So erlebt Frau Heidi Scheiblauer, geb. Hengster, (Häuslfranzl) aus Unterlangendorf, den Tag der Glockenweihe:
Die Glockenweihe in Malsching war für uns alle ein festliches Ereignis. In der ehemaligen Heimat ein so schönes Fest zu feiern, kann nur zu Stande kommen, wenn viele zusammen helfen, all denen, vor allem Pfarrer Irsigler, sind wir sehr dankbar.
Als wir am 04. August nach Malsching kamen, war der Parkplatz hinter der Schule schon voll besetzt. Auf dem Kirchenplatz standen unzählige Menschen von nah und fern, voller Erwartung versammelt. Der Kutscher mit seinen stolzen Pferden kam mit dem Wagen angefahren, wo die geschmückten Glocken geladen waren.
Der Festzug mit den geistlichen Herren, der Musikkapelle, den Glockenpatinnen und den gesamten Festgästen führte durch den ganzen Ort bis zu den Linden vor der Kirche, die einen würdigen Rahmen gaben. Die Feier und die Segnung der Glocken durch den Abt vom Stift Hohenfurth wurde recht feierlich in deutscher und tschechischer Sprache gestaltet. Es war schön zu sehen, wie sichtlich erfreut auch die jetzigen Bewohner von Malsching mitgefeiert haben. Als die Glocken durch einen Anschlag zum Erklingen auf Erden gebracht wurden, waren alle ergriffen. Anschließend war in der Kirche die heilige Messe. Währenddessen wurden die Glocken mit dem Kran, der im Pfarrhofgarten stand, auf den Kirchturm gebracht. Die Glocken wurden im Turm montiert.
Als ich oben war, fotografierte und beim Turmfenster hinaus schaute, da sah ich weit, bis in unsere jetzige Heimat Österreich, aber das Glockengeläute wird zu allen Malschingern dringen, die in der ganzen Welt verstreut leben. Am Nachmittag erklangen, bei Regen und dem kalten Wind, den wir von Malsching gewohnt sind, die Glocken zum ersten Mal und alle lauschten ergriffen den schönen, himmlischen Klängen. Sie gehören nun allen, die jetzt in Malsching, im ganzen Böhmerwald leben und unsere Ahnen, die am Friedhof ruhen.
Uns werden sie eine Mahnung zu Frieden und Gerechtigkeit sein. Wir alle werden dieses festliche und schöne Ereignis nie vergessen. Alle Anwesenden wurden von den dortigen Gastgebern gut bewirtet. Dabei war auch Gelegenheit, alte Freunde und Bekannte zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen.
Viele Besucher und ich haben alles fotografiert und so für unsere Nachkommen dokumentiert, damit unsere ehemalige Heimat im Böhmerwald nie vergessen wird. Es wäre schön, wenn wir alle täglich die Glocken hören könnten, aber so denken wir an das nächste Treffen in Malsching, wenn wieder „zaumgleit“ wird.

Adelheid Scheiblauer, geb. Hengster, ehemals Unterlangendorf
Ausgabe 11-2001

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