Pfarrer Roland Rettenmaier

Pfarrer
Roland Rettenmaier

Geistliches Wort - 02|2018

Irdische Heimat – Heimat im Himmel

Liebe Leserinnen und Leser von Glaube und Heimat,
ich habe im Herbst im Mühlviertel Urlaub gemacht. Meine Mutter, meine Tante, meine Großeltern sind alle schon gestorben. Für sie war Deutsch Reichenau mit seinen einzelnen Dörfern die böhmische Heimat, die sie durch die Vertreibung verloren haben. Ich wollte in dieser Zeit Erfahrungen mit der Heimat meiner mütterlichen Vorfahren sammeln. Ich bin durch viele wunderbare Erfahrungen reich beschenkt wieder nach Hause gefahren. Ich weiß inzwischen, wie weit sich die Spuren meiner mütterlichen Vorfahren zurückverfolgen lassen. Der Ort Deutsch Reichenau wurde zwar für immer ausgelöscht, die Kirchenbücher sind erhalten geblieben und damit das Wissen um die Reihe der Vorfahren. Die Spuren meiner Lang Vorfahren lassen sich lückenlos bis ins Jahr 1643 zurückverfolgen. Mich hat die wunderschöne Landschaft sehr berührt. Ich habe das Mühlviertel Deutsch in Haslach und an anderen Orten gehört und mich daran erinnert, so haben meine Großeltern Josef und Maria Lang gesprochen. Ich bin in Bad Rappenau Grombach in Nordbaden aufgewachsen. Grombach ist mein Heimatort. Ich kann das Mühlviertel Deutsch nicht sprechen. Mir ist bewusstgeworden, dieser typische Sprachklang gehört auch zu dem, was ich mit Heimat verbinde. Er verbindet mich mit meinen mütterlichen Vorfahren aus dem Böhmerwald.
Ich habe Fritz Bertelwieser gebeten, dass er mich an die Orte führt, an denen vor der Vertreibung das Haus meiner Großeltern auf der Guggizerhöh und das Haus meiner Urgroßeltern, der Lindnerhof in Multerberg standen. Mir hat es gut getan an Orten zu stehen, an dem meine Vorfahren gewohnt haben. Und ich bin auf meiner Reise im Mühlviertel zum ersten Mal in meinem Leben einigen Großcousinen und Großcousins begegnet. Zu diesen Verwandten war der Kontakt durch die Vertreibung abgebrochen gewesen. Es tut gut zu wissen, so viele Verwandte von mir leben im Mühlviertel.

Unser Glaube zeigt uns, was für uns als Glaubende Heimat ist. Am 14. Februar feiern wir in diesem Jahr den Aschermittwoch. Wir bereiten uns in der Fastenzeit auf Ostern vor, erinnern uns an Jesu Leiden und Sterben. In einigen Lesungen der Fastenzeit werden wir auch an die Zeit erinnert, in der das Volk Israel 40 Jahre lang durch die Wüste Sinai zog, um das gelobte Land zu erreichen. Für uns Christen ist das gelobte Land auf das wir zugehen, das himmlische Jerusalem, die ewige Heimat, das ewige Leben bei Gott.  Jesus hat uns den Weg dorthin durch sein irdisches Leben, durch sein Leiden und Sterben und seine Auferstehung freigeräumt. Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihr Glaube, ihre Liebesfähigkeit und ihre Hoffnung auf die himmlische Heimat in dieser Fastenzeit viele gute Nahrung bekommt.

Ihr Roland Rettenmaier

 

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