Der hohe „runde Geburtstag“ von Pfarrer Franz Irsigler am 30. August 2000 soll uns Anlass sein zu fragen, wo die Wurzeln liegen für sein tatkräftiges und erfolgreiches Wirken als Seelsorger sowie als Vorsitzender und Schriftleiter von „Glaube und Heimat“. Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther (3, 10): „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt.“ Diesen Satz kann Pfarrer Irsigler wohl auch auf sich anwenden. Zu den Geistesgaben und Talenten, die ihm geschenkt wurden, kam die christliche Erziehung im Elternhaus, das Beispiel des vorbildlichen Pfarrers Dechant P. Benedikt Kastner in Malsching, das Studium am Jesuitengymnasium in Mariaschein und nach dem Wehrdienst die theologische Ausbildung bis zur Priesterweihe 1951 in Regensburg. Nicht vergessen seien die unermüdlichen Gebete vieler für ihn.

Zur „Gnade Gottes“ und zu den Früchten einer soliden Bildung kommt bei Pfarrer Irsigler das Naturell des Böhmerwäldlers, der gewohnt ist, hart zu arbeiten, tief zu graben und Steine wegzuräumen, damit der Acker Frucht bringe. Der Jubilar hat als Seelsorger wie ein guter Baumeister immer wieder den Grund gelegt, besonders in den Aufgaben, die sich aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil für die Seelsorge in den Gemeinden ergeben. Oft hat er mühsam Neuland gerodet und vieles von der Wurzel her angepackt. Einige Beispiele seien genannt aus seinen Pfarreien Fuhrn, Teisnach und Geiersthal. Fünf Kirchen ließ er renovieren. In Teisnach hat er auch das Pfarrheim St. Margaretha gebaut, für eine neue Orgel gesorgt, die erste Sozialstation gegründet und einen Betrieb für 400 Arbeitsplätze angesiedelt. In Teisnach und Geiersthal ließ er zwischen 1962 und 1985 vier Volksmissionen durchführen. „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 2, 11). Zu diesen Aufgaben als Pfarrer übernahm er 1977 nach dem Tod von P. Ackermann kurz entschlossen die Schriftleitung von „Glaube und Heimat“. Da sich sein Bruder Ernst bereit erklärte, die Redaktion und die Verwaltung zu übernehmen, konnte mit einer neuen Vorstandschaft und mit Herrn Bernhard Ludwig vom Funk-Druck Eichstätt die Zeitschrift „Glaube und Heimat“ gerettet werden. Sie blieb das Band, das die Pfarrgemeinschaften des Böhmerwaldes zusammenhält, auch mit den Priestern und Schwestern in den Missionen sowie die Pfarrtreffen und die Renovierung unserer Heimatkirchen fördert. In der Predigt beim Pfarrtreffen an seinem 70. Geburtstag 1990 sagte Pfarrer Irsigler in Malsching: „Die Reste des Glaubens und der christlichen Kultur in unserer ehemaligen Heimat zu neuem Leben zu erwecken, wollen wir unsere geistliche und materielle Hilfe gern zur Verfügung stellen.“ Obwohl wir vermuten, dass man uns 3,5 Millionen Sudetendeutschen die geraubte Heimat niemals mehr zurückgeben wird, hat unsere Zeitschrift „Glaube und Heimat“ den Boden für die Versöhnung bereitet. Die Böhmerwäldler haben viele Millionen Deutsche Mark für die Restaurierung der Heimatkirchen aufgebracht. Der Versöhnung dienen auch die vielen Wallfahrten und Gottesdienste, die Pfarrer Irsigler durchführte, mehrmals sogar an das Grab des heiligen Bischof Neumann in Philadelphia in Nord-Amerika. Unvergessen ist seine Predigt auf dem Kalvarienberg in Mariazell 1981, wo er den Weg von uns Heimatvertriebenen schilderte:
„Aus der Heimat von gestern zum Heil von morgen auf dem Weg des Kreuzes und der Vergebung.“

Wer kann ermessen, wie solche Wallfahrten den Glauben stärken, wenn die Lieder erklingen, die wir daheim gesungen haben. Sie berühren Tiefenschichten in unserer Seele, die das gesprochene Wort nicht erreicht. Wer kann ermessen, wie das Kirchenbewusstsein wächst, wenn die von Pfarrer Irsigler angeregten Fahnen unserer Pfarreien durch die Prozessionen schweben, als wollten sie uns sagen: Wenn wir auch zerstört, geschändet, vernachlässigt sind, wir bestehen vor Gott für euch weiter, solange ihr euch um uns schart“, wie Professor Josef Dichtl schrieb. Pfarrer Irsigler hat trotz mehrerer schwerer Erkrankungen und auch noch im Ruhestand mit „Glaube und Heimat“ ein Aufbauwerk für die Kirche in unserer Heimat zuwege gebracht, von dem die Deutsche Bischofskonferenz sagt: „Solche gelungenen Werke im kirchlichen Raum haben dazu geführt, dass neue Brücken insbesondere auch zu unseren tschechischen Nachbarn geschlagen wurden.“ Für die Aktivitäten hat Pfarrer Irsigler viele Wohltäter und treue Helferinnen und Helfer gewonnen: den Vorstand und die Mitgliederversammlung von „Glaube und Heimat“, die Berichterstatterinnen und Berichterstatter sowie seine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: seine Haushälterin Hanne Dehnert und seinen Bruder Ernst mit seiner Frau Gertrud. Die Wurzeln von Pfarrer Irsigler liegen in seinem Glauben an Gott und in seiner Liebe zur Heimat eben in „Glaube und Heimat“. Gott schenke dem Jubilar den Lohn für die Mühen, die er aufgewendet hat! Wir gratulieren von Herzen und beten weiterhin für ihn um Gottes Segen und ein gesundes Naturell des Böhmerwäldlers.

Prälat Johannes Barth

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