Unter dem Motto „“Voagiß d‘ Hoamat net!“ fand am 04.07.2026 in Hammern und in Lam wieder das jährliche Heimattreffen statt. Samstagvormittags trafen sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen traditionell in der Kirche „Zur Schmerzhaften Muttergottes“ in Hammern zum Gottesdienst. Ihn zelebrierte Dk i. R. Alois Ehrl, der in der Kirche 1945 noch getauft wurde und der tschechische Pfarrer Marek Hric aus Klatovy. Er ist der neue zuständige Pfarrer für Nyrsko und Hamry. Die musikalische Gestaltung lag in Händen von der Kirchenmusikerin Therese Dinauer, deren kurz zuvor verstorbene Mutter Anna Dinauer, geb. Stahl, vom Röderhof stammt. Gekonnt spielte sie die Orgel und sang zu Ehren der Patronin der Kirche und zur Freude der Gottesdienstbesucher als Solistin das Ave Maria von Bach Gunod. Zweistimmig sang sie zur Kommunion zusammen mit Christine Brüderlein, einer Tochter von Rosi Braun, geb. Glaser von der Rödermühle, das moderne Kirchenlied „Wo ich auch stehe, da warst du schon da.“ Alle, die den Gottesdienst mitfeierten, waren davon sehr berührt.

Die Predigt von DK i. R. Alois Ehrl stand unter dem Leitgedanken: „In der Erinnerung an ein bitteres Geschehen – Gedanken des Heils“. Er bezog sich dabei auf ein Zitat von Alexander Kluge „Die Erinnerung an Menschen ist wie eine vielseitige Melodie“ und auf die Worte des Propheten Jeremia „Ich habe Gedanken des Heils für euch, nicht des Unheils“ (Jer 29, 14). Die Erinnerung an den Verlust der Heimat im Böhmerwald verbindet sich zunächst für die Erlebnisgeneration nicht als Melodie mit hellen Tönen, sondern mehr mit Moll-Akkorden. Der Schmerz der Vertreibung, das Verlassen der Häuser, der Felder, der Gräber der Angehörigen, der Aufbruch in die Fremde klingen da an. Andrerseits klingen trotzdem in der Erinnerung auch frohmachende Töne an: Dankbarkeit für das Überleben und Finden einer neuen Heimat, die Versöhnung der Deutschen und Tschechen, die möglich wurde, die freundschaftliche Begegnung über Grenzen hinweg. Gerade die aus Ruinen wieder erstandene Heimatkirche zeigt, wie aus Zerbrochenem wieder ein heller Klang entstehen kann. Eine Freude für die, die einst hier wohnten und auch für die, die heute an diesem Ort leben.
Die Erinnerung an den Verlust von Heimat und den Aufbruch in die Fremde spricht auch der Prophet Jeremia an (Jer 29,10-14). Die aus der Heimat Vertriebenen erreicht die frohe Nachricht, dass sie nicht von Gott vergessen sind „Ich wende euer Geschick und sammle euch aus allen Völkern und von allen Orten.” So wie damals Gott sein Volk nicht vergessen hat, war er auch nicht weit weg in der Zeit der Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg. Er hat dafür gesorgt, dass sich der Verlust der Heimat für die meisten Hammerer wieder zum Guten gefügt hat. Sie konnten wieder eine neue Existenz und Heimat finden.
Am Samstagabend fand in Lam dann die alljährliche Mitgliederversammlung und die Wahl der Vorstandschaft statt. Der erste Vorsitzende des Vereins Stiftung Künische Gemeinde Hammern e.V. bleiben weiter Erwin Wierer, der zweite Vorsitzende Franz Reuel und Kassenführerin Angela Braun. Nur DK i. R. Alois Ehrl wurde auf eigenen Wunsch hin aus der Vorstandschaft verabschiedet.
Bericht: Alois Ehrl

