Pater Edmund Schrimpf

Geistliches Wort - 07|2020

Liebe Landsleute!

„Not lehrt beten!“ Dieses Sprichwort ist uns wohl bekannt und mag in der gegenwärtigen Krise an Aktualität wieder gewonnen haben. Wir wissen nicht mehr, wie es weitergehen soll. Wir bitten Gott, dass er uns helfe und diese Not von uns nehme. So war es, so ist es, und so wird es wohl auch in Zukunft sein, vorausgesetzt, dass der Glaube an Gott, die gläubig-vertrauende Beziehung zu ihm noch vorhanden ist. Aber selbst da kann es passieren, dass man zu hören bekommt – oder sogar selber sagt: „Beten hilft auch nicht!“ Hilft es wirklich nicht oder ist man nur frustriert, weil eine „Not“ nicht so sich wendet, wie wir es gerne möchten? Haben wir schon mal daran gedacht, dass „nicht erhört werden“ auch dazu führen könnte, was auf einer Votivtafel im Umgang der Gnadenkapelle in Altötting zu lesen ist: „Dank hl. Muttergottes weil du mich 18 Jahre nicht erhört hast. Mir durch die vielen Prüfungen und Täuschungen beten gelernt hast. „Wie soll man das verstehen? Hier bedankt sich eine Person dafür, dass sie in ihrem Anliegen nicht erhört wurde, dafür aber das Beten gelernt habe. Sie hat doch unermüdlich gebetet. Was soll man da noch lernen? Sie hat, so verstehe ich es, etwas gelernt, das ihr bisher nicht so bewusst war, bewusst wohl in dem Sinne, worauf es im Beten eigentlich ankommt. Was ist damit gemeint? Not kann dazu veranlassen, dass man im Gebet zu Gott Zuflucht nimmt – er möge helfen… Er aber hilft nicht so, wie ich es möchte. War somit mein Gebet nutzlos? Gewiss nicht. Diese Erfahrung könnte mich veranlassen, mich selbst einmal dahin zu hinterfragen: In welcher Haltung trete ich eigentlich vor Gott im Gebet? Bin ich das A und O in diesem Geschehen, oder ist es Gott? Komme ich zu ihm mit einem Anspruchsdenken oder in der Haltung, die uns Jesus in den ersten Vater-unser-Bitten lehrt, in denen er die Grundhaltung unseres Betens vorgibt: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name…“ Darum die Frage: Ist es einfach so, dass Not generell beten lehrt – oder ist es nicht doch eher so: Dass Beten die Not lehrt. Eine etwas eigenartige Umkehrung des Sprichwortes, die nicht von mir stammt, die mich aber nicht mehr loslässt. Ich bemühte mich zu verstehen, um welche „Not“ es da eigentlich geht, die mir vorrangig im Gebet bewusst werden soll? Gemeint ist wohl – wie vorhin schon angedeutet: Geht es im Beten nur um mich, oder ist Gott Mitte und Ziel meines Betens? Gewiss, Jesus sagt uns: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Er sagt uns aber auch in diesem Zusammenhang: „Plappert nicht wie die Heiden.“ Und so lehrt er uns im „Vater unser“ in welcher Haltung, Gesinnung wir beten sollen. Im persönlichen wie im Beten der Kirche geht es nicht in erster Linie um die aktuellen Sorgen und Nöte, so schwerwiegend diese auch sein mögen, sondern um das kindlich-demütig-dankbar-vertrauende Aufschauen zum Vater im Himmel. Das gilt auch da, wo wir uns an Maria und die Heiligen wenden. „Großes hat der Herr an mir getan, heilig ist sein Name“ bekennt Maria. In dieses Große, das der Herr an ihr getan, stimme ich zuerst ein, wenn ich das „Ave Maria“, das „Gegrüßet seist du Maria“ bete – und erst dann kommt die Bitte: „Bitte für uns arme Sünder…“ Ich möchte das Gesagte nochmals verdeutlichen mit einem Gebet, das sich (im Monat Mai) im Gebetsanliegen-Kasten unserer Krankenhauskapelle befand: „Lieber Gott, ich danke für all die Kreuze und alles Gute, das du aus ihnen machst. Du bist unser Trost, der Weg und die Wahrheit. Unser Leben ist in deinen Händen immer gut aufgehoben. Danke für deinen Sohn!“ Wie auf der Votivtafel in Altötting, so ist auch in diesem Gebet das Grundwort: „Danke“ – das dankende Rühmen Gottes. Der Apostel Paulus drückt das so aus: „Bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott“ (Phil. 4,6). Wir dürfen, sollen unser Anliegen vor Gott bringen. Aber unser Beten greift zu kurz, wenn es nur von dem Gedanken getragen ist, dass Gott mich erhört – es greift zu kurz, wenn es nicht getragen ist, von dem Wissen, dass Gott mich liebt und in dieser Liebe mein Leben, wie auch immer, geborgen ist. Dafür bin ich unendlich dankbar. Gewiss, wir werden Gott danken, wenn unsere Bitten – nach unseren Erwartungen – erhört wurden. Danken wir aber auch dann, wenn es nicht so ist, einfach aus dem gläubig-kindlichem Vertrauen, dass Gott unser Vater ist und wir seine Kinder sind?! Er ist der Vater wie es sonst keinen gibt. Der uns das gesagt hat, ist Jesus, der Sohn Gottes, der wohl weiß, worauf es in unserem Leben ankommt.

Lieben Gruß Euer,

Pater Edmund Schrimpf
(aus Schwarzbach Cerna)

Msgr. Karl Wuchterl

Geistliches Wort - 08-09|2020

Die Auferstehung Mariens?

Die Auferstehung Mariens! Das war mein erster Gedanke, als ich dieses Relief in der Oberen Pfarre in Bamberg gesehen habe. Tatsächlich steht Maria in einem prächtigen Gewand außerhalb des Sarges.  Im Hintergrund ist vielleicht noch das Sterbebett zu sehen, von dem sie sich allerdings bereits erhoben hat.
Sie durchbricht gleichsam die Wolkendecke. Der Bildhauer erinnert uns damit an die Wolken - und Feuersäule, die das Volk Israel  durch die Wüste in die Freiheit geführt haben. Sie sind Zeichen für die  Nähe Gottes. Die Wolken sind also ein Hinweis auf den göttlichen Bereich, in den Maria aufgenommen wird. Engel kommen ihr entgegen, um ihr zu dienen.
Über Maria steht ihr Sohn Jesus Christus,  durch die Krone und die Erdkugel, die ein Engel trägt,  als der König des Himmels und der Erde ausgewiesen. Er hält schon die Krone in den Händen, um seine Mutter zur Königin des Himmels zu krönen. Eine ganze Schar von Engeln begrüßt sie mit  ihren Gesängen.
Am unteren Rand des Reliefs sind die Apostel zu sehen. Einige schauen staunend, hingerissen zu Maria auf. Sie können gar nicht fassen, was sie gerade erleben. Auf  der rechten Seite stehen zwei Apostel, blättern in einem Buch und debattieren miteinander.
Sie suchen wohl  in der Heiligen Schrift nach der richtigen Deutung für das, was sie erleben. Fast nebenbei sagt uns der Künstler, was wir beim Sterben eines Menschen tun sollen. Einer  der Apostel hält das Weihwasser in der Hand und zwei andere beten aus einem Buch. Betend und segnend sollen wir die Sterbenden in das neue Leben hinüberbegleiten.
Wahrscheinlich hat sich jede und jeder von uns schon einmal die Frage gestellt: was geschieht mit  mir nach dem Tod? Der Leib zerfällt offensichtlich oder wird verbrannt.  Falle  ich ins Nichts zurück? Von Maria bekennen wir, dass sie mit Leib und Seele in den Himmel  aufgenommen worden ist. Der Künstler hat das dadurch ausgedrückt, dass er Maria als schöne junge Frau in einem Prachtgewand dargestellt hat.
Paulus hat den Christen in Korinth und uns  geschrieben: wir werden alle verwandelt werden, in die Gestalt des verherrlichten Leibes Christi. Was bleibt von mir? Ich vertraue darauf, dass mein Personenkern erhalten bleibt, meine guten Erfahrungen und das Netz von Beziehungen, in denen ich lebe.
Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht bereits im Sterben zu neuem Leben auferstehen sollte wie Maria, und wie sie und mit  ihr für immer in Christus geborgen bin.

Karl Wuchterl

Pater Josef Wenzl SDB

P. Josef Wenzl SDB

Geistliches Wort - 06|2020

Liebe Landsleute und Leser von Glaube und Heimat!

Zum ersten Mal erleben wir in unseren Breiten eine Pandemie, eine Situation, dass staatliche Behörden in Europa Maßnahmen ergreifen, ein Virus breite sich aus! Behörden verlangen die Schließung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen und Schutz durch Quarantäne!
Dies ist nichts Neues in Europa. All das gab es im Mittelalter und noch in der Neuzeit. Die Pestzeiten haben sich ins kollektive Gedächtnis eingeprägt. Die Pestsäulen, Sebastianikirchen, -vereine und -prozessionen erinnern heute noch daran. Viele Menschen haben damals Pandemien und Epidemien als Zulassung Gottes gesehen und Hilfe bei Gott, in den Sakramenten und bei den Heiligen gesucht. Die St. Corona-Wallfahrtskirche in Frontenhausen-Altenkirchen - letzten Sonntag habe ich in ihr gebetet - entstanden in der Zeit von Pestepidemien während des Dreißigjährigen Krieges zw. 1621 Tuntenhausen 1631, machen uns nachdenklich.
Zu Ehren der Gottesmutter Maria wurde in München die Mariensäule errichtet, auch als Dank für die Beendigung der Pest. Zu ihren Heiligtümern wie in Tuntenhausen kamen ungezählte Pestkranke, um zu beten, zu beichten und die heilige Kommunion zu empfangen. Maria ist das Heil der Kranken. Zu ihr dürfen auch wir flehen und bitten.

Zu ihr dürfen wir in allen Nöten kommen.

Die heilige Corona ist die Patronin, die im Mittelalter gegen Seuchen angerufen wurde, so auch in Altenkirchen nahe Frontenhausen gelegen.
Während der Pestepidemien am Ende des 15. und im 16. Jahrhundert, aber auch in anderen Anliegen, kamen die Kranken zum Gnadenbild der heiligen Corona in den Vorgängerbau aus Holz; nach Fertigstellung des Neubaus Anfang des 17. Jahrhunderts vor allem zum Hauptaltar, wie es im Visitationsbericht des Bistums aus dem Jahre 1723/24 heißt.
Sie dürfen wir auch jetzt gegen das Corona-Virus als Fürsprecherin anrufen und zu Gebetsstürme und Opfern bitten.
Das Ölgemeld des Hauptaltars zeigt das Martyrium der heiligen Corona. Zwei kräftige Männer fesseln die Heilige und spannen sie zwischen zwei Palmen, die beim Hochschnellen die Arme aus dem Körper der Frau reißen. Soviel Grausamkeit ist grenzenlos! Wozu sind wir heute fähig?

Beten wir täglich den Rosenkranz! Das ist die Botschaft von Fatima.

Pater Josef Wenzl SDB
Vilsbiburg am 13. Mai 2020

 

Otto Mochti

Domdekan em. Prälat
Prof. Dr. Otto Mochti

Geistliches Wort - 05|2020

Pfingstfest

Der Herr aber ist der Geist,
und wo der Geist des Herrn wirkt,
da ist Freiheit
(2 Kor 3,17)

Predigt zum Pfingstfest von Domdekan em. Prälat Prof. Dr. Otto Mochti
Wir feiern heute das hohe Pfingstfest. Vom griechischen Wort Pentekoste = 50. Tag leitet sich der Name dieses kirchlichen Festes her. Wir feiern es, nachdem seit Ostern, dem Fest aller christlichen Feste, sieben Mal sieben Tage plus ein Tag vergangen sind. Gewissermaßen das Maß der menschlichen Zeit, die Sieben-Tage-Woche, in die Potenz emporgehoben und in ihre Fülle geführt durch den Tag Gottes, der in seine unendliche Weite und Fülle und Freiheit führt, die nur er schenken kann. – Ein schönes Spiel der Zahlen, das uns Zeichen und Hilfe sein will, das ernste/heitere Spiel der Liturgie besser zu begreifen und uns in sein Geheimnis hineinführen zu lassen: mit allen Sinnen, die Wort und Bild und Musik und Raumarchitektur und die Choreographie der liturgischen Bewegung in sich aufnehmen; ja selbst die Zeitstruktur zum Vehikel nimmt, um Einlass zu finden in eine heilige Wirklichkeit, die wir richtigerweise bezeichnen als die Feier eines heiligen Geheimnisses, das uns letztlich zwar unergründbar bleibt, aber doch auf unsere tiefste Sehnsucht nach Schönheit und Licht und der Heiligkeit Gottes Antwort gibt.

So sehr es auch richtig ist, dass die Feier unserer christlichen Feste ihre eigene Sprache und ihren eigenen Sinn haben, so können wir doch als die Feiernden, als diejenigen, die dieses Fest aktuell mitvollziehen, nicht aus dem Umfeld heraustreten, in dem sich die Wirklichkeit unseres Lebens mit seinen kulturellen, sozialen und politischen Bedingungen ereignet. Als gläubige Christen müssen wir uns dieser pluralen Wirklichkeit so stellen, dass wir zumindest einen Versuch wagen müssen, aus der Wahrheit unseres Glaubens ein Licht auf die Lebenswirklichkeit unserer Zeit und Gesellschaft zu werfen. - Ich –in allerdings der Meinung, dass dieses Licht, das aus unserem Glauben schöpft, nicht darin bestehen kann, uns in das politische Alltagsgeschäft einzumischen. Was uns als Kirche aber zukommt, ist eine nüchterne Analyse des Zeitgeistes und der unserer Gesellschaft zugrunde liegenden und sie bewegenden geistigen Kräfte. Und die Antwort, die der Glaube zu geben vermag, muss eine Antwort auf die Fragen sein, die sich aus dieser Analyse ergeben. Wenn sie sich vielleicht schon vorsorglich hinter dem Argument verschanzen, dass da wohl ein Theologe mehr Haare in der Suppe unserer Gesellschaft findet als er auf dem Kopfe hat, weil eben die Kirche in notorischer und humorloser Spaßverderber ist, dann kann ich ihnen nur sagen, dass die kritischen Hinweise auf Fehlentwicklungen in unseren westlichen Gesellschaften nicht von mir stammen, sondern von seriösen Kulturkritikern und Sozialforschern.

Eine erste kritische Stimme: Der Schriftsteller Umberto Eco hat ein Szenario für unser Jahrhundert entworfen, in dem die Menschen mehr nach Gütern als nach Gutem streben und in dem ein Ende der Ethik als Zukunftsvision möglich ist. Jahrhundertelang bestand jede Morallehre und Moralpädagogik darin, ein Verhaltensmodell vorzustellen, dem der Einzelne nacheifern sollte. Das konnte das Vorbild exemplarischer Menschen, eines Heiligen oder das Leitbild des Helden und des Weisen sein. Diesen Weg zu gehen war dabei immer eine schwierige, anspruchsvolle Lebenskunst, die nicht davon ausging, dass der Mensch der unschuldige Wilde ist, der seine Antriebskräfte nur auszuleben brauche, um glücklich zu sein. Heute dagegen, da das Fernsehen mehr und mehr dazu übergeht, „normale“ Menschen als Vorbilder zu präsentieren – siehe Big Brother oder Lindenstraße – ist keine Anstrengung mehr erforderlich, wie diese zu werden. Der einzige Vorzug, um den sie beneidet werden, ist ihr Erscheinen auf dem Bildschirm.

Die Sozialforscher Meinhard Miegel und Stefanie Wahl sagen voraus, dass die Kultur des Westens sich selbst zerstört, wenn sich die Individualisierung zum Individualismus weiter entwickelt, d. h. wenn sich der Weg von der ganzheitlichen Persönlichkeitsentfaltung zum Irrweg des isolierten, sich selbst genügenden Ego wandelt. Historisches Anschauungsmodell einer solchen Entwicklung sei das Römische Reich gewesen, das einen höchst individuellen oder zum Teil ausschweifenden Lebensstil gepflegt habe: sexuelle Freizügigkeit, Abtreibung, Rückgang der Geburtenrate, hohe Scheidungsrate, gesellschaftliche Aufwertung der Ehe- und Kinderlosigkeit.
Der amerikanische Kulturkritiker Neil Postman diagnostiziert den so genannten neuen Menschen als „einen Egoisten, einen Einzelgänger. Und das liegt vor allem an unserer rasanten technologischen Entwicklung, und die ist anti-gemeinschaftlich. Die modernen Medien täuschen nur eine Gemeinschaft vor, sie betonen das isolierte Individuum. Die meisten Menschen sind heute alleine, wenn sie Musik hören, Fernsehen, Radio hören. Und es gibt kein isolierenderes Erlebnis als den Computer“ (Postman, in: die Woche 22. Dez. 2000, 40).

Sie werden schon lange die Frage auf den Lippen haben, was hat das alles mit Pfingsten zu tun? Sind wir mit der Erfahrung der Herabkunft des Gottesgeistes vor langer Zeit von dieser unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit nicht sehr, sehr weit entfernt? Wir wären dazu allerdings in einer sehr großen Distanz, wenn wir die Herabkunft des Geistes als eine abgeschlossene, historische Tatsache betrachten würden und nicht als eine sich stets neu ereignende Glaubenswirklichkeit sehen. Paulus sagt es unmissverständlich: „Der Herr aber ist der Geist, und wo der Geist des Herrn, wirkt, da ist Freiheit“ (2 Kor, 3,17).

Ich kann mir keinen größeren Gegensatz vorstellen als den, der zwischen der analysierten Ego-Gesellschaft und dem vom Glauben her inspirierten Gesellschaftsmodell in der Lesung aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus besteht. Bei Paulus sehen wir nicht das Bild einer individualisierten, einsamen Masse, sondern das Bild einer organischen Einheit in der Vielfalt der verschiedenen Begabungen. Ganz gewiss: verschiedene Gaben, verschiedene Dienste, verschiedene Kräfte, aber alles ist zusammengehalten durch die Verklammerung im einenden Lebensprinzip: in Jesus Christus, dem Haupt, der die Verschiedenheit in einem Leib zusammenfügt. Er ist der Garant der wirklichen Gemeinschaft. Eine besondere Zuspitzung auf unsere Gesellschaft hin sehe ich in dem Satz: „Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.“ Das heißt unmissverständlich, das Glück, die Lebenserfüllung, ist nicht darin begründet, an sich zu reißen, für sich zu behalten, die Mehrung der Güter, sondern glücklich ist, wer geben und danken kann; reich ist, voranschreitet.

Das alles wird uns aber nur möglich sein, wenn der Geist Gottes in uns Raum findet und wenn wir wissen, dass wir Beschenkte sind, dass wir in Liebe angenommen sind und dazu berufen, das Sonnenlicht Christi durch uns leuchten zu lassen.

Domdekan em. Prälat Prof. Dr. Otto Mochti

 

Dekan Michael Prokschi

Geistliches Wort - 04-2020

Ostern . . .

Es ist immer wieder beeindruckend, wenn mit künstlerischem Geschick oder auch spontaner Kreativität aus relativ unscheinbaren Hühnereiern bunte Ostereier entstehen. Einfarbig oder auch kunstvoll verziert.
Mit Wasserfarben oder Naturmaterialien, in Kratztechnik oder frei Hand gestaltet. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ein scheinbar farbloses Ei verändert sich.

Manchmal erleben wir es auch bei Menschen, wie sich das Leben verändert, wie ein Mensch sich verwandelt. Meist hat es dann damit zu tun, dass er oder sie etwas erlebt, was das Innerste berührt. Es gibt so vieles, was uns Menschen in der Tiefe anrühren kann. Freudige wie auch schwere Momente, Positive wie auch negative Erfahrungen.

Auch die persönliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus Christus gehört dazu. Sie kann auch heute noch das Leben von Menschen verändern. Menschen, die ihn als den lebendigen Gott kennengelernt haben und ihm ihr Leben anvertraut haben.

Wenn der Auferstandene unser Herz, unser Innerstes berührt und wir spüren, dass er uns liebt, dann kann unser Leben neu Farbe gewinnen. Es kann aufblühen und bunt werden. Seine guten Gaben für unser Leben entfalten sich, Gottes Segen wird spürbar und sichtbar.

Ja, wo der Auferstandene uns seine Botschaft,
seine Liebe ins Herz malt, da entsteht ein buntes Bild.
Da ist Lachen, da ist Hoffnung.
Da ist Geborgenheit, da ist Zukunft.
Da ist Trost und Hoffnung trotz Traurigkeit.
Da ist Leben, mitten im Tod.

Denn, so spricht der Herr:
„Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben. Und es in Fülle haben!“

Ich wünsche uns allen diese österliche Erfahrung

 

Dekan Michael Prokschi
Leiter der Pfarreiengemeinschaft Herz Jesu Kirchzell
Dekan Fekanat Miltenberg

 

Prodekan Alois Schmidt

Geistliches Wort - 03|2020

Fastenzeit

Als Fastenzeit oder als Passionszeit wird im Christentum der mehrwöchige Zeitraum der Vorbereitung auf das Hochfest Ostern bezeichnet. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch ( die Gläubigen lassen sich Asche auflegen, zum Zeichen des Beginns der Umkehr mit dem Ziel des Empfanges des Bußsakramentes vor dem Osterfest). Sie endet liturgisch am Gründonnerstag vor der Messe vom letzten Abendmahl, mit dem die drei österlichenTage beginnen.
Der biblische Hintergrund für die Festsetzung der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte, ist das Fasten Jesu in der Wüste, die 40 Tage erinnern aber auch an die 40 Tage der Sintflut, an die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, an die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes verbrachte, und an die Frist von 40 Tagen, die der Prophet Jona der Stadt Ninive verkündete, worauf diese ein Fasten und Büßen ausrief, das Gott bewog, sie nicht untergehen zu lassen.
Der Aschermittwoch und der Karfreitag sind strenge Fast- und Abstinenztage. Der katholische Christ beschränkt sich an diesen Tagen auf eine einmalige Sättigung (Fasten) und verzichtet auf Fleischspeisen (Abstinenz). Die Verpflichtung zum Fasten betrifft Erwachsene vom vollendeten 18. Lebensjahr bis zum Beginn des 60. Lebensjahres.
Das Abstinenzgebot verpflichtet jeden Katholiken vom vollendeten 14. Lebensjahr bis zum Lebensende möglichst am Freitag uf Fleisch zu verzichten. . Entschuldigt ist, wer durch Krankheit, auf Reisen, am fremden Tisch oder durch schwere körperliche Arbeit am Fasten oder an der Abstinenz gehindert ist. Neben der einmaligen Sättigung ist am Fasttag zu den beiden anderen Tischzeiten eine kleine Stärkung erlaubt.
Die Fastenzeit dauert vom 26.02.2020 bis 11.03.2020

Wir wünschen Ihnen eine gnadenreiche Fastenzeit und gesegnete Kar- und Ostertage.


Alois Schmidt , Pfarrer Bernhardswald und Prodekan Donaustauf
Vorstandsmitglied „Sudetendeutsches Priesterwerk“

Domkapitular i.R. Alois Ehrl, Stellv. Vorsitzender von „Glaube und Heimat“

Domkapitular i.R. Alois Ehrl,
Stellv. Vorsitzender von
„Glaube und Heimat“

Geistliches Wort - 02|2020

Mit Zuversicht in die Zukunft schauen

Oft hört man Ältere sagen: „Bin ich froh, dass ich schon so alt bin, wenn ich sehe, was heute in der Welt los ist, und welche Gefahren und Probleme auf die Menschheit zukommen. Klimakatastrophe, unberechenbare Machthaber, die wachsende Schere zwischen Armen und Reichen, die vielen Menschen, die auf der Flucht sind und bessere Lebensperspektiven suchen, wecken Zukunftsängste und das Gefühl, dass solche Herausforderungen der Menschheit über den Kopf wachsen könnten.
Aber es geht auch anders. Wir müssen nicht angesichts solch dunkler Wolken der heutigen Weltsituation die Hoffnung auf eine Wende zum Guten aufgeben. Das können wir lernen von den zwei biblischen Gestalten, die uns begegnen im Evangelium des Festes der Darstellung des Herrn, früher auch als „Maria Lichtmess“ bezeichnet. .Die Liturgie greift aus der vom Evangelisten Lukas geschilderten Szene der Darstellung des Gottessohnes im Tempel vor allem heraus: die Begegnung zwischen dem göttlichen Kind und dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna. In diesem Miteinander von Kind und zwei gottesfürchtigen Menschen begegnen sich nicht nur Jung und Alt, sondern auch Alter und Neuer Bund.
Beide Simeon und Hanna bleiben offen auf Gott hin in den Krisen ihrer Zeit. Sie lassen sich nicht abbringen davon, dass Gott seine Zusage wahrmachen und einen Retter schicken wird. Ihr Gottvertrauen wird nicht enttäuscht. Sie erleben vom Geist Gottes geführt die Erfüllung seiner Verheißung und begegnen dem schon lange erwarteten Retter. In ihrem Rechnen mit Gott verrechneten sie sich nicht. Ihr Lobpreis über Gottes rettendes Eingreifen richtet auch unsere Augen auf das Heil, das Gott der ganzen Welt durch Jesus Christus schenkt.
Das Bekenntnis des Simeon: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für das Volk Israel“ (Lk 2, 31 f)  erinnert an den neuen Beginn für die Menschheit in Christus. Der Alte Bund geht zu Ende. Der Neue Bund bricht an. Was uns das Fest der Darstellung des Herrn verkündet, ist mehr als der ewige Kreislauf des Stirb und Werde; es ist mehr als der Trost, dass dem Abtreten der einen Generation immer wieder eine neue folgt. Wäre es so, dann wäre dieses Kind keine Hoffnung und keine Aussicht auf Heil. Aber es ist mehr. Es ist Hoffnung für alle Menschen und nicht nur für die, die zum Gottesvolk gehören. Denn der von Gott gekommene Retter und Heiland bringt uns eine Hoffnung über den Tod und das Böse in der Welt hinaus. Wer in seinem Geist zu leben versucht, wer wie er auch auf die die Macht des Guten und der Liebe setzt, kann mit bauen an der neuen Welt, in der die Schatten dem Licht weichen.
Am zweiten Februar, an dem wir die Darstellung des Herrn feiern, zeigt sich schon deutlich, dass das Licht draußen in der Natur zunimmt. Die Zunahme des Lichts mag ein Symbol sein für Christus und seine rettende Macht, die vor allem eine Macht der Liebe ist. Sie erweist sich – so zeigt es seine Auferstehung - stärker als alles Dunkel dieser Welt. Möge darum der, der uns als Licht der Welt erschienen ist, immer wieder unser Leben erleuchten vor allem dann, wenn sich darauf dunkle Schatten legen und Ängste und Sorgen die Lebenszuversicht nehmen wollen.

Alois Ehrl, Domkapitular i. R.

 

Siegfried Weber,
Vorsitzender
von Glaube und Heimat

Geistliches Wort - 01|2020

Liebe Leserinnen und Leser.

Wie schon zum Weihnachtsfest, gibt es auch zum neuen Jahr eine Fülle von guten Wünschen in recht unterschiedlicher Qualität der Aussagen. Allerdings bleiben die meisten Glückwünsche sehr innerweltlich. Kleeblatt, Hufeisen und Schornsteinfeger sind die Glücksymbole, die den Menschen etwas sagen wollen. Die Botschaft muss hier aber jeder selbst finden und deuten.

Als Christen schauen wir am ersten Tag des neuen weltlichen Jahres auf Maria und ihr Mitwirken am Erlösungsplan Gottes. Ihre Entscheidung „Ja“ zu sagen setzt einen neuen Anfang in der Welt. Am Weihnachtstag und im Weihnachtsfestkreis hören wir mehrfach den Anfang des Johannes Evangeliums. “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ (Joh 1,1). Wenn Gottes Wort am Anfang steht und alles bewirkt und hineinspricht in Raum und Zeit, dann muss auf der anderen Seite das Hören stehen. Die Geschichte des Glaubens im alten und neuen Testament ist eine Geschichte des Hörens. Abraham hörte auf Gott, so wurde er zum Urvater des Glaubens. Im neuen Testament wird Maria zur Hörenden schlechthin und aus dem Hören gibt sie eine Antwort, Ihr Ja zu Gottes Wort. Damit wird sie am Anfang der Heilsgeschichte, in der Gott mit der Geburt Jesu eine neue Zeit beginnt, zur zentralen Gestalt des Glaubens, deswegen wird sie auch zurecht als die Morgenröte des Heils bezeichnet (Vgl. Schlußgebet an Mariä Geburt). In der Ostkirche lautet eine Antiphon zum Jahresbeginn: „Du Stern, der die Sonne heraufführt, du Morgenröte des Tages, der nicht enden wird“

Daher heißt die christliche Botschaft am Beginn des neuen Jahres: Gott hat einen neuen Anfang gemacht und Gott schenkt uns, seinen Kindern, diesen Anfang immer wieder. „An Maria können wir ablesen, wie das geht, sich der göttlichen Initiative anzuvertrauen. Sie ist die Mutter des guten Anfangs“ (Vgl. Laacher Meßbuch 2020, 129). Daher sind unsere christlichen Symbole zum Neuen Jahr, Gottes Menschgewordenes Wort im Kind in der Krippe. Marias hörendes Ohr und ihr Mund der es ausspricht: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Liebe Leserinnen und Leser,
der Anfang ist von Gott gemacht, mit ihm dürfen wir immer wieder neu beginnen und das Alte zurücklassen. Wir wissen nicht was uns das neue Jahr bringt und trotzdem dürfen wir es mit Zuversicht annehmen. Mit dem menschgewordenen Gottessohn an der Seite und an der Hand Mariens, „der Mutter des guten Anfangs“, wird auch dieses neue Jahr gesegnet sein in Freud und Leid.
Mit diesen Gedanken wünsche ich allen ein gesegnetes neues Jahr 2020

Euer Siegfried Weber,
Vorsitzender und Kanoniker in Budweis

 

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