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  • “Ein Sudetendeutscher Tag für die Geschichtsbücher”

    “Ein Sudetendeutscher Tag für die Geschichtsbücher”

    Das erste Pfingstreffen in der Tschechischen Republik ist in Tschechien und Deutschland auf breite Resonanz gestoßen

    „Nur wer wagt, gewinnt“, hatte Bernd Posselt in seinem Leitartikel zum neuen Jahr in der Sudetendeutschen Zeitung geschrieben. Es war der Einstieg in ein besonderes Jahr. 80 Jahre, nachdem die meisten Sudetendeutschen aus ihrer jahrhundertealten Heimat vertrieben worden sind, hat erstmals ein Sudetendeutscher Tag in der Tschechischen Republik stattgefunden. Daß dies ein historischer Erfolg für die (sudeten-)deutsch-tschechische Verständigung wird, war noch vor Wochen nicht unbedingt absehbar.

    Bei seinem Antrittsbesuch bei Ministerpräsident Markus Söder im Februar in München hatte der neue tschechische Premierminister Andrej Babiš noch wenig aufgeregt reagiert. Zu der Einladung der Initiative Meeting Brno und den Planungen für den Sudetendeutschen Tag in Brünn sagte Babiš in der Pressekonferenz: „Wir haben uns in der Regierung nicht mit dem Thema beschäftigt. In unseren Augen ist das die Initiative von Bürgern. Ich habe offiziell keine Position dazu.“

    Doch dann begannen in der Koalition seine rechtsradikalen Juniorpartner SPD und Autofahrer-Partei Druck zu machen, insbesondere SPD-Parteichef Tomio Okamura und Außenminister

    Petr Macinka, die versuchten eine antideutsche Stimmung zu entfachen. Gelungen ist ihnen das nicht. Auf dem Mährischen Platz und beim Brünner Versöhnungsmarsch zeigten Sudetendeutsche und Tschechen, wie gelebte Versöhnung funktioniert. Und zwar ohne dabei die Vergangenheit grundsätzlich zu vergessen.

    So bildete den Auftakt dieses historischen Sudetendeutschen Tags am Donnerstag am Brünner Hauptbahnhof ein Gedenken der Schoa-Opfer. Viele Brünner Juden waren hier am Gleis 5 in Viehwaggons von den Nazis in die Vernichtungslager deportiert worden. Posselt nutzte diesen Gedenkauftakt für zwei Botschaften insbesondere an die Kritiker des Sudetendeutschen Tags.

    Erstens begrüßte er die Demonstranten und meinte, er freue sich, denn vor der Samtenen Revolution seien öffentliche Proteste nicht möglich gewesen.

    Und zweitens nahm Posselt alljenen den Wind aus den Segeln, die immer noch meinen, die Sudetendeutschen wollten ihre eigene Geschichte nicht wahrhaben. Zum wiederholten Mal bat Posselt öffentlich im Namen aller Sudetendeutschen um Vergebung für die Taten, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auch von zahlreichen Sudetendeutschen begangen worden sind.

    Der Brünner Versöhnungsmarsch war dieses Mal ein Gedenken aller Vertreibungsopfer und erinnerte nicht ausschließlich an den Brünner Todesmarsch im Mai 1945 im Rahmen der Wilden Vertreibung. Auch dieser Tag war historisch. Mit mehreren Tausend Teilnehmern, die vom Massengrab in Pohrlitz gemeinsam in ihre Stadt Brünn zurück gingen, war dies eine eindrucksvolle Demonstration, zumal sie von führenden Politikern beider Länder unterstützt wurde. Für Deutschland und Bayern nahmen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Bayerns weitere Ministerpräsidentin Ulrike Scharf teil. Und für Tschechien führte Senatspräsident Miloš Vystrčil auf dem letzten Kilometer den Versöhnungsmarsch an und entfachte am Mahnmal im Augustinerkloster eine Kerze für die deutschen Opfer der Vertreibung. Und am Pfingstmontag folgte das Gedenken der tschechischen Opfer am Kaunitz-Kolleg.

    Politischer Höhepunkt auch dieses Sudetendeutschen Tages war die Hauptkundgebung am Pfingstsonntag in der Brünner Messe. Im Fokus standen dieses Mal nicht nur die Festreden des Volksgruppensprechers und des Ministerpräsidenten als Schirmherrn, sondern eine besondere Ehrung.

    Posselt verlieh den Europäischen Karls-Preis, die höchste Auszeichnung der Sudetendeutschen, an den Brünner Ehrenbürger, Schriftsteller, ehemaligen Dissidenten und Parlamentspräsidenten Dr. Milan Uhde. Posselt würdigte ihn als „todesmutigen Vorkämpfer der Menschenrechte, bedeutenden, völkerverbindenden Schriftsteller und Politiker von europäischem Format“. Der Sudetendeutsche Tag in Brünn sei maßgeblich auch seiner Initiative zu verdanken.

    Besonders war auch die Teilnahme zweier Winton-Kinder und des Sohnes von Sir Nicholas Winton, Nick Winton, an mehreren Veranstaltungen des Sudetendeutschen Tags. Milena Grenfell-Baines und Eva Paddock waren im Sommer 1939 mit dem letzten Kinder-Transport von Prag nach England vor den Vernichtungslagern der Nazis gerettet worden. Alle drei eint das große Ziel „Nie wieder“.

    Nick Winton wurde in Brünn von einer tschechischen Zeitung mit einem großen Satz zitiert: „Vergebung bedeutet nicht zu sagen, daß jemand nicht schuldig war. Vergebung bedeutet anzuerkennen, daß diese Taten geschehen sind, und gemeinsam weiterzuleben.“

    „Der Sudetendeutsche Tag hat in allen Punkten meine sehr optimistischen Erwartungen bei weitem übertroffen“, zog Volksgruppensprecher Bernd Posselt Bilanz. Diese Einschätzung wurde auch von den anwesenden Politikern aus Bayern bestätigt. MdL Jürgen Mistol (Grüne), der auch den Versöhnungsmarsch mitgegangen ist, konnte das nur bestätigen: „Man sieht, daß Völkerverständigung und Aussöhnung zwei Seiten brauchen. Das ist in Brünn gegeben gewesen mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft und der Initiative Meeting Brno, die seit zweieinhalb Jahrzehnten dafür arbeitet, daß über das Thema auch in Tschechien gesprochen wird.“

    Volkmar Halbleib, MdL und Vertriebenenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Ich bin tief beeindruckt. Es war auch für mich ein bewegender Moment. Meine Mutter, die aus dem Egerland stammte und vor zwei Jahren verstorben ist, hätte sich so eine Geste zeitlebens gewünscht. Es war ein sehr gelungener Sudetendeutscher Tag – trotz der Proteste oder vielleicht auch wegen der Proteste. “

    Dr. Petra Loibl, CSU-MdL und Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Aussiedler und Vertriebene: „Es war ein historischer Sudetendeutscher Tag. Ich bin froh und dankbar, daß ich dabei sein durfte. Man hat eine richtige Aufbruchsstimmung gespürt.“ Torsten Fricke

    Grußwort von Dr. Markéta Vaňková, Oberbürgermeisterin der Stadt Brünn

    „Unrecht läßt sich nicht durch weiteres Unrecht beseitigen“

    Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Nachbarn, verehrte Gäste, ich möchte Sie herzlich in unserer schönen Stadt begrüßen.

    Brünn ist eine Stadt mit einem außergewöhnlichen kulturellen Gedächtnis. Schon immer war es ein Ort, an dem Menschen verschiedener Sprachen, Kulturen, Glaubensrichtungen und Traditionen nebeneinander lebten. Ihr wirtschaftliches, kulturelles und intellektuelles Leben wurde gemeinsam von Tschechen, Deutschen und Juden geprägt.

    Brünn ist zudem eine grüne Stadt, eine Stadt, die ruhige Orte bietet, an denen man entspannen und neue Kraft schöpfen kann. Einer dieser Orte ist auch der Brünner Stausee. Den ich mir nun für eine kleine Metapher ausleihe.

    Die Oberfläche dieses Stausees wirkt auf den ersten Blick meist ruhig und ausgeglichen. Doch es genügt, einen großen Stein hineinzuwerfen, das Wasser trübt sich, der Schlamm vom Grund steigt auf, es entsteht Unruhe. Und alles Lebendige zieht sich erschrocken zurück. Es kann lange dauern, bis die ursprüngliche Entspanntheit und das Vertrauen wieder zurückgekehrt sind. Aber nichts wird wieder so sein, wie es vorher war, und auch die Steine bleiben irgendwo liegen.

    Solche Momente kennen wir auch aus der Geschichte unserer Länder. Genau deshalb hat unsere heutige Begegnung in Brünn eine tiefere Bedeutung. Wir begegnen uns nicht, um die unermeßlichen Schrecken des Zweiten Weltkriegs in Frage zu stellen, das Unrecht wieder aufleben zu lassen und es vereinfacht in schwarz-weiße Urteile zu gießen. Wir treffen uns hier, um Verständnis zu suchen. Unrecht läßt sich nicht durch weiteres Unrecht beseitigen. Unrecht bleibt Unrecht. Ob beim ersten oder hundertsten Mal. Die einzige Möglichkeit, die eine Zukunft eröffnen kann, ist die Versöhnung. Es braucht den Mut, der Vergangenheit ins Auge zu schauen, aber gleichzeitig nicht zuzulassen, daß Haß unser Schicksal und das Schicksal künftiger Generationen bestimmt.

    Umso bedeutungsvoller sind Momente wie diese. Wenn wir nebeneinander statt gegeneinander stehen. Momente, in denen die Nachkommen derer, die gehen mußten, nicht mit Forderungen und dem Wunsch nach Vergeltung kommen, sondern mit dem Wunsch, die Heimat ihrer Vorfahren kennenzulernen und neue Beziehungen zu knüpfen. Es ist unsere Verantwortung, Brücken zu bauen zwischen Erinnerung und Verständnis zwischen den Völkern, die einst durch Krieg und Haß getrennt wurden. Ob wir nun tschechisch oder deutsch sprechen, es geht immer in erster Linie um konkrete menschliche Schicksale, um unsere Mütter, Kinder, Familien, um verlorene Liebesbeziehungen, um die verlorene Heimat, aber auch um wiedergewonnenes Vertrauen.

    Heute, da unweit von uns bereits im fünften Jahr Krieg tobt, wird uns noch stärker bewußt, wie zerbrechlich der Frieden ist, wie leicht und schnell Nationalismus, Angst und die Spaltung der Gesellschaft Nachbarn zu Feinden machen können. Ich danke denen, die den Mut bewiesen haben, auch über schmerzhafte Themen zu diskutieren, zu sprechen, sich auszutauschen. Und ich danke allen, die daran glauben, daß Versöhnung keine Schwäche, sondern eine Stärke ist. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß wir trotz unserer schmerzhaften Vergangenheit unseren weiteren Weg gemeinsam beschreiten können. Ich wünsche mir, daß aus Brünn eine wichtige Botschaft deutlich in voller Kraft erklingt. Die Botschaft, daß die Stärke Europas nicht darin liegt zu vergessen, sondern in der Fähigkeit, aus der eigenen Geschichte zu lernen. Ich danke Ihnen.

    Ein Handschlag gegen Haß und Hetze

    Staatspräsident Petr Pavel empfängt Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder auf der Prager Burg

    Es ist mehr als eine Geste. Es ist ein klares Statement für Demokratie und Völkerverständigung: Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel hat Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder nur Stunden nach dessen Rede auf dem Sudetendeutschen Tag in Brünn am Pfingstsonntag auf der Prager Burg empfangen.

    Das Staatsoberhaupt konterte damit einer Kampagne, die die Rechtsaußen, Parlamentspräsident Tomio Okamura und Außenminister Petr Macinka, gegen die deutsch-tschechische Verständigung initiiert hatten. Zuvor hatte Pavel bereits die Schirmherrschaft für das Festival Meeting Brno, unter dessen Dach der Sudetendeutsche Tag erstmals in der Tschechischen Republik stattfand, übernommen.

    Söder kommentierte nach dem Treffen: „Bayern und Tschechien sind Freunde und Partner: Vielen Dank an Präsident Petr Pavel für die Einladung. Bayern und Tschechien haben die letzten Jahre ein neues Kapitel der Zusammenarbeit aufgeschlagen. Das werden wir weiter intensivieren. Früher lagen unsere Länder am Rand der Blöcke – heute gestalten wir im Herzen Europas.“

    Und Pavel erklärte: „Wir waren uns einig, daß die tschechisch-deutschen Beziehungen auf gegenseitigem Respekt und einer gemeinsamen Zukunftsperspektive beruhen und daß die Vergangenheit kein Hindernis für gutnachbarliche Beziehungen sein darf. Bayern ist unter den deutschen Bundesländern ein wichtiger Wirtschaftspartner für uns, weshalb es umso wichtiger ist, die Zusammenarbeit weiter auszubauen, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Handel, Kultur, Tourismus oder Gesundheitswesen.“

    Söder unterstrich, daß Bayern auch „ein Anwalt Tschechiens“ gegenüber dem Bund sei. „Gerade in einer Welt im Wandel mit immer neuen internationalen Krisen und Kriegen brauchen wir Gemeinsamkeit in Europa. “

    Am Freitag vor Pfingsten hatte Pavel außerdem mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier telefoniert. In einer gemeinsamen Erklärung hieß es anschließend: „Gutnachbarschaftliche Beziehungen sind Eckpfeiler jeder Außenpolitik. Tschechien und Deutschland verbindet heute eine außergewöhnlich enge und starke Partnerschaft. Wir legen großen Wert auf den Pfad der Versöhnung, den unsere Nationen nach einem dunklen und schmerzhaften Kapitel unserer Geschichte beschritten haben. Im Geist von gegenseitigem Verständnis, Respekt und Partnerschaft haben unsere Länder einen weiten Weg zurückgelegt.“

    Rekordbeteiligung am Brünner Versöhnungsmarsch

    Die Menschlichkeit ist zurück in Brünn

    „Es gab nicht nur den einen Brünner Todesmarsch, der am 30. Mai 1945 am Augustinerkloster begann, sondern einen weiteren am 6. Juni von der Wiener Straße in Brünn“, erklärt Dr. Günter Reichert auf der Busfahrt vom Hotel Internatioal nach Pohrlitz. 60 000 Deutsche lebten 1944 in Brünn. Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 immer näherrückte, flüchtete wer konnte Richtung Westen. Zurück blieben alte Männer, Frauen und Kinder oder jene, die selbst unter den Nazis gelitten hatten und sich keinerlei Mitschuld bewußt waren. Am 26. April hatte die Rote Armee dann die deutsch-jüdisch-tschechische Stadt eingenommen. Und mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 waren der Zweite Weltkrieg und die menschenverachtende Nazi-Herrschaft beendet. Es herrschten wieder Recht, Gesetz, Frieden – eigentlich. 

    Es ist kurz nach acht Uhr. Und ein ganzes Dutzend an vollbesetzten Bussen rollt auf der Autobahn gen Süden der österreichischen Grenze entgegen. Das Interesse am Brünner Versöhnungsmarsch sprengt dieses Jahr alle Dimensionen. Statt Hunderte sind es Tausende Sudetendeutsche und Tschechen, die gemeinsam in ihre Stadt zurückgehen wollen. Tage zuvor hatte Meeting Brno, der Veranstalter, die Anmeldung stoppen müssen.

    Am Fronleichnamstag 1945 war es ebenfalls 8 Uhr, als eine im Rückblick schwer erklärbare Koalition aus Arbeitern der Brünner Rüstungswerke und ehemaligen Häftlingen der Nazis, unterstützt von Partisanen, damit begann, unter Waffengewalt 20 000 bis 25 000 Menschen vom Augustinerkloster in Richtung Österreich zu treiben – ohne jede Form von Menschlichkeit. Wer nicht mehr konnte, wurde erschlagen oder erschossen und am Straßengraben liegengelassen.

    Nach einer halben Stunde erreicht der Bus, in dem Dr. Reichert einen kurzen, fundierten Abriß der damaligen Nachkriegsverbrechen gab, die Gedenkstätte in Pohrlitz. Es wimmelt bereits von Menschen. Laufend kommen neue Busse an. Die Polizei hat die Landstraße gesperrt und regelt den Verkehr.

    Auch im Mai 1945 herrschten hier Enge und Gedränge. Weil Österreich die Grenze geschlossen hatte, werden die Brünner Deutschen in einer Lagerhalle eingepfercht. Die Verhältnisse sind unmenschlich. Es grassiert Hunger und Durst. Es gibt keine Toiletten. Seuchen brechen aus – das große Sterben beginnt.  Allein hier, im Massengrab von Pohrlitz, sollen 800 Menschen begraben sein. Wie viele Opfer der Brünner Todesmarsch insgesamt gefordert hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Aber welchen Sinn macht ein Streit um Zahlen, wenn jedes einzelne Menschenleben zählt?

    Es ist 8.31 Uhr, als eine Kolonne mit schwarzen Limousinen Pohrlitz erreicht. Es folgt das übliche Prozedere. Beim Wagen in der Mitte, einem 7er BMW mit schwarz-rot-goldener Standarte, bleiben die Türen geschlossen. Aus den anderen Limousinen steigen die Personenschützer des Bundeskriminalamtes aus. Trotz der Hitze tragen die BKA-Beamten Anzug. Und unter deren Hemden zeichnen sich die Unterziehwesten ab. Kurz darauf steigt auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt aus und wird begrüßt von Steffen Hörtler, der als Landesobmann der SL-Bayern seit Jahren am Brünner Versöhnungsmarsch teilnimmt, Stephan Mayer, MdB und Präsident des Bundes der Vertriebenen, und den Vertretern von Meeting Brno, Petr Kalousek, David Macek und Veronika Smyslová.

    Auch Staatsministerin Ulrike Scharf ist bereits in Pohrlitz – aber anders als Dobrindt im sportlichen Outfit. Sie wird einen Großteil der Strecke mitgehen, während Dobrindt und Volksgruppensprecher Bernd Posselt in der Brünner Messe den Sudetendeutschen Tag eröffnen.

    Bereits im Vorjahr hatte die Schirmherrschaftsministerin am Brünner Versöhnungsmarsch teilgenommen. Und ihre empathische Rede zeigt, daß die Ministerin diese Eindrücke nachhaltig geprägt haben.

    Die Delegation geht vorbei an dem großen Eisenkreuz mit den beiden Gedenkplatten. Unbekannte hatten sie in der Nacht mit Hakenkreuzen beschmiert – was Tschechiens aufrechter Staatspräsident Petr Pavel mit scharfen Worten öffentlich kritisierte. Genau hier hatte der rührige Bürgermeister von Pohrlitz, Miroslav Novák, vor einem Jahr Volksgruppensprecher Bernd Posselt empfangen, um gemeinsam und abseits der großen Öffentlichkeit der Opfer zu gedenken. Die Schmierereien sind ihm peinlich – auch wenn er dafür nun wirklich nicht verantwortlich ist.

    In der Menschenmenge kommt es für Minister Dobrindt zu einer besonderen Begegnung. Ihm werden zwei ältere Damen vorgestellt. Milena Grenfell-Baines und Eva Paddock. Im Sommer 1939 waren sie mit dem letzten Kindertransport von Prag nach Großbritannien vor den Nazis gerettet worden. An ihrer Seite ist Nick Winton, der Sohn von Sir Nicholas Winton, der damals 669 meist jüdische Kinder vor dem Tod in den Konzentrationslagern bewahrt hat. Für Volksgruppensprecher Bernd Posselt ist dies bereits die zweite Begegnung mit diesen Zeitzeuginnen, die sich weltweit für das „Nie wieder“ engagieren.

    Beobachtet wird die gesamte Szenerie von einer Handvoll Gegendemonstranten, die hinter der Hecke stehen – was ungewollt komisch wirkt.

    Nach Reden, Gebet und Kranzniederlegungen sowie einem Gruppenfoto von einer Hebebühne beginnt kurz nach 10 Uhr der Marsch zurück nach Brünn. Es sind Tausende, die sich in diesem besonderen Jahr gemeinsam auf den Weg machen. Darunter auch die Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, die bereits im Vorjahr die gesamte Strecke mitgegangen ist, und ihr Kollege Jürgen Mistol, der sich seit Jahren für die bayerisch-tschechische Aussöhnung engagiert. Kurz nach Pohrlitz führt die Strecke über die Autobahn. Dann folgt eine Abzweigung nach links. Es geht einen Hügel hinauf. Von hier sieht man, wie sich das Teilnehmerfeld über mehrere Kilometer hinzieht. Die Beteiligung am Brünner Versöhnungsmarsch ist unglaublich. Was 2007 der Student Jaroslav Ostrčilík mit zwei Kommilitoninnen, die ihn damals aus reinem Mitleid begleitet hatten, gestartet hat, ist zu einer eindrucksvollen Demonstration der Versöhnung geworden – es sind Tausende. An einigen Stellen hatten Gegendemonstranten ihre Parolen auf den Teer gesprüht. Aber es gab auch Widerspruch. „Willkommen daheim“ prangte in großen Lettern auf der Straße.    

    Nach 17 Kilometern ist in Großraigern der erste Halt. Wasser, Verpflegung und Bier stehen bereit – anders als vor über 80 Jahren. Plötzlich wird es laut. Eine Rockergruppe, die die rechtsradikale Autofahrerpartei unterstützt, nutzt den Kreisverkehr für ihren Protest. Haß und Hetze in Lederjacken – die Mimen und Gesten der Rocker dürften denen der Bewacher des Brünner Todesmarsches nicht unähnlich gewesen sein. Aber heute hat die tschechische Polizei alles im Griff.

    Stunden später erreichen die Versöhnungsmarschierer dann das Gymnasium an der Wiener Straße, der traditionelle Treffpunkt vor der letzten Etappe. Hier warten ebenfalls Tausende, um gemeinsam den letzten Kilometer bis in den Garten des Augustinerkloster zu gehen. An der Spitze ist der zweithöchste Mann Tschechiens, Senatspräsident Miloš Vystrčil. Gemeinsam mit Staatspräsident Petr

    Pavel hatte er die Schirmherrschaft über das Festival Meeting Brno inklusive des Versöhnungsmarsches und des Sudetendeutschen Tags übernommen und damit ein deutliches Zeichen gesetzt.

    Auf dem Weg durch die Brünner Innenstadt geht Vystrčil unaufgeregt und aufrecht an den Demonstranten vorbei. Der Mann hat Größe. Im Klostergarten setzt der Senatspräsident dann das nächste Zeichen. Er entzündet eine Kerze – am Mahnmal für die sudetendeutscher Opfer des Brünner Todesmarsches. Die Menschlichkeit ist zurück in Brünn. Torsten Fricke

    Sudentendeutscher Tag 2026 – Kranzniederlegung

    Mährischer Platz in Brünn

    Der lange Tisch der guten Laune

    „Wir müssen nach dem suchen, was uns verbindet, und nicht nach dem, was uns trennt“, hatte der neue Prager Erzbischof Stanislava Přibyl vor wenigen Wochen bei seiner Amtseinführung appelliert. Meeting Brno hat diese Worte mit der Aktion „Der lange Tisch“ am Freitag auf dem Mährischen Platz in Brünn umgesetzt.

    Bei Bier und Schmankerln, Musik und Tanz kamen Sudetendeutsche und Tschechen schnell ins Gespräch – umrahmt auch hier von ein paar Gegendemonstranten, deren steinerne Mienen Volksgruppensprecher Bernd Posselt launig so interpretierte: „Die würden am liebsten mitfeiern, aber deren Auftraggeber haben es ihnen verboten.“

    „Unsere Einladung ist angenommen worden. Das freut uns sehr. Das Konzept geht auf. Alle kommen an diesem Nachmittag miteinander ins Gespräch“, freut sich Petr Kalousek von Meeting Brno über den vollbesetzten Platz.

    Schirmherrschaftsministerin Ulrike Scharf war von der Veranstaltung begeistert und schrieb anschließend auf ihrem Facebook-Kanal, daß vor allem viele junge Menschen diesen Ort der Begegnung mitten in Brünn genutzt haben. Ebenfalls unter den zahlreichen Gästen waren Dr. Bernd Fabritius, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, und natürlich zahlreiche Vertreter der Sudetendeutschen Landsmannschaft, wie Volksgruppensprecher Bernd Posselt, Christa Naaß, Präsidentin der Sudetendeutschen Bundesversammlung, und Steffen Hörtler, Landesobmann der SL in Bayern.

    Und auch friedliche Gegendemonstranten, die sich nach anfänglichem Zögern doch an den langen Tisch trauten, wurden mit ausgestreckter Hand zum Gespräch eingeladen. Insbesondere Radek Novák vom Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität (rechts) sowie die Karls-Preisträger Milan Horáček und Dr. Libor Rouček diskutierten engagiert für die Völkerverständigung.

    Ein weiterer Höhepunkt waren die Auftritte der Trachtengruppen. Sogar eine Abordnung aus Brasilien zeigte ihr Können und machte deutlich, daß es wohl keinen Ort auf der Welt gibt, wo nicht auch Sudetendeutsche leben. Die Veranstaltung wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt. Torsten Fricke

  • alterGlaube und neueHeimat – April 2026

    alterGlaube und neueHeimat – April 2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching,

    Palmsonntag, die Karwoche und Ostern

    Es ist Zufall, dass in diesem Jahr die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit zeitgleich auf den Palmsonntag (29. März) fiel. Dennoch steckt dahinter, wenigstens für mich, ein bisschen Symbolik. Hat der Palmsonntag nicht auch für die Menschen eine Umstellung, hin zu mehr Licht, bedeutet?

    Wir alle kennen die Ereignisse vom Palmsonntag bis zur Auferstehung von Jesus Christus an Ostern. Deshalb will ich hier nicht die christliche Ostergeschichte wiederholen, sondern mich auf die weltlichen Sitten und Bräuche konzentrieren.

    Palmesel: Beginnen wir gleich am frühen Morgen des Palmsonntags. Wer als Letzter der Familie aus dem Bett kommt, wird als „Palmesel“ bezeichnet. Aber warum? Seit dem Mittelalter werden vielerorts Prozessionen abgehalten, bei denen eine Holzfigur, die Jesus darstellt, auf einem Esel mitgeführt wird. Der Letzte, der zur Kirche kam wurde verspottet und als „fauler Esel“ bezeichnet der hinter dem Esel herlaufen musste. Wer war bei Euch der Palmesel?

    Palmweihe: Beim Gottesdienst in der Kirche wurden die „Palmbuschen“, Sträußchen aus den bereits erblühten Palmkätzchen/Weidenkätzchen geweiht. Diese wurden dann als Schutzbringer zuhause unter das Kreuz gesteckt, um das Haus vor Unglück zu schützen.

    Es gibt auch den Brauch, dass einige der Palmkätzchen dem Vieh unter das Futter gemischt wurden oder ein Zweig aus dem Palmbuschen am Ostersonntag mit einigen Eierschalen auf den Feldern verteilt wurden. Das sollte das Vieh und die Feldfrüchte schützen.

    Palmburschen: Sehr beeindruckend muss es auch gewesen sein, wie in Malsching der Palm-sonntag gefeiert wurde. Schon tagelang waren die Burschen des Ortes damit beschäftigt, die Palmkätzchenzweige in großen Bündeln zusammen mit bunten Bändern auf lange Stangen zu binden, um damit in die Kirche einzumarschieren und sich neben dem Altar aufzustellen. Es war ein regelrechter Wettbewerb, wer den höchsten Palmbuschen vorweisen konnte. Was als Siegprämie ausgelobt wurde, ist mir nicht überliefert worden. Vielleicht ein Freibier im neben der Kirche liegenden Gasthaus? Hat Jemand Fotos von den Palmburschen?

    Am Palmsonntag beginnt die Karwoche

    Gründonnerstag, der fünfte Tag der Karwoche ist nach der Überlieferung der Tag des letzten Abendmahls das Jesus zusammen mit seinen Jüngern eingenommen hat. Nach der Überlieferung gab es Brot und Wein. Bei uns ist es üblich, dass am Gründonnerstag grüne Speisen, überwiegend Spinat, Salat, grünes Gemüse oder grüne Kräutersaucen gegessen werden.

    Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ wird in vielen Ländern unterschiedlich benannt. Besonders in Süddeutschland und auch in Tschechien  wird der Name Gründonnerstag verwendet wobei sich die Bezeichnung „grün“ nicht unbedingt auf die Farbe grün bezieht und unterschiedliche Bedeutungen haben kann.  Im süddeutschen/österreichischen  Sprachraum führen wir die Bezeichnung eher auf die alt- und mittelhochdeutschen Worte grinan, grinen, greinen (weinen) zurück.

    Als kirchlicher Brauch werden von Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht die Altäre mit schwarzen Tüchern verhängt und keine Glocken geläutet. Sie „fliegen nach Rom“, wie man sagt.

    Die Karwoche war eine schöne Zeit für die „Ratschnbuam“ (Ratschn sind Holzklappern). Diese gab es in den verschiedensten Formen, zum Schieben oder als Handrasseln. Nicht nur beim Gottesdienst wurden sie von den Ministranten anstatt der Altarglöckchen benutzt, sondern die Buben zogen damit von Haus zu Haus und sagten ihre Sprüche auf, damit sie von den Hausfrauen mit Eiern, Osterfladen oder sonstigen Leckerbissen belohnt wurden. Aus den Erzählungen meine Eltern ist mir in Erinnerung:

    „Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss“.

    Der Karfreitag ist nach der christlichen Fastenordnung ein strenger Fast- und Abstinenztag. An diesem Tag wird auf Fleisch verzichtet. Das traditionelle Essen am Fretag ist Fisch. Am Karfreitag gedenken wir des Todes von Jesus Christus. Der Tag wird als „stiller Feiertag“  bezeichnet, an dem keine laute Musik, Tanzveranstaltungen oder sonstige Belustigungen erlaubt sind. Der Karfreitag ist kein Feiertag in Österreich und  einigen anderen Ländern.

    Der Karsamstag ist kein gesetzlicher Feiertag, wird jedoch als Tag der Grabesruhe ebenso weitestgehend ruhig verbracht.

    weitestgehend ruhig verbracht.

    Das Osterfeuer – Sieg des Lichts über den Tod.- Christus als „Licht der Welt“. –

    In der Nach von Karsamstag auf Ostersonntag wird vielerorts auf dem Kirchenvorplatz das Osterfeuer entzündet und die Osterkerze geweiht. Nach dem Erlöschen des Feuers wird die Kerze zum Auferstehungsgottesdient in die Kirche getragen.

    Ostern ist für uns Christen das Fest des Lichts, symbolisch als Sieg des Lichts über den Tod.

    In der Osterzeit bis Pfingsten wird die Kerze zu allen Gottesdiensten entzündet.

    Aber auch während des Jahres wird die Kerze zu Taufen und Trauerfeiern  als Symbol des Lichtes benutzt. Wie wir alle wissen, stehen die Zeichen

    Α (Alpha) und Ω (Omega) sowohl für Anfang als auch für Ende.

    Der Ostersonntag wird als Feier- und Freudentag gefeiert. Die Fastenzeit ist zu Ende und in vielen Familien wird richtig festlich „aufgetischt“. Zuerst gehört die Zeit jedoch den Kindern. „Auf geht’s zum Ostereier suchen“! Unter Büschen und Sträuchern im Garten – sofern vorhanden – oder in der Wohnung wird unter Bett und Couch nach dem Osternest gesucht. Der kalorienreiche Tag beginnt schon bei einem reichhaltigeren Frühstück als an normalen Sonntagen. Wer den Auferstehungsgottesdient besucht hat, kann zum Morgenkaffee die beim Ostergottesdient geweihten Schinken, Eier, Hefefladen, Brot und Salz genießen. Geübte Bäcker erfreuen ihre Liebsten aber auch mit einem selbstgebackenen Osterlämmchen aus Biskuitteig.

    Ich erinnere mich, dass ich als Kind zusammen mit anderen Kindern am Ostermontag einen Emmausgang zur nahegelegenen „Lourdesgrotte“ am Kirchberg unternommen habe. Ich erinnere mich auch, dass meine Eltern vom Emmausgang erzählten. Wo der wohl hin ging? Auf den Turmberg? Wer von Euch weiß, wohin die Malschinger gepilgert sind?

    Ob Goethe wohl an den Emmausgang dachte, als er das Gedicht „Osterspaziergang – Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ in sein meistbekanntes Werk  „Faust“ einfügte?

    Warum gibt es zu Ostern Eier und Hasen? Das Ei steht symbolisch für neues Leben, das aus einer harten Schale schlüpft. Der Osterhase gilt als Frühlingsbote und steht ebenfalls für Fruchtbarkeit und Leben.

    Eine alte Bauernweisheit behauptet:

    „Ist es am Gründonnerstag weiß, wird der Sommer heiß“.

    oder

    Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee.

    Wo immer wir auch die Ostereier suchen, ob im Schnee oder in der Blumenwiese …

    … wünsche ich uns allen, den Pfarrangehörigen und Freunden von Malsching ein fröhliches, friedliches  und gesegnetes Osterfest.

    Eure Gerdy Hecker-Pischulti

  • Landeanflug eines Schwans

    Landeanflug eines Schwans

    Danke an Erna Hauber für das Bild.

  • Fortsetzung von Sybillas Weg

    Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen…

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Im Sommer gab es besonders viel Arbeit, denn zusätzlich zur Haus- und Stallarbeit war noch die Arbeit auf den Feldern zu bewerkstelligen. Auf dem langen schmalen Feld, das direkt am Berghang lag, wurden im jährlichen Wechsel Kartoffel und Korn angebaut und im großen Feld, gleich hinter dem Haus wurden Rüben gepflanzt und Gerste. Diese hat Vater an einen Händler in Friedberg verkauft, der sie weiterlieferte an die große, schon fast fünfhundert Jahre alte Brauerei in Budweis. Von dort kam das gute Bier, von dem am Samstag Sybilla für den Vater im Gasthaus immer einen großen Krug voll holte. Und die Kinder durften dann auch einen Schluck davon trinken.

    Abends, wenn es dunkel wurde, hat Mutter den Kienspan angezündet und in den Eisenring gesteckt, der an der Wand neben dem Herrgottswinkel angebracht war. Dann gab es das Abendmahl.

    Die Mutter hat auf dem oberen Feld Flachs angebaut, gesponnen und daraus feines Leinen gewebt, aus dem sie für die Mädchen Kleider und Schürzen genäht hat und Hemden für die Buben.  

    Schon seit Sybilla ein junges Mädchen war, ist für sie im Winter das Federnschleißen die lustigste Beschäftigung. Die Frauen und die jungen Mädchen treffen sich immer abwechselnd bei den einzelnen Bauern, singen mit Vorliebe das Lied von der Wuida auf die die Sonne so guida scheint, lachen dabei und die jungen Mädchen überlegen schon, welcher Bursche zu Ostern ein schön geritztes Scheckl bekommt. Vielleicht findet sich dann auch der passende Heiratskandidat.

    Die festen Federkiele werden dem Pfarrer und den Zisterzienserbrüdern im Kloster verkauft, damit sie daraus Schreibfedern machen können.  Vater hat gesagt, dass es im Kloster einen großen Saal gibt, der voll ist mit schönen handgeschriebenen Büchern und auch solchen, die schon auf einer Maschine gedruckt wurden.  Es sind schon so viele, dass bald eine neue Bibliothek gebaut werden muss.

    Wir haben nur die Bibel, aus der Vater uns am Abend vor dem Schlafengehen vorlas.

    Für Vater haben wir auch ein paar Federkiele aufgehoben. Er war sehr klug und konnte lesen und schreiben und sogar rechnen. Das musste er als Zimmerer können. Das hat er beim Pfarrer gelernt, denn eine Schule gab es zu seiner Kinderzeit noch nicht.

    Diese wurde erst sieben Jahre nach Sybillas Geburt, oben im Pfarrdorf, neben der Kirche gebaut. Vater schickte die Kinder aber nicht hin, einmal weil der Weg so weit ist und vor allem, weil sie immer mit irgend einer Arbeit beschäftigt waren und keine Zeit hatten. Für die Mädchen ist es  sowieso nicht notwendig, meinte er, weil sie heiraten und sie dann das Gelernte nicht mehr brauchen. Vater hat den Kindern aber trotzdem das Buchstabieren beigebracht, damit sie in der Bibel lesen können und er hat ihnen gezeigt, wie sie ihren Namen zu schreiben haben. Auch ein bisschen Rechnen hat er ihnen beigebracht, damit die Händler, die immer in das Dorf kamen, oder die durchziehenden Hausierer sie nicht betrügen können.

    Nur Hannes, der einmal den Hof erben sollte, durfte im Winter, wenn nicht so viel Arbeit war, die Schule besuchen.

    Vater hat viel gewusst und konnte viel erzählen. In seiner Jugend, als er auf der Walz war, kam er weit im Land herum, sogar bis Wien, Bayern, Tirol und Prag.

    Am besten gefiel Sybilla wenn er von der Prinzessin Maria Theresia in Wien, die später mal Kaiserin werden wird, von König Ludwig XIV. in Frankreich, Peter dem Großen in Russland und dem Alten Fritz aus Preußen erzählt, die in prächtigen Schlössern wohnen.

    Sybilla konnte sich das gar nicht richtig vorstellen. Sie sollen angeblich viel schöner und größer sein als die Schlösser in Krummau und Rosenberg, die sie schon ein paar Mal gesehen hat, wenn sie dort auf dem Markt war.

    Alle diese Neuigkeiten hat er von den durchziehenden Fremden gehört, wenn er unten in Friedberg war.

    Gerade neulich hat er auch gehört, dass der Kaiser Karl VI. schon wieder Streit hat mit dem preußischen König Friedrich Wilhelm und der junge russische Zar Peter II. der jetzt in St. Petersburg regiert, zankt sich mit den Türken.

    Immer wieder streitet sich ein Land mit dem anderen, und immer wieder wird das Volk hineingezogen. Hoffentlich gibt es keinen neuen Krieg.

    Manchmal kann man schon wieder wilde Soldatenhorden beobachten, die unten durch das Moldautal ziehen. Aber herauf, auf den Berg, kommen sie selten. Man erzählt sich, dass sie oft ganz schreckliche Dinge anstellen, brandschatzen, plündern und morden.

    Sybilla schreckte aus dem Schlaf. „San do heid nid a poar von dej rauha Gsölln im Woid unterwejgs gwejn?“ Sie überlegte fieberhaft, aber es wollte ihr einfach nicht mehr einfallen. Sie war aber auch gar nicht ganz wach geworden und schlief gleich wieder ein und träumte den schönen Traum ihrer Jugend weiter.

  • alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 03/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Die närrische Zeit, Fasching, Karneval, Fasnacht oder wie immer sie in den verschiedenen Regionen genannt wird, ist seit zwei Wochen vorbei und wir finden uns schon in der Fastenzeit.

    Jesus und wir – was unterscheidet uns in der Fastenzeit?

    Fastenzeit – der eine oder andere von uns ist in permanenter „Fastenzeit“ um die in der Weihnachtszeit sich auf den Hüften und am Bauch festgesetzten Vanillekipferl oder Christstollen wieder los zu werden. Unsere Gedanken gelten der eingemotteten Sommergarderobe ob diese noch passt. Erst in sechs Wochen wird die Waage uns den Erfolg zeigen. Inzwischen werden wir oft von vielen kleinen Teufeln geplagt, die uns den einen oder anderen Genuss schmackhaft machen wollen. Nur die wenigsten können der Versuchung  widerstehen.

    Machen wir uns aber auch einen Gedanken, was die Fastenzeit wirklich bedeutet?

    Für viele der Religion abgewandten Menschen ist die biblische Bedeutung unbekannt.

     Auch Jesus hat nach seiner Taufe vierzig Tage in der Wüste mit Fasten verbracht. Sein „fasten“ bezog sich weniger auf die leiblichen Genüsse sondern eher auf die innere Einkehr und Rücksprache mit Gott. Auch Jesus wurde vom Teufel heimgesucht, der ihm alle Reichtümer der Welt versprach, wenn er ihn statt Gott anbete. Jesus hat den Versuchungen widerstanden.

    Für die frühen Christen gab es sehr viele verbotene Speisen, auf die man verzichten musste,

    jedoch war es nicht so streng wie bei Jesus, der 40 Tage weder gegessen noch getrunken hat.

    Heute geht es mehr um den bewussten Verzicht auf Gewohnheiten anstatt um strenge Verbote. All diese Verzichts-Vorgaben sind für uns Christen kein MUSS  sondern ein SOLL.

    Trotzdem schadet es keinem von uns für einen bestimmten Zeitraum auf das Schnitzel, Schweinebraten, Tortenstücke oder sonstiges Liebgewordenes zu verzichten. Das Fasten muss sich nicht unbedingt auf Essen und Trinken beziehen. Unseren Kindern oder Enkeln fällt der Verzicht auf Handy und Social Media Konsum schon schwerer.

    Das Fasten in anderen Religionen

    Zeitgleich mit der christlichen Fastenzeit hat für Muslime am 18. Februar deren Fastenzeit Ramadan begonnen, die 30 Tage bis zum 20. März dauert. Deren Verzichtsvorgaben sind für gläubige Muslime um ein Vielfaches umfangreicher und strenger und eine absolute MUSS-Vorschrift.

    Die Juden feiern vom 1. bis 9. April das Pessach Fest, das ebenfalls mit vielen strengen Fasten- und Verzichtsvorschriften behaftet ist. Pessach ist jedoch eher mit dem christlichen Ostern als Freudenfest vergleichbar. Die Juden feiern die Beendigung aus der Sklaverei und den Auszug aus Ägypten, wogegen wir Christen die Auferstehung Jesu feiern.

    Dies waren meine ganz persönlichen Gedanken zur Fastenzeit und sollen nicht als „Wort zum Sonntag“ gesehen werden.

    Sudetendeutscher Tag 2026 in Brünn (Brno)

    Der 76. Sudetendeutsche Tag findet vom 22. bis 25. Mai 2026 (Pfingsten) erstmals in der Tschechischen Republik, in Brünn (Brno), statt. Unter dem Motto „Alles Leben ist Begegnung – Život je setkávání“.

    Begegnung – ja das würden wir alle uns wünschen. Leider ist es jedoch Tatsache, dass einer Begegnung auch Grenzen gesetzt sind. Für uns Mitglieder und Leser von Glaube und Heimat sind diese Grenzen hauptsächlich durch die Finanzlage gesetzt. Zum anderen wird eine Begegnung bzw. Verständigung mit den tschechischen Besuchern durch mangelnde Sprachkenntnisse erschwert. Es müsste zudem ein Dolmetscher anwesend sein. Aus diesen Gründen wird es in diesem Jahr erstmals keinen Stand von Glaube und Heimat beim Sudetendeutschen Tag geben. Leider!

    und allen Lesern des neuenHeimat-Blattes

    herzliche Grüße

    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Fortsetzung der Geschichte von Sybillas Weg

    Darüber wurde aber im Familienkreis nie gesprochen und es wird wohl immer ein Geheimnis bleiben, was der gute Laurentius in seiner Jugend alles getrieben hat.

    Dass aus der eigenen Familie doch alle anderen Kinder überlebt haben, scheint ein wahres Wunder zu sein. Oft sind mehr als die Hälfte aller neugeborenen Kinder gestorben. Die Eltern machten nicht sehr viel Aufhebens darum und fügten sich mit den Worten „Gott hat’s gegeben, Gott hat’s genommen“. Alle haben damals ziemliche Not gelitten.

    Laurentius hat den Kindern oft von seinem Vater, dem Wenceslaus erzählt, der noch alle die Schrecken, die der Dreißigjährige Krieg über das Land brachte und in dem halb Europa zerstört wurde, selbst erlebt hat. Nur den Wallenstein, der die Heimat so gut wie möglich vor den Schweden schützen wollte, hat er sehr verehrt, obwohl auch der sich auf Kosten der armen Bauern bereichert hat. Wenceslaus, der Vater vom Larentius war so um die zehn Jahre alt, als Wallenstein in Eger, einer Stadt gleich an der Grenze zu Bayern, ermordet wurde.

    Viel zu lachen gab es damals und auch heute noch über einen schwäbischen Sterndeuter, der dem Wallenstein und sogar dem König Rudolf von Böhmen die Sterne berechnet hat und daraus das Horoskop gesehen hat. Manche seiner Vorhersagen sind auch eingetreten, manche aber auch nicht. So hat er doch tatsächlich vorgeschlagen, man solle Schiffe und Segel bauen, die für die Himmelslüfte geeignet sind. Dann würde es auch Menschen geben, die vor der öden Weite des Weltraumes nicht zurückschreckten. Nun ist dieser Johannes Kepler schon seit bald hundert Jahren tot und wir lachen noch immer über diese verrückte Idee.

    Das ist doch Gotteslästerung! Nur Jesus und Maria sind in den Himmel aufgefahren, predigt der Pfarrer.

    Gleich nach dem Ende des Krieges ist Laurentius geboren und auch er konnte sich noch gut daran erinnern, wie viele Jahre es gedauert hat, ehe die verwüsteten Felder wieder ordentlich bestellt werden konnten und Früchte trugen.  

    Schon vor dem großen Krieg haben die Osmanen Feldzüge nach Europa unternommen und Sybilla, sie war damals gerade elf Jahre alt, erinnerte sich noch gut an die Belagerung von Wien, wo der Kaiser Leopold I. lebte. Die Kommissäre haben von den Bauern überall das Getreide, Kartoffeln und Vieh konfisziert, um  Proviant für die Truppen zu besorgen oder versprengte Soldaten haben noch das letzte Hab und Gut der Leute geplündert. Das hörte erst auf, als Prinz Eugen im Jahr 1718 die Türken endgültig aus dem österreichischen Kaiserreich vertrieb. Voll Freude sangen damals alle das Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt dem Kaiser  wiedrum kriegen Stadt und Festung Belgarad und ließ schlagen eine Brucken, dass man kunnt hinüber rucken, mit der Armee wohl vor die Stadt“.

    An den langen Winterabenden hat Laurentius seinen Kindern viele Geschichten von seinen Vorfahren erzählt, die er von seinen Eltern und Großeltern gehört hat. So sollen vor vielen, vielen Jahren die Vorfahren aus Italien sich im Böhmerwald angesiedelt haben. Genaueres darüber wusste er aber nicht. Die alten Pfarrer im Dorf haben noch keine Matriken geschrieben und so ist vieles in Vergessenheit geraten.

    Das Land Italien ist viele, viele Tagereisen von daheim entfernt und dazwischen liegt noch ein großes Gebirge, mit Bergen die noch zwei- oder dreimal so hoch sind wie diese rund um das Dorf. Italien könnte nur mit der Postkutsche erreicht werden. Das war aber viel zu teuer und solche Reisen waren nur den hochgestellten Personen vorbehalten oder Händlern und natürlich den Soldaten.

    Auch viele Wissenschaftler und Künstler sind zwischen den Ländern gereist, besonders die italienischen Maler und Baumeister waren sehr berühmt und man hat viel von ihnen gesprochen.

    Sybilla wäre gerne einmal dorthin gereist und hätte auch gerne das große Meer gesehen, von dem so viel erzählt wurde. Außer den Fischteichen und dem Fluss, unten im Tal, hat sie noch kein großes Wasser gesehen.

    Wäre sie erst einmal am Meer gewesen, hätte sie auch mit einem Schiff nach Amerika reisen können. Von diesem weit entfernten Land wurde sehr viel im Dorf gesprochen und einige der jungen Burschen haben tatsächlich überlegt, ob sie nicht dorthin auswandern sollten. Angeblich sollte es ein unheimlich reiches Land sein.

    Aber woher sollte sie das Geld nehmen? Der Vater Laurentius verdiente als Zimmerer gerade so viel, dass er die Familie gut versorgen konnte und der Ertrag aus der Landwirtschaft reichte gerade aus, um den Eigenbedarf der Familie zu decken und die Mitgift für die Kinder zu erwirtschaften. 

    Später, als Sybilla als Magd bei ihrem Bruder am Hof arbeitete, verdiente sie auch nur ein paar Kreuzer und konnte nur wenige Gulden im Jahr sparen.

    In Sybillas Traum von Italien  kehrten die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugendzeit  zurück und vermischten sich immer stärker ineinander.

    Die Stiefmutter behandelte Sybilla genau so liebevoll wie ihre eigenen Kinder. Sie hatte eine wundervolle Zeit, obwohl sie schon von Kindesbeinen an viel und hart arbeiten musste. Wie gut, dass sie noch viele Geschwister bekam, die alle mithelfen mussten.

    Sybilla war das älteste Kind und kümmerte sich um die kleinen Geschwister. Das jeweils jüngste Kind, solange es noch nicht laufen konnte, band sie sich einfach mit einem großen Tuch auf den Rücken und so hatte sie immer beide Hände frei, um noch eine andere Arbeit zu machen.

    Als Joannes, der Hannes gerufen wurde, sieben Jahre alt war, durfte er das erste Mal als Hüterjunge die Kühe und Ziegen auf die Wiese treiben und darauf achten, dass sie nicht zu viel frischen Klee fraßen. Sobald er größer und kräftiger war, hat Vater ihm eine Sense in die Hand gedrückt und gezeigt, wie man Gras und Getreide mäht. Petrus-Paulus, den alle eigentlich nur Petrus nannten, rückte  dann als Hüterbub nach.

    Bei den Mädchen war es genau so. Als Sybilla älter wurde, half sie der Mutter bei der Wäsche. Im Sommer wurde draußen im Hof der große Bottich aufgestellt, die Wäsche darin eingeweicht und danach so lange auf den großen, glatten Stein geschleudert, bis sie sauber war. Wenn die Sonne schien, wurde die weiße Leinenwäsche auf der Wiese neben dem Hof zum Bleichen ausgebreitet .

    Sybilla half Mutter, die sehr gut kochen konnte, in der Küche und  hat von ihr gelernt, wie man Kartoffelsterz mit Milchsuppe, ogschtroute Eadejpfü, rupfane Kneijl mit saurer Milch oder Sauerkraut,  Schwammerlsauce mit Knödel und jede Form von Mehlspeisen, Pfannkuchen, Eierspeisen, Kaiserschmarren oder Strudel zubereitet.

    Wenn mal ein Schwein geschlachtet wurde, war dies jedes Mal ein Festmahl. Die Innereien wurden sofort gegessen und das Fleisch wurde geräuchert, um es für lange Zeit haltbar zu machen. Dieses gab es dann mit Kraut und Mehlknödeln nur an besonderen Feiertagen.

    Die Hühner wurden hauptsächlich zum Eierlegen gebraucht und wenn das Huhn zu alt wurde und keine Eier mehr legte, gab es daraus eine kräftige Hühnersuppe. Das zähe Fleisch wurde klein geschnitten und mit Kartoffeln geröstet.

    Wenn die Buben mal an die Moldau zum Angeln hinuntergingen, hat Mutter die Forellen gebraten. Das war dann aber ein herrschaftliches Essen. Bei den Bauern war Fisch nicht so beliebt, denn man wurde nicht so satt davon.

    Im Herbst wurden im Wald Pilze, meist Steinpilze, Maronen und Eierschwämme sowie Beeren, hauptsächlich Preiselbeeren Blaubeeren, und Himbeeren gesammelt. Die Pilze wurden klein geschnitten und getrocknet und aus den Beeren hat Mutter ein leckeres Beijnakou gekocht, das zu den Mehlspeisen gegessen wurde.

    Auch jetzt noch geht Sybilla jeden Herbst in den Wald, um diese Köstlichkeiten zu sammeln, die der Wald in reicher Fülle und kostenlos liefert, auch wenn ihr das Bücken mit ihren siebenundfünfzig Jahren schon schwerfällt.

    Besonders gerne half Sybilla der Mutter beim Brot backen.

    Die Erinnerung daran ließ Sybilla aus ihrem Dahindämmern erwachen und Sie meinte, einen frischen Brotgeruch zu spüren. Sie spürte nagenden Hunger und Durst, den sie aber nur mit einer Handvoll Schnee stillen konnte. Sie sah sich zuhause an dem großen Tisch in der Küche sitzen vor dem gemauerten Ofen, auf dem in großen Töpfen und Pfannen das Abendessen zubereitet wurde. „Oi je, wann i grod a wos zum ejssen häd. I houn jo so an Hunger und Durst. Oft gang ma’s grod bejssa und i gang leichter hoam“, dachte Sybilla.

    Fortsetzung folgt…

  • alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 02/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Drei Tage kommt er – Drei Tage bleibt er – Drei Tage geht er

    Bei diesem „Gast“ freuen wir uns nicht, wenn er seinen Besuch ankündigt. Um so mehr freuen wir uns, wenn er dann endlich wieder weg ist.

    Ich hoffe, dass Ihr von der überall herrschenden Erkältungswelle verschont geblieben seid, bzw. wünsche ich allen, die mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit kämpfen eine baldige Genesung. Wenn schon die viel gepriesenen Medikamente nur der Gesundheit der Pharmaindustrie dienen, hilft vielleicht bei der Gesundung der Blasius-Segen, der auch heute noch vielerorts am 3. Februar gespendet wird.

    Der Hl. Blasius (*316) war Bischof in Sebaste/Klein-Armenien. Zahlreiche Legenden erzählen von seinen Heilungen. Die bekannteste darunter ist, dass er während seiner Gefangenschaft in einem römischen Gefängnis einem jungen Mann, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben rettete. Deshalb wird er gegen Halsleiden angerufen.

    Am Tag vorher, dem 2. Februar, feiern wir Mariä Lichtmess. Früher war es nicht so leicht, einfach mal den Arbeitsplatz zu wechseln, wenn man sich schlecht behandelt fühlte, oder auch, wenn der Arbeitgeber nicht mit dem Dienstboten zufrieden gewesen sein sollte. Mariä Lichtmess war traditionell der Tag, an dem die Dienstboten, den Arbeitsplatz wechselten oder für ein neues Arbeitsjahr übernommen wurden. In jedem Fall, wurde ihnen das Geld für die geleistete Arbeit ausbezahlt. Wenn der Knecht oder die Magd für ein weiteres Jahr übernommen wurden, erhielten sie im allgemeinen zusätzlich zum Arbeitslohn neue Arbeitskleidung und -schuhe.

    Über das schon merklich längere Tageslicht sagt ein altes Sprichwort:

    „Zu Weihnachten ein Mückenschritt, zu Neujahr ein Hahnentritt,
    zu Heilig Drei König ein Hirschensprung und zu Mariä Lichtmess eine ganze Stund.“

    Aber welche Bedeutung hat Mariä Lichtmess in der katholischen Kirche?Lichtmess eines der ältesten Feste der christlichen Kirche, wurde um das Jahr 650 als Feiertag eingeführt und gedenkt der Darbringung Jesu im Tempel durch Maria und Josef gemäß jüdischem Gesetz, wo Simeon Jesus als “Licht der Völker” erkannte.

    Seit dem 11. Jahrhundert kam der Brauch der Kerzensegnung und der Lichterprozessionen auf. An Lichtmess wurden dann auch die für das nächste Jahr benötigten Kerzen der Kirchen und der Familien gesegnet

    Ich erinnere mich daran, dass diese gesegneten Kerzenstöcke bei Gewitter angezündet wurden. Die ganze Hausgemeinschaft saß am Tisch und  betete darum, dass das Gewitter, Haus, Hof und Feld verschonen möge.

    Ein trügerisches Märchen

    Nicht nur die Erkältung hat viele von uns erwischt; auch die geopolitische Kälte hat uns in den letzten Wochen sehr zu schaffen gemacht. Manchmal könnte man an die Geschichte von Rumpelstilzchen erinnert werden: „heute back‘ ich, morgen brau‘ ich, übermorgen hol‘ ich der Königin ihr Kind“ oder mit neuem Text

     „heute fordere ich, morgen verzicht ich, übermorgen hol ich mir vielleicht doch noch das Inselchen oder vielleicht ein Land“. Nur ist der Tanz am Rande des Vulkans gefährlicher als der um ein Lagerfeuer. Hoffen wir, dass alle Beteiligten doch noch zur Vernunft kommen.

    Freuen wir uns also darauf, dass es in den nächsten Wochen von Tag zu Tag heller wird und vielleicht schon die ersten Schneeglöckchen oder Primeln unter dem Schnee hervorlugen.

    Mit den herzlichsten Grüßen
    Gerdy Hecker-Pischulti

  • Tod von Pater H. Roman

    Tod von Pater H. Roman

    Abschrift aus der Nachricht:

    H. Roman wurde am 5. November 1924 als zweiter Sohn der Eheleute und Stiftsbediensteten Wenzel und Johanna Foissner in Hohenfurth im Böhmerwald geboren und auf den Namen Johann getauft, besuchte dort die Volks- und zwei Jahre lang die Bürgerschule, bevor er seinem um ein Jahr älteren Bruder Otto ans Jesuitenseminar Maria Schein in Nordböhmen folgte – eine Zeit, in der beide Buben von heftigem Heimweh geplagt wurden. Die sich ankündigen-
    den schlimmen Ereignisse brachten 1938 die Schließung des dortigen Gymnasiums, sodass sie in ihre Heimat zurückkehrten und dann das Gymnasium in Krumau besuchten; in dieser Zeit erlebten sie auch die Aufhebung des Zisterzienserstiftes Hohenfurth.
    Der Zweite Weltkrieg wurde für ihn nach der Kriegsmatura bestimmend für seinen weiteren Weg: vormilitärische
    Ausbildung in Karlsbad, danach Arbeitsdienst, Militardienst in Krumau, ferner in Agram (Zagreb) und anderen
    Kriegsschauplätzen in Jugoslawien, schließlich an der russischen Front. Da er sich weigerte, die Offiziersausbildung
    zu absolvieren, wurde er immer wieder an die vorderste Front gestellt und erlebte viele gefahrliche Situationen. Im Juli 1944 wurde er in den Pripjet-Sumpfen schwer verwundet und überlebte wohl nur, weil ein Kamerad aus Gurten ihn in Sicherheit brachte; der rechte Unterschenkel musste ihm amputiert werden. Damit war der Krieg für ihn zu Ende. Es folgten Aufenthalte in verschiedenen Lazaretten in Norddeutschland. Ende 1945 erreichte er die Heimat.
    Schon im September 1946 mussten er, seine Eltern und sein Bruder diese in Richtung Österreich verlassen – die diesbezügliche Aufforderung gehörte zu seinen wohlgehüteten Dokumenten; dieses schmerzhafte Ereignis blieb zeitlebens eine Wunde, und er schrieb einmal: „Die Vergangenheit holt mich gedanklich immer wieder ein.“

    Nach mehreren erfolglosen Versuchen, Aufnahme in einem österreichischen Kloster zu finden, kamen er und sein Bruder auf Anraten eines Innviertler Priesters schließlich nach Reichersberg und wurden als Konrad und Roman am 20. Oktober mit einem weiteren Mitbruder ins Noviziat aufgenommen. Die theologischen Studien absolvierten sie an der Hauslehranstalt in St. Florian. Am 28. Juni 1951 wurden beide wegen einer Blinddarmentzündung von H. Ro-
    man, die mit Komplikationen verbunden war, von Bischof Fließer in dessen Privatkapelle zu Priestern geweiht. Schon als Jugendlicher hatte H. Roman Klavier und Orgel gespielt; diese Begabungen wurden erkannt, man ermöglichte ihm eine Ausbildung am Brucknerkonservatorium, und bereits 1954 übernahm er die Leitung der Liedertafel und des Reichersberger Kirchenchores, den er schließlich zu großen Erfolgen im In- und Ausland führte. Bis 1957 wirkte H. Roman dann als Stiftskaplan, im Jahr 1958 wurde ihm das Amt des Rentmeisters übertragen – eine schwierige Aufgabe, litt das Stift doch an drückenden Schulden. Nach schwierigem Beginn leitete er aber eine sehr fruchtbare Tätigkeit ein: defizitäre Betriebe wurden geschlossen, neue Möglichkeiten erschlossen: Erneuerung der Weinkellerei, Förderung des Fremdenverkehrs, vor allem aus dem Bäderdreieck, Pflege der Kirchenmusik, Reichersberger Sommer, zwei große Landesausstellungen (1974 und 1984), 1969 Errichtung des Bildungshauses im Nord- und Südtrakt. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass unter seiner Führung – großteils immer mit hauseigenen Kräften das gesamte Stift renoviert und auf den Stand der Zeit gebracht wurde; mit der ihm eigenen Zähigkeit und Ausdauer und trotz mancher gesundheitlicher Beschwerden schaffte er oft schier Unmenschliches. Nicht unerwähnt sei auch die Errichtung einer neuen, sehr guten Stiftsorgel durch die Fa. Metzler. Nicht zuletzt war er auch ein Förderer der Kunst und selbst ein guter Fotograf; um die Bilder besser bearbeiten zu können, schaffte er sich im Alter von 75 Jahren seinen ersten Computer an und entwickelte erstaunliches Geschick.

    Solange es ging, leistete er auch im hohen Alter noch gerne Seelsorgsaushilfen, z. B. im Kurhaus Schärding. Ein Oberschenkelbruch nach einem Sturz Ende November leitete seine letzte irdische Lebensphase ein. Uns bleibt der Dank für sein erfolgreiches Wirken – in die Stiftsgeschichte wird sein Wirken als Rentmeister, das 1991 endete, als eine Zeit großer Blüte eingehen. Er selbst hat an das Ende seiner biographischen Notizen die Worte geschrieben, die auch den Abschluss bilden sollen: „Deo gratias!“

    Wir beten für unseren verstorbenen Mitbruder am Mittwoch, 21. Jänner, um 19 Uhr in der Stiftskirche den Rosenkranz, am Donnerstag, 22. Jänner, versammeln wir uns um 945 Uhr
    zum Totenoffizium (Terz), feiern für ihn anschließend das Requiem und bestatten ihn danach auf dem Ortsfriedhof.

  • alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    alterGlaube und neueHeimat – 01/2026

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching

    Hurra! Hurra! Das neue Jahr ist da!

    Dieses erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026
    möchte ich mit den allerbesten Wünschen für Euch und alle Eure Lieben beginnen.

    Und wie jedes Jahr fragen wir uns, was das Neue bringen mag. Ja, ein neues Jahr – 2026.

    Auch vor 80 Jahren – 1946 – haben unsere Eltern und Großeltern, und wohl auch einige von unseren älteren Landsleuten sich gefragt, was das neue Jahr bringen mag.

    In jenem Jahr begann in großem Stil die Umsetzung der auf der Potsdamer Konferenz endgültig beschlossenen Vertreibung der Deutschen aus der Heimat. Von Manchen etwas beschönigend als „Transfer“ oder „Odsun“ bezeichnet.

    Wie schwer mag es gefallen sein, Hab und Gut, das Vieh im Stall oder gar Maunzi, die Hauskatze zurückzulassen und mit einer schnell gezimmerten Kiste oder ein paar „Binckeln“ die Reise ins Unbekannte anzutreten.

    Meine Eltern hatten dabei noch Glück, denn mein Vater konnte noch ein bisschen Werkzeug zu meinen erlaubten 50 kg Ausreisegepäck einpacken. In meinem Alter von vier Monaten besaß ich außer ein paar Windeln, einer Stoffpuppe und meinem Kinderwagen nichts.  Der allerdings wurde im Lager Kaplitz als nicht zur Ausfuhr zugelassenes Gut konfisziert. Selbst dieses spärliche Reisegepäck war vor Plünderungen nicht sicher.

    Endlich nach einer Woche im Lager in Furth im Wald angekommen, ging’s erst einmal in Wolken von DDT Pulver zum Entlausen.

    Schließlich, nach einer weiteren Woche im Lager Mainburg kamen wir, d.h. meine Eltern, meine beiden schon erwachsenen Schwestern, Großmutter und ich, bei einem sehr guten Bauern in Grafendorf in der Hallertau an, wo wir alle in der „guten Stube“ untergebracht wurden. Alle anderen Räume waren schon mit Flüchtlingen aus Schlesien belegt. Für die nächsten Jahre fanden wir also in der Hallertau unsere vorläufige und danach in Germering unsere endgültige neueHeimat.

    Für das Ausleben der Wehmut hatten die Menschen damals keine Zeit. Oftmals waren die Männer im Krieg gefallen, vermisst oder noch in Gefangenschaft, so dass viele Frauen mit oft fünf oder mehr Kindern auf sich alleine gestellt waren.

    Es hieß also „Ärmel aufkrempeln und anpacken“ . Bürgergeld, Hartz IV oder Grundsicherung waren Worte, die damals noch nicht erfunden waren. Und Sozialfürsorge? Gott bewahr! Diese Schande wollte man sich nicht antun. Aber gerade durch diese Zähigkeit, die den Böhmerwäldlern nachgesagt wird, sind wird endgültig auch bei den Einheimischen  „angekommen“ und jeder hat in relativ kurzer Zeit eine wirkliche neueHeimat gefunden.

    Bei all diesen Überlegungen erinnerte ich mich an ein  Gedicht von Theodor Fontane mit dem unser Lehrer uns quälte. Zwei Strophen daraus scheinen mir zum heutigen Thema „neues Jahr“ und „Zukunft“ sehr passend und ich möchte sie hier wiedergeben.

    Gerade die zweite Strophe möchte ich allen Malschingern, den Malsching-Freunden und allen Lesern der homepage von glaubeundheimat.de ans Herz legen. Denkt daran, in weniger als acht Monaten, vom 21. bis 23. August möchten wir beim Pfarrtreffen in Malsching wieder die Gläser klingen lassen und alte Freunde an der Hand fassen.

    Ich bin gerade dabei, für den Samstagsausflug ein paar interessante Punkte zu sammeln. In einem der nächsten neueHeimat-Blätter werde ich wohl schon Näheres darüber berichten können. Wir freuen uns, wenn auch Nicht-Malschinger zu unserem Treffen kommen. Es ist immer sehr kurzweilig und es wurden sogar schon verwandtschaftliche Verbindungen entdeckt, die bisher unbekannt waren.

    Bankverbindung für Spenden

    Bei der Einrichtung der neuen Homepage von Glaube und Heimat haben wir bedauerlicher-weise etwas Wichtiges vergessen: Es gibt nirgendwo ein Anmeldeformular als Neumitglied zum Verein Glaube und Heimat eV noch einen Hinweis auf die Kontoverbindung.

    Erst als die Spender ihre vorgesehenen Weihnachtsspenden nicht überweisen konnten, wurden wir darauf aufmerksam gemacht. Sowohl die Kontonummer der Raiffeisenbank Altmühl-Jura eG (GENODEF1GDG) DE96 7606 9462 0002 5260 00 als auch ein Anmelde-formular stehen jetzt in der Homepage.

    Wir würden uns sehr freuen, wenn die Leser der Homepage glaubeundheimat.de, die sich noch nicht als Mitglied registriert haben, anmelden.

    Selbstverständlich dürft Ihr aber auch jetzt noch Eure Spende überweisen. All Jene, die durch Eure Spende das Jahr über bedacht werden, danken Euch dafür. (Siehe auch Brief von Bruder Bernhard.)

    Mit den besten Glückwünschen für ein gesundes, freudvolles und friedvolles Jahr an die Geburtstagskinder, ebenso wie an alle Leser dieses Berichtes, beende ich das erste neueHeimat-Blatt des Jahres 2026.

    Mit herzlichen Grüßen

    Gerdy Hecker-Pischulti

  • alterGlaube und neueHeimat – 12/2025

    alterGlaube und neueHeimat – 12/2025

    Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching!

    Macht hoch die Tür, das Tor macht weit

    Wer kennt nicht dieses schöne alte Adventslied!? Aber wie und wo können wir uns mit diesem und anderen der alten Lieder auf Weihnachten vorbereiten?

    Im Radio werden wir mehrmals täglich mit Jingle Bells, Rudy the red nosed reindeer und driving home for Christmas „bedudelt“. Jedes Lied für sich ist ja recht schön, aber wo bleiben unsere guten alten deutschen Advents- und Weihnachtslieder? Ich habe dem Bayrischen Rundfunk schon angeboten, meine CDs zur Verfügung zu stellen, falls sie selbst keine Aufnahmen von heimischen Advents- und Weihnachtsliedern mehr haben. Ich habe keine Antwort bekommen. Wahrscheinlich haben sie mich als „alte Spinnerin“ ad acta gelegt.

    Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen: Fliegt im Dezember nach Singapore! Unter duftenden Jacaranda-Bäumen  bei 40° Hitze, 90 % Luftfeuchtigkeit, knapp 140 km bis zum  Äquator und umgeben von pinkfarbenen Plastik-Tannenbäumen freut man sich ungemein, wenn man ‚leise rieselt der Schnee‘ und andere bekannte Weihnachtslieder hört.

    In diesem Jahr beginnt der Advent schon sehr früh. Der 1. Adventsonntag fiel auf den 30. November. Für viele ist die Bedeutung des Advent stark in Vergessenheit geraten oder verdrängt worden. Mit dem „Macht hoch die Tür“ sollten wir nicht nur das tägliche Öffnen eines Türchens des Adventskalenders verbinden. Allenfalls an den Sonntagen, wenn am Adventskranz eine Kerze nach der anderen entzündet wird, erinnern wir uns an Weihnachten und seine Bedeutung für uns Christen:

    Macht hoch die Tür, das Tor macht weit – es kommt der Herr der Herrlichkeit!

    Nutzen wir also die Adventszeit, um uns auf die Weihnachtszeit vorzubereiten und vielleicht auch um ein bisschen auf die Adventszeit der vergangenen Jahre zurück zu blicken. Was ich bei meinem Rückblick gefunden habe, erfahrt Ihr ganz am Ende dieses neueHeimat-Blattes.

    Im neueHeimat-Blatt 11/2025 vom November hatte ich über den Dokumentenfund im Turm der Pfarrkirche in Malsching berichtet. Darunter gab es auch viele Notenblätter mit den unterschiedlichsten kirchlichen Musikstücken. Passend zur Weihnachtszeit fand ich zwei Weihnachtslieder komponiert von Franz Reisinger (1838-1905) und fein säuberlich handschriftlich kopiert von den Herren Gustav Weyszer und Rudolf Zwittlinger. Herr Wyszer war in den 20-er bis Anfang der 30-er Jahre Oberlehrer in Malsching. Rudolf Zwittlinger besaß die Tischlerei, gleich am Ortsanfang, da wo heute das Ortsschild steht. Rudolf Zwittlinger war gleichzeitig Organist und Mesner (Mesner Rudl) und nach der Vertreibung auch für Glaube und Heimat einige Jahre Berichterstatter von Malsching.

    Abschrift von Gustav Weyszer
    Abschrift vom 14.12.1931 von Rudolf Zwittlinger

    Man stelle sich die mühsame Arbeit des Nachmalens der Noten vor. Das erste Kopiergerät in der Art wie wir sie heute kennen,  wurde erst 1938 erfunden und allgemein nutzbare Kopier-geräte die diese Arbeit erleichtert hätten, kamen erst 1949 auf den Markt.

    Mit diesem Bild der drei Glocken aus der Pfarrkirche in Malsching beende ich das heutige und gleichzeitig letzte neueHeimat-Blatt dieses Jahres. Wie schade, dass das Geläut dieser Glocken wahrscheinlich nicht zur Christmette in Malsching erschallen wird.

    Allen Lesern, Mitgliedern und Freunden der Pfarrgemeinde Malsching und allen Euren Angehörigen wünschen wir ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes und gesundes Jahr 2026.

    Eure Gerdy und Erich Hecker


    Erinnerungen an St. Nikolaus

    Wer hat als Kind nicht gezittert als es hieß: „Morgen Kinder wird’s was geben, morgen kommt der Nikolaus“. Wird er zusammen mit Krampus poltern und die Rute schwingen oder wird er hoffentlich aus dem Goldenen Buch vorlesen und dann aus dem großen Sack Süßigkeiten hervorzaubern? Das sind Erinnerungen an St. Nikolaus die schon seit Jahrzehnten zurückliegen

    Ich habe aber auch eine andere, sehr schöne, Erinnerung an St. Nikolaus, die erst 10 Jahre zurückliegt.

    Dieses besonders frohe Ereignis vom 6. Dezember, dem 2. Adventssonntag des Jahres 2015 hat zwar nicht den Eingang in die internationale Presse gefunden, ihm wurde aber in der Monatsschrift Glaube und Heimat im Januar Heft von 2016 auf mehreren Seiten gewürdigt und sogar im world wide web konnte man bei youtube die Zeremonie miterleben.

    Am 6. Dezember 2015 wurde
    Siegfried Weber zum Ehrenkanoniker
    der Kathedrale St. Nikolaus in  Budweis ernannt.

    Hochwürdigster Herr Kanonikus – lieber Siggi
    Die gesamte Malschinger Pfarrgemeinde und alle, die Dich kennen
    gratulieren Dir ganz herzlich zum 10-jährigen Jubiläum
    dieser hohen Ehre und Auszeichnung.


    Unterschiedliche Artikel aus dem Archiv:

    Abschrift des Artikel von Alois Ehrl

    Vorsitzender von Glaube and Heimat Militärdekan Siegfried Weber

    Ehrenkanoniker In Budweis

    Am 2. Adventsonntag, 06.12.15 und zugleich Fest des Diözesanpatrons des HI. Nikolaus hat Bischof Vlastimil Krocil bei einer feierlichen Kapitelvesper in der Kathedrale von Budweis vier neue Kanoniker installiert, zwei residierende und zwei nichtresidierende (Ehrenkanoniker). Unter ihnen befand sich Militärdekan Siegfried Weber, der erste Vorsitzende des Vereins Glaube und Heimat, aus Ulm.

    Es war eine eindrucksvolle Feier. Domorganist and Domschola gestalteten sie musikalisch sehr ansprechend. Die Kathedrale war wider Erwarten voll besetzt. Nach der Ansprache des Bischofs und der Vorstellung der neu ernannten Kanoniker sprachen diese zuerst das Glaubensbekenntnis und legten dann den Kapitelseid ab. Anschließend begleitete der Bischof sie mit der Mozetta, hängte ihnen das Kapitelskreuz um, steckte ihnen den Kapitelsring an and überreichte ihnen das Birett.

    Wie schon der Vorgänger im Vorsitz von Glauber and Heimat. Pfarrer Franz Irsigler, erhielt Militardekan Siegfried Weber diese Auszeichnung in Anerkennung seiner Arbeit and seiner guten Kontakte zu der Bistumsleitung and der vielen von Glaube und Heimat unterstützen kirchlichen Projekte im Bistum Budweis. Mit ihm können sich der Vorstand und alle mitfreuen, die unsere Böhmerwaldzeitschrift fördern durch ihr Abonnement oder durch ihre Spenden. Die Ernennung des ersten Vorsitzenden zum Ehrenkanoniker ist nicht zuletzt auch ein Ausdruck einer gut funktionierenden Zusammenarbeit zwischen Glaube and Heimat und dem Bistum Budweis. Ausdrücklich betonte der Bischof, dass dieses  Kanonikat eine Brücke sein soll zwischen den früheren deutschen Katholiken and den heutigen tschechischen Katholiken im Bistum Budweis and beitragen soll zu einer noch besseren Absprache und Koordinierung bei gemeinsamen kirchlichen Projekten. Zu der feierlichen Kapitelsvesper waren nicht nur Familienangehörige von Siegfried Weber gekommen, sondern auch eine ganze Reihe von Malschingern, angeführt von der Heimatbetreuerin Gertrud Hecker. Malsching bei Hohenfurth ist die Pfarrei im Böhmerwald, aus der schon Pfr. Franz Irsigler stammte and auch mütterlicherseits die Familia des neuen Ehrenkanonikers. Vom Vorstand von Glaube und Heimat. waren Geschäftsführer Erich Schaufler, der Militärdekan Siegfried Weber für das Ehrenkanonikat maßgeblich mit vorschlug, und der zweite Vorsitzende Domkapitular Alois Ehrl gekommen. Prominente Gäste waren u. a. der frühere Außenminister Fürst Karl Schwarzenberg, Militärdekan Alfons Hutter in Vertretung des Militärgeneralvikars und P. Jstin, der Prior des Zisterzienserstiftes Hohenfurth. Der Pontifikalvesper schloss sich ein Empfang in einem nahe gelegenen Hotel an, zu dem der Bischof und das Kapitel des Bistums Budweis einluden.

    Nach der offiziellen Feier trafen sich der mitgereisten Böhmerwäldler noch in einer geselliger Runde, gratulierten herzlich dem neuen Ehrenkanoniker und stießen mit dem berühmten Budweiser Bier auf seine ehrenvolle Aufgabe an. Sie vergaßen auch nicht in ihrer freudigen Stimmung das Lied „Tief drin im Böhmerwald“ anzustimmen. Siegfried Weber – die Freude war im anzusehen – bedankte sich zum Schluss herzlich, dass so viele seiner Einladung gefolgt sind und mit zugegen waren bei der feierlichen Zeremonie seiner Installation zum Ehrenkanoniker.

    Abschrift des Artikels von Gertrud Hecker

    Es war wie ein kleines Pfarrtreffen, als Verwandte,
    Priesterkollegen, persönliche Freunde und fast zwei
    Dutzend Malschinger sich in Budweis einfanden, um
    gemeinsam am 6. Dezember an der offiziellen Installation
    von Militärdekan Siegfried Weber als Ehrenkanoniker
    der Diözese Budweis teil zu nehmen. Und
    selbstverständlich waren als offizielle Vertreter von
    Glaube und Heimat der 2. Vor-sitzende, Domkapitular
    Alois Ehrl und der Geschäftsführer Herr Erich
    Schaufler anwesend,
    Gut sichtbar für alle Besucher der Feierlichkeit stand
    an den Stufen zum Altarraum die Pfarrfahne von
    Malsching.
    Nach dem feierlichen Einzug des Hochwürdigsten
    Bischof Vlastimil Krocil, dem gesamten Domkapitel,
    den anwesenden Geistlichen, Pior Justin und
    Mitbrüdern aus dem Kloster Hohenfurth und den neu
    ernannten Kanonikern wurden diese einzeln vorgestellt.
    Diese Vorstellung als auch die anschließende
    Predigt von Bischof Krocil haben wir leider nicht
    verstanden. Die Liturgie wurde in tschechischer
    Sprache gehalten. Die deutsche Übersetzung der
    Ansprache können wir jetzt vorne in diesem Heft von
    Glaube und Heimat lesen.
    Trotzdem war die von Bischof Krocil vorgenommene
    Zeremonie der Übergabe der Insignien der neuen
    Würde, dem Birett, der Mozetta und dem Käpitelkreuz
    am Band, auch für uns alle sehr ergreifend.
    Wer von Euch einen Internetzugang hat, kann die
    Zeremonie unter folgender Adresse verfolgen.
    Alps: www.youtube.com/watch?v=vaM50lj-aUE live
    Unter den zahlreichen Besuchern im Dom des Heiligen
    Nikolaus zu Budweis waren bedeutende Persönlichkeiten
    anwesend:
    Karel Schwarzenberg, ehemaliger Außenminister der
    Tschechischen Republik und amtierendes Oberhaupt
    des historischen Fürstenhauses Schwarzenberg,
    ehemals Herren von Krummau, sowie Bernd Posselt,
    Bundesvorsitzander der Sudetendeutschen Landsmannschaft.
    Sicherlich waren noch weitere tschechische oder auch
    deutsche Honoratioren anwesend, die mir jedoch
    nicht bekannt waren.

    Kanonikus Weber im Gespärch mit Fürst Karel Schwarzenberg
    Kanonikus Weber mit Bernd Posselt.

    Im Anschluss an die kirchliche Feier, fand für die geladenen Gäste im Hotel Maly Pivovar ein Empfang statt, bei dem die Gäste zwanglos miteinander plaudern konnten.

    Danach trag sich der engere Kreis um den neuen Ehrenkanonikus um den unvergesslichen Tag in froher Runde und mit dem Böhmerwaldlied ausklingen zu lassen.

    Abschrift des Artikel von Vlastimil Krocil

    Vorsitzender von Glaube und Heimat Militärdekan Siegfried Weber Ehrenkanoniker in Budweis

    Ansprache von seiner Excellenz Vlastimil Krocil anlässlich der feierlichen Liturgie der Vesper mit der Installation der neu ernannten Kanoniker in der Kathedrale von St. Nikolaus in Budweis am 6. Dezember 2015

    Liebe und verehrte Gäste, Kapitelpropst, Mitbrüder Kanoniker, Priester und Diakone, Seminaristen, Ordensfrauen, Brüder und Schwestern in Jesus Christus, unserem Herrn!

    Ich begrüße auch Sie, liebe Gäste, liebe Brüder und Schwestern aus Deutschland, die mit dem von mir ernannten Ehrenkanonikus des Kathedralkapitels Pater Siegfried Weber gekommen sind.

    Ich freue mich sehr, dass ich Sie hier – in unserem Dom von St. Nikolaus in Ceske Budejovice bei der heutigen feierlichen Liturgie der Vesper begrüßen darf. Wir sind hier um gemeinsam zu beten und dem
    lieben Gott für diesen Tag zu danken, um die Vergebung unserer Sünden zu bitten, uns auf unsere Erlösung zu besinnen und unsere Hoffnung auf unseren Herrn zu richten — auf das Licht, das niemals
    untergeht.

    Vesper, oder wie es auch genannt wird, das Abendgebet, gehört zu den wichtigen Momenten im Leben der Kirche. Es ist eine gute Tradition, wenn sich die Ortskirche — das Kathedralkapitel mit den Priestern, Diakonen und anderen Gläubigen am Fest des heiligen Nikolaus zusammentrifft.

    Heuer fiel der 6. Dezember auf den zweiten Adventssonntag und – den liturgischen Regeln gemäß — wird das Fest des heiligen Nikolaus auf morgen übersetzt. In den nächsten Tagen werde ich außerhalb der
    Diözese sein und werde bei den morgigen Feierlichkeiten durch den Weihbischof und Propst des Kapitels, Msgr. Paul Posad, vertreten. Ich habe keine Zweifel, dass er mich bei der Feier der Eucharistie qut vertritt
    und dass seine Worte eine Ermutigung für alle werden.

    Mein persönlicher Wunsch war jedoch, zusammen mit Ihnen wenigstens durch das Gebet der Vesper den Schutzpatron der Kathedrale und der ganzen Diözese St. Nikolaus zu ehren – und das schon am Vorabend des Festes. Nächster Grund, warum ich die feierliche Vesper schon an diesem Nachmittag wollte, ist die Installation der neuen Kanoniker, die ich heuer im September ernannt habe. Die Zahlergänzung der Kanoniker und ihre feierliche Installation ist keine Laune, Relikt oder verblichener Ruhm. Das ist einer von vielen Momenten im Leben der Ortskirche und er erinnert uns daran, dass auch unsere örtliche Kirche seine eigene lebendige Tradition hat. Es ist eine Tradition, die seit 230 Jahre andauert und der wir mit Stolz dazugehören können! Wie viele in der Vergangenheit herausragende Persönlichkeiten unter den Mitgliedern der lokalen Domkapitel waren – Namen wie Jan Cais, Vojtech Mokry, Josef Leeb, Josef Novak und viele andere sind der Beweis, dass es ein Fundament ist auf welchem wir weiterbauen können. Ich wünsche mir, dass auch die aktuellen Mitglieder des Kapitels und auch die neu ernannten, einen ähnlichen Weg wie ihre Vorgänger gehen, und dass sie immer eine Unterstützung ihres Bischofs sind.

    Es ist eine neue Herausforderung, es ist eine neue Verpflichtung! Daran erinnert uns der Apostel Petrus: “Weidet die Herde Gottes, wie Gott will; nicht als erbliche Herren in ihr Schicksal, sondern als ein Vorbild
    seiner Herde.”

    Um dies zu tun, wollen wir alle die notwendige Kraft und die Gnade des Herrn erbitten! Möge der HI. Nikolaus, der Schutzpatron unseres Domkapitels, ein starker Fürsprecher bleiben! Möge unsere gesamte
    Diözese unter seinem mächtigen Schutz bleiben und durch seine Fürsprache weiterblühen!
    Nun bitte ich die neu ernannten Mitglieder des Kapitels, das Glaubensbekenntnis und den Eid der Treue abzulegen.