Pfarrer Anton Gruber

Geistliches Wort - 10|2018

Erntedank

Im Oktober feiern wir das Erntedankfest. Für mich ein Grund, inne zu halten und nachzudenken. Ähnlich wie am Muttertag sich mein Blick auf all das richtet, was mir meine Mutter das ganze Jahr über an Gutem getan hat, geschieht das an Erntedank im Blick auf unseren Herrgott.
Doch mir wird klar: Genauso wenig, wie der Dank an die Mutter durch einen einzigen Blumenstrauß im Jahr abgegolten kann, verhält es sich mit meinem Dank an Gott an Erntedank. Zu viel haben beide mir Gutes getan. Trotzdem sind solche Feste wie Erntedank oder Muttertag nicht sinnlos. Wir Menschen brauchen Orte und Zeitpunkte, um an bestimmte Dinge erinnert zu werden. So ist es gut, dass wir wenigstens einmal im Jahr einen Gedenktag haben, um ausdrücklich demjenigen zu danken, der uns Gutes getan hat.
Das ist ähnlich wie bei den kleinen Kindern, wo die Aufforderung „Danke“ zu sagen, wenn sie etwas bekommen haben, ihnen von den Eltern immer wieder gesagt werden muss. Allzu leicht vergessen sie über der Freude über das Geschenk den Spender dieser Gabe. Etwas, das – wie es mir scheint – eben nicht nur auf Kinder zutrifft, sondern auch auf uns erwachsene Menschen. Auch wir sagen viel zu selten das kleine Zauberwort „Danke“ und müssen eben daran erinnert werden. Woran dies liegen mag?
Zum einen nehmen wir viel zu viel als Selbstverständlich hin. Dies gilt sowohl für die Gesundheit, die soziale Sicherheit und unser Wohlergehen oder auch für scheinbar selbstverständliche Dienste von Familienangehörigen, Berufskollegen oder sonst jemanden. Dazu kommt der weit verbreitete Irrtum, alles sei mit Geld zu bezahlen und da brauche es ja kein „Danke schön“ mehr.

Liebe Leserinnen und Leser,
ich bin überzeugt, daß die Welt viel freundlicher sein könnte, wenn jeder von uns nur einmal am Tag jemandem ein ehrlich gemeintes „Danke“ schenken würde. Darin verbirgt sich mehr als nur eine anerzogene Höflichkeitsform. Ein Dankeschön heißt: Ich habe ich bemerkt, ich weiß, dass es dich gibt, ich habe gesehen, dass du ein Mensch bist, der nicht nur an sich selber denkt.
Genau dieses Letzte ist es, das zur Verständigung der Menschen untereinander beiträgt. Das „Danke“ weist über sich hinaus, es bewahrt davor, egoistisch zu sein und weitet den Blick auf den anderen.
Genauso verhält es sich dann auch mit Erntedankfest und dem Dank an Gott. Dieser Dank bewahrt uns ein Stück davor, eingebildet zu sein und nur auf die eigenen Kräfte zu vertrauen. Das Dankesagen an Gott zeigt mir, dass ich weiß, dass ich ohne Gott nichts wäre. Er ist derjenige, der mich erschaffen hat und der dafür Sorge trägt, dass ich in Frieden, Gesundheit und gewissem Wohlstand mein Leben führen kann.
 Einmal im Jahr, an einem Termin, bei dem dies durch die Ernte der Früchte der Natur ganz offensichtlich ist, tun wir dies als Gesellschaft offensichtlich: Gott ist der Geber aller guten Gaben und wir danken ihm dafür. Wir sind uns bewusst, dass wir ihm zu Dank verpflichtet sind.

Liebe Schwestern und Brüder,
Sie sehen, das „Danke“ sagen hat seine wichtige Bedeutung, egal ob gegenüber Gott oder gegenüber einem Menschen. Beides ist auch untrennbar miteinander verbunden. Dies zeigt nicht zuletzt der früher verbreitete Begriff für „Danke“, der immer mehr zu verschwinden droht: „Vergelt´s Gott“. Diese Dankesformel heißt nicht mehr und nicht weniger, als dass ich weiß, dass Gott hinter allem steckt und dass ich wünsche, dass er, als der Geber aller Guten Gaben, meinen Wohltäter belohnt. Von daher wäre es mein Wunsch, dass dieses „Vergelt´s Gott“ öfters angewendet und gehört werden würde und das nicht nur einmal im Jahr zu Erntedank.
Amen.

Pfarrer Anton Gruber, Weil der Stadt

Fürbitten Erntedank

Zu Gott, unserem Vater, dem Geber alles Guten, laßt uns in Dankbarkeit rufen:
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ V/A
•    Bewege die Menschen, daß sie mehr und mehr einander dankbar werden und dich als den Spender der Gaben anerkennen.
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ A
•    Hilf, daß die wohlhabenden Völker ihre Verantwortung gegenüber den armen Ländern wahrnehmen.
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ A
•    Gib jedem Menschen, was er Tag für Tag zum Leben braucht.
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ A
•    Mache uns bereit, unseren Überfluß dankbar mit den Notleidenden zu teilen.
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ A
•    Hilf dem deutschen Volk, daß es zu einer solidarischen Einheit zusammenwächst.
GL 697 „Ich ruf dich an, Herr Gott, erhöre mich“ A

Gott, du Schöpfer des Himmels und der Erde,
wir vertrauen deiner Verheißung:
So lange die Erde besteht
sollen nicht aufhören
Aussaat und Ernte, Kälte und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Dir danken wir mit allen Geschöpfen für unser Leben
durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

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