Maimonat - Marienmonat

Maimonat – Marienmonat. So ist uns Gläubigen der Wonnemonat Mai vertraut. Viele von uns erinnern sich ganz besonders in diesem Monat der Tage und Ereignisse, die ihren Alltag und ihr Leben geprägt haben: die Maiandachten, die Wallfahrten zu den grossen Gnadenstätten, die Besuche der vertrauten und liebgewonnenen, heimatlichen Gnadenorte. Zuflucht, Bitte und Dank haben die Verehrung und Liebe zur Gottesmutter wachsen lassen und unsern Glauben gestärkt. Ich selber erinnere mich gerne der täglichen Maiandachten in dem Ort, wo wir nach der Flucht und Heimatsuche eine Bleibe gefunden hatten. Waren die abendlichen Maiandachten für mich als Kind eine Möglichkeit abends ausser Haus zu kommen, so erhielt doch im Laufe der Zeit die Verehrung der Gottesmutter einen besonderen Platz in meinem Leben. Und vielen Menschen ist es ebenso ergangen. Maria war nicht Ersatz für etwas sondern wurde Hilfe für ein Leben aus dem Glauben.
In der Lauretanischen Litanei rufen wir Maria mit einer Vielzahl von Namen und Bildern an. Sie sind ein Lobpreis Mariens, enthalten zugleich aber auch die Bitte um Fürsprache in den Anliegen unseres Lebens. Manche dieser Anrufungen sind uns sofort verständlich. Andere müssen unserem Verständnis erst erschlossen werden. Jeder Anrufung aber lässt uns nur stückhaft das Heilswirken Mariens erahnen.
Gegenstand unserer Marienverehrung ist nicht irgendeine abstrakte Idee, sondern eine lebendige Person, Maria, die Gottesgebärerin, die Mutter Jesu. Verehrung ist ja eine urmenschliche Gebärde der Hinwendung zum anderen. Wir fühlen uns von ihm betroffen und innerlich er- griffen. Seine Gegenwart bereichert uns, erfreut uns.

Deshalb blicken wir in dankbarer Freude zu ihm auf und zugleich verneigen wir uns in Ehrfurcht vor ihm. Und dies gilt auch für unsere Marienverehrung.

Der Gruß des Engels bei der Verkündigung, die Seligpreisung Marias durch Elisabeth und das herrliche Magnifikat der Gottesmutter weisen auf die Marienverehrung der Urkirche hin. „Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter“ (Lk 1,48). Dieses Wort hat einen Sitz nicht nur im Leben Mariens, sondern auch im Leben der Kirche – bis heute.
Wir verehren und preisen Maria selig, weil sie uns das Heil, Christus den Erlöser, geboren hat. Sie hat sich Gott zur Verfügung gestellt: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Das Fiat Marias ist das Wort des Menschen, der offen ist für Gottes Ruf, bereit sich auf ihn einzulassen. Offen für Gott, für seinen Anruf ist aber dem heutigen Menschen - leider oftmals auch uns - abhanden gekommen. Wir würden gut daran tun, von neuem in die Schule Marien zu gehen, um dies von ihr zu lernen. So könnten wir, seine Liebe zu uns erkennen, frei werden für den Dienst an den Mitmenschen und die Zeichen der Zeit verstehen. Durch Gottes Ruf werden auch wir wie Maria zur Antwort gerufen. Wir stehen in der Verantwortung. Verantwortung aber fordert Bereitschaft und Treue.

Maria ist uns dabei Vorbild. Und in ihrem Leben leuchtet auf, was uns sie so verehrungswürdig macht. Ihre Auserwählung verschonte sie nicht vor Leid, Flucht, Schmerz und Tod, doch durch die Gottes Gnade wurde die Auserwählte den Menschen zur Mutter. So verehren wir sie als unsere Mutter. Wir preisen sie als Ersterlöste, die Gott von der Sünde befreit hat. Wir schauen voll Hoffnung zu ihr auf, die Gott mit Leib und Seele in seine Herrlichkeit aufgenommen hat. Der Blick auf Maria hat zu allen Zeiten die Menschen veranlasst, um ihre Fürsprache zu bitten.
Herzlich lade ich Sie ein, in diesem Maimonat das Leben der Gottesmutter zu betrachten und dabei die frohmachende Erfahrung zu machen, dass auch wir von Gott gerufen, geliebt und angenommen sind wie Maria. Wo unser Glaube schwach ist, wo wir Hilfe bedürfen, wo Trauer und Gebrechen uns den Weg zu Gott versperren, da lasst uns zur Mutter gehen und vertrauen, dass sie für uns da ist, die Trösterin der Betrübten, die Zuflucht der Sünder, das Heil der Kranken, die Hilfe der Christen. Mit den Worten pilgernder Menschen empfehlen wir uns der mütterlichen Fürsprache am Throne der Gnaden:

Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, wie es noch nie erhört worden ist, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht genommen, deine Hilfe angerufen, um deine Fürbitte gefleht hat, von dir sei verlassen worden. Von diesem Vertrauen beseelt, nehme ich meine Zuflucht zu dir, o Mutter, Jungfrau der Jungfrauen. Zu dir komme ich, vor die stehe ich als armer Sünder. Mutter des ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Worte, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich. Amen.

P. Norbert Schlegel O. Praem.,
Visitator für die Seelsorge an den Sudetendeutschen und
Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerkes

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