Pfarrer Roland Rettenmaier

Pfarrer
Roland Rettenmaier

Geistliches Wort - 07|2021

Glaube

Wissen Sie, an wie viele heilige Frauen sich die Kirche im Monat Juli erinnert? Was meinen Sie, sind es 2 Frauen, 5 Frauen oder 9 Frauen? Ich bin ins Staunen gekommen, an wie viele Frauen sich die Kirche im Juli erinnert, als ich mir den deutschsprachigen Heiligenkalender angeschaut habe:

2. Juli Mariä Heimsuchung, dieses Fest erinnert an den Besuch der Gottesmutter Maria bei ihrer Cousine Elisabet. / 06. Juli Maria Goretti / 13. Juli Heiliger Heinrich II. [1024] und heilige Kunigunde [1033], Kaiserpaar / 16. Juli Unsere liebe Frau vom Berge Karmel / 20. Juli Margaretha / 22. Juli Maria Magdalena, sie wird die Apostelin der Apostel genannt / 23. Juli Birgitta von Schweden Mutter, Ordensgründerin [1373], Schutzpatronin Europas / 26. Juli Joachim und Anna / 29. Juli Martha von Bethanien.

Der Glaube dieser Frauen ist unendlich kostbar. Ohne Maria und Elisabeth, ohne Maria Magdalena und Martha von Bethanien würden wichtige Passagen in den Evangelien fehlen. Wer weiß, wie sich unsere Kirche weiterentwickelt hätte, wenn es in ihr nicht den Einsatz der Birgitta von Schweden gegeben hätte? Durch alle diese Frauen können wir etwas über unseren Glauben lernen.

Es ist gut, dass die Kirche darauf hört, was alle Frauen gesagt und getan haben, die die Kirche im Lauf der Jahrhunderte heiliggesprochen hat. Unsere Kirche muss auch heute darauf hören, was Frauen heute denken, was sie heute glauben und wie sie sich in unserer Kirche einbringen. Denn Gottes guter Geist lebt und wirkt in allen Personen, die zur Gemeinschaft der Gläubigen dazugehören. Mit jeder Person, die der Kirche den Rücken zukehrt, verarmt die Gemeinschaft der Gläubigen. Ohne das Leben aller Frauen wäre unser Leben in der Kirche um vieles ärmer.

Darum danke ich allen Frauen, die mein geistliches Wort lesen, ganz herzlich dafür, dass sie sich mit ihrem Glauben in die Gemeinde vor Ort einbringen. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement in Welt und Kirche. Ich danke Ihnen für Ihr Beten.

Ich wurde 1988 zum Priester geweiht und gehöre damit zu den sogenannten Amtsträgern der Kirche dazu. Schenken Sie uns Amtsträgern auch weiterhin, dass sie uns von ihrem Glauben und ihrer Art des Glaubens erzählen. Fordern sie uns Amtsträger immer wieder durch ihre Sicht auf den Glauben heraus. Unsere Kirche braucht ihre Stimme, ihr Glaube ist kostbar. Und lassen Sie Sich bitte nicht durch die Fehler entmutigen, die es leider immer wieder in unserer Kirche gibt.

Ihr Kooperator
Roland Rettenmaier

 

Bischof
Rudolf Voderholzer

Geistliches Wort - 06-2021

Liebe Leserinnen und Leser,

zu den Papieren aus dem Nachlass meiner Großmutter (geb. 1903) gehört die Abschrift der Trauungsurkunde, die sie sich vorsorglich im Frühjahr 1946 beim zuständigen Ortspfarrer Wenzel Remiger (dem Bruder des Weihbischofs Johannes Remiger) hatte ausstellen lassen. Ihr Mann war noch in Kriegsgefangenschaft, und sie erwartete mit drei minderjährigen Söhnen bangen Herzens die drohende „Aussiedlung“ aus Kladrau/Kladruby. Meine Mutter, die älteste der vier Kinder, war der Vertreibung durch die Flucht „schwarz über die Grenze“ nach Bayern schon zuvorgekommen. Die Kopie der Heiratsurkunde trägt auf der Rückseite den Stempel „Odsun“ mit Datum „19. Juni 1946“.
Heute weiß ich: Die einfache aber tiefe Frömmigkeit dieser Frau, die ihr ermöglichte, dieses Schicksal, den Verlust der Heimat und der materiellen Lebensgrundlage, überhaupt zu ertragen und anzunehmen, hat mich von Kindestagen an mitgeprägt. Zu den wenigen Habseligkeiten, die sie auf den Weg in den Eisenbahnwagons über Eger und Wiesau bis nach Oberbayern noch mitnehmen durfte, gehörte die gerahmte Urkunde ihrer Erstkommunion und zwei Gebetbüchlein, die sie bis zum Lebensende schließlich vollkommen „zerlesen“ hatte.
Für meinen weiteren Weg nicht weniger prägend war die Begegnung mit Pater Victrizius Berndt OFM Cap., dessen Religionsunterricht am Münchener Dante-Gymnasium in den für die spätere Berufsentscheidung prägenden Jahren der Oberstufe mir das Rüstzeug vermittelte, den familiär grundgelegten Glauben auch rational so zu durchdringen, dass ich meine Berufung zum Priesteramt erkennen konnte. Pater Victrizius Berndt war 1915 in Pomeisl zur Welt gekommen, in Waltsch/Valec aufgewachsen und 1933 in Prag in den Kapuzinerorden eingetreten, nahm als geweihter Diakon als Sanitätssoldat am Krieg teil und wurde am 1. November 1946 in Eichstätt zum Priester geweiht (vgl. R. Voderholzer / E. Kögler, „Er führte mich hinaus ins Weite“. Lebensbild eines sudetendeutschen Priesters. Pater Victrizius Berndt [1915–2003], Reimlingen 2006). Ihm verdanke ich nicht nur den Zugang zur französischen Theologie und ein Verständnis von „katholisch-sein“ im Sinne von „allumfassend“, „nichts ausschließend“, sondern auch die entscheidenden Einsichten zur Beurteilung unserer Herkunftsgeschichte: Die verhängnisvolle Weichenstellung war der übersteigerte Nationalismus, der seit dem frühen 19. Jahrhundert ganz Europa infizierte und latent vorhandene Differenzen und Spannungen verhärtete und in Feindseligkeit und völliges gegenseitiges Unverständnis und Misstrauen verkehrte. Dass auch die gemeinsame Zugehörigkeit zur Kirche, die gemeinsame Gebetssprache, gemeinsame Volksfrömmigkeit etc. die Versuchung zum Nationalismus nicht aufhalten konnten, beschäftigt mich sehr.
Vor kurzem stieß ich im Zusammenhang mit der Erforschung der Geschichte der Weihnachtskrippe, deren „Wiege“ vermutlich in Prag gestanden hat (vgl. die Studien von Rudolf Berliner), auf eine erschütternde Selbsterkenntnis des sudetendeutschen Schriftstellers Otfried Preußler (1923–2013). Preußler hat uns nicht nur eine Fülle wunderbarer Kinder- und Jugendbücher, sondern mit der „Flucht nach Ägypten“ auch seine eigene Verarbeitung von Flucht und Vertreibung in romanhafter Form geschenkt. Im Rückblick auf zahlreiche Besuche zusammen mit seiner Frau in der alten Heimat und die Entdeckung, dass die von ihm so geliebte und immer wieder auch in seinen Geschichten verarbeitete Krippenfrömmigkeit die deutschen und die tschechischen Böhmen doch zutiefst verbunden hätte, notiert er im Jahr 1999: „Auch in Eisenbrod, auch im von jeher tschechischen Städtchen Turnau trafen wir [Preußler und seine Frau] solche Krippen an – wobei uns, zu unser beider Betroffenheit, jetzt erst aufgegangen ist, dass es zwischen den Weihnachtskrippen in den ursprünglich von Deutschen bewohnten Gebieten Nordböhmens und denen unserer tschechischen Nachbarn so gut wie keine Unterschiede gegeben hat. Was haben wir vormals eigentlich voneinander gewusst? Wir böhmischen Deutschen von ihnen, den tschechischen Böhmen – und sie von uns? Müßige Frage, verpasste Gelegenheiten, vorbei, vorbei.“ (Otfried Preußler, Ich bin ein Geschichtenerzähler, Stuttgart / Wien: Thienemann 2010, 76 f. Hervorhebung R.V.).
Aus alldem ergibt sich für mich die Aufgabe, die gemeinsamen Wurzeln im Glauben zu suchen, zu pflegen und mit Leben zu erfüllen. Der christliche Glaube, besonders noch einmal in der Gestalt der katholischen Kirche, die wegen ihrer Internationalität gegenüber aller nationalistischen Vereinnahmung und politischen Instrumentalisierung am meisten gefeit ist, ist die beste Rassismus- und Nationalismus-Prophylaxe, die es gibt. Zu den Höhepunkten im Jahreskreis gehört deshalb für mich seit langem, das Patroziniumsfest in der Schlosskirche in Kladrau zu Mariä Himmelfahrt zu feiern, in Konzelebration mit den vom Bistum Pilsen bestellten Pfarrern, oder wie schon mehrmals mit dem Bischof von Pilsen selbst. Im Glauben an den dreifaltigen Gott liegt nicht nur die Kraft zur Versöhnung angesichts einer von Unverständnis, Misstrauen und Schuld überschatteten Geschichte, sondern mehr noch die Grundlage für Völkerverständigung und Frieden in einem Europa der Regionen auf der Grundlage der Religion des Kreuzes.

Rudolf Voderholzer,
Bischof von Regensburg

 

Dekan Michael Prokschi

Geistliches Wort - 05-2021

Maria

Maria, dich rufe ich an in schwerer Zeit,
bei dir suche ich Trost in bitterem Leid.
Von dir will ich Hilfe und Heilung erbitten,
bei dir mein beladenes Herz ausschütten.
Dir will ich so viel Not der Menschen klagen,
ihre Sorgen und Bitten zu dir hintragen.
Du gibst mir Kraft, meinen Weg zu gehen,
du hilfst mir, die Prüfungen des Leben bestehen.
Du stehst mir bei in so vielen Sorgen,
dir will ich vertrauen im Heute und Morgen.

Der Monat Mai ist in besonderer Weise der Gottesmutter Maria gewidmet. Wir schauen auf sie, die der Welt den Erlöser und Heiland geboren hat.
Sie hat den Weg Jesu begleitet, hat bei ihm ausgehalten bis unter das Kreuz. Dort hat Jesus Maria uns zur Mutter gegeben.
Sie ist uns Mutter im Glauben, Fürsprecherin bei ihrem Sohn.
Und gerade Maria, die selbst viel Schweres, viel Unerklärliches durchlebt und durchlitten hat, sie will auch uns zur Seite stehen in den Prüfungen des Lebens.

Vertrauen wir uns ihr an, gehen wir auf ihre Fürsprache hin unsere Wege und halten wir fest am Glauben. So wünsche ich uns einen hoffnungsvollen und gesunden Start in den Monat Mai.

Dekan Michael Prokschi
Leiter der Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu Kirchzell
Dekan Fekanat Miltenberg

 

Pfarrer Anton Gruber

Geistliches Wort - 04|2021

Ostern – das höchste Fest der Christenheit


Auch wenn aller Anschein dagegenspricht und der Rummel um Weihnachten die Osterfestivitäten um ein Vielfaches übertrifft. Es ist eine unumstößliche Tatsache, dass Ostern das ältere – und wenn man so will – auch das wichtigere Fest für den gläubigen Menschen ist. Die Erlösungstat Gottes, welche mit der Geburt seines Sohnes Gottes an Weihnachten grundgelegt worden ist, erfährt an Ostern mit der Auferstehung Jesu erst ihre Erfüllung und Vollendung.
Brauchen Sie dafür noch einen Beweis? Kein Problem.
Jesus von Nazareth verkündet seine Botschaft von der Nächsten- und Feindesliebe – gut! Er predigt, dass das Reich Gottes im Anbruch sei – auch gut!
Er wirkt Wunder und heilt Kranke – umso besser!
Aber dann folgt die Tragödie. Jesus wird unschuldig zum Tod am Kreuz verurteilt. Alles scheint aus und vorbei zu sein.
An genau diesem Punkt treffen wir die Jünger Jesu am Abend des Karfreitags: allein, entmutigt und verlassen. Die einen verschanzen sich ängstlich im Abendmahlssaal (Joh 20,19), andere, wie die Jünger von Emmaus machen sich frustriert auf den Heimweg (Lk 24,13f).
In diese Situation der Enttäuschung hinein trifft sie die Osterbotschaft: Das Grab ist leer! Jesus Christus ist von den Toten auferstanden!
Das bedeutet nichts Geringeres, als dass Gott selbst das Werk und die Botschaft seines Sohnes gutgeheißen hat. Jesu Botschaft ist nicht gescheitert, sondern ganz im Gegenteil von Gott als Erfolg deklariert worden.
„Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“, schreibt Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth (1 Kor 15,14).
Nach menschlichen Maßstäben war Jesus gescheitert: er endete unschuldig verurteilt als Verbrecher am Kreuz. Nach göttlichen Maßstäben aber ist sein Weg der Gottes- und Nächstenliebe der richtige: Gott hat ihn in seinem Tun bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.
Und genau diese Botschaft der Auferstehung Jesu ist es, auf die wir unsere Hoffnung setzen. Und ist Hoffnung nicht genau das, was wir alle dieser Zeit der Corona-Pandemie brauchen? Nein, wir sind nicht von Gott verlassen. Er ist bei uns und geht auch mit uns durch unser Leben, genauso wie er seinen Sohn Jesus Christus bei seinem Tod Kreuz nicht verlassen hat.
Die Auferstehung Jesu ist für uns Menschen das große Hoffnungszeichen dafür geworden, dass Gott uns in all unseren Höhen und Tiefen begleitet – und dies sogar bei unserem Lebensende weit darüber hinaus in ein neues ewiges Leben.
Ist das nicht eine tröstliche und zugleich die wichtigste Botschaft unseres Glaubens?

So wünsche ich Ihnen allen ein frohes, friedliches und gesundes Osterfest.

Anton Gruber, Pfarrer in Weil der Stadt

 

Pater Edmund Schrimpf

Geistliches Wort - 03|2021

Liebe Landsleute,

am 19. März sind wir wieder eingeladen, des heiligen Josef (Joseph) zu gedenken – und vielleicht auch unsere Beziehung zu ihm zu überdenken. Gar manche in unseren Familien trugen - und tragen vielleicht noch – den Namen dieses Heiligen.
Der älteren Generation unter uns ist der Josefitag noch als Feiertag in Erinnerung. Der hl. Josef gehört(e) zu den Heiligen, die man in die Nöte und Belange des persönlichen und familiären Lebens einweihte und um Hilfe anging.
So hat ihn Papst Pius IX. am 8. Dezember 1870 auch zum Schutzpatron der Kirche erwählt. In Erinnerung daran lädt uns nun Papst Franziskus mit seinem apostolischen Schreiben vom 08. Dezember, das mit den Worten „Patris corde“ („Mit väterlichem Herzen“) beginnt, ein, des heiligen Josef und seiner Bedeutung für uns und die Kirche zu gedenken. Mit väterlichem Herzen „liebte Josef Jesus, der in allen vier Evangelien ‚der Sohn Josefs‘ genannt wird. Die beiden Evangelisten Matthäus und Lukas, die seine Gestalt besonders herausgestellt haben, erzählen nicht viel von ihm, aber doch genug, so dass deutlich wird, auf welche Weise Josef Vater war und welche Sendung ihm Gott anvertraut hatte.“
Kein einziges Wort ist uns von ihm in den Evangelien überliefert, doch aus dem, was sie uns von ihm berichten, erfahren wir: Er war bereit, auf Gottes Ruf zu hören und Gottes Willen demütig zu akzeptieren. So nennt ihn der Papst unter anderem: „Vater im Annehmen“ – „Vater mit kreativem Mut“. Ja, es braucht Mut, etwas anzunehmen, das nicht in die eigene Lebensplanung einbezogen ist – es braucht Mut, sich selbstlos, kreativ in diesen Annahmen einzubringen.
So war Josef von Gott „dazu berufen, durch dir Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen. Auf diese Weise wirkt er an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich Diener des Heils“. Es erscheint ihm kein Engel wie dem Zacharias im Tempel oder wie Maria in Nazareth. Im Traum vernimmt er: „Nimm Maria zu dir – steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten.“ Er steht auf und tut „traumhaft genau das Richtige“, er tut es im Glauben und Vertrauen, dass der Gott der Väter mit ihm ist. Auf uns bezogen schreibt der Papst: „Oft geschehen in unserem Leben Dinge, deren Bedeutung wir nicht verstehen.“ Ja, wer von uns wüsste das nicht. Doch wie reagieren wir darauf!?
Die Antwort des Papstes ist: „Das, was Gott zu unserem Heiligen gesagt hat: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht“, will er auch uns sagen: „Fürchtet euch nicht!“ Gott räumt uns nicht alles Schwere aus dem Weg – auch im Leben der Heiligen Familie hat er das nicht getan, so sehr man das gerade da erwarten möchte. Im Schreiben des Papstes lesen wir: „Wenn Gott uns manchmal nicht zu helfen scheint, bedeutet das nicht, dass er uns im Stich gelassen hat, sondern dass er auf uns vertraut und auf das, was wir planen, entwickeln und finden können.“ Damit meint er in etwa das, was Jesus zu Paulus sagte: „Meine Gnade genügt dir!“
Das heißt: Ich bin ja mit dir, vertraue mir. So ist „Josef der Mann, durch den Gott für die Anfänge der Erlösungsgeschichte Sorge trägt. Er ist das ‚Wunder‘, durch das Gott das Kind und seine Mutter rettet.“ Gemeint ist: Auch wenn der Weg zum Ziel beschwer-lich, hügelig, kurvig ist, so führt er doch mit Gottes Hilfe und die Fürbitte der Heiligen ans Ziel. In diesem Sinne lädt uns ja auch Jesus ein, mit ihm den Weg zum Vater zu gehen.
Im Schreiben des Papstes heißt dies: „Es liegt uns fern zu meinen, „glauben“ bedeute, einfache vertröstende Lösungen zu finden. Der Glaube, den Christus uns lehrt, ist vielmehr der Glaube, den wir am hl. Josef sehen, der nicht nach Abkürzungen sucht, sondern dem, was ihm widerfährt, mit ‚offenen Augen‘ begegnet und persönlich Verantwortung übernimmt.“

Mit diesen wenigen Gedanken aus dem reichhaltigen Schreiben des Papstes verbinde ich den Wunsch, dass wir - auf die Fürbitte des hl. Josef vertrauend – unseren christlichen Alltag gläubig aus der Hand des himmlischen Vaters annehmen. So wird dann auch die Vaterunser-Bitte „dein Wille geschehe…“ keine leere Formel sein.

Euch allen Gottes Segen!

Pater Edmund Schrimpf
(aus Schwarzbach Cerna)

Siegfried Weber,
Vorsitzender
von Glaube und Heimat

Geistliches Wort - 02|2021

Liebe Leserschaft von Glaube und Heimat!

Lockdown, seit fast einem Jahr kursiert dies Wort in unserem Leben. Keiner hat sich vorstellen können oder wollen, dass so etwas in Deutschland und Europa möglich ist. Die Wirtschaftlichen, Politischen Gesellschaftlichen Folgen sind noch nicht im Geringsten einzuschätzen. Lockdown, das ist ein Verlust von vielem, was man bisher selbstverständlich hatte und genießen konnte. Ganz vorne stehen natürlich Wirtschaftliche und damit existenzielle Sorgen in einer ungeahnten Bandbreite, gerade wenn man Verantwortung hat für seine Familie oder als Arbeitgeber für einen Betrieb. Aber es ist auch ein Verlust von menschlichen Beziehungen, Begegnungen und Gespräche, verstärkt durch Masken und Distanz. Klassenkameradschaften in den Schulen leiden, Bildungschancen verschieben sich und Familien wissen oft nicht, wie sie die Betreuung ihrer Kinder realisieren können, da ja auch Großeltern sofern sie überhaupt in der Nähe sind, jetzt oft ausfallen, da das Infektionsrisiko zu groß ist. Gerade ältere Menschen und das sind viele unserer Leserinnen und Leser, leiden besonders unter dieser Situation der Einsamkeit.

Zwar ist mit den jetzt zugelassenen Impfstoffen ein wenig Hoffnung aufgekeimt, aber auch hier gestaltet sich manches chaotisch und eine europäisch aufgestellte Impfstrategie zeigt sich in vielen Bereichen als zäh und nicht effizient. Was aber noch viel dramatischer ist. Der erste Lockdown im vergangenen Frühjahr, er war hart, kurz und effektiv und wurde von einer Mehrheit mitgetragen. Leider hat man in der Folgezeit einiges verschlafen und falsche Hoffnungen gepflegt, ohne etwas zu erreichen. Jetzt sind wir von einer Leichtversion in einen harten Lockdown im Dezember und die Anfang Januar tagende Runde der politisch Verantwortlichen hat die Maßnahmen bis in den Februar teilweise fortgesetzt.

Am 17. Februar beginnt für uns Christen mit dem Aschermittwoch auch so eine Art „Lockdown“. Fastenzeit! Vielleicht sagt jetzt mancher „lass mich in Ruhe“ ich habe die Schnauze voll.“  In der Tat hat die Fastenzeit einiges mit dem Lockdown gemeinsam. Es ist eine auferlegte Zeit des Verzichts, der Einschränkung und Rückbesinnung auf das Wesentliche, einer Standortbestimmung und gegebenenfalls einer Umkehr. Was die Fastenzeit aber unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir kein Virus bekämpfen oder dass uns diese Zeit nicht in wirtschaftliche und familiäre Existenzkrisen führen oder uns unserer Lebensfreude berauben will. Sie ist auch nicht infektiös, aber sie will trotzdem ansteckend sein, gerade in der derzeitigen Situation etwas aus diesen Tagen zu machen. Ganz entscheidend ist auch, dass wir ihre Zeit kennen. Anfang und Ende stehen fest, 40 Tage. Das Ziel ist auch definiert: Ostern und jeder Sonntag der Fastenzeit ist eine kleine Ermutigung nicht aufzugeben! Davor aber ist es eine durchaus anspruchsvolle Zeit, vor allem die Karwoche, die uns schon an existenzielle Fragen heranführt, die aber dann eine Perspektive bekommen. Wo im Pandemielockdown viele Stimmen reden, tausend Richtungen weisen und viele Besserwisser Ihre Weisheiten verbreiten, geht es in der Fastenzeit um eine Stimme und es geht um einen, der mit uns als Wegbegleiter geht: Jesus Christus! Sein Leben ist Teil des menschlichen Lebens, in allen Facetten unserer Existenz. Das haben wir an Weihnachten gefeiert und das wird Maria im Tempel als Weissagung mitgegeben. Es gibt keine Freuden und Leiden, Gefühle und Gedanken, die er nicht auch erlebt und durchlitten hat. Darum ist er ein verlässlicher Begleiter in der Fastenzeit, wie auch an allen anderen Tagen unseres Lebens. Diese Hoffnung zeichnet uns als Christen aus und hilft uns schwere Tage zu bestehen aber auch die Freude am Leben nicht zu vergessen und darum frohe Anlässe zu feiern. Bei der Aschensegnung heißt es: „… Hilf uns die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen, damit wir das heilige Osterfest mit geläutertem Herzen feiern.“

So möge uns der „Christliche Lockdown“ helfen, im Loslassen und bewussten Verzicht neues zu gewinnen, vor allem aber aus der Kraft unserer Hoffnung neuen Mut und eine Perspektive zu finden, die uns herausführt aus Angst und Verzagtheit dessen was wir derzeit erleben.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete Zeit und bleibt gesund!

Euer Siegfried Weber,
Vorsitzender und Kanoniker in Budweis

 

Gerhard Spöckl

Pfarrer
Gerhard Spöckl

Geistliches Wort - 01|2021

Entdeckerreise zu GOTT

Liebe Leser und Leserinnen,

Ich kann mir das neue Jahr noch gar nicht vorstellen
Ich denke, jeder wird sich in diesen Tagen fragen: „Wie wird es mit der Pandemie in den nächsten Wochen weitergehen?“ So wie wir es sonst gewohnt sind, können wir sicherlich nicht das neue Jahre einläuten. Unsere Restaurants sind voraussichtlich zu, manche Treffen, auf die wir uns in der winterlichen Zeit zusammen mit unseren Bekannten und Freunden freuen, müssen ausfallen oder wenigstens reduziert weren. Es wird auch sinnvoll sein, weiterhin auf familiäre Begegnungen zu verzichten, um uns nicht gegenseitig zu gefährden. Kürzlich sagte einer zu mir: „Ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie das Jahre 2021 wird? Gerade zu Beginn des Jahres hat man doch meist mehr Zeit füreinander“ und ich antwortete: „Ja, ich weiß auch nicht, wie es wirdt“. Fällt dann einfach nur ersagtuzlos aus?

Das neue Jahr mal anders
Es fällt schon schwer, wenn es geboten ist, auch auf viele wundervolle Begegnungen zu verzichten. Auch für mich wird das eine Herausforderung werden. Ich meine aber, ich könnte auf das neue Jahr auch mal anders blicken, um genauso schöne Momente, die diese Zeit in sich birgt, erleben zu können.Zu Beginn eines neues Jahres machen wir uns klar,  dass wir diesem GOTT so unendlich wertvoll sind. Er begleitet uns auch in den kommenden 365 Tagen. Egal, was kommt, er geht mit uns und zeigt uns jeden Tag, wie gern er uns hat.

GOTT ist da, wo ich bin
Ein schöner Gedanke ist das, was uns hinein in das neue Jahre tragen kann. Und es stimmt. Der Übergang von einem ins andere Jahr ist auch eine Zeit, in der ich alles hinter mir lassen und neu beginnen darf, in dieser Zeit genieße ich auch mal die Stille, und Ruhe, um nach dem Wesentlichen des Lebens zu sehnen. Die dunklen Tage tragen dazu sicher auch bei. Ich wünsche mir tatsächlich, dass GOTT da ist, wo ich bin und er mein ganzes Leben ergreift. Ich möchte Ihnen diesen Gedanken mit auf dem Weg geben:

Wir dürfen in dieser Zeit den Duft dess neuen Jahres riechen und erahnen. Wir dürfen unseren GOTT suchen, der in unser Leben ist. Nichts gibt es auf dieser Welt, bei dem wir die Gewissheit nicht haben dürfen, dass GOTT zu uns steht.

Beginn einer Traumzeit
Für mich ist das wie ein besonderer Traum meines Lebens. Und dann, wenn ich jetzt mitten in diesem Übergang stehe, spüre ich auch: Wie oft gehe ich auf in den Sorgen des Alltags, ohne mich auf diesen GOTT einzulassen und ihn zu ersehnen an jeden Tag eines Jahres.!

Sicher, in diesem Jahr wird das neue Jahr durch Corona anders sein, aber diese Pandemie bietet, wenn man ein positiver Mensch ist, auch die Chance, Zeit für sich zu haben - ganz anders als sonst. Ich darf so manches winterliche Riutal und sei es nur ein Spaziergang  wieder einmal mehr genießen. Ich darf meine Familie bewusster wahrnehmen. Ich darf mir  wirklich eine Zeit der Stille r schenken lassen. Ich darf auch wieder einmal das Wesentliche des Lebens sehen sehen und erfahren.

Eine Entdeckerreise zu Gott
Mag das neue Jahr anders sein als sonst. Wenn wir uns auf die Entdeckerreise hin zu GOTT machen, dann wird uns zwar so manches an Gewohnten fehlen, aber wir werden auch wahrnehmen: GOTT ist bei uns! Er braucht nur unsere Offenheit dazu.

Genießen Sie diese besondere Zeit des neuen Jahres. Bleiben Sie gesund und entdecken Sie die Möglichkeiten, die eine etwas andere Zeit uns bietet: GOTT ist es, der mit uns geht!

Da brauchen wir gar nichts zu tun. Er schenkt sich uns an 365 Taggen und wir dürfen es dieses Jahr mal bewusster erleben.

Gutes Neue Jahr 2021

Pfarrer Gerhard Spöckl

 

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