Domkapitular i.R. Alois Ehrl, Stellv. Vorsitzender von „Glaube und Heimat“

Domkapitular i.R. Alois Ehrl,
Stellv. Vorsitzender von
„Glaube und Heimat“

Geistliches Wort - 02|2020

Mit Zuversicht in die Zukunft schauen

Oft hört man Ältere sagen: „Bin ich froh, dass ich schon so alt bin, wenn ich sehe, was heute in der Welt los ist, und welche Gefahren und Probleme auf die Menschheit zukommen. Klimakatastrophe, unberechenbare Machthaber, die wachsende Schere zwischen Armen und Reichen, die vielen Menschen, die auf der Flucht sind und bessere Lebensperspektiven suchen, wecken Zukunftsängste und das Gefühl, dass solche Herausforderungen der Menschheit über den Kopf wachsen könnten.
Aber es geht auch anders. Wir müssen nicht angesichts solch dunkler Wolken der heutigen Weltsituation die Hoffnung auf eine Wende zum Guten aufgeben. Das können wir lernen von den zwei biblischen Gestalten, die uns begegnen im Evangelium des Festes der Darstellung des Herrn, früher auch als „Maria Lichtmess“ bezeichnet. .Die Liturgie greift aus der vom Evangelisten Lukas geschilderten Szene der Darstellung des Gottessohnes im Tempel vor allem heraus: die Begegnung zwischen dem göttlichen Kind und dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna. In diesem Miteinander von Kind und zwei gottesfürchtigen Menschen begegnen sich nicht nur Jung und Alt, sondern auch Alter und Neuer Bund.
Beide Simeon und Hanna bleiben offen auf Gott hin in den Krisen ihrer Zeit. Sie lassen sich nicht abbringen davon, dass Gott seine Zusage wahrmachen und einen Retter schicken wird. Ihr Gottvertrauen wird nicht enttäuscht. Sie erleben vom Geist Gottes geführt die Erfüllung seiner Verheißung und begegnen dem schon lange erwarteten Retter. In ihrem Rechnen mit Gott verrechneten sie sich nicht. Ihr Lobpreis über Gottes rettendes Eingreifen richtet auch unsere Augen auf das Heil, das Gott der ganzen Welt durch Jesus Christus schenkt.
Das Bekenntnis des Simeon: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für das Volk Israel“ (Lk 2, 31 f)  erinnert an den neuen Beginn für die Menschheit in Christus. Der Alte Bund geht zu Ende. Der Neue Bund bricht an. Was uns das Fest der Darstellung des Herrn verkündet, ist mehr als der ewige Kreislauf des Stirb und Werde; es ist mehr als der Trost, dass dem Abtreten der einen Generation immer wieder eine neue folgt. Wäre es so, dann wäre dieses Kind keine Hoffnung und keine Aussicht auf Heil. Aber es ist mehr. Es ist Hoffnung für alle Menschen und nicht nur für die, die zum Gottesvolk gehören. Denn der von Gott gekommene Retter und Heiland bringt uns eine Hoffnung über den Tod und das Böse in der Welt hinaus. Wer in seinem Geist zu leben versucht, wer wie er auch auf die die Macht des Guten und der Liebe setzt, kann mit bauen an der neuen Welt, in der die Schatten dem Licht weichen.
Am zweiten Februar, an dem wir die Darstellung des Herrn feiern, zeigt sich schon deutlich, dass das Licht draußen in der Natur zunimmt. Die Zunahme des Lichts mag ein Symbol sein für Christus und seine rettende Macht, die vor allem eine Macht der Liebe ist. Sie erweist sich – so zeigt es seine Auferstehung - stärker als alles Dunkel dieser Welt. Möge darum der, der uns als Licht der Welt erschienen ist, immer wieder unser Leben erleuchten vor allem dann, wenn sich darauf dunkle Schatten legen und Ängste und Sorgen die Lebenszuversicht nehmen wollen.

Alois Ehrl, Domkapitular i. R.

 

Siegfried Weber,
Vorsitzender
von Glaube und Heimat

Geistliches Wort - 01|2020

Liebe Leserinnen und Leser.

Wie schon zum Weihnachtsfest, gibt es auch zum neuen Jahr eine Fülle von guten Wünschen in recht unterschiedlicher Qualität der Aussagen. Allerdings bleiben die meisten Glückwünsche sehr innerweltlich. Kleeblatt, Hufeisen und Schornsteinfeger sind die Glücksymbole, die den Menschen etwas sagen wollen. Die Botschaft muss hier aber jeder selbst finden und deuten.

Als Christen schauen wir am ersten Tag des neuen weltlichen Jahres auf Maria und ihr Mitwirken am Erlösungsplan Gottes. Ihre Entscheidung „Ja“ zu sagen setzt einen neuen Anfang in der Welt. Am Weihnachtstag und im Weihnachtsfestkreis hören wir mehrfach den Anfang des Johannes Evangeliums. “Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ (Joh 1,1). Wenn Gottes Wort am Anfang steht und alles bewirkt und hineinspricht in Raum und Zeit, dann muss auf der anderen Seite das Hören stehen. Die Geschichte des Glaubens im alten und neuen Testament ist eine Geschichte des Hörens. Abraham hörte auf Gott, so wurde er zum Urvater des Glaubens. Im neuen Testament wird Maria zur Hörenden schlechthin und aus dem Hören gibt sie eine Antwort, Ihr Ja zu Gottes Wort. Damit wird sie am Anfang der Heilsgeschichte, in der Gott mit der Geburt Jesu eine neue Zeit beginnt, zur zentralen Gestalt des Glaubens, deswegen wird sie auch zurecht als die Morgenröte des Heils bezeichnet (Vgl. Schlußgebet an Mariä Geburt). In der Ostkirche lautet eine Antiphon zum Jahresbeginn: „Du Stern, der die Sonne heraufführt, du Morgenröte des Tages, der nicht enden wird“

Daher heißt die christliche Botschaft am Beginn des neuen Jahres: Gott hat einen neuen Anfang gemacht und Gott schenkt uns, seinen Kindern, diesen Anfang immer wieder. „An Maria können wir ablesen, wie das geht, sich der göttlichen Initiative anzuvertrauen. Sie ist die Mutter des guten Anfangs“ (Vgl. Laacher Meßbuch 2020, 129). Daher sind unsere christlichen Symbole zum Neuen Jahr, Gottes Menschgewordenes Wort im Kind in der Krippe. Marias hörendes Ohr und ihr Mund der es ausspricht: „Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du es gesagt hast“ (Lk 1,38).

Liebe Leserinnen und Leser,
der Anfang ist von Gott gemacht, mit ihm dürfen wir immer wieder neu beginnen und das Alte zurücklassen. Wir wissen nicht was uns das neue Jahr bringt und trotzdem dürfen wir es mit Zuversicht annehmen. Mit dem menschgewordenen Gottessohn an der Seite und an der Hand Mariens, „der Mutter des guten Anfangs“, wird auch dieses neue Jahr gesegnet sein in Freud und Leid.
Mit diesen Gedanken wünsche ich allen ein gesegnetes neues Jahr 2020

Euer Siegfried Weber,
Vorsitzender und Kanoniker in Budweis

 

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