alterGlaube und neueHeimat 09/2026 – 2

Madonna von Malsching

Das Symbol kehrt nach Hause zurück

Nach langer Zeit kehrt das Symbol von Malsching an seinen angestammten Platz zurück. Eine Nachbildung der Malschinger Madonna wird feierlich in der Kapelle auf dem Turmberg aufgestellt. Die Rückkehr der Madonna erinnert an die Geschichte der Region, ihrer Bewohner und deren Wurzeln beiderseits der Grenze.

10:00 zeremonieller Empfang und Glockengeläut

10:30 Wallfahrt  zum Turmberg

11:00 Segnung der Madonna

12.30 Rückkehr ins Dorf

Mit diesem großformatigen Plakat in einem Glaskasten mit rollierenden Motiven, das am Eingang zum Gemeindeamt (alte Schule) in Malsching angebracht war, hat der Bürgermeister, Herr Jan Dojčar zur Präsentation und Segnung der Malschinger Madonna eingeladen.

Dieser Einladung sind überraschend viele tschechische Bürger aus Malsching und Umgebung, und sogar aus Neubistritz und Gratzen gefolgt. Leider konnte ich nicht in Erfahrung bringen, woher diese von dem Ereignis erfahren haben

Samstag, der 22. August war der absolute Höhepunkt unseres diesjährigen Pfarrtreffens.

Und wie bei solch großen Ereignissen üblich, sind erst mal gute Nerven erforderlich.

Kurzfristig hat unser jahrzehntelanger Organist, Herr Franz Ullmann, wegen gesundheitlicher Probleme abgesagt. Dank Siegfrieds guter Beziehung zum Kloster in Hohenfurth konnte der Klosterorganist Herr Lukaš Krutzky einspringen, der von Mitgliedern seiner Familie mit weiteren Instrumenten und Gesang unterstützt wurde.

Bei der Segnung der Madonna hat Frater Raphael den Prior Pater Justin vertreten und auch am Sonntag beim Gottesdienst die Orgel gespielt, in Vertretung von Herrn Ullmann.

Nachdem der Wetterbericht etwas Regen angekündigt hat, wurde kein Zelt am Dorfplatz aufgebaut, sondern die Zeremonie in die Kirche verlegt. Es kam zwar kein Regen sondern es schien die Sonne, allerdings begleitet von dem in Malsching bekannten frischen Wind.

Geleitet von den Ministranten und eingehüllt in

deren Weihrauchwolken zogen Kanonikus Siegfried Weber sowie Pater Lukaš, Herr Dojčar und Herr Franc in die Kirche ein, wo Herr Dojčar die Statue der Malschinger Madonna

präsentierte und deren Geschichte erklärte.

Dankenswerterweise hat Herr Jiři Franc, unser immer hilfsbereiter und langjähriger Gastgeber vom Hotel Šumava, alle Übersetzungen für uns vorgenommen.

Nachstehend möchte ich die Ansprache von Herrn Dojčar wiedergeben:

Sehr geehrte Anwesende,

ich möchte an einen außergewöhnlichen Kunstschatz erinnern, der den Namen unserer Gemeinde trägt – die Madonna von Malsching.                                                              

 Diese 126 cm hohe Skulptur wurde etwa in den Jahren 1510 bis 1520 aus Lindenholz geschnitzt. Sie wird einem bedeutenden anonymen Bildschnitzer zugeschrieben, der heute unter dem Notnamen „Meister der Beweinung Christi von Žebrak“ bekannt ist. Sie zählt somit zu den bedeutenden Werken der böhmischen spätgotischen Bildhauerkunst.

 Ihre neuzeitliche Geschichte begann um das Jahr 1930. Damals besuchte der Kunstsammler Vaclav Butta gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Antonin Friedl die Gemeinde Malsching. Bei einem Spaziergang durch den Ort entdeckten sie in der Gartenmauer eines Bauernhofes eine verglaste Nische. Darin stand eine Statue der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, die mit dicken Schichten weißer, grüner und roter Farbe überstrichen war – angeblich ähnlich, wie man damals Zäune strich.

Dennoch erkannten die beiden Besucher, dass es sich um ein sehr altes und wertvolles Kunstwerk handeln könnte. Der Besitzer des Bauernhofes war bereit, die Statue zu verkaufen, stellte jedoch zwei Bedingungen: Er verlangte eintausend Kronen in bar und zudem musste in der Nische eine gleich große Porzellanstatue Unserer Lieben Frau von Lourdes aufgestellt werden.

Die Bedingungen wurden erfüllt und die Madonna von Malsching wurde nach Prag gebracht. Nach der Entfernung der neuzeitlichen Farbschichten gelang es, ihre ursprüngliche farbige Fassung freizulegen. Im Jahr 1935 wurde sie erstmals öffentlich auf der bedeutenden Prager Ausstellung „Madonna“ präsentiert. Der Kunsthistoriker Josef Opitz bezeichnete sie damals nach dem Maler Karel Wagner, in dessen Besitz sie sich vermutlich befand, als ‚Wagner-Madonna‘. Spätere Forschungen lassen jedoch vermuten, dass Wagner möglicherweise gar nicht ihr tatsächlicher Eigentümer war, sondern lediglich an ihrer Restaurierung mitwirkte.

Auch das weitere Schicksal der Statue ist stellenweise unklar und erinnert beinahe an eine Detektivgeschichte. Archivdokumente deuten darauf hin, dass sie während des Krieges als Teil der Sammlung Vaclav Buttas in der Böhmisch-Mährischen Landesgalerie deponiert worden sein könnte. Später soll sie bei Viktor Zenker verborgen, zu Josef Cibulka gebracht und schließlich für fünfundzwanzigtausend tschechische Kronen an einen unbekannten Interessenten verkauft worden sein. Anschließend befand sie sich in einer Privatsammlung in Hradec Kralove (ehemals Königgrätz). Fest steht, dass sie im Jahr 1964 von der Nationalgalerie in Prag angekauft wurde.

Die Madonna von Malsching wurde später auf mehreren bedeutenden Ausstellungen gezeigt und wurde Bestandteil von Ausstellungen zur Kunst des alten Böhmens. Fachleute beschäftigen sich seit fast einhundert Jahren mit ihr und ordnen sie bis heute dem Werk des „Meisters der Beweinung Christi von Žebrak“ zu. Es wird außerdem angenommen, dass sie ursprünglich für das Zisterzienserkloster in Hohenfurth geschaffen worden sein könnte. Ihr ursprünglicher Aufstellungsort lässt sich jedoch nicht mit Sicherheit belegen.

Für uns ist vor allem von Bedeutung, dass diese mehr als fünfhundert Jahre alte Statue den Namen Malsching trägt. Sie erinnert uns daran, dass sich selbst in einer kleinen Gemeinde über Jahrhunderte hinweg ein Werk von außergewöhnlichem, künstlerischem und historischem Wert verbergen kann. Die Madonna von Malsching ist daher nicht nur ein bedeutender Teil des tschechischen Kulturerbes, sondern auch ein einzigartiger Bestandteil der Geschichte unserer Gemeinde.

Kanonikus Siegfried Weber dankte Herrn Dojčar, dass er dieses für eine Anfang des 16. Jahrhunderts kleine, unbekannte Bömerwald-Gemeinde geschaffene Kunstwerk im National-museum in Prag ausfindig gemacht hat und mit neuen Techniken reproduzieren ließ.

Als Dank hierfür und weitere für die Kirchengemeinde getätigte und noch erforderliche Instandhaltungen überreichte Kanonikus Weber ihm symbolisch einen Scheck über 1.000,00 €uro der aus Spendengeldern der ehemaligen Malschinger Pfarrangehörigen finanziert wurde.

Im Anschluss formierten sich alle Besucher der Feier zu einer langen Prozession auf den Turmberg.

Voraus gingen die Fahnenträger,….
gefolgt von den Ministranten…
…wobei so mancher mit der Kleidung
oder den Schweißperlen kämpfte
… gleich habt ihr es geschafft…
… jetzt sind wir komplett …

… und die große  Pilgerschar von rund 80 Personen kann in die Kapelle geleitet werden.

Andächtig verfolgen alle Gläubigen die Segnung der Madonna.

Jetzt ist die Madonna wieder heimgekehrt.

Die Malschinger Madonna hat viele Gemeinsamkeiten mit den Malschingern von einst.

Auch wir, die Nachkommen unserer Vorfahren, die ebenfalls schon im 16. Jhdt. In Malsching beheimatet waren, wurden gleichfalls aus unserer “Nische“ entfernt und sind nach vielen unterschiedlichen  Stationen  in unserer neuen Heimat  gelandet und kommen jetzt gerne      als Gäste in die alte Heimat zur Malschinger Madonna zurück.

Nach der Segnung der Madonna kehrten alle zurück nach Malsching.

In der Gaststätte in der alten Schule erwartete uns Herr Dojčar mit einem Begrüßungsumtrunk und einem vom Wirt Josef Bigas bereiteten wundervollen Büffet.Damit erlebten wir unvergessliche Stunden für die wir dankbar sind.

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön allen Beteiligten:

Herrn Dojčar für die gesamte Organisation

Den Malschinger Gemeinderäten und Bürgern für ihre aufgeschlossene Beteiligung

Den beiden Malschinger Damen, die die Kirche und Kapelle geputzt haben und sich das ganze Jahr über um den Blumenschmuck am Priestergrab kümmern

Frater Raphael für seine Mitwirkung bei der Segnung der Madonna und sein Orgelspiel

Herrn Lukaš Kruzky und seiner Musikerfamilie für das Orgelspiel und die Musik in der Kapelle

Herrn Jiři Franc für seine professionelle Dolmetschertätigkeit

Der „Kirchenschlüsselbewahrerin“ Frau Frieda Krabatsch für ihre vielseitigen Hilfeleistungen

Herrn Josef Bigas und seinem Team für die hervorragende Bewirtung

Dem mutigen und umsichtigen Fahrer der die weniger Gehfähigen über Stock und Stein wohlbehalten auf den Turmberg und wieder zurück chauffiert hat

Den Brüdern Kollinger als Fahnenträger und ihren Assistentinnen Reni und Martina

Den Bendl-Ministranten und Jens Müller, ohne die die Feier nicht so ergreifend gewesen wäre

Und nicht zuletzt allen Alt-Malschingern und Freunden der Pfarrgemeinde Malsching, die zum Teil sehr lange Anfahrten auf sich nahmen, auch wenn es nur zum Gottesdienst am Sonntag war, und besonders Frau Dr. Stefanie Schön der ehemaligen Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde von Waldsassen-Tirschenreuth.