Feierstunde zur Erinnerung an die “Charta der deutschen Heimatvertriebenen” in Stuttgart
Im Rahmen einer Feierstunde, erinnert die Union der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten (UdVA) alljährlich an die Unterzeichnung der “Charta der deutschen Heimatvertriebenen” am 5.August 1950 in Stuttgart.
Dazu hatten sich auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Teilnehmer an der Gedenktafel vor dem Ehrenhof des Neuen Schlosses in Stuttgart zusammengefunden.
Unter den Gästen konnte der geschäftsführende Landesvorsitzende der Union der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten (UdVA), Bürgermeister Klaus Hoffmann, auch Vertreter aus der Politik wie die Landtagsabgeordneten Raimund Haser, Konrad Epple und Andreas Renner, den Vorsitzenden des Verbands Region Stuttgart und ehemaligen Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland MdEP a.D., den stellvertretenden UdVA-Bundesvorsitzenden Christoph Zalder, Alt-Regionalrat Hans-Werner Carlhoff, Bezirksvorsteherin Sabine Mezger und die Stuttgarter Alt-Stadträte Bärbel Häring und Manfred Zaiß begrüßen. Aber auch der Landesvorsitzende der Banater Schwaben, Richard Jäger, der Vorstandsvorsitzende der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Dr. Ernst Gierlich und dessen Geschäftsführer Thomas Konhäuser sowie die Landesvorsitzende der AG Frauen im Bund der Vertriebenen, Isabella Schuster-Ritter hatten sich zur Feierstunde an der Gedenktafel vor dem Ehrenhof des Neuen Schlosses eingefunden, um der Festrede der Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges MdL, beizuwohnen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Bläsergruppe Feuerbach.
Der geschäftsführende UdVA-Landesvorsitzende, Bürgermeister Klaus Hoffmann, erinnerte in seinen Begrüßungsworten, dass die „Charta“ kein Dokument der Anklage, sondern eine Selbstverpflichtung war. So bekannten sich die Unterzeichner zum Wiederaufbau Deutschlands, zur Mitwirkung an einer gemeinsamen Zukunft und zu einem Europa in Frieden und Freiheit. Für die Verbände ergebe sich daraus der klare Auftrag, die Geschichte von Flucht und Vertreibung weiterhin sichtbar zu machen und das Bewusstsein zu stärken, dass Heimat ein wertvolles Gut sei das Schutz verdiene.
Ministerin Marion Gentges MdL betonte zu Beginn ihrer Festrede, dass die Verabschiedung der „Charta“ als eines der Schlüsseldokumente der deutschen Geschichte zu sehen sei. So fiel die Verkündung der „Charta“ in eine Zeit fragiler internationaler, europäischer und deutscher Nachkriegsverhältnisse und die erste Bundesregierung hatte noch keine befriedigenden Antworten auf all die Fragen gefunden, die mit der Integration der deutschen Heimatvertriebenen verbunden waren. Daher sei es absolut nachvollziehbar, dass sich die deutschen Heimatvertriebenen unmittelbar nach der Aufhebung des „Koalitionsverbots“ auf dem Gebiet der westlichen Besatzungszonen überregional organisierten, um ihren politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Der Ort und der Zeitpunkt der Annahme, der öffentlichen Proklamation, der Unterzeichnung und der Feier zur „Charta“ wurden ganz bewusst gewählt und so fiel die Wahl auf Stuttgart, da die Landesverbände in Württemberg-Baden bereits sehr gut organisiert waren. Zudem befand sich in Stuttgart das „Museum und Institut zur Kunde des Auslandsdeutschtums“. Ministerin Gentges drückte in diesem Zusammenhang ihre Freude darüber aus, dass im „StadtPalais – Museum für Stuttgart“ inzwischen ein Faksimile der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ in die Dauerausstellung aufgenommen wurde.

In der Ausfertigung der „Charta“ springen die Worte „Recht auf Heimat“ aufgrund ihrer Schriftgröße förmlich ins Auge. „Das sei gewiss kein Zufall“, so Gentges, „sondern zeige, dass es für die damaligen Unterzeichner ganz zentral war, das Recht auf Heimat als Grundrecht anzuerkennen.” Sie stellten damit einen Bezug zur „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ der Vereinten Nationen her, die im Dezember 1948 verabschiedet worden waren. In diesem Zusammenhang erwähnte die Christdemokratin, dass es nach dem Neuzuschnitt der Ressorts mit Bildung der neuen Landesregierung in Baden-Württemberg erstmals ein Ministerium gebe, das den Begriff „Heimat“ in seinem Namen trage. Mit dem von Marion Gentges geführten Ministerium zeige die Landesregierung, dass sie dem Thema „Heimat“ eine besondere Bedeutung zumesse. Und auch, dass diese Heimat uns allen gemeinsam zu eigen ist und wir sie nicht von einzelnen politischen Gruppierungen vereinnahmen lassen. So sei es ihr wichtig, die Förderung von Entwicklungen und Projekten in den Blick zu nehmen, die unsere Heimat weiterentwickeln. So sehe die CDU-Politikerin den Begriff „Heimat“ in vier Ebenen: Zum einen stehe er für den Ort oder die Region in der man lebt, zum anderen für den lokalen Dialekt und das immaterielle Kulturerbe.
Als dritte Ebene sei die Gemeinschaft und der Zusammenhalt zu nennen und als vierte schließlich die Zugehörigkeit und die Integration. Marion Gentges lobte auch das ehrenamtliche Engagement der Vertriebenenverbände für die Belange der Vertriebenen und Spätaussiedler mit dem sie Verantwortung für Ihre Heimat hier in Baden-Württemberg und für Ihre Heimat und die Ihrer Vorfahren in unseren östlichen Nachbarländern übernähmen. Sie trugen mit Ihrem Wirken dazu bei, dass die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa bewahrt und erhalten bliebe. Zum Abschluss betonte die Heimatministerin noch einmal die Bedeutung der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“, deren Aussagen zur Versöhnung und Schaffung eines geeinten Europas an Bedeutung gewonnen hätten.
Das Schlusswort der Feierstunde hielt die Landesvorsitzende der AG Frauen beim Bund der Vertriebenen Baden-Württemberg, Isabella Schuster-Ritter. Sie betonte, dass die „Charta“ für sie ein Wertekompass sei und man gemeinsam dafür Sorge tragen müsse, dass die Werte der „Charta“ wie Menschlichkeit, Versöhnung, Freiheit und die Verantwortung für ein friedliches Europa auch künftig Orientierung geben. Viele von uns hätten die Vertreibung nicht erlebt. Aber man habe sich bewusst dafür entschieden, die Geschichte nicht verstummen zu lassen. Erinnerung sei kein Selbstzweck, sie ist Auftrag.
Helmut Heisig- UdVA – Baden-Württemberg –
Beide Fotos von Martin Windhab (SL)
Beitragsbild: Feierstunde am Jahrestag der Verkündigung der „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ am 5.August 2026:
Viel Prominenz aus Politik und Vertriebenenverbänden versammelte sich im Ehrenhof des Neuen Schlosses um die Festrednerin, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges.

