Liebe Mitglieder und Freunde der Pfarrei Malsching,
Palmsonntag, die Karwoche und Ostern
Es ist Zufall, dass in diesem Jahr die Umstellung von der Winter- auf die Sommerzeit zeitgleich auf den Palmsonntag (29. März) fiel. Dennoch steckt dahinter, wenigstens für mich, ein bisschen Symbolik. Hat der Palmsonntag nicht auch für die Menschen eine Umstellung, hin zu mehr Licht, bedeutet?
Wir alle kennen die Ereignisse vom Palmsonntag bis zur Auferstehung von Jesus Christus an Ostern. Deshalb will ich hier nicht die christliche Ostergeschichte wiederholen, sondern mich auf die weltlichen Sitten und Bräuche konzentrieren.
Palmesel: Beginnen wir gleich am frühen Morgen des Palmsonntags. Wer als Letzter der Familie aus dem Bett kommt, wird als „Palmesel“ bezeichnet. Aber warum? Seit dem Mittelalter werden vielerorts Prozessionen abgehalten, bei denen eine Holzfigur, die Jesus darstellt, auf einem Esel mitgeführt wird. Der Letzte, der zur Kirche kam wurde verspottet und als „fauler Esel“ bezeichnet der hinter dem Esel herlaufen musste. Wer war bei Euch der Palmesel?
Palmweihe: Beim Gottesdienst in der Kirche wurden die „Palmbuschen“, Sträußchen aus den bereits erblühten Palmkätzchen/Weidenkätzchen geweiht. Diese wurden dann als Schutzbringer zuhause unter das Kreuz gesteckt, um das Haus vor Unglück zu schützen.
Es gibt auch den Brauch, dass einige der Palmkätzchen dem Vieh unter das Futter gemischt wurden oder ein Zweig aus dem Palmbuschen am Ostersonntag mit einigen Eierschalen auf den Feldern verteilt wurden. Das sollte das Vieh und die Feldfrüchte schützen.
Palmburschen: Sehr beeindruckend muss es auch gewesen sein, wie in Malsching der Palm-sonntag gefeiert wurde. Schon tagelang waren die Burschen des Ortes damit beschäftigt, die Palmkätzchenzweige in großen Bündeln zusammen mit bunten Bändern auf lange Stangen zu binden, um damit in die Kirche einzumarschieren und sich neben dem Altar aufzustellen. Es war ein regelrechter Wettbewerb, wer den höchsten Palmbuschen vorweisen konnte. Was als Siegprämie ausgelobt wurde, ist mir nicht überliefert worden. Vielleicht ein Freibier im neben der Kirche liegenden Gasthaus? Hat Jemand Fotos von den Palmburschen?
Am Palmsonntag beginnt die Karwoche
Gründonnerstag, der fünfte Tag der Karwoche ist nach der Überlieferung der Tag des letzten Abendmahls das Jesus zusammen mit seinen Jüngern eingenommen hat. Nach der Überlieferung gab es Brot und Wein. Bei uns ist es üblich, dass am Gründonnerstag grüne Speisen, überwiegend Spinat, Salat, grünes Gemüse oder grüne Kräutersaucen gegessen werden.
Die Bezeichnung „Gründonnerstag“ wird in vielen Ländern unterschiedlich benannt. Besonders in Süddeutschland und auch in Tschechien wird der Name Gründonnerstag verwendet wobei sich die Bezeichnung „grün“ nicht unbedingt auf die Farbe grün bezieht und unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Im süddeutschen/österreichischen Sprachraum führen wir die Bezeichnung eher auf die alt- und mittelhochdeutschen Worte grinan, grinen, greinen (weinen) zurück.
Als kirchlicher Brauch werden von Gründonnerstag bis zur Auferstehungsfeier in der Osternacht die Altäre mit schwarzen Tüchern verhängt und keine Glocken geläutet. Sie „fliegen nach Rom“, wie man sagt.

Die Karwoche war eine schöne Zeit für die „Ratschnbuam“ (Ratschn sind Holzklappern). Diese gab es in den verschiedensten Formen, zum Schieben oder als Handrasseln. Nicht nur beim Gottesdienst wurden sie von den Ministranten anstatt der Altarglöckchen benutzt, sondern die Buben zogen damit von Haus zu Haus und sagten ihre Sprüche auf, damit sie von den Hausfrauen mit Eiern, Osterfladen oder sonstigen Leckerbissen belohnt wurden. Aus den Erzählungen meine Eltern ist mir in Erinnerung:
„Wir ratschen, wir ratschen den Englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss“.
Der Karfreitag ist nach der christlichen Fastenordnung ein strenger Fast- und Abstinenztag. An diesem Tag wird auf Fleisch verzichtet. Das traditionelle Essen am Fretag ist Fisch. Am Karfreitag gedenken wir des Todes von Jesus Christus. Der Tag wird als „stiller Feiertag“ bezeichnet, an dem keine laute Musik, Tanzveranstaltungen oder sonstige Belustigungen erlaubt sind. Der Karfreitag ist kein Feiertag in Österreich und einigen anderen Ländern.
Der Karsamstag ist kein gesetzlicher Feiertag, wird jedoch als Tag der Grabesruhe ebenso weitestgehend ruhig verbracht.
weitestgehend ruhig verbracht.
Das Osterfeuer – Sieg des Lichts über den Tod.- Christus als „Licht der Welt“. –

In der Nach von Karsamstag auf Ostersonntag wird vielerorts auf dem Kirchenvorplatz das Osterfeuer entzündet und die Osterkerze geweiht. Nach dem Erlöschen des Feuers wird die Kerze zum Auferstehungsgottesdient in die Kirche getragen.
Ostern ist für uns Christen das Fest des Lichts, symbolisch als Sieg des Lichts über den Tod.

In der Osterzeit bis Pfingsten wird die Kerze zu allen Gottesdiensten entzündet.
Aber auch während des Jahres wird die Kerze zu Taufen und Trauerfeiern als Symbol des Lichtes benutzt. Wie wir alle wissen, stehen die Zeichen
Α (Alpha) und Ω (Omega) sowohl für Anfang als auch für Ende.

Der Ostersonntag wird als Feier- und Freudentag gefeiert. Die Fastenzeit ist zu Ende und in vielen Familien wird richtig festlich „aufgetischt“. Zuerst gehört die Zeit jedoch den Kindern. „Auf geht’s zum Ostereier suchen“! Unter Büschen und Sträuchern im Garten – sofern vorhanden – oder in der Wohnung wird unter Bett und Couch nach dem Osternest gesucht. Der kalorienreiche Tag beginnt schon bei einem reichhaltigeren Frühstück als an normalen Sonntagen. Wer den Auferstehungsgottesdient besucht hat, kann zum Morgenkaffee die beim Ostergottesdient geweihten Schinken, Eier, Hefefladen, Brot und Salz genießen. Geübte Bäcker erfreuen ihre Liebsten aber auch mit einem selbstgebackenen Osterlämmchen aus Biskuitteig.
Ich erinnere mich, dass ich als Kind zusammen mit anderen Kindern am Ostermontag einen Emmausgang zur nahegelegenen „Lourdesgrotte“ am Kirchberg unternommen habe. Ich erinnere mich auch, dass meine Eltern vom Emmausgang erzählten. Wo der wohl hin ging? Auf den Turmberg? Wer von Euch weiß, wohin die Malschinger gepilgert sind?
Ob Goethe wohl an den Emmausgang dachte, als er das Gedicht „Osterspaziergang – Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…“ in sein meistbekanntes Werk „Faust“ einfügte?
Warum gibt es zu Ostern Eier und Hasen? Das Ei steht symbolisch für neues Leben, das aus einer harten Schale schlüpft. Der Osterhase gilt als Frühlingsbote und steht ebenfalls für Fruchtbarkeit und Leben.
Eine alte Bauernweisheit behauptet:
„Ist es am Gründonnerstag weiß, wird der Sommer heiß“.
oder
Weihnachten im Klee, Ostern im Schnee.


Wo immer wir auch die Ostereier suchen, ob im Schnee oder in der Blumenwiese …
… wünsche ich uns allen, den Pfarrangehörigen und Freunden von Malsching ein fröhliches, friedliches und gesegnetes Osterfest.
Eure Gerdy Hecker-Pischulti

