In der Freude des Auferstandenen

Es ist eine Wahrheit: Große Feste schmecken dann besonders, wenn die Vorbereitung richtig gelaufen ist. Das gilt für Weihnachten wie für Ostern. Wer nur danach giert, möglichst der Erste zu sein, der Christstollen und Spekulatius zu essen bekommt oder Christkindl-Glühwein beim Bazar verkaufen kann, der bringt sich womöglich um den richtigen Geschmack von Weihnachten. Und wo Pfarreien mit den Vereinen wetteifern, den Weihnachtsbazar möglichst schon am Christkönigssonntag durchzuführen, der hat noch nie erfahren, wie schön das Warten auf ein Fest ist.

Der Druck der Geschäftigkeit meint es mit Ostern ein wenig besser. Aber kaum sind die Rotmützen der Weihnachtsmänner aus den Regalen weggeräumt, werden sie mit den Schleckereien für Ostern gefüllt. Ich gebe ja zu, nach Weihnachten schmecken die Krokant-Ostereier besonders gut!

Bitte, ehrlich bleiben! Wir Christen müssen die Situation der Festtage von Ostern und die sie umgebende Geschäftigkeit zur Kenntnis nehmen. Denn wir Christen sind im Alltag genauso hineinverwickelt wie alle anderen Leute. Dabei haben wir mit Ostern ja noch Glück. Denn was kann schon am Palmsonntag, Gründonnerstag oder Karfreitag besonders gehandelt und vermarktet werden? Die Ostermärkte sind sowieso die Sache von Händlern und Marktbetreibern. Da sind selbst geschäftstüchtige Pfarreien noch nicht draufgekommen, eine Konkurrenz zu den Ostermärkten zu veranstalten. Also: Glück gehabt! Und damit ist uns die Chance gegeben, Ostern richtig zu verstehen und zu feiern.

Ostern ist ein Fest, wo wir ein Bekenntnis aussprechen. Wir bekennen uns zum Gekreuzigten und zum auferstandenen Christus Jesus. Wir leben aus dem, was er für uns getan hat. Wir leben von der Hoffnung, die er uns gebracht hat.
Ohne Hoffnung und ohne einen Lichtblick für unser Leben können wir nicht leben. Das zeigt schon der Blick in unseren Alltag. Ein kleines Stückchen Hoffnung kann beispielsweise die Erwartung eines freien Wochenendes sein und die Vorfreude auf die schon gebuchte Urlaubsreise. Aus der Hoffnung lebt der Kranke, der endlich aus dem Krankenhaus nach Hause gehen möchte. Hoffnung vermittelt auch ein gutes Wort, eine Freundschaft, eine Liebe, ein Lob, eine Anerkennung, ein Dank ...
Hoffnung ist für uns Christen eng mit Ostern verknüpft. Da hat einer die Grenzen des Irdischen, die Grenzen des Todes überwunden. Es ist Jesus, der Sohn Gottes. Dieses Hoffnungsgefühl haben zuerst jene erfahren, die Jesus nachgefolgt sind, die Frauen am Grab, dann Petrus und die anderen Jünger. Und doch haben sie in ihrer ersten Begegnung mit dem Auferstandenen ein ganzes Stück Zeit gebraucht, die Erfahrung der Hoffnung anzunehmen.

Wir heutigen haben es schwerer und zugleich auch leichter. Schwerer, weil wir nicht solche ersten Erfahrungen machen können wie die Apostel und die Frauen. Leichter, weil so viele Menschen vor uns wirklich Zeugen und Zeuginnen des Glaubens sind, auf die wir schauen können.
Wie etwa jener Christ in der Zeit des Kommunismus in Russland. Er war eingesperrt. Es war verboten, laut zu singen und zu beten. Aber die Osterfreude konnte er nicht für sich behalten. Es schrie sie laut in den Gefängnishof hinaus: „Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Strenge Einzelhaft war die Extra-Strafe für dieses mutige Bekenntnis.
Schoko-Osterhasen und Krokant-Ostereier sind die eine Sache. Sich zu Jesus zu bekennen ist eine andere Sache. Es braucht dazu auch bei uns Mut. Man wird bei uns nicht eingesperrt dafür, aber auch für das Bekenntnis nicht verlacht. Die Umgebung hat Respekt vor mutigen Leuten!

Pallottinerpater Josef Danko, Bildungshaus St. Josef,
Schloß Hersberg, Immenstaad a.B.
(Heimatgemeinde Gerbetschlag bei Hohenfurth)

 

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