„Bemüht euch mit allen Kräften!”

Was Spaß macht, zählt heute. Auch Christsein muß Spaß machen, sonst hat es schlechte Karten. Locker soll es zugehen im Gottesdienst. Gags sind gefragt, um die Teilnehmer bei Laune zu halten, vor allem solche aus der jüngeren Generation. Weniger Interesse findet eine ernste und feierliche Liturgie. Spannung, Unterhaltung, Kurzweiligkeit werden erwartet. Das eigene Einbringen in den Gottesdienst steht allerdings nicht hoch im Kurs.
Zum Christsein gehören selbstverständlich Freude und Spaß. Seine Quelle ist ja eine Frohbotschaft. Christen wären wenig glaubwürdig, wenn bei ihnen vom Erlöstsein nichts zu spüren wäre. Das ist die eine Seite. Aber zum Christsein gehört genauso Ernst. Die österliche Bußzeit als Zeit der Umkehr ruft uns die Notwendigkeit ernsthaften Bemühens in Erinnerung.

Im Lukasevangelium (13,14) wird einmal Jesus von einem Mann gefragt. Dieser macht sich Gedanken, wie es wohl um die Rettung des Menschen aus den zerstörerischen Mächten des Todes und des Bösen steht, wieviele wohl gerettet werden. Ihm gibt Jesus zur Antwort: „Bemüht euch mit allen Kräften durch die enge Tür zu gelangen, denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.”

Jesus lässt sich auf keine Zahlenspekulationen ein. Er wird gleich praktisch. Jeder, so fordert er, soll sich mit allen Kräften bemühen. Wie ein Wettkämpfer soll der Christ versuchen, der beste und schnellste zu sein, um durch die enge Tür zu gelangen hin zum Ziel des endgültigen Lebens. Damit macht Jesus deutlich: Den Himmel gibt es nicht zum Nulltarif. Ein tägliches Ringen ist erforderlich, um die Chancen zum Guten zu nützen, die das Leben bietet. Es wäre einfach leichtfertig, die Liebe zu Gott und zu den Menschen auf die leichte Schulter zu nehmen.
Wer das Gute nicht mit allen Kräften sucht, das Gott für uns bereithält, schließt sich selbst aus von der Fülle des Lebens, die bei Gott für uns bereitsteht. In der Geschichte Gottes mit den Menschen gibt es entscheidende Augenblicke. Wer sie verschläft, bleibt draußen, findet keinen Zugang zu der Welt Gottes. Dabei wartet dort auf uns, was wir uns ersehnen: beständige Freude, unzerstörbares Glück, ewiges Leben. Wir können leicht den gleichen Fehler begehen wie das Volk Israel. Ihm gilt das Mahnwort Jesu zunächst. Es glaubte, es müsste sich von Jesus nicht zu neuen Anstrengungen aufrufen lassen. Der Zugang zur Welt Gottes stehe ja schon durch das Gesetz und durch den Tempel offen.

Für uns Christen gilt aber das Mahnwort Jesu nicht weniger. Wer meint, sich auf seinen Taufschein verlassen zu können als Zugang zu Gott und sonst leben zu können wie es gerade gefällt, kann nicht von vorneherein erwarten als Jünger Jesu an der Tür zum endgültigen Leben erkannt zu werden. Wer ein Leben lang auf die Beziehung zu Gott keinen Wert legt und für sie nichts tut, dem hilft es dann wenig, wenn er Einlass begehrt in die Welt Gottes und ruft: „Herr mach uns auf!” muss er da sich nicht verständlicher Weise auf das Wort Jesu gefasst machen: „Ich weiß nicht, woher ihr seid”(Lk 13,25).

Beides gilt es also im Auge zu behalten: Christsein als eine frohe, aber auch als eine ernste Sache. Die innere Erneuerung auf Ostern hin ist einer Anstrengung wert, wie auch das gläubige Bemühen Zeit unseres Lebens auf das endgültige Ostern hin in der Herrlichkeit Gottes. Denn in solchem Tun schaffen wir Raum für eine österliche Freude, die nie mehr aufhört.

Domkapitular Alois Ehrl

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