Kurzgefasste Biographie
des Hl. Johannes Nepomuk Neumann

Während einer seiner Geschäftsreisen im Jahr 1802 kam der aus Obernburg in Oberbayern stammende Strumpfmacher Filip Neumann auch nach Prachatitz (Prachatice). Hier kaufte er ein Haus in jener Straße, die heute den Namen „Horní ulice“ („Obere Strasse“) trägt. Bald heiratete er, seine Ehefrau starb jedoch schon nach zwei Jahren. Als seine zweite Ehegattin heiratete er Anežka Lebischová; manche Quellen führen den tschechischen Familiennamen Lepší. In der Familie kamen vier Mädchen und zwei Jungen zur Welt. Dem Schicksal des dritten Kindes, des älteren der beiden Jungen, wollen wir nun nachgehen.
Johann Nepomuk Neumann wurde am 28. März 1811 geboren, also an einem Donnerstag vor dem Passionssonntag. In seiner Selbstbiographie schreibt er zwar, dass er das Licht der Welt an einem Karrfreitag erblickte, was aber offensichtlich für einen Irrtum gehalten werden muss. Jedenfalls begleitete ihn der Schatten des Kreuzes Christi sein ganzes Leben lang. Bereits an seinem Geburtstag wurde er getauft und bekam dabei den Namen nach seinem Taufpaten Johannes Markus. Als seinen Taufpatron rief er stets den Hl. Johannes von Nepomuk an. Der Vater verehrte die himmlischen Patrone jenes Landes, das nun zu seiner Heimat wurde, und gab seinen beiden Söhnen auch ihre Namen.           
Beide Eltern waren gute Christen, tief religiös. Die Mutter ging täglich in die Kirche zur Messe und nahm jeweils eines der Kinder mit. Sobald Johannes etwas größer war, begleitete sie gewöhnlich er. Von ihr lernte er – mehr durch das Sehen als dadurch, dass sie ihm etwas erzählt hätte – den Herrn Jesus zu lieben, zu Gott zu beten und fromme Taten aus Liebe zum Nächsten zu tun. Bald durfte er ministrieren. Vor allem bald in der Früh konnten ihn die Gläubigen vor dem Altar sehen, als die anderen Jungen noch schliefen. In dem für die Spendung der Sakramente ungewöhnlich jungen Alter durfte er die heilige Beichte ablegen und die erste Kommunion empfangen.
Sowohl der Vater als auch die Mutter unterstützten in ihrer Mildtätigkeit die Armen. Diese Großzügigkeit lernten in der Familie auch die Kinder. Etliche Male gewährten die Eltern durch ihre Kinder den Bedürftigen ihre Unterstützung und prägten somit den Kindern die Nächstenliebe ein. Obwohl die Familie relativ wohlhabend war, wurden die Kinder bescheiden erzogen.
In der Familie herrschte eine gerechte Strenge. Johannes soll sich während seines Besuchs schon als Bischof aus Amerika bei seinem greisen Vater dafür bedankt haben, dass er ihn wegen einer kleinen Lüge bestrafte, die er in seiner frühen Kindheit beging. Körperstrafen mussten nicht oft angewendet werden, da alleine der strenge Blick des Vaters genügte, um Ordnung zu schaffen.
So sah also die Atmosphäre aus, in der sich der Charakter des künftigen Heiligen entfaltete und festigte und in der Johannes Neumann nach seinem Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen suchte.
Für den kleinen Johannes begann der Bildungsweg mit seinem siebten Lebensjahr. In dieser Zeit leitete der aus Prachatitz stammende Priester P. Petr Schmid die Volksschule. Über Johannes Neumann bezeugte er folgendes: „Schon in seinem jungen Alter hat er meine Bewunderung geweckt, sodass ich mich an die Worte erinnern musste, die über den Hl. Johannes den Täufer gesagt wurden: ‚Was wird wahrscheinlich aus dem Kind werden?‛ Er war nämlich immer ein reinlicher, tugendhafter und sehr guter Schüler.“
Wir wissen nicht, ob Johannes schon damals daran dachte, Priester zu werden. Das Studium war mit hohen Kosten verbunden und er fürchtete, dass der Vater es nicht finanzieren können wird. Über seine Sehnsucht nach dem theologischen Studium sprach er deshalb zunächst nur mit Freunden. Diese sagten es dem Katecheten, der Johannes gut kannte und über seine Fähigkeiten wusste. Selber besuchte er den Vater und wandte sich an ihn mit der Bitte, dem Sohn für das Studium seine Erlaubnis zu geben. Der Vater stimmte zu.  
Im Herbst des Jahres 1824 kam der 13jährige Johannes Neumann nach Böhmisch Budweis (České Budějovice). Mit seinem Studium sah es zuerst nicht sehr gut aus. Einer der Professoren war zu mild und unter seiner Leitung lernten deshalb die Jungen nichts Neues und vergaßen sogar auch das, was sie schon frührer gelernt hatten. Sein Nachfolger war wiederum gebildet und streng und versuchte, innerhalb von einem halben Jahr alles nachzuholen, was die Studenten vorher verpasst hatten. Für die Mehrheit der Schüler war diese Vorgehensweise zu schwer, sodass viele mit dem Lehrplan nicht zu recht kommen konnten. In seiner Biographie merkte Johannes zu diesem Kapitel seines Lebens folgendes an: „Noch weniger zufrieden war ich mit dem Professor für Religion, der die wahre Trockenheit und Fadheit verkörperte. Wie besessen beharrte er auf jedem einzelnen Wort und ich hatte kein Gedächtnis dafür, um Wort für Wort zu lernen. Am Ende des Jahres 1827 fühlte ich mich des Studiums derart überdrüssig, dass ich während der Ferien ernsthaft überlegen musste, das Studium abzubrechen. Von meiner Mutter und meiner verstorbenen Schwester ließ ich mich aber doch leicht zur Studienfortsetzung überreden.“
Die zwei Jahre der Philosophie waren anders. Die Professoren waren Zisterzienser aus dem Kloster Hohenfurth (Vyšší Brod). Sie hatten zwar hohe Ansprüche, waren aber trotzdem zuvorkommend. Zu dieser Zeit machten Johannes Naturkunde, Geographie, Physik, Geologie und Astronomie Spaß, was ihm später sehr zu Gute kam. Der Herrgott bereitete ihn schon damals auf das Werk vor, das Er ihm anvertrauen wollte.    
Während der Ferien im Jahr 1831 musste er sich entscheiden, wie es bei ihm weiter gehen sollte. Angesichts der Überzahl der Interessenten war es nicht einfach, für das Studium der Theologie zugelassen zu werden. Die Empfehlung einer einflussreichen Person hätte er gebraucht, aber er kannte niemand, der für diese Aufgabe geeignet gewesen wäre und irgendwo betteln wollte er nicht. Darüber hinaus war er sich zu diesem Zeitpunkt nicht ganz sicher, ob ihn der Herrgott tatsächlich zum Priestertum berief. So dachte er auch daran, entweder Medizin oder Jura zu studieren. Und wiederum war es die Mutter, die der „Schutzengel“ seiner Berufung war. Sie betete für ihn, machte ihm Mut und ermunterte ihn, sich um den Studienplatz zu bewerben. Wenn das der Gotteswille sein soll, wird er auch ohne Empfehlung genommen werden. Johannes wurde für das Studium der Theologie tatsächlich zugelassen und hielt das für ein Wunder.
Im Laufe des Studiums in Böhmisch Budweis knüpfte er die Freundschaft mit P. Heřman Dichtl, einem gebildeten Priester mit außerordentlichem Weitblick. P. Dichtl wurde der väterliche Freund für das ganze übrige Leben Johannes´. Er stand am Anfang seiner Berufung zur Missionierung, führte mit ihm erbauende Gespräche, gab ihm Ratschläge und unterstützte ihn auch finanziell. Er war der, der ihm die ersten Zeitschriftenhefte der Leopoldinen-Stiftung für das Kaisertum Österreich zur Unterstützung der amerikanischen Missionen in die Hände drückte und der ihn für die Arbeit in Amerika begeisterte.        
Im Herbst 1833 bekam er ein Stipendium für den Studienabschluss in Prag. Seinen dortigen Studienaufenthalt erwartete er mit großer Freude, unter anderem auch deshalb, weil er darin die Gelegenheit sah, sich für die Missionstätigkeit noch besser vorbereiten zu können. Jedoch wurde er enttäuscht. Die Prager Theologische Fakultät stand damals unter dem Einfluss des Rationalismus und der Aufklärung. Die Professoren waren zwar gebildet, von dem Glanz der Gelehrtheit, der an dem wirklichen und tiefen Glauben hinderte, aber geblendet. Wenigstens versuchte er, Sprachen intensiv zu studieren, was seine Vorgesetzten für eine Labilität seiner Berufung hielten. Der Prager Erzbischof verbat sogar den Seminaristen, Französisch zu lernen. Frankreich verstand man damals als die Wiege vieler atheistischer und antikirchlicher Strömungen. Trotzdem erinnerte er sich gerne an Prag. Hier verbrachte er einige Jahre in der Nähe der Gräber des Hl. Wenzel und des Hl. Johannes von Nepomuk, die in seiner Geburtsstadt besonders innig verehrt wurden.
Im Juli 1835 schloss er das Studium ab und kam nach Böhmisch Budweis zurück. Ich hoffte darauf, dass er während der kommenden Tage zum Priester geweiht werden wird. Es gab aber zu viele Priester, manche der im Vorjahr geweihten Priester hatten selber noch keine Wirkungsstätte, und deshalb entschied der Bischof, die weiteren Weihen auf unbestimmte Zeit zu verschieben.
Für Johannes bedeutete dies eine Enttäuschung und eine schwere Prüfung seiner Berufung. Soll er wirklich Priester werden oder will der Herrgott von ihm doch etwas anderes? Zu Hause bleiben konnte er nicht – die Eltern kümmerten sich noch um seine jüngeren Geschwister und Johannes konnten sie nicht mehr unterhalten. Was soll er tun? Da eilte ihm sein alter Freund P. Dichtl wieder zu Hilfe. Gemeinsam beteten sie, berieten sich, trieben Finanzmittel auf, erledigten die notwendigen Formalitäten und entschieden schließlich, dass Johannes nach Amerika verreisen wird, obwohl er noch keine Priesterweihe erhalten hatte.
Am 8. Februar 1836 verließ er Prachatitz. Nicht einmal richtig verabschiedet hat er sich. Das Abschiednehmen mochte er nicht und wusste wohl, dass es auch für seine Eltern schmerzhaft wäre. Besonders tat es ihm leid, dass sie trotz aller der von ihnen gebrachten Opfer der Freude über seine Primiz beraubt wurden. Nach einer mühseligen Reise durch Deutschland und Frankreich, die von mehreren unangenehmen Überraschungen gekennzeichnet war, bestieg er endlich in Le Haver den Dreimaster namens „Europa“.
Die Reise durch die „Wasserwüste“ dauerte symbolische 40 Tage lang. Am 20. April hoben sie die Anker hoch, um am 28. Mai in New York anzukommen. Mehrere Tage mussten die Passagiere noch in der Quarantäne bleiben. Am Donnerstag, den 2. Juni, am Fronleichnamfest, durften sie endlich auf das Festland. In die bischöfliche Residenz ging Johannes mit großem Bedenken, denn er war sich nicht sicher, ob sie von ihm wissen, und wie sie ihn aufnehmen werden. Er wurde aber mit offenen Armen empfangen. Am 25. Juni 1836 weihte ihn Bischof Jean Dubois im Dom des Hl. Patrik zum Priester. Die Primiz fand am zweiten Tag in der deutschen Kirche des Hl. Nikolaus statt.
Die Pfarrei Williamsville, wohin er geschickt wurde, lag am ganz anderen Ende der Diözese. Das Pfarrgebiet erstreckte sich weitläufig zwischen dem See Erie und den Niagarafällen. Heute gehört die Pfarrei der Agglomeration Buffalo an. Damals ließen sich dort viele deutsche Familien nieder, die niemand hatten, der sie geistlich betreuen würde. Unterwegs hielt er in Rochester an, am Ufer des Ontariosees. Dort begegnete er zum ersten Mal P. Josef Prost, einem Redemptoristen. Zwischen den beiden Männern entwickelte sich sehr schnell eine aufrichtige Freundschaft. In Buffalo nahm sich der dortige Pfarrer P. Alexander Pax Johannes an und brachte ihn bis an Ort und Stelle. Auch ihre Freundschaft dauerte bis zum Tod. P. Pax war Johannes´ geistlicher Begleiter und Beichtvater ganze vier Jahre lang. 
Johannes erwarteten viele Probleme, auf die er nicht vorbereitet war und auch nicht vorbereitet sein konnte. Der Kirchenbau war nicht abgeschlossen: es gab nur kahle Wände ohne Dach. Im Ort war keine Pfarre vorhanden und so musste er bei einem gewissen Wirtz in die Mansarde einziehen. Die Miete war nicht hoch, aber mit der Zeit verschuldete er sich dann doch relativ hoch.        
Die Leute, zu denen er kam, waren sehr arm. Sie begannen „von Null“ an zu wirtschaften und verdienten nur so viel, dass es gerade für den geringsten Lebensunterhalt reichte. Die meisten sprachen kein Englisch und konnten daher von den anderen betrogen werden. Die Bevölkerung lebte in Einzelhöfen, die voneinander weit entfernt waren. Sie freuten sich zwar, dass ein Priester kam, hatten jedoch keine Zeit für ihn. Deshalb begann Johannes zunächst mit Kindern zu arbeiten, die mehr Freizeit hatten. Über die Kinder öffnete sich der Weg zu den Herzen der Erwachsenen, die froh waren, dass sich jemand ihrer Kinder annahm. Der Geistliche wusste, dass die Arbeit mit Kindern wichtig ist. Wenn sie ohne religiöse Bildung und Glaubenserziehung bleiben sollten, wird ihre Zukunft trostlos sein und sie verlieren den Glauben.
Die Landschaft, in der er tätig wurde, zeichnete sich durch viele Sumpfgebiete aus und war ungesund. Das Malariafieber tötete einen Menschen nach dem anderen. Die häufigste Tätigkeit von Johannes war die Versorgung der Sterbenden. Zu den Kranken kam er zu Fuß - von Zeit zu Zeit probierte er das mit dem Pferd, was immer schlimm endete, andere Beförderungsmittel gab es nicht – und legte viele Zehnte von Kilometern zurück. Unterwegs war er oft alleine, mehrere Male wurde er dabei von Räubern überfallen, aber wenn sie sahen, dass er nichts Wertvolles dabei hatte, ließen sie ihn wieder gehen. Einmal retteten ihm Indianer das Leben, als sie ihn erschöpft und halbtot im Sumpfgebiet fanden, in dem er sich verirrt hatte.
Große Sorgen machten ihm Sektierer und Andersgläubige. Diese hielten Amerika für ihr verheißenes Land, in das sie Gott führte, wenn sie in Europa verfolgt wurden. Hier durften sie ihre Gedanken frei propagieren, hatten aber Angst, dass die Katholiken hierher kamen, um ihnen diese Freiheit wegzunehmen. Weil sie finanziell gut abgesichert waren, gewannen sie viele der ärmsten Katholiken mit Beschenkungen und Vorteilsversprechungen auf ihre Seite. Johannes setzte sich mit ihnen mehrere Male im Wortgefecht auseinander. Mit der Zeit gingen sie ihm aus dem Weg. Sie erkannten, dass „der kleine Pfarrer“ dafür zu sehr gebildet ist, um ihm Niederlagen liefern zu können. Seine Pfarrkinder konnten stolz auf ihn sein.
Ein anderes Problem stellten die sog. „trustees“ – Kirchenausschüsse - dar. In Amerika gab es kein Patronatssystem, wie es in Europa üblich war, und die Gläubigen mussten alles selber finanzieren. Und weil sie zahlten, wollten sie auch entscheiden. Manchmal maßten sie sich das Recht an, über den Priester zu bestimmen, was er machen oder nicht machen soll, womit er sich beschäftigen soll, wann und welche Gottesdienste er veranstalten darf und sogar, mit wem er Kontakt haben darf und mit wem nicht. Johannes musste sich mit diesem Problem viele Male auseinandersetzen, später auch als Bischof. Niemals wollte er unangemessene Eingriffe in die geistlichen Kompetenzen des Priesters zulassen.
Ein Unwesen, das ihn schlimm quälte und gegen welches er entschieden kämpfte, waren die Tanzbälle. Die von den Einzelhöfen stammenden Farmer, die sonntags in das Städtchen zur Hl. Messe kamen, verkauften auf dem Markt ihre Produkte und kauften Ware ein. Bei dieser Gelegenheit kehrten sie im Gasthaus ein, um zu plaudern und sich ein wenig zu amüsieren. Oft passierte es, dass die Familienväter innerhalb von wenigen Stunden das ganze schwer verdiente Geld versoffen und ganze Familien, auch mit kleinen Kindern, mittellos blieben. Manchmal kam es dabei auch zu Unsitten, Ehebrüchen und damit zum Zerfall der Familie sowie zur Bedrohung der Moralerziehung der Jugend. Johannes drohte mit seinem Umzug, wenn dies nicht aufhören sollte. Und tatsächlich zog er weg. Vielleicht war der Hauptgrund dafür seinerseits die wachsende Verschuldung für die Miete, aber gleichzeitig war das auch eine passende Möglichkeit, manche Leute unter Druck zu setzen. Ohne die Kirche verlor das Gasthaus den Großteil seiner Einkünfte und wurde später geschlossen.
Johannes fand seine neue Wohnstätte in der Gemeinde North Bush (heute Siedlungsteil der Stadt Tonawanda), näher zu den Niagarafällen. Dort hatte er endlich seine Pfarre – eine Holzhütte, in der heute nicht mal Bauarbeiter würden wohnen wollen. Seine erschöpfende Arbeit setzte er fort, übernahm sich. Nach vier Jahren seit seiner Weihe brach er physisch zusammen. Seine Gesundheit, von der er immer behauptete, dass „ein gestandener Böhmerwälder etwas aushält“, war völlig gebrochen. Mehrere Monate war er bettlägerig. Zum Glück kam zu dieser Zeit sein jüngerer Bruder Wenzel aus Prachatitz zu ihm, um den Haushalt zu führen. Trotzdem war es klar, dass es so nicht weiter gehen wird.
Über seine Lage beriet er sich mit seinen Freunden – persönlich mit seinem Beichtvater P. Pax und schriftlich mit P. Prost, der ein Redemptorist war. Dieser schrieb ihm in einem Brief: „Vae soli (Weh einem, der alleine ist)!“ P. Prost lud ihn in die Kongregation des Allerheiligsten Erlösers ein. Johannes kannte die Spiritualität des Hl. Alfons – bereits während seiner Studienzeit übersetzte er seine Schriften – und bewunderte auch die Tätigkeit der Redemptoristen in Rochester. Er sehnte sich nach Regelmäßigkeit und Ordnung in der Arbeit und im geistlichen Leben. Die Entscheidung fiel ihm also nicht schwer: am 4. September 1840 stellte er den Antrag auf Aufnahme in die Gemeinschaft und am 16. September erhielt er die Antwort „Sie wurden aufgenommen“. Dann blieb nur noch, das Einverständnis der Diözese für seine Freigabe einzuholen. Der Bischof wehrte sich, da er den eifrigen Priester nicht verlieren wollte, aber schließlich stimmte er zu.
Am 18. Oktober klopfte er am Tor des Klosters in Pittsburg an, in dem er von P. Tschenhens, seinem Novizenmeister, empfangen wurde. Einen Monat später kam auch sein Bruder Wenzel und stellte ebenfalls den Antrag auf Aufnahme und wurde Laienbruder. Das Jahr des Noviziats war ganz anders, als es sein sollte, und als er sich es vorstellte. Statt eines regelmäßigen Gebets wurde er hin und her geschickt, dorthin wo gerade Aushilfe nötig war. 3000 Meilen legte er zurück und mehrere Male wechselte er seinen Novizenmeister. Er begann zu glauben, dass die Kongregation an ihm kein Interesse hat und zweifelte, ob seine Entscheidung richtig war, den Aufnahmeantrag gestellt zu haben. Nichtsdestotrotz harrte er aus und am 16. Jänner 1842 legte er in Baltimore die Ordensgelübde ab.
Die folgenden zwei Jahre verbrachte er im Kloster in Baltimore. Vor allem übte er Pastorale aus: Taufen, Predigten, Beichten, Messen, Religionsunterricht gehörten zu seinem Aufgabenfeld. Er betreute deutsche Einwanderer, die zu Tausenden durch die Stadt zogen. Außerdem reiste er in ganz Maryland und den benachbarten Staaten herum und besuchte dort die deutschen Siedlungen. Es waren wahrscheinlich die ruhigsten Jahre seines Lebens.
Am 5. März 1844 wurde er nach Pittsburg versetzt. Auch hier waren seine Hauptaufgaben die pastoralen Tätigkeiten, darüber hinaus gab es dort die große, noch nicht fertig gebaute Kirche der Hl. Filomena, die sehr hoch verschuldet war. An ihr bissen sich bereits einige Redemptoristen die Zähne aus. Auf dem Gebiet der Finanzen war Johannes nicht sehr erfahren, aber mit Geduld und mit seiner taktvollen Art der Menschenbehandlung wurde er erfolgreich. Die Kirche wurde am 4. Oktober 1846 feierlich geweiht. Er selber war jedoch wiederum völlig erschöpft, befand sich fast am Rande des Todes. Er bekam den Auftrag, nach Baltimore zurückzukehren und sich dort zu heilen.
Am Anfang des Jahrs 1847 kam eine überraschende Benachrichtigung: Johannes wurde zum Vertreter des Provinzials, also des Leiters der gesamten Ordensprovinz in Nordamerika. Er fürchtete, dass seine Kräfte und seine natürlichen Fähigkeiten, besonders wenn es um die Umsetzung der bevorstehenden Angelegenheiten ging, nicht ausreichen werden, aber aus Gehorsamkeit und im Vertrauen auf Gott nahm er die Funktion an. Zu dieser Zeit erweiterte die Kongregation ihre Tätigkeiten: auf Wunsch der Bischöfe übernahm sie weitere Pfarreien, die Orte, in welchen die Redemptoristen wirkten, wurden mehr. Das bedeutete allerdings, dass die Mitbrüder nicht in der Gemeinschaft lebten, sondern vereinzelt oder zu zweit arbeiteten und daher die festgelegte Ordnung der Gottesdienste und des Ordenslebens nicht einhielten bzw. nicht einhalten konnten. Verhältniswidrig wuchsen die Schulden an, sodass ein Finanzzusammenbruch drohte. Deshalb hielt er es für seine erste Aufgabe, diese spontane Entwicklung zu stoppen und die Observanz (die genaue Einhaltung der Ordensregel), wegen der er in die Kongregation eintrat, zu erneuern. Diesbezüglich herrschte weder unter den Mitbrüdern noch unter den Vorgesetzten eine einheitliche Meinung. Aufgrund der gespannten politischen Lage in Europa (es nährte sich das Revolutionsjahr 1848) wechselte die Kompetenz der Kongregationsführung zwischen der österreichischen und belgischen Provinz und jeder der Provinziale sah die Sache anders. Die Mehrheit der Mitbrüder stammte aus der österreichischen Provinz und diese befürwortete die Erweiterung. Im Unterschied zu anderen kannte er die vorgesetzten Personen nur aus der Korrespondenz. Mehrmals ersuchte er um die Entbindung von seinem Amt, was nur wenige wollten. Trotz der schwierigen Lage hatte er in vielen Hinsichten Erfolg. Im Einklang mit seiner alten Überzeugung bemühte er sich, katholische Schulen zu gründen. Manche Kongregationen von Schulschwestern unterstützte er bedeutend in den Anfängen ihrer Wirkung in Amerika, sowohl finanziell als auch geistig.
Im Jänner 1849 übergab er die Leitung dem neuen Vorgesetzten, P. Bernard Hafkenscheid. Alle Sorgen wurde er jedoch nicht los, denn er blieb dessen engster Mitarbeiter, seine „rechte Hand“. Nach einem Jahr wurde eine selbständige Kongregation gegründet, die alle amerikanischen Häuser umfasste.
Im April 1851 starb der Erzbischof in Baltimor. Sein Nachfolger war Francis Kenrick, der bisher Bischof in Philadelphia war. Er wusste über die Frömmigkeit und die an das geistliche Leben gestellten hohen Ansprüche Neumans und suchte sich ihn als Beichtvater aus. Dadurch vertiefte sich die Verbindung zwischen den beiden Männern. Als später die Kandidaten für das Bischofsamt in Philadelphia gesucht wurden, schlug Francis Kenrick seinen Beichtvater auch vor.   
Die Ernennung kam am 19. März 1852. Neumann war entsetzt. Er ersuchte den Generalvorgesetzten der Redemptoristen um seine Intervention, aber Rom entschied bereits endgültig, und so nahm er mit schwerem Herzen sein neues Amt an. Die Bischofsweihe fand am 28. März 1852 in Baltimore am Tag seines 41. Geburtstags statt. Es war ein Passionssonntag. Als sein Bischofsmotto wählte er die folgende Bitte: „Passio Christi, conforta me!“ (Leiden Christi, stärke mich!). Der Schatten des Leidens Christi sollte ihn mit neuer Intensität erreichen.
Philadelphia war eine bedeutende Stadt. Hier wurde die Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, hier lebte die Elite der amerikanischen Gesellschaft. Johannes hielt sich den gesellschaftlichen Veranstaltungen fern, er mochte keine Oberflächlichkeit und keinen Luxus. Er war stets reinlich aber einfach gekleidet, die Einrichtung der Residenz war schlicht und einfach. Das degradierte ihn in den Augen mancher Leute. Wohler fühlte er sich auf dem Lande unter armen Menschen. Die Diözese war damals die größte in den Vereinigten Staaten. Jedes Jahr verbrachte er mehrere Monate mit Visitationen. Er spendete Sakramente, predigte, hörte den Leuten zu, die ihm ihre Sorgen erzählten. Bald machte er sich ein genaues und detailliertes Bild über die Diözese, was ihm bei vielen Entscheidungen half.
Mit großem Engagement setzte er sich für den Religionsunterricht der Kinder und Jugend ein. Er wollte, dass jede Pfarrei eine katholische Schule hätte. Diesbezüglich scheute er keine Opfer und rügte jegliche Saumseligkeit. Bereits während der ersten drei Jahre seines Bischofsamts wuchs die Anzahl der Kinder in den katholischen Schulen von 500 auf 9000 an. Weniger erfolgreich war er mit den mittleren und höheren Schulen. Das Seminar für Jungen, nach dem er sich sehr sehnte, konnte er erst wenige Wochen vor seinem Tod eröffnen. Er unterstützte Schulorden, sowohl Frauen- als auch Männerorden, und war stets bemüht, ihnen maximal entgegenzukommen.           
Ähnlich engagiert widmete er sich dem Erbauen der Kirchen. Neue Kirchen wurden dringend gebraucht, denn gerade in den 50er Jahren erlebten die Vereinigten Staaten eine der stärksten Immigrationswellen in ihrer Geschichte. In zwei Jahren wurden über 40 Kirchen fertig gebaut, vergrößert oder neu gebaut. Die einzige Kirche, deren Bau langsamer voranging, als er es sich wünschte, war der prunkvolle Dom der Hl. Apostel Peter und Paul in Philadelphia. Mit dem Bau wurde schon im Jahr 1846 begonnen, sein Vorgänger setze darin seine Ehre. Die Baukosten belasteten das Finanzbudget der Diözese und der Dom war hoch verschuldet. Trotz des Missfallens mancher Alteingesessener entschied er, nur dann weiter zu bauen, wenn für die vorgesehenen Arbeiten genug Geld vorhanden sein wird.
Er befasste sich allerdings nicht nur mit Äußerlichkeiten. Er führte einen geistlichen Kampf gegen jene Kräfte, die den Leuten den Glauben und die christliche Moral rauben wollten, damit sie mit ihnen leichter manipulieren und an ihnen verdienen konnten. Diesen Kampf führte er mit geistlichen Mitteln: trotz der geringen Bereitschaft seitens der Priester und ihrer Angst vor der Schändungsgefahr führte er schon im Jahr 1853 die Praxis ein, das Allerheiligste 40 Stunden lang zur Addoration auszusetzen. Ähnliche Andachten fanden zwar schon früher statt, aber Johannes Neumann verlieh ihnen eine Ordnung und plante sie für die gesamte Diözese.
Im Herbst 1854 lud der Heilige Vater Pius IX. Bischöfe aus aller Welt nach Rom ein, damit sie am 8. Dezember der feierlichen Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis Mariens beiwohnen. Johannes nahm die Einladung mit Freude an. Er sehnte sich danach, den kanonischen Besuch „ad limina apostolorum“ abzustatten und das war eine passende Gelegenheit dafür. Am 21. Oktober machte er sich auf den Weg. Nach der Beendung der Feier wurde er in einer Privataudienz vom Heiligen Vater empfangen, besuchte alle Zentralämter und gab seine Werke heraus. Anschließend fuhr er eilig nach Böhmen, um hier seine Familie zu besuchen, die er 19 Jahre lang nicht gesehen hatte. In Prachatice kam er am 3. Februar 1855 an und blieb etwa eine Woche lang. Er erfreute sich mit dem Vater und der Mutter, ging auf den Friedhof, traf sich mit vielen Freunden und Bekannten, hatte den Vorsitz bei feierlichen Gottesdiensten. Und wiederum vermied er das Abschiednehmen, ähnlich wie vor Jahren. Am 9. Februar reiste er zeitig ab und beeilte sich, um bis Ostern zu Hause in Philadelphia zu sein.
Die Verwaltung der riesigen Diözese bedeutete für Johannes die Bewältigung einer großen Last. Vor allem bzgl. der finanziellen Angelegenheiten fühlte er sich unwohl. Im Rahmen eines Provinzialkonzils unterbreitete er den Vorschlag, die Diözese in zwei Verwaltungseinheiten zu teilen; er sollte in der ärmeren und weniger bedeutenderen Hälfte bleiben. In Rom waren sie aber einer anderen Meinung. Statt der Versetzung bekam er einen Helfer – Koadjutor. Monsignor James Wood war ursprünglich ein Bankangestellter und in der Eigentumsverwaltung kannte er sich ausgezeichnet aus. Er war gesellig und wusste sich in den höheren Kreisen zu benehmen. Sie ergänzten sich, die Zusammenarbeit zwischen ihnen war bis dahin gut, dass Wood irrtümlich vermutete, dass er deshalb zum Koadjutor ernannt wurde, weil Neumann bald in Pension gehen will und er sein Nachfolger werden soll. Er war enttäuscht, dass sich seine Erwartungen immer nicht erfüllten.
Und trotzdem passierte das. Nicht durch den Willen der Menschen, sondern durch Gotteswillen. Am Donnerstag, 5. Jänner 1860, fühlte sich Johannes nicht wohl. Angesichts dessen, was er in seinem Leben schon überstanden hatte, nahm das der Bischof nicht wichtig. Am Nachmittag eilte er zum Notar, um noch einen Vertrag zu erledigen. Als er die Straße überquerte, verlor er das Gleichgewicht. Keinen wunderte das, da es frostete und der Gehsteig rutschig war. Es war aber nicht das Glatteis, das seinen Fall verursachte. Der Herrgott berief seinen treuen Diener zu sich. Erst danach liefen alle zu ihm und erkannten den Bischof. Die Nachricht über seinen Tod verbreitete sich blitzartig in der ganzen Diözese.
So ein ruhmreiches Begräbnis hatte Philadelphia noch nie erlebt. Wie das oft ist, wurde vielen Menschen erst nach seinem Tod bewusst, wen sie verloren hatten. Am 9. Jänner wurde sein Leib im Grab in der Redemptoristenkirche des Hl. Petrus beigesetzt. Wenigstens nach dem Tod fand er die Ruhestätte dort, wo er sie während seines Lebens ohne Erfolg immer suchte: unter seinen Ordensmitbrüdern. Der Erzbischof Kenrick sagte über ihn: „Er konnte nicht anders, als auf dem Weg zu sterben. Er war immer unterwegs, denn jede Stunde, jeden Moment seines Lebens suchte seine Seele nach Gott.“

Verfasst von: P. Pavel Liska aus Netolice bei Budweis

Übersetzung aus dem Tschechischen: Jiří Franc

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