Verbindendes Kreuz

Das Kreuz Jesu – so lehrt es die christliche Tradition – verbindet Erde und Himmel, Mensch und Gott. Es kann aber auch Menschen über Grenzen hinweg verbinden. Das abgebildete Kreuz, das auf dem Gelände der Rödermühle zu finden ist, hat mein Großvater Konrad Ehrl 1926 aufstellen lassen nach dem Tod seiner zweiten Frau Maria. Nachdem er schon seine erste Frau Anna früh verloren hat, starb auch die zweite Frau früh wie die erste an einer Lungenkrankheit. Der Großvater stand mit den drei Kindern aus erster Ehe und den drei Kindern aus der zweiten Ehe allein da. Ein schmerzlicher Einschnitt in seinem Leben. Aussagen von ihm darüber liegen nicht vor. Es lässt sich nur vermuten, dass er damit ein Zeichen setzen wollte. Er verband sein schweres Schicksal, sein ganz persönliches Kreuz mit dem Kreuz, das Jesus auf sich nehmen musste, wohl mit der Hoffnung auf eine gute Wende dieses bitteren Schicksals durch Gott. So wie er seinen Sohn nicht in der Tiefe von Leid und Tod ließ, vertraute der Großvater durch die Aufstellung des Kreuzes auf einen göttlichen Beistand in dieser Not.

In den aus Böhmerwald-Granit bestehenden Sockel ließ Konrad Ehrl die Buchstaben „K“ für Konrad, „M“ für Maria und die Jahreszahl 1926 einfügen. In der Zeit nach der Vertreibung unserer Familie befand sich die Rödermühle im Sperrgebiet und war nicht zugänglich wegen des nur ein paar hundert Meter nahen Grenzzaunes. Das gusseiserne Kreuz wurde abgeschlagen und der Sockel umgeworfen. Schon die ersten tschechischen Besitzer, die Familie Vlasak errichtete das Kreuz wieder. Aber es befand sich in einem wenig ansehlichen Zustand. Nach 100 Jahren nach der Aufstellung des Kreuzes ließ es nun 2026 der neue Besitzer Milan Purkhart restaurieren, übrigens von dem einzigen noch lebenden Deutschen in Hammern,  von Karl Glaser.

Wie ich finde, ein sehr erfreuliches Zeichen für einen neuen Geist zwischen denen, die einst Besitzer der Rödermühle waren und dem, dem sie heute gehört. Statt Abgrenzung ein Zugehen aufeinander, statt feindseliger Abweisung neue Freundschaft. Ein vielsagendes Beispiel wie ein Kreuz nicht nur Erde und Himmel verbindet, sondern auch Menschen über Grenzen hinweg.

Alois Ehrl, DK i. R.