Geistliches Wort – Januar 2011

Siegfried Weber, Militärpfarrer, Vorsitzender von Glaube und Heimat




Dekan Siegfried Weber,
Militärpfarrer,
Vorsitzender von
Glaube und Heimat


Liebe Böhmerwäldler, liebe Leserschaft von Glaube und Heimat!

Der Jahreswechsel hat für viele Menschen einen besonderen Reiz. Wir begrüßen und feiern das neue Jahr, ohne dass sich dabei augenscheinlich etwas ändert. Alles bleibt beim Alten, Silvester und Neujahr sind Tage wie alle anderen im Jahresablauf und trotzdem ist eine Veränderung spürbar. 2011 müssen wir jetzt datieren, 2010 ist vorbei, ist Geschichte, ist abgeschlossen. Auch wenn uns viele Dinge aus dem alten Jahr noch begleiten, freudige Ereignisse, wie schmerzvolle Erfahrungen, mit dem Jahreswechsel erfahren sie einen gewissen Abschluß. Wir reflektieren in diesen Tagen das alte Jahr, holen manches in Gedanken nochmals zurück, um es dann aber wieder der Vergangenheit zu überlassen. Vergangenheit meint nicht vergessen oder auslöschen, es meint vielmehr ein Ablegen an einem geschützten Ort, auf den ich zurückgreifen kann, wenn ich möchte. Wir nennen es auch Erinnerung, im Sinne einer stillen Begleitung.

Das schenkt uns eine Freiheit, die es ermöglicht den Blick in die Zukunft zu lenken und Schritte in das neue Jahr zu gehen, ohne von der Last der Vergangenheit gebeugt oder erdrückt zu werden. Diesen Ort wo wir unsere Vergangenheit ablegen können, wo die letzten 365 Tage gut aufgehoben sind, wie auch die Jahre und Tage zuvor, ist Gott selber. Er ist der Gott meines Gestern, meines Heute und meines Morgen. Die Zeit ist für uns Christen kein blindes Schicksal mit einem ungewissen Ausgang, sondern ein Geschenk, sie zu leben, zu gestalten und sie somit zu meiner Zeit zu machen. Dann bin ich immer noch nicht Herr der Zeit, aber Mitgestalter dessen, der sie mir überlässt. Als Christen haben wir mit dem 1. Advent bereits das neue Jahr begonnen. Der weltliche Neujahrstag, der 1. Januar, ist der Oktavtag von Weihnachten, dem Tag der Beschneidung und Namensgebung Jesu. Im Evangelium dieses Tages heißt es, dass Maria all das Geschehene in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachdachte. Das Herz als sinnbildlichen Sitz des Lebens, ist für uns ja auch das Symbol der Liebe, auch der Liebe Gottes zu uns Menschen. Hier bewahrte Maria die Erfahrungen ihres Lebens, ihm vertraute sie alles zurückliegende an und konnte so in eine für sie und ihre Familie ungewisse Zukunft blicken, ohne von Sorgen und Angst überwältigt zu werden.
Acht Tage nach der Geburt gab man Jesus den Namen, den der Engel Maria genannt hatte: Jesus: „Der Herr hilft“ oder „Gott ist die Rettung“, so könnte man seinen Namen übersetzen. Das ist letztlich die Kurzformel des Evangeliums Jesu, der frohen Botschaft von der Zuwendung Gottes zum Menschen.

Liebe Leserschaft,
bewahren Sie sich das vergangene Jahr, wie auch all die Jahre zuvor im Herzen und legen sie die Vergangenheit bei Gott ab. Er vergisst keinen Tag unseres Lebens, er trägt uns die Schuld nicht nach, er will unsere Lebenswunden heilen und bürdet uns keine Lasten für die Zukunft auf. Daher dürfen wir trotz mancher Ungewissheiten und Sorgen über die Zeit, die wir noch nicht kennen, mit erhobenem Haupt und wachem Blick in die Zukunft gehen. Dieser Herr, der hilft und rettet, ist ein mitgehender Gott, seine Gegenwart bleibt nicht zurück im alten Jahr, er ist der Gott unseres Lebens auch im Kommenden.
Ich möchte Euch ein Wort von Dom Helder Camara mitgeben:
„Sag ja zu den Überraschungen, die deine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichte machen, deinem Tag eine andere Richtung geben, ja vielleicht deinem Leben. Sie sind nicht Zufall.“

Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes neues Jahr 2011.

Euer Dekan Siegfried Weber,
Militärpfarrer, Vorsitzender von Glaube und Heimat

Geistliches Wort – März 2011

schrimpf

 

 

 

Pater Edmund Schrimpf,
Kapuziner.

 

Fastenzeit

Liebe Landsleute!

Ostern trifft in diesem Jahr zum spätest möglichen Termin. Damit beginnt die Fastenzeit – die österliche Bereitungszeit – erst im März. Die Begründung, warum Ostern mal früher, mal später gefeiert wird, wäre einer eigenen Betrachtung wert. Darum gehe ich hier nicht näher darauf ein. Ich möchte hier einfach auf das Anliegen der Fastenzeit zu sprechen kommen. Die Frage, was bedeutet mir eigentlich noch die Fastenzeit, diese Frage muss sich wohl jeder/jede von uns selbst beantworten. Geht es uns aber darum, die rechte antwort darauf zu finden, werden wir an dem nicht vorbeikommen, was diesbezüglich die Liturgie der Kirche uns sagt. Denn in ihren Gebeten und heiligen Texten sucht sie uns den Blick für das Wesentliche zu öffnen. So lautet das Tagesgebet am ersten Fastensonntag: „Allmächtiger Gott, du schenkst uns die heiligen vierzig Tage als eine Zeit der Umkehr und der Buße. Gib uns durch ihre Feier die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.“ Von heiligen Tagen der umkehr, der Buße ist da die Rede, von Tagen, die uns Gott schenkt – von Tagen, die wir, wie es am Aschermittwoch heißt, im Vertrauen auf Gottes Beistand angehen sollen.
Wenn von Fastenzeit die Rede ist, dann denken wir zunächst an Dinge, die wir tun oder nicht tun sollen, wir denken an Verzicht und Opfer. Gewiss geht es in dieser Zeit auch darum, dass wir uns ernsthaft wieder mal Zeit nehmen zum Gebet – dass wir durch der „Güte hellen Schein“ da und dort wieder das Dunkel um uns aufhellen – dass wir uns auch zu manchem Verzicht (in Liebe) aufraffen... Diesem Anliegen kommt auch ein Hymnus im Stundengebet der Kirche entgegen mit den Worten: „Nun ist sie da die rechte Zeit, die Gottes Huld uns wieder schenkt... Jetzt soll sich unser ganzes Herz durch Fasten und Gebet erneun, und durch Entsagung werde stark, was müde ist und schwach und krank.“ Auch hier wird deutlich, dass es in der Fastenzeit um ein Geschenk Gottes geht, um eine Zeit, in der der innerliche Mensch im Glauben, in der Hoffnung und der Liebe sich erneuern und erstarken soll. Den Zugang zu solchem Denken finden wir freilich erst, wenn uns das eigentliche Anliegen dieser Zeit bewusst wird, das heißt, wenn wir uns bemühen, Jesus wieder tiefer kennen zu lernen, ihm in unserem Denken und Leben näher zu kommen – dies mit Blick auf sein Leben, Leiden und Sterben – und seine Auferstehung. Die Frucht der Fastenzeit ist, Jesus Christus in unserem Leben spürbar werden zu lassen – „die Kraft seiner Erlösungstat“. Unser Leben soll aus der Begegnung mit ihm im Glauben erstarken und zum Zeugnis für ihn werden.
In den „heiligen vierzig Tagen“ sind wir also eingeladen, Jesus tiefer, vielleicht auf ganz neue Weise kennen zu lernen. Fastenzeit will damit Intensivzeit sein. Schon in der Frühzeit der Kirche sagt darum Papst Leo der Große († 461) in einer Fastenpredigt: „Was sich für jeden Christen jederzeit schickt, das müssen wir jetzt mit mehr Eifer und Hingabe tun...“ In der Gemeinschaft der Glaubenden sind wir eingeladen, unseren Sinn auf das Wesentliche in unserem Leben zu richten. Das wesentliche Ziel von Umkehr und Buße ist Christus und seine Erlösungstat für uns. Die Erkenntnis Christi ist nicht etwa nur Lernstoff, sondern ein gnadenhaftes Geschehen. Darum bittet die Kirche am ersten Fastensonntag: „Gib uns die Gnade, dass wir in der Erkenntnis Christi voranschreiten.“ Erst wenn diese Bitte unsere Bitte wird, erst dann wird es geschehen, dass wir die Fastenzeit in ihrer Bedeutung für unser Leben zu verstehen beginnen. Dann wird auch das Gebet, der Verzicht, Gutes tun, nicht ein leidiges „Müssen“ im Prozess der Fastenzeit für uns sein. Es wird sich darin vielmehr ein Übungsfeld der Bereitung für die Begegnung mit ihm auftun.

So wünsche ich uns allen eine von Gottes Gnade und Segen begleitete Fastenzeit – und Offenheit und Bereitschaft dafür.

Euer Landsmann,

Pater Edmund Schrimpf, Kapuziner,
Menzinger Straße 48, 80638 München,
Tel. 089/17911-278

Geistliches Wort – April 2011

mochti

 

 

 

Domdekan
Prälat Prof. Dr. Otto Mochti

 

Ostern: Fest des Lebens und der Hoffnung

La mort est néscessairement une contre-révolution; so lautete eine Pariser Mauerinschrift aus der Zeit jener Mainunruhen von 1968, die einen tief greifenden geistig-kulturellen Umbruch in Europa ausgelöst haben. Sie heißt übersetzt: Der Tod ist notwendigerweise eine Konterrevolution.

Während mit Revolution in einem positiven Sinn der Umsturz alles Bisherigen gemeint ist, sofern es den Menschen knechtet, unterdrückt und ihn seiner Freiheiten und vor allem seiner Zukunft beraubt, bedeutet Konterrevolution die Vereitelung dieses hoffnungsvollen Aufbruchs in eine bessere, menschlichere, glücklichere Zukunft.

Der Tod als die Konterrevolution gegen menschliches Glück, menschliche Hoffnung und menschliche Zukunft. – Mit dieser Pariser Inschrift ist ein Grundelement des modernen Bewusstseins auf den Punkt gebracht. Der Tod ist notwendigerweise die Vereitelung alles Menschlichen: Sowohl der menschlichen Erbärmlichkeit als auch der höchsten kulturellen, wissenschaftlichen und geistigen Leistungen des Menschen, wenn er das letzte Wort über die Wirklichkeit des Menschen behält. Und vieles deutet darauf hin, dass diese Überzeugung vom Tod als Konterrevolution zum Grunddogma des modernen Lebens geworden ist. Nur wenn man nämlich davon ausgeht, dass der Tod alles: das menschliche Hohe ebenso wie das Niedrige auslöscht, dass er wie eine absurde Tötungsmaschine alles in sich hineinschlingt, ohne jemals davon satt werden zu können, dann wird verständlich, warum so wenig Gelassenheit, Zuversicht und Freude in unserem Leben ist; dagegen so viel Hast, so viel Haben-Wollen, so viel Lebensgier, so viel Ellenbogenkraft am Werk ist; deshalb, weil es gilt, dem Leben vor dem Tod noch möglichst viel an Glücksmöglichkeiten zu entreißen, selbst um den Preis, dass dabei die Menschlichkeit, die Gerechtigkeit und die Liebe aufs Spiel gesetzt werden, bzw. dass die ganze Menschheit heute an den Rand der Selbstvernichtung geraten ist.

Wenn nun für das moderne Bewusstsein der Tod notwendigerweise eine Konterrevolution ist, ein Aufstand gegen das Leben, dann ist die Auferstehung Jesu Christi der Aufstand Gottes gegen die Konterrevolution des Todes. Gott sagt durch die Machttat der Auferweckung Jesu aus Tod und Grab: Der große Herr Tod hat nicht das letzte Wort über den Menschen; Gott selbst hat die Macht des Todes eingeschränkt, indem er ihn zur engen Pforte machte, durch das sich wohl dies zerbrechliche, brüchige, sterbliche Leben hindurchzwängen muss, nicht aber, um in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen, sondern damit es aus der Vergänglichkeit in Unvergänglichkeit, aus der Dunkelheit in Licht, aus der Schwachheit in Kraft verwandelt wird.

In ähnlicher Weise sieht es auch das Ostergedicht von Kurt Marti, wenngleich verstärkt durch einen sozialkritischen Akzent:

das könnte manchen herren so passen
wenn mit dem tode alles beglichen
die herrschaft der herren
die knechtschaft der knechte
bestätigt wäre für immer
das könnte manchen herren so passen
wenn sie in ewigkeit
herren blieben im teuren privatgrab
und ihre knechte in billigen reihengräbern
aber es kommt eine auferstehung
die anders ganz anders wird als wir dachten
es kommt eine auferstehung
die ist der aufstand gottes gegen die herren
und gegen den herrn aller herren: den tod


Papst Benedikt XVI. formuliert in einer österlichen Meditation: „Wenn der Tod das letzte Wort hat, dann ist die Welt der Warteraum zu Nichts.“ – Öffnen wir daher unser Herz für die froh machende Botschaft Jesu: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt.“ (Off 1,18) Christus lebt und auch wir werden leben.

Domdekan Prälat Prof. Dr. Otto Mochti

Geistliches Wort – Mai 2011

prokschi

 

 

 

 

Vikar Michael Prokschi

 

Im Leben Marias Wege des Glaubens erkunden

Weg-Geschichten sind spannend. Wege bergen Überraschungen, Fragen und Antworten. Freude und Leid, Suchen, Ringen und Fragen, Bitten, Erfüllung und Dank kommt zum Ausdruck.

Wer sich schon einmal auf den Weg gemacht gemacht hat eine Wallfahrt zu begleiten oder einen Wallfahrtsort zu besuchen, kann dies nachempfinden und verspüren.

Unser ganzes Leben ist letztlich eine Weg-Geschichte und es ganz unterschiedliche Etappen, die es zurück zu legen gilt.

Das Leben Mariens ist auch eine Weg-Geschichte. Betroffen von der Erwählung Gottes, macht sie sich auf den Weg. Auf den ganz alltäglichen Weg mit all seinen Herausforderungen, die die Schwangerschaft mit sich bringt. Aber auch auf den Weg des Glaubens und des Vertrauens, dass Gott sie begleitet und ihr nahe ist.
Ihr Jawort eröffnet neue Wege für uns Glaubende, ist wie ein Tor für uns Suchende und Glaubende.

Wenn wir im Mai im Besonderen uns Maria zuwenden, so können wir tiefer erkennen, wer Christus für uns ist. Wir bedenken ihren Weg mit Christus, können so unseren eigenen Lebens- und Glaubensweg in den Blick nehmen. Und wir spüren, wie sich die Wege immer neu kreuzen. Wir schauen auf Maria und entdecken, Weg-Geschichten im eigenen Leben. Wir gehen tiefer, schauen im Licht Maria und suchen den eigenen Weg  zu finden – und zu gehen.

Vikar Michael Prokschi
Pfarreiengemeinschaft St. Franziskus am Steigerwald

Geistliches Wort – Juni 2011

friedl

 

 

Pfarrer
Hermann Friedl

 

 

Leiden Christi, stärke mich

(Wahlspruch) zum 200. Geburtstag von Bischof  Johannes Nepomuk Neumann

Am 28. März 2011 waren es exakt 200 Jahre, dass Johannes Nepomuk Neumann in Prachatitz am Ende des Goldenen Steiges im Böhmerwald geboren wurde - nicht zu verwechseln mit dem 1393 in Prag verstorbenen Märtyrer und so genannten Brückenheiligen Johannes Nepomuk (Gedenktag: 16. Mai). Im Blick auf unsere Landsleute, die nach der Vertreibung in Württemberg eine zweite Heimat gefunden haben, wurde der nicht gebotene Gedenktag des Prachatitzers am 05. Januar in den Kalender der Diözese Rottenburg-Stuttgart aufgenommen und ist seit 2004 auch im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet. Für die Liturgie dieses 05. Januar ist als Tagesgebet formuliert:
Allmächtiger Gott, du hast den heiligen Johannes Neumann zum bischöflichen Dienst in Nordamerika berufen. In der Arbeit für seine Gemeinden hat er [geschwisterliche] Liebe bewiesen. Steh uns bei mit deiner Kraft, dass wir die Gemeinschaft der Kirche stärken und die jungen Menschen zu gläubigen Christen heranbilden. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Der Sohn des aus Obernburg am Main (Unterfranken) zugewanderten Strumpfwirkers Johann Philipp Neumann und der Agnes Lebisch aus Prachatitz, einer böhmisch-deutschen Familie, besuchte das Gymnasium in Budweis, studierte in Prag Philosophie, Theologie, Mathematik, Naturwissenschaften und Latein und trat an Allerheiligen 1831 in das Priesterseminar in Budweis ein. Allmählich reifte in ihm der Wunsch, als Missionar in Nordamerika arbeiten zu wollen, insbesondere, um möglichst bald zum Priester geweiht zu werden und als Seelsorger für die deutschen Einwanderer und auch Indianer in Nordamerika zu wirken. Doch – man mag es angesichts des heutigen Priestermangels kaum zu glauben (bei knapp zwei Millionen Katholiken und rund 1050 Kirchengemeinden in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gibt es im gegenwärtigen Weihejahrgang gerade mal noch einen einzigen Priesteramtskandidaten!) – in der Diözese Budweis herrschte damals ein Priesterüberschuss, so dass Neumann nach Beendigung seines Studiums nicht zur Priesterweihe zugelassen wurde. Was sollte er nun tun?
Johannes Nepomuk reiste von Budweis 70 Tage nach Paris, wo er die bereits bezahlte Kutsche nach Le Havre verpasste und dorthin zu Fuß ging und sich am 20. April 1836 einschiffte. Am 01. Juni kam er in New York an und empfing dort knapp vier Wochen später, am 25. Juni, von Bischof Jean Dubois das Sakrament der Priesterweihe; einen Tag darauf feierte er die Primiz. Danach zog er nach Williamsville (nördlich von Buffalo), wo er den Kirchenbau vollendete und seine erste Katholische Schule gründete. Das Pfarrgebiet hatte einen Umfang von 1.450 km², welches er unentwegt mit einem Rucksack durchwanderte. Vier Jahre setzte er sich unermüdlich als Missionar im Gebiet der Niagarafälle ein, bis er an Ostern 1840 entkräftet zusammenbrach. Man brachte ihn zur Erholung in das Redemptoristenkloster in Pittsburgh, in das er im Herbst selbigen Jahres eintrat. Nachdem Johannes Nepomuk am 16. Januar 1842 die Ordensprofess in Baltimore, Maryland, abgelegt hatte, wurde er hier Pfarrer an St. Alfons, wo zumeist deutsche Migranten lebten und 10 Außenstationen dazu gehörten. Seit 1843 Provinzrat, wurde er 1844 Leiter des Pittsburgher Klosters und schließlich 1846 als Vizeprovinzial der Leiter aller amerikanischen Niederlassungen des Ordens. Er gab zwei Katechismen und eine biblische Geschichte heraus. Am 01. Februar 1852 wurde er in Anerkennung seiner hervorragenden Leistungen in der Seelsorge und wegen seiner intellektuellen Fähigkeiten von Papst Pius IX. zum Bischof von Philadelphia ernannt und an seinem 41. Geburtstag 1852 zum Bischof geweiht. Er war der bislang jüngste Bischof der USA. Als Bischof wählte er den Leitspruch: Passio Christi conforta me („Leiden Christi, stärke mich!“). In seiner nur acht Jahre währenden Amtszeit war er leidenschaftlich tätig für den Aufbau einer zeitgemäßen Pastoral und hat als Oberhirte den amerikanischen Katholizismus bis heute geprägt. Er errichtete ungefähr 100 katholische Schulen und 80 Kirchen sowie die Kathedrale und das Priesterseminar in Philadelphia. Dadurch legte er den Grundstein für das kirchliche Pfarrschul-System im heutigen Amerika. Als Bischof kümmerte sich Neumann vor allem um die einfachen und armen Leute und lebte selbst sehr einfach und sparsam. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass in einer guten Schulausbildung der entscheidende Schlüssel für eine Verbesserung der sozial schwachen Schichten liegt.
Nach einer Romreise im Herbst 1854 (feierliche Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria am 08.12.1854) besuchte er auf seiner Pastoralvisite durch Europa 1854/55 auch Altötting - dort wurde eine im barocken Stil nachempfundene Statue von ihm aufgestellt - , und nicht zuletzt seine Heimatstadt im Böhmerwald, wo sein Vater und seine Geschwister noch lebten und deren Bevölkerung ihm einen überwältigenden Empfang bereitete. Im Geburtshaus umarmten ihn nach 19 Jahren Abwesenheit sein Vater und seine jüngste Schwester.

Am 05. Januar 1860 brach der nur 1,60 m große Mann aufgrund völliger Überarbeitung auf der Straße zusammen und starb noch am gleichen Tag 48jährig. Als Erzbischof Kenrick von Baltimore von seinem Tod erfuhr, sagte er: „Ein Bischof wie Neumann konnte nicht anders als auf dem Weg sterben. Sein Leben war ein ununterbrochener Marsch.“ Ja, sein Leben war ein ununterbrochener Marsch: zu den Menschen und zu Gott. Er wurde in der Redemptoristenkirche St. Peter von Philadelphia bestattet. 2010 erinnerte man in der Budweiser Diözese an seinen 150. Todestag. Für seine Seligsprechung hat sich die sudetendeutsche Volksgruppe in der Vertreibung eingesetzt, vor allem Prälat Adolf Kindermann, der dem Papst über 100.000 Unterschriften von Landsleuten mit der Bitte um Seligsprechung übergab und den Sonderzug zur Seligsprechung nach Rom leitete. Nach einem 1886 in der Diözese und zehn Jahre später offiziell begonnenen und 1963 abgeschlossenen Seligsprechungsprozess wurde Johannes Nepomuk Neumann am 19. Juni 1977 von Papst Paul VI. heiliggesprochen. Im Regionalkalender der USA ist der 05. Januar gebotener Gedenktag. USA-Staatspräsident Barack Obama überreichte als Gastgeschenk bei seinem Besuch im Juli 2009 im Vatikan Papst Benedikt XVI. eine Stola des heiligen Bischof Neumann. Benedikt revanchierte sich mit einer Buchsonderausgabe seiner Sozialenzyklika „Caritas in veritate“.

Die Ackermann-Gemeinde der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart machen nun anlässlich dieses besonderen Geburtstags des Hl. Johannes Nepomuk Neumann vom 16.-19. Juni 2011 eine internationale Jubiläumswallfahrt nach Prachatitz/Prachatice, um den Patron für die deutsch-tschechische Nachbarschaft am 18. Juni 2011 besonders zu ehren. Selbst durfte ich unmittelbar nach meiner Priesterweihe (am 18. Juni 1988 in der ehemaligen Benediktiner-Klosterkirche und heutigen Basilika St. Martin zu Ulm-Wiblingen) vom 25.08.-05.09.1988 mit über 300 Pilger/innen zum Grab unseres heiligen Landsmannes nach Philadelphia wallfahren - mit drei Flugzeugen aus Stuttgart, München und Frankfurt/M., die allesamt in New York landeten. Ein unvergessliches Ereignis, das mir mit diesem 200. Geburtstag wieder ganz lebendig und dankbar vor Augen steht (s. Glaube und Heimat, Jahrgang 40 / Heft 11, November 1988, S. 1-36).

Hermann Friedl
Basilika-Pfarrer, Schloßstr. 44, 89079 Ulm-Wiblingen

Geistliches Wort – Juli 2011

warmut

 

 

 

Pfarrer Gerald Warmuth

 

Heimat


Liebe Landsleute,
nicht jeder versteht unter dem Begriff „Heimat“ das Selbe und dem Einen ist Heimat wertvoll, dem Anderen ist sie gleichgültig.

Ich verstehe Heimat immer als etwas, das ich verloren habe. Nur durch den Verlust ist sie mir bewusst. Für einen ist Heimat ein Ort oder eine Region, für den anderen die Kinderzeit, oder die Zeit ungetrübter Gesundheit.

Heimat ist wie das Wurzelwerk eines großen Baumes. Wir sehen vom Baum nur den Stamm und die Zweige mit Blättern und Früchten. Noch einmal so groß ist er unter der Erde. Die eine Hälfte des Baumes sehen wir nicht und doch gäbe es den Baum ohne seine Wurzeln nicht.

Heimat das sind meine Wurzeln, sie sind verborgen aber sie gehören zu mir.

In der Heiligen Schrift ist durchgängig von Heimat die Rede. Das älteste Glaubensbekenntnis das wir finden heißt: „Mein Vater war ein wandernder Aramäer“. Abraham, der Vater des Glaubens zog los aus seiner Heimat und kam als Fremder unter Fremde. Die Schöpfungsgeschichte spricht davon, dass die Menschen aus dem Paradies verbannt werden und die hebräische Bibel nimmt überall Bezug auf das Exil des Volkes Israel in Babylon und seine Rückkehr. Auch die griechische Bibel, das Neue Testament setzt diese Linie fort. Jesus hatte keinen Ort, wohin er seinen Kopf legen konnte, die jungen christlichen Gemeinden bestanden aus den Außenseitern der Gesellschaft. Paulus bringt das auf die Spitze, wenn er sagt: Wir sind Bürger einer anderen Welt, unsere Heimat ist im Himmel.
Die Menschen der Bibel waren auf der Suche nach Heimat. Solche Menschen, die nicht nur im hier und jetzt leben, die finden Gott und die finden den Himmel.
Jetzt ist für viele Ferienzeit.

Machen sie doch mal eine Reise. Nicht an einen anderen Ort. Besuchen sie sich selbst. Schauen sie auf ihre Heimat, auf das was verloren ist, und dennoch zu ihnen gehört. Pflegen sie ihre Wurzeln. Eine solche Wurzelbehandlung stärkt die Seele und hält sie gesund.

Nehmen sie sich Zeit zum Baden. Baden sie in den Erinnerungen der Vergangenheit und entdecken sie ihre Wurzeln wieder neu. Die Urlaubszeit kann zur Gelegenheit werden eine gesunde Einheit wiederzufinden.

Dazu wünsche ich ihnen Gottes Segen

Pfr. Gerald Warmuth,
Seelsorgeeinheit Winnenden-Schwaikheim-Leutenbach
(Heimatpfarrei: Umlowitz)

Geistliches Wort – August 2011

rettenmaier

 

 

 

 

Pfarrer Roland Rettenmaier

 

Liebe Leserinnen und Leser von Glaube und Heimat,

Am 7.August können die Wallfahrer zum Gnadenbild „Maria Trost zu Brünnl“ in Sinsheim auf 60 Jahre Wallfahrt blicken. Als diese Wallfahrt zum Gnadenbild in Sinsheim begonnen hat, war ich noch nicht geboren. Ich kam 1961 zur Welt, bin in der Nähe von Sinsheim aufgewachsen und bin dort bis zu meinem Abitur im Jahr 1980 auf das Wilhelmi Gymnasium gegangen. Unsere Schulgottesdienste wurden regelmäßig in der katholischen Pfarrkirche in Sinsheim gefeiert. Für mich als Schüler gehörte das Gnadenbild „Maria Trost zu Brünnl“ in Sinsheim ganz selbstverständlich zur katholischen Pfarrkirche in Sinsheim.

Die Wallfahrt zum Gnadenbild Maria Trost zu Brünnl hat aber eine viel längere Tradition. Viele Menschen sind im Lauf der Jahrhunderte zum Gnadenbild nach Brünnl gepilgert, haben ihre Sorgen und Nöte im Gebet vor Gott gebracht und haben dort für die erhaltene Hilfe von ganzem Herzen Dank gesagt.

Zur Geschichte der Wallfahrt nach Brünnl habe ich diese Beschreibung gefunden: „Nachdem seit der Mitte des 16. Jahrhunderts im südlich gelegenen Heilbrunn (Hojná Voda) Heilquellen bekannt waren, wurde zwischen Heilbrunn und Rauhenschlag (Chlupatá Ves) am nördlichen Abhang des Kuhberges eine weitere Heilquelle entdeckt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1648 an dieser Stelle ein Marterl aufgestellt. Seit 1698 wurde die Heilquelle als wundertätig verehrt und als „Brünnl“ bezeichnet. Die Verehrung ging auf eine Erscheinung der Brüder Hans und Matthias aus Schlagles (Paseky) zurück, die am Dreikönigstag 1698 eine Schar von Wallfahrern gesehen haben sollen, die zum Marterl zogen. Nachdem in der Nacht vom 4./5. Oktober 1701 der Bauernsohn Matthias Egidi aus Friedrichschlag (Bedřichov) träumte, dass ihm Arbeiter ein Kirchenmodell zeigten und ihm auftrugen, eine solche Kirche an der Stelle des Marterls zu errichten, wurde dort eine Kapelle erbaut. Da die Kapelle schon bald die vielen Wallfahrer nicht fassen konnte, begann der Grundherr der Herrschaft Gratzen, Albert Karl von Buquoy, 1708 mit dem Bau der heutigen Wallfahrtskirche „Maria Trost“, die 1715 geweiht werden konnte.“

Im Gottesloblied 586 „Gruß dir Mutter, in Gottes Herrlichkeit“ singen wir in der dritten Strophe:

„Hilf, o Mutter, Zuflucht in allem Leid, sei unser Trost und Quell der Fröhlichkeit. Auf Gottes Wort lass gläubig uns vertraun, bis wir mit dir den Herrn im Lichte schaun, o Maria. Gruß dir, Mutter in Gottes Herrlichkeit, Mutter Gottes, Mutter der Christenheit, Stern der Hoffnung und Quell der Seligkeit. Gruß dir Mutter, reich an Barmherzigkeit, o Maria.“

Ich wünsche allen Wallfahrerinnen und Wallfahrer, die am 7. August nach Sinsheim pilgern werden, eine gesegnete Wallfahrt.

Möge Maria, uns allen die Gnade erflehen, dass wir alle Tage unseres Lebens auf Gottes Wort gläubig vertrauen können.


Kooperator Roland Rettenmaier

Geistliches Wort – September/Oktober 2011

gw-mueller

 

 

 

 

 

P. Johann Müller SAC

 

Ein Gedanke zum Erntedankfest

Liebe Landsleute,

sicher kennen und beobachten auch Sie die Szene: Ein Kind bekommt eine Kleinigkeit geschenkt. Die Mutter, die Oma oder wer auch immer ermahnt und erinnert das Kind: „Wie sagt man?“ „Danke!“, flüstert das Kind – oder auch nicht.

Sicher, vielleicht nur eine Höflichkeitsfloskel, um gute Erziehung zu demonstrieren oder: doch die ehrliche Haltung eines dankbaren, wenn auch kleinen Menschen, der weiß, dass ihm Gutes geschehen ist?

Ich denke, viele von uns sind erst durch den Blick in den Pfarrbrief oder durch die in der Kirche bereit gestellten Früchte daran erinnert worden, dass wir Erntedank begehen.

Ein Anlass, - ein Ereignis im Kirchenjahr, das uns auch nahe liegenden Gründen nicht mehr so existentiell berührt. Wir, die Generationen vor uns: Der Weg des Brotes, des Obstes und des Weines ist für die meisten unter uns lange nicht mehr so nachvollziehbar, wie für unsere Vorfahren. Unser Gedanke und Argument: Das ist nun einmal so, die Zeiten haben sich geändert.

Trotz dieser Voraussetzungen ist es gut, dass die Kirche – wir, die glaubenden Christen, am Brauch, an der Liturgie des Erntedankfestes festhalten: Es geht nicht nur um eine schöne Tradition, sondern um eine Haltung, eine Überzeugung des Christien, der die Realität des Lebens kennt. Das Kind wird ermahnt: „Wie sagt man?“

„Wie sagt man?“, auch ihm gegenüber, der der Ursprung unseres Lebens ist, der alles gibt, was wir zum Leben brauchen? „Gott, wir danken nicht nur unserem Fleiß, unserer Erfindergabe, unserer guten Sorge um das körperliche und seelische Wohlergehen, wir danken vor allem dir.

Ein Blick in die Geschichte der verschiedensten Religionen zeigt, dass in allen Kulturen der Ernte zum Anlass religiöser Feiern des ganzen Volkes genommen wurde – und wird:

Ein Teil der Psalmen des Alten Testaments sind ausgesprochene Erntedanklieder. Im Psalm 67 betet der Gläubige: „Loben sollen dich Herr alle Völker, alle Nationen sollen dich preisen. Die Erde gab ihre Frucht. Der Herr, unser Gott hat uns gesegnet.“

Wer unter uns erinnert sich in unserer überzogenen Konsumgesellschaft wirklich daran, dass wir auch von der Güte des Mitmenschen und von der Güte eines Vatergottes abhängig sind?

„Was mir zusteht, dafür brauche ich nicht zu danken!“, ist die Haltung vieler junger und auch älterer Zeitgenossen. Vielleicht geben Sie mir recht, dass unser aller Leben und Zusammenleben eine bessere Qualität erhielte, wenn der Geist und die Haltung ungeheuchelter Dankbarkeit wieder mehr zum Tragen kämen.
Einer Dankbarkeit, die nicht nur auf die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit ausgerichtet ist, sondern einer Dankbarkeit, die die Güte des Mitmenschen und die Güte Gottes miteinbezieht.

Danken wir unserem Gott und dem Menschen, der uns etwas bedeutet, für die Liebe, das gute Wort, für jene Gaben und Kräfte, aus denen wir leben.

Erntedank – wir sind Beschenkte –
mit dem täglichen Brot,
mit Menschen, die uns lieben,
mit Gottes Wort und Zusage,
mit Christi Gegenwart in der Eucharistie,
mit der Hoffnung, dass Gott alles zum Guten führt.

Zum Abschluss ein Wort, das uns ebenfalls ermuntern soll, zu einer Haltung der Dankbarkeit im Umgang miteinander: „Vom Reichen kann man das Sparen lernen. Und vom Armen das Teilen.“

Ihr Pater Johann Müller

Geistliches Wort – November 2011

wenzl

 

 

 

 

Pater Josef Wenzl SDB

 

 

Glaube schenkt Heimat!

„Wer weiß, wo ihr hinkommt, ob ihr dort Gelegenheit habt zur Erstkommunion geführt zu werden“, sagte zu uns 8-9-jährigen Buben und Mädchen aus dem Schulsprengel Kaltenbrunn unser Pfarrer P. Nikolaus Lonsing. „Auch wenn ihr über ein Jahr keine Schule mehr habt, möchte ich euch doch in Religion unterrichten“. Vermutlich am Weißen Sonntag 1946 hatten wir unseren hohen Tag, die feierliche Erstkommunion.
Ein Foto mit 19 Buben und  10 Mädchen in Weiß und in der Mitte P. Nikolaus ist Beweis dafür. Nur einige erkenne ich und weiß ihre Namen. Wohin sie gekommen sind und ob es ihnen ähnlich ergangen ist wie mir, habe ich nicht erfahren.

Anfang Oktober 1946 erreichte auch die Josl-Familie von Woisetschlag Hsnr. 3 der Auslieferungsbescheid, nach drei Tagen mit 50 kg Gepäck pro Nase Haus und Hof zu verlassen und mit eigenem Gespann am Sammelplatz der Gemeinde vorzufahren.

Nach ca. drei Wochen kamen wir – die Eltern und 10 teils erwachsene Kinder – in Schnaitsee im äußeren Chiemgau an. Im Gasthaus gleich neben der Pfarrkirche verbrachten wir die erste Nacht. Die Glocken weckten uns.
Vater und Mutter gingen zur heiligen Messe. Froh und zuversichtlich kamen sie zurück. Sie fühlten sich wie daheim, denn hier können wir unseren Glauben leben und Mut und Kraft daraus schöpfen.

Am Vormittag holte uns ein Bauer ab. Mit Sack und Pack fuhren wir ein paar Kilometer zu seinem Hof. Im Zubau sollten wir uns einrichten. Nur ein Herd und ein Kanape waren vorhanden. Der Vater zimmerte aus ungehobelten Balken Bettstätten zusammen, die mit Strohsäcken belegt wurden. Als Wandschmuck und zum Familiengebet brachte er unser großes Herz-Jesus-Bild an. Wie die zwei Räume nach und nach wohnlich wurden, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.
Für uns jüngere Geschwister hieß es nach vielen Monaten wieder in die Schule zu gehen. Weil ich nur ein Zeugnis hatte, kam ich zunächst in die 2. und bald in die 3. Klasse, die Pfr. Martin Bauer auf die  Beichte und die Kommunion vorbereitete. Weil er mich  aus der Klassengemeinschaft nicht ausschließen wollte, durfte ich nochmals feierlich zum Tisch des Herrn treten.
Davon habe ich kein Foto, wohl aber eine Urkunde, ausgestellt am 2. Mai 1948.

Nach drei Jahren wurde ich aus der 7. Klasse entlassen, da ich bereits 14 Jahre alt  war. Lehrstellen waren damals knapp, so dass ich schließlich auf Empfehlung des Pfarrers an das Spätberufenen-Gymnasium der Salesianer Don Boscos nach Benediktbeuern kam, wo ich mich schnell wohl fühlte und später auch in den Orden eintrat..

Nach wenigen Wochen starb am 11. November 1951, eine Woche vor seinem 60. Geburtstag, ganz unverhofft unser Vater an Magendurchbruch. Pfr. Bauer würdigte ihn in seiner Grabrede als großen Beter, der alle seine Lieben in  Gottes Hände legte.

Seine Frau, unsere Mutter, folgte ihm trotz schwachen Herzens erst nach 30 Jahren in die ewige Heimat.
So lange war sie der Mittelpunkt der Großfamilie Wenzl, die sie täglich vor dem Herz-Jesus-Bild in ihrer Wohnung der Liebe Gottes empfahl.

Wenn sie dabei alle einzeln Gott vorstellte, hatte sie schon zu tun. Sechs ihrer Kinder haben alle kirchlich geheiratet und ihr 30 Enkelkinder geschenkt. Sie erlebte auch noch die Geburt von Großenkeln in noch höherer Anzahl. Darüber hat sie sich sehr gefreut, vor allem dass sie alle gesund und munter sind.

Ihr besonderes Gebet begleitete sicher auch uns drei , die wir einen geistlichen Beruf gewählt haben. Ich fühlte mich nie in die Richtung zum Priestertum von ihr  gedrängt, gleichwohl glaubte ich zu spüren, dass sie meine Wahl nicht ungern sah.

Ähnlich erging es wohl auch meinen Schwestern, die in einen Orden in München und in ein Säkular-Institut in Würzburg eintraten.

Am 14. März 1982 , einem Sonntag, ist unsere Mutter gestorben. Sie hatte noch  mehrfach Besuch. Dann ist sie beim Abedessen friedlich entschlafen. Sie stand im 84. Lebensjahr, ein schönes Alter, aber ein guter Mensch stirbt immer zu früh.

Eine Tochter ist ihr nach sieben Jahren  im 53.  Lebensjahr ganz unverhofft gefolgt. Ein Hirntumor war schuld, den sie sich nach 20 Jahren als Krankenschwester in Namibia geholt hatte. Am 6. Juni 2008 ist die älteste Tochter, Mutter von acht Kindern,  mit 85 Jahren aus dieser Welt geschieden.

Drei Brüder haben die 80-ger überschritten und die jüngste aus unserer heimatvertriebenen Familie  ist 68 Jahre. Wer von uns acht, die wir noch das irdische Leben haben, als nächste/r in die Ewigkeit eingehen wird, weiß Gott allein. 

Früher oder später hoffen wir, alle im Himmel vereint zu sein, die Ewige Heimat zu finden. Das ist unser Glaube und den lassen wir uns nicht rauben!

Liebe Landsleute und Leser von „Glaube und Heimat“,
aus dem Glauben leben zu können und in ihm sogar Heimat zu finden, ist eine Gnade Gottes, um die wir für uns selbst und für unsere Lieben beten können.

Gruß + Segen aus dem Kloster Ensdorf
P. Josef Wenzl SDB

Geistliches Wort – Dezember 2011

spoeckl

 

 

 

Pfarrer Gerhard Spöckl

 

Liebe Leser,
jetzt ist wieder die Zeit, in der man wieder intensiv durch die Geschäfte  und Passagen der Städte geht, um für seine Lieben noch ein kleines Geschenk zu besorgen.

Schon am Eingang wird deutlich: Die Advents – und Weihnachtszeit wieder vor der Tür.
Überall, wo man hinschaut, kann man die Lebkuchen, die Tannenbäume und Weihnachtsmänner entdecken. Die Menschen strömen regelrecht die Geschäfte, um für das Große Fest das Passende zu finden. Auch ich musste mir das dieser Tage wieder antun.  Aber mittendrin fragte ich mich dann doch:

Wann beginnt eigentlich für Dich die Advents- bzw. Weihnachtszeit? Was möchte Dir eigentlich diese Zeit sagen? Natürlich, das weiß ich auch: Diese Zeit beschäftigten sich viele Menschen damit, Ihre Geschenke für das Weihnachtsfest zu besorgen, in dieser Zeit besuche auch ich den ein oder anderen Weihnachtsmarkt, gehe auch ich durch so manches Geschäft, um für meine Lieben etwas zu finden. Aber wann beginnt bei mir im Herzen der Advent?

Es dauerte nicht lange, da wurde mir klar: Advent - die Ankunft von Gott - das ist nicht auf die 4 Wochen und auf ein paar Tag nach dem Fest der Feste  - dem 24. Dezember – beschenkt. Advent - das kann jeder Zeit geschehen.

Der Satz der mich in diesem Advent besonders begleitet, heißt: "Wache! Denn Du weißt nicht, wannn Dein Herr kommt, ob abends, in der Nacht oder am Morgen!“  Etwas abgeändert kann man ihn im Markusevangelium zum 1. Advent hören. Für mich heißt das doch: Im Grunde weiß ich nie ganz genau, wenn Gott zu mir kommt. Im Grunde gilt es, so bewusst wie möglich zu leben, dass Gott mich jeden Augenblick des Lebens ergreifen kann.
Doch wie kann ich leben, das Gott mich ergreifen kann? Ein endgültige Antwort, so glaube ich, die hat keiner von uns. Ich kann nur die Voraussetzung dafür schaffen. Denken Sie nur einmal daran, wie oft fällt es uns schwer, mir wieder einmal Zeit zu nehmen für Menschen um uns herum. Vielleicht gilt es gerade wieder einmal, offen auf einen schwierigen Menschen zuzugehen. Denken Sie nur einmal daran, wie hektisch ich so manchmal meine Dinge, die ich tun muss, tue. Vielleicht ist es wieder einmal wichtig,abzuschalten. Einfach mir die Zeit, zu gönnen, in mich hineinhören. Man könnte sicherlich noch viele Beispiele finden. Ich glaube, gerade in der heutigen Zeit gilt es, mit wachen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen. Natürlich - das weiß ich auch: Es gab in meinem Leben schon oft Momente, da hat Gott an meine Tür geklopft, ohne dass ich es gemerkt habe. Das ist eben so!

Die Adventszeitt lädt mich aber wieder einmal ein, darüber nachzudenken: Bin ich wirklich in den letzten Wochen und Monaten  wachsam gewesen für Gott? Habe ich ihn nur, weil ich keine Zeit hatte, überhört? Die vor uns liegende Zeit ist eine große Chance, wieder genauer hinzusehen- und zu hören, meinen inneren Kompass gewissermaßen wieder neu einzustellen, denn ich bin überzeugt, wer das tut, der wird spüren: Diese Zeit st kein Countdown in Sachen anderen Menschen eine Freude zu machen. In dieser Zeit darf ich mir vielmehr Zeit lassen, Kontakte zu knüpfen, darf ich Beziehungen wieder einmal intensiver pflegen, darf ich auch Zeit vergeuden für mich.

Die Adventszeit,die jeden Tag im Leben beginnt, ist vielmehr eine Zeit, in der ich die Sehnsucht nach Gott wieder wecken darf, damit Weihnachten auch bei mir Wirklichkeit wird.

Ein frohe und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünsche ich Ihnen.

Gerhard Spöckl, Pfarrer