es wohl keinen Ort auf der Welt gibt, wo nicht auch Sudetendeutsche leben. Die Veranstaltung wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt. Torsten Fricke

  • alterGlaube & neueHeimat – Juni 2026 – Sonderausgabe

    alterGlaube & neueHeimat – Juni 2026 – Sonderausgabe

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrgemeinde Malsching

    Wundert Euch nicht, wenn schon wieder außerterminlich ein neuesHeimat-Blatt kommt!

    Mit diesem möchte ich Euch eine Änderung unseres nächsten Pfarrtreffens in Malsching mitteilen, damit Ihr Eure Teilnahme-Planung rechtzeitig darauf einstellen könnt.

    Der für Samstag, den 22. August geplante Ausflug in das „Bautnerhaus“ wird für dieses Jahr ausfallen. Das sollte  kein Problem sein; aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Ursprünge des Hauses gehen auf 500 Jahre zurück So wird es bestimmt auch nächstes Jahr noch stehen.

    Warum diese Programmänderung? In der Ausgabe des neuenHeimat-Blattes 2026.5 vom Mai hatte ich Euch mitgeteilt, dass Herr Dojčar, der Bürgermeister von Malsching, eine Replik der „Madonna von Malsching“ im 3D-Druckverfahren herstellen ließ.

    Wir hatten vorgesehen, dass diese am Sonntag, den

    23. August bei unserem Gottesdienst von Herrn Kanonikus Siegfried Weber gesegnet werden soll.

    Herr Dojčar hat uns nun jedoch mit einem großen Programm, auch unter Einbeziehung der Bürger von Malsching, überrascht.

    Aus terminlichen Gründen hat er die Feier auf

    Samstag, den 22. August verlegen müssen.

    In seiner e-mail schreibt er wörtlich: „Bei gutem Wetter möchte ich auf dem Dorfplatz eine Bühne aufbauen und Zelte mit Tischen und Bänken drumherum aufstellen. Wir bereiten ein Programm vor, in dessen Rahmen ich die Madonna feierlich enthüllen, ihre Geschichte vorstellen und das Treffen mit einem Segen von Herrn Weber und einem Vertreter des Klosters verbinden möchte. Nach der Zeremonie wird die Madonna in der Kapelle am Turmberg aufgestellt.“

    Ich weiß allerdings noch nicht, um wieviel Uhr die Feier beginnt. Außerdem verstehe ich es so. dass die Madonna dann schon am Samstag ihren endgültigen Platz am Turmberg finden soll. Ich werde mich im Juli mit Herrn Dojčar treffen, um noch auftretende Detailfragen zu besprechen.

    Dieses Engagement zeigt doch, wie eng eine Verbindung zwischen „alten“ und „neuen“ Malschingern sein kann. 

    Für uns ist Malsching die „alte“ Heimat – wir haben in Deutschland, Österreich oder anderen Ländern den altenGlauben behalten und eine neueHeimat  gefunden.

    Die derzeitigen Einwohner von Malsching bzw. deren Vorfahren, haben ebenfalls ihre „alte“ Heimat verlassen und haben nach ihrer Ansiedlung in Malšin eine „neue“ Heimat gefunden.

    Auch wenn bisher die Verbindung zu den Einwohnern von Malšin auch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse kaum möglich war, sollten wir doch durch sehr zahlreiche Teilnahme an der Feier unsere Wertschätzung zeigen.

    Nun war es in den vergangenen Jahren doch so, dass viele Besucher des Malschinger Treffens erst am Sonntag zum Gottesdienst angereist sind. Vielleicht ist es Euch aber doch möglich, schon am Samstag zu kommen, damit Ihr an dieser einmaligen Zeremonie teilnehmen könnt.

    Und natürlich würden wir uns ganz besonders freuen, wenn die (inzwischen erwachsenen) „Bendl-Kinder“ wieder als Ministranten die Feier begleiten könnten.

    Es sind nicht nur die Malschinger zu dieser Feier eingeladen, sondern auch alle interessierten Leser von https://glaubeundheimat.de/

    Der Gottesdienst am Sonntag findet wie geplant um 10:00 Uhr statt, ebenso wie die anderen Programmpunkte und Zusammenkünfte im Hotel Šumava.

    Es freuen sich auf Euer Kommen und grüßen Euch herzlich

    Kanonikus Siegfried Weber und Gerdy Hecker-Pischulti

  • Berufs-Segen

    Liebe Freunde und Wohltäter,

    viele liebe Grüße in die Heimat aus den sonnigen, aber kühlen Herbsttagen aus dem Zululand in Südafrika. Der liebe Gott meint es nicht nur gut mit uns mit dem schönen Wetter, sondern auch mit den vielen jungen Männern, die sich bereit erklären, sich unserer benediktinischen Gemeinschaft anzuschließen.

    Zurzeit verzeichnen wir 3 zeitliche Professen, 3 Novizen, 2 Postulanten und 4 Kandidaten.

    Am 1. Juni wird sich das Bild etwas ändern. Die zwei Postulanten werden ins Noviziat aufgenommen und die vier Kandidaten ins Postulat.

    Sehr auffällig oder bezeichnend ist, dass 7 der Männer in der Ausbildung aus Namibia stammen, 4 aus Südafrika und 1 aus Lesotho. Aus diesem Bild entnehmen wir, dass eine Neugründung in Namibia notwendig wird. Zugleich darf man feststellen, dass das demokratische Südafrika viel an moralischer und spiritueller Qualität eingebüßt hat.

    Misswirtschaft und Korruption stehen obenan. Vor drei Wochen war in der lokalen Zeitung ein schockierender Bericht: In den vier Verwaltungsbezirken Vryheid, Ulundi, Mtubatuba und Hlabisa fehlen („unaccounted for“) sage und schreibe 315 Millionen Rand (R 315 000 000).

    Kein Wunder, dass besonders in der Stadt Vryheid und Umgebung Teilstrecken der Straßen wegen der großen und vielen Schlaglöcher fast unbefahrbar sind. Elektrische Leitungen werden nicht repariert usw.

    Unsere Abtei Inkamana zeigt sich im Vergleich von einer besseren Seite. Wir ließen die Zufahrtsstraße vom Security Gate die 200 m bis zur Schule teeren. Ein großer Gewinn für die Schule, weil wir somit die Staubwolken von den Klassenräumen fernhalten. Unser großer Dank gilt der Prokura St. Ottilien und P. Maurus für die Finanzierung der Straße.

    Abschließend unseren Wohltätern herzlichen Dank für die selbstlose Unterstützung und das Gebet.

    Mit den besten Segenswünschen und im Gebet, in Dankbarkeit

    Br. Bernhard O.S.B.

    Inkamana Abbey, 17.05.2026

  • Oster-Alleluja, April 2025

    Liebe Freunde und Wohltäter,

    das Osterfeuer ist bereits erloschen, doch die Osterkerze brennt weiter und erinnert uns täglich an die Gnade der Erlösung durch die Auferstehung Jesu Christi.
    Auch wenn etwas verspätet, wünsche ich Ihnen eine gnadenreiche Osterzeit.

    Zurzeit bin ich nach einer Operation an meiner rechten Hand noch etwas eingeschränkt beim Schreiben. Drei wichtige Finger haben noch wenig Gefühl, aber es wird allmählich besser.

    Nach der Osterfeier am 5. April ging in Inkamana ein besonders großes Fest voraus: das Benediktusfest am 21. März.

    Wie üblich feiern wir an diesem Tag alle anstehenden Jubilare des Jahres. Heuer standen zwei besondere Jubilare auf dem Programm: unser ehemaliger Abt Gottfried Sieber sowie unser ehemaliger Abt John Paul, der sein 25-jähriges Priesterjubiläum feierte. Unser prominentester Jubilar war natürlich Abt Gottfried Sieber, der 60 Jahre Priesterweihe und 55 Jahre Profess beging.

    Gleich fünf Mitren ragten über die vielen mitzelebrierenden Priester hinaus. Hauptzelebrant war Kardinal W. Napier. Zwei Bischöfe sowie die beiden ehemaligen Abte John Paul und Abt Dennis waren ebenfalls beteiligt.

    Unser Abt em. Gottfried jedoch trägt grundsätzlich keine Mitra. Diese Bemerkung bedarf einer kurzen Erklärung:

    Schon vor vielen Jahren erklärte der damalige Abtpräses Jeremia, dass nur ein Abt, der aktiv ein Kloster leitet, die Mitra tragen soll. In Europa wird dies so praktiziert. Die afrikanischen Äbte haben jedoch eine andere Einstellung:
    ,,Einmal Abt, immer Abt.”

    Kurze Nachrichten:
    Gestern, am 20. April, kehrten Abt Boniface und Bruder Leonard (Sekretär) vom afrikanischen
    Regionaltreffen aus Tansania zurück.
    Am 18. April, am vergangenen Samstag, brach bei einer Sportveranstaltung eine unserer jungen Lehrerstudentinnen infolge eines Herzinfarkts zusammen und verstarb. Pater Ambros verständigte umgehend ihre Eltern. Deren erste Frage lautete: ,,Wer ist daran schuld?”

    Mein kleines neues Wirkungsfeld befindet sich an meiner ehemaligen Station Twasana. Dort ist schon seit Jahren kein Bruder mehr tätig. Die Schwestern sind im wirtschaftlichen Bereich völlig überfordert: Die Traktoren werden nicht mehr gewartet, viele Geräte sind defekt. Die Maiserntemaschine habe ich bereits repariert. Pater Maurus spendete Geld für eine neue Maispflanzmaschine.

    Herzlichen Dank für Ihre Spenden und Ihr Gebet.
    Br. Bernhard O.S.B.

  • alterGlaube & neueHeimat – Juni 2026

    alterGlaube & neueHeimat – Juni 2026

    Der Mai mit den vielen Feiertagen und den zahlreichen Regen- und Kältetagen ist zu Ende und wir können uns jetzt über die Blütenpracht der Rosen in den Gärten erfreuen und über die Hitze der letzten Tage jammern.

    Ebenso konnten wir am letzten Mai-Wochenende das Pfingstfest feiern. Mein Pfingstwunsch, den ich im neueHeimat-Blatt vom Juni letzten Jahres geäußert habe:  „Auch vielen unserer heutigen Staatsoberhäupter weltweit würde man wünschen, dass der Heilige Geist auf sie herabkäme und ihnen Erleuchtung bringen möge“ hat sich leider nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil!

    Auch der Sudetendeutsche Tag, der erstmals in Brünn unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung“ stattfand, wurde dem Schlagwort nicht ganz gerecht. Kaum eine andere Veranstaltung hat die tschechische Nation so gespalten, wie der Sudetendeutsche Tag. Je nachdem welche Informationsquelle man benutzte, Sudetendeutsche Zeitung, Tagesschau-Berichte oder Radio Prag, waren unterschiedlichste Meinungen zu lesen, die selbst bis in die Regierungskreise reichten.

    Wen jemand von Euch Lesern den Sudetendeutschen Tag in Brünn besucht hat, würde ich mich freuen, Euren Erlebnisbericht „aus erster Hand“ zu erfahren.

    Eine andere Veranstaltung, die dem Motto „Begegnung“  oder besser gesagt  „Bewegung“ näher kommt, findet in Deutschland statt.

    Sonderausstellung Ferdinand Porsche und andere Pioniere.
    Wegbereiter der Mobilität aus Böhmen und Mähren

    Ferdinand Porsche (* 1875 in Reichenberg), der Vater des legendären VW-Käfer, und alle weiteren Pioniere  schrieben Geschichte  und wurden zu Wegbereitern unserer heutigen Mobilität. Ferdinand Porsche wird auch der Satz „Nicht die Technik macht Geschichte, sondern die Menschen, die sie erfunden haben“ zugeschrieben.

    Neben Ferdinand Porsche stellt die Ausstellung u.a. Pioniere wie Franz von Gerstner vor, den Konstrukteur der wegweisenden ersten Pferdeeisenbahn Mitteleuropas von Linz nach Budweis oder es ist das von Hugo Albin Liebisch entwickelte originelle und skurrile 6 Meter lange Böhmerland-Motorrad zu sehen.

    Das Highlight der Ausstellung dürfte aber das von Willibald Gatter konstruierte Auto sein, das als erster erschwinglicher Kleinwagen der Welt gilt. Weltweit existiert nur noch ein einziges Gatter-Auto.

    Doch neben Porsche zeigt die Ausstellung auch die Lebenswege von einigen anderen Konstrukteuren in diesem Feld, die insbesondere beim Fahrrad, Motorrad und dem Automobil Pionierarbeit geleistet haben, wie etwa Vaclav Laurin und Vaclav Klement, deren 1895 gegründete Fahrradfabrik 1925 zum Autohersteller Škoda wurde.

    Alle diese Pioniere der Technik brachten der Welt die individuelle Bewegungsfreit, ohne die wir uns das heutige Leben nicht mehr vorstellen könnten.

    Nicht nur für Technik-Fans ist diese Ausstellung  absolut sehenswert.

    Noch bis Sonntag, den 20. September findet sie im Isergebirgs-Museum – Gablonzer Haus, Bürgerplatz 1  – Kaufbeuren-Neugablonz statt.
    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag  13-17 Uhr.


    Bitte die Anmeldung zum Malschinger Treffen nicht vergessen!

    Herzliche Grüße von Eurer Gerdy Hecker-Pischulti

  • Rehbock im Frühling

    Rehbock

    Danke an Erna Hauber für dieses schöne Bild.

  • Heimatvertriebene „übernahmen“ vor 80 Jahren Schönbrunn

    Eine Schilderung von dem Zeitzeugen Erich Schaufler

    Die selbständige Gemeinde Schönbrunn zählte im Frühjahr 1946 (überschlägig) 120 Einwohner. Freier Wohnraum war da und dort in dem gräflichen Dorf vorhanden.

    Es ist die Rede vom 30. Mai 1946, als der kleine Ort um weitere 87 Personen anwuchs. 40 Heimatvertriebene waren schon untergebracht oder kamen in den nächsten Tagen hinzu. Der große Schub waren Böhmerwäldler, jene Deutsche, die nach dem verlorenen Krieg von den Tschechen vertrieben wurden.  

    Wo war mein Heimatort Oberhaid?

    Die Marktgemeinde Oberhaid (jetzt Horni Dvoriste), gegründet 1278, etwa 1 100 Einwohner, liegt 108 km ostwärts von Passau, an der Grenze zum oberösterreichischen Mühlviertel oder 50 km nördlich von Linz. Die Kreisstadt Krummau (Ceski Krumlov – Weltkulturerbe-Stadt) ist 35 km entfernt.

    In der Zeit um 1200 warben Landbesitzer aus dem heutigen Tschechien im bayrischen Frankengebiet um arbeitswillige Einwanderer. Sie sollten die Mittelgebirgsregionen  roden, urbar machen und besiedeln, was auch geschah.

    (Erwähnenswert ist die Namensgleichheit mit dem Ort Oberhaid bei Bamberg, Oberfranken, wo auch der Nachbarort Unterhaid angrenzt. Es ist die gleiche Gegebenheit wie bei mir zuhause, wo auch einige Familien Bamberger hießen, wie auch ein Ort und ein Berg).

    Wirtschaftliche Lage in meinem Heimatgebiet

    Der untere Böhmerwald war mit den Städten Krummau und Budweis auch touristisch erschlossen. „Sommerfrischler“ brachten Geld in die Moldaulandschaft. Die Gegend war überwiegend forstwirtschaftlich strukturiert und technisch gut entwickelt. Oberösterreicher kauften gerne  bei den Deutschen „herüben“ ein.
    Meine sechsköpfige Familie (44, 41, 10, 7, 6 und ich 4 Jahre) hatte eine kleine Landwirtschaft mit etwa 12 Tagwerk landwirtschaftlichem Grund. Sie reichte offensichtlich für die Grundversorgung aus. Vater verdiente noch als Postbote hinzu. Alles war gerichtet, alles war gut! Einer schönen Zukunft stand nur Hitlers nationalsozialistische Politik im Wege.

    Der Krieg

    Im Herbst 1938 besetzte Hitlers Wehrmacht die grenznahen Landstriche, die von 3 Millionen Deutschen bewohnt waren. Er holte uns quasi „heim ins Reich“. Damit nicht genug, ein Jahr später im Herbst 1939 erklärte er den 7,5 Millionen Tschechen den Krieg.  Am 8. Mai 1945 war dieser mit       350 000 toten Tschechen und 25 000 toten Deutschen verloren.

    Die Vertreibung

    Der Hass auf die Deutschen war demzufolge immens. Sofort wurden Strafmaßnahmen verhängt. So mussten die Erwachsenen weiße Armbinden tragen mit dem Buchstaben N (Nemec/Deutscher), durften keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, mussten ab 20 Uhr im Hause sein und die Türen durften nicht abgeschlossen werden. Diejenigen, die Gewalt verübten oder gar töteten, wurden amnestiert. Und zudem war überall zu hören, dass die Deutschen vertrieben werden. Die Väter nagelten vorsorglich Kisten zusammen, falls es so kommen sollte. Alsbald wurde dann schon angeordnet, dass die Deutschen abgeschoben werden. Jeder erhielt eine Ausweisungsverfügung. In meinem Ort Oberhaid betraf es 900 Personen. Viele sind vorher schon über die nahe Grenze nach Oberösterreich geflohen.

    Bis September 1946 wurde dann die Bewohnerschaft in 12 Schüben außer Landes gebracht. Wir waren im 2. Schub dabei. Für jede Person durften 50 Kg Habseligkeiten eingepackt werden, wobei Wertsachen (Geld, Schmuck etc.) und der Hausschlüssel im Gemeindeamt abzugeben waren. Noch etwas: das Vieh war vorher noch zu füttern.

    Also, am 17. Mai 1946, 07.00 Uhr, mussten wir uns mit weiteren 108 Personen auf dem Marktplatz einfinden. Militär-Lastwägen standen bereit. Soldaten durchsuchten nochmals die Personen und das Gepäck nach Wertsachen, ehe die Abfuhr erfolgte. Nun ging es zu einer 14 km entfernten Kaserne, die als Lager eingerichtet und schon von vielen Leuten besetzt war. Die Aufenthaltsumstände waren verheerend. Das Essen bestand aus Wassersuppen, geschlafen wurde auf aufgestreutem Stroh und die Notdurft war in Gemeinschaft über einem langen „Donnerbalken“ zu entrichten. Kinder und alte Leute mussten von Begleitpersonen gehalten werden. Stürze in die Fäkaliengrube waren nicht selten, so die übereinstimmenden Erzählungen.

    Vier Tage dauerte der Aufenthalt. In dieser Zeit erfolgte die Registrierung und eine ärztliche Untersuchung. Kranke Personen wurden aussortiert und nach Irgendwo in das Landesinnere gebracht.

    Am 21. Mai 1946 erfolgte der Abschub. Der bereitgestellte Viehtransport-Zug nahm 1 203  Personen  in 40 Waggons zu je 30 Leuten mit deren Gepäck auf. Als alles eingeladen und die breiten Schiebetüren verriegelt waren, nahm die 48-Stundenfahrt über Budweis, Pilsen, Taus nach Furth im Wald ihren Anfang. Mehrmals hielt er auf den freien Strecken an. Die Leute konnten unter Aufsicht austreten. Sonst standen in den Waggons Notdurft-Behältnisse.

    Der schlimmste Umstand war wohl, dass keiner wusste, wohin der Zug ratterte. Während der Fahrt konnte der Verlauf nicht wahrgenommen werden, da die Viehwaggons keine Fenster hatten.  Erst während der letzten 20 Km ahnten die Erwachsenen dann doch, dass nicht Russland, sondern das bayrische „Furth im Wald“ angesteuert werde. Dies war wohl nach vielen Wochen der Menschenunwürdigkeit der erste Sonnenstrahl für die Gedemütigten.

    In der bisherigen Schilderung ist das Befinden der Vertriebenen nicht beschrieben. Jeder könne sich das aufgekommene und auf Dauer angelegte Wehklagen vorstellen. Wie wäre es denn heute, wenn wir fort müssten? In vielen Familien fehlte der Vater und/oder der erwachsene Sohn. Alte und greise Leute hatten es besonders schwer mit den unausweichlichen Umständen zurecht zu kommen. Die Mütter waren es, die hauptsächlich die ganze Last trugen.

    In Furth in Wald angekommen, gab es von den Amerikanern etwas zu essen. Alle Personen wurden nochmals ärztlich untersucht und nackt, in der Reihe stehend, entlaust. Das ausgepumpte stinkende PPT-Pulver (nur für Tiere geeignet) hüllte die Leiber ein.                                                                          

    Auf diese Art und Weise hat der Tschechisch-Slowakische Staat uns 87 Oberhaider und weitere 750 000 Sudetendeutsche in Furth im Wald außer Landes gebracht.

    Willkommen in Bayern?

    Weiter ging es mit dem gleichen Transport nach Schwabach-Vogelherde, wo eine Verteilung auf Bayern erfolgte. Wir wurden nach Eichstätt-Turnhalle (jetzige Studentenmensa)  gebracht und von dort in den Zug nach Kipfenberg gesetzt. Dort warteten zwei Traktoren mit Anhänger, auf denen die Behältnisse, die alten Leute und Kleinkinder transportiert wurden. Alle übrigen Personen mussten die neun Kilometer nach Schönbrunn zu Fuß meistern. Im Schlosshof angekommen und von den Dorfleuten erwartet,  verköstigte dankeswerter Weise Gräfin v. der Schulenburg die „Neubewohner“  mit einer Kartoffelsuppe. Dem Bürgermeister Gustl Weichselberger oblag letztlich die Zuweisungen der Wohnungen.

    Abschließende Bemerkungen

    Wie schon erwähnt, ich war vier Jahre alt und weiß von der Vertreibung nur, dass ich an den Abenden ungut und weinerlich war, weil mir das Bett fehlte. Tagsüber war für mich offensichtlich alles interessant – die Fremde, das Zugfahren, die vielen Personen etc. Ich konnte ja auf die Mutter zugreifen.

    Ab der Wohnsitznahme in Schönbrunn setzte bei mir die Wahrnehmung ein und die Vertreibung ließ mich nicht mehr los. Ich hörte den klagenden Betroffenen zu, las und sammelte viele Heimatartikel, machte Notizen und organisierte Heimattreffen hüben und drüben. Alt-Schönbrunner waren mir wertvolle Stofflieferanten. Meinen Bericht stelle ich nun der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ein Buch mit mehr Ausführlichkeit lege ich der Gemeinde ins Archiv. Mit einem weiteren Bericht werde ich noch die Integrationsleistung der damaligen Schönbrunner (sie waren ja rechnerisch kurzzeitig in der Unterzahl) würdigen, waren sie doch in jeder Hinsicht mitfühlend, hilfsbereit und ehrenwert. Vier Schönbrunner können sich an damals noch erinnern, Heimatvertriebene leben dort nicht mehr.

    Erich Schaufler, im Mai 2026