Domkapitular i.R. Alois Ehrl, Stellv. Vorsitzender von „Glaube und Heimat“

Domkapitular i.R. Alois Ehrl,
Stellv. Vorsitzender von
„Glaube und Heimat“

Geistliches Wort - 01|2017

Barmherzigkeit - der Weg Gottes

„Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36)! Papst Franziskus geht es besonders um diese Barmherzigkeit. Denn sie verleiht der Kirche Glaubwürdigkeit. Er hat am 8. Dezember des Jahres 2015 ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit eröffnet. Auf die schwere Schuld des Menschen, der Gott oft misstraut und sich - wie in der Paradieseserzählung geschildert - sich dazu verführen lässt wie Gott sein zu wollen, wird von Gott nicht endgültig abgeschrieben. Er will immer wieder den Menschen dafür gewinnen, auf den Weg zu ihm zurückzukehren. Auf das Versagen des Menschen antwortet Gott letztlich nicht mit Verdammung, sondern mit Vergebung. Seine Barmherzigkeit übersteigt das Maß der Sünde. Die verzeihende Liebe Gottes kennt keine Grenzen. Sie gibt dem Menschen, der bereut und umkehren will, die Chance zu einem Neuanfang.

Diese verzeihende Liebe und Barmherzigkeit Gottes werden sichtbar und spürbar in den Worten und Taten Jesu. Uns, die Jesu Namen tragen und von ihm erwählt sind, ist es aufgetragen, sein Werk fortzuführen. So wie Gott uns mit Barmherzigkeit entgegentritt, sollen auch wir es halten gegenüber unseren Mitmenschen und ihrem Versagen. Barmherzigkeit ist der Weg, der Gott und Menschen verbindet und die Menschen untereinander. In ihr und durch sie wird die Liebe durchgehalten gegen Schuld und Versagen. Wir Heimatvertriebenen haben erlebt, wie uns das Recht auf Würde und Heimat genommen wurde. Immer noch mag bei der Erlebnisgeneration diese Verletzung von Menschenrecht ein ungutes Gefühl und inneren Protest hervorrufen. Können wir da barmherzig sein gegenüber denen, die uns dieses Unrecht zugefügt haben?

Immer wieder gibt es Situationen im Leben, in denen wir in besonderer Weise den Blick auf die Barmherzigkeit Gottes brauchen. Wie die Päpste vor ihm möchte Franziskus die Kirche dazu bringen, Zeichen der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Im Heiligen Jahr will er die Kirche neu ausrichten auf die Barmherzigkeit. Alle Gläubigen ruft er auf, die Mitmenschen die Barmherzigkeit Gottes spüren zu lassen. Barmherzigkeit ist kein Zeichen von Schwäche Sie ist Wesensmerkmal Gottes. Schon die Psalmen bringen zur Sprache, wie gnädig Gott mit uns Menschen umgeht. So heißt es im Psalm 103 (3-4): Er ist es, „der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt.“ Gottes Barmherzigkeit wirkt sich segnend und heilend auf den Menschen aus. Sie erwächst aus seiner leidenschaftlichen Liebe zu uns Menschen.

„Gott ist die Liebe“, verkündet der Verfasser des ersten Johannesbriefes (1 Joh 4,8b). Jesu Umgang mit den Sündern, Armen, Ausgestoßenen, Kranken und Leidenden offenbart diese sich verschenkende Liebe. In den Gleichnissen, wie dem vom verlorenen Sohn, schildert Jesus Gott als Vater, der nie aufgibt, bevor er nicht aus Barmherzigkeit die Sünde vergibt und die Ablehnung überwindet. Er macht die Barmherzigkeit zu einem Schlüsselwort, um Gottes Handeln zu beschreiben. Die Kirche Jesu Christi tut darum gut daran, auch heute die Barmherzigkeit als das Herzstück des Evangeliums zu verkünden und sie in Werken Gestalt annehmen zu lassen.

Da wir alle Kirche sind, können wir uns diesem Auftrag nicht entziehen. Es gilt, die leiblichen Werke der Barmherzigkeit neu zu entdecken und zu verwirklichen: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben. Genauso sollen wir die geistlichen Werke der Barmherzigkeit nicht vergessen: Den Zweifelnden raten, die Unwissenden lehren, die Sünder zurecht weisen, die Betrübten trösten, Beleidigungen verzeihen, die Lästigen geduldig ertragen und für die Lebenden und die Verstorbenen zu beten. Unzählige Christen haben in solchen Werken der Barmherzigkeit ihre Mission gesehen. Warum nicht auch wir?

Domkapitular i.R. Alois Ehrl,
Stellv. Vorsitzender von
„Glaube und Heimat“

Pater Josef Wenzl SDB

P. Josef Wenzl SDB

Geistliches Wort - 02|2017

Liebe Landsleute, liebe Freunde des Böhmerwaldes
und Leser von Glaube und Heimat,

das Neue Jahr 2017 hat bei Euch hoffentlich gut begonnen und geht voran voll Zuversicht und Freude! Der Monat Januar gleich mit dem Datum, Freitag, dem 13.01.2017, hat Euch also nichts ausgemacht?! Dann seid Ihr nicht abergläubisch wie nicht wenige unserer Mitbürger, die froh sind, dass die anderen Monate dieses Jahres diese Kombination nicht haben, ist doch der 13. allein für sie schon schlimm genug, so dass Angst sie und Schrecken überfällt! Sie trauen sich nicht mehr auf die Straße, sondern sie stolpern im Haus über ihre eigenen Füße, dass sie selbst daheim dem Unheil nicht entkommen! „Geht der Glaube zu der Tür hinaus, kommt der Aberglaube durch das Fenster herein“, E. Geibel. Ihr Horoskop lasen Deutsche 1977 erst bis 44%, 2001 schon 77%; ein Drittel richtet sich sogar danach!
Die Entchristlichung in Deutschland ist voll im Gang! Die Bekenntnisscheu entspringt der Angst, sich in einem zunehmend kirchenkritischen Umfeld zu isolieren. Das gesellschaftliche Klima wird sich erheblich verändern, wenn der christliche Glaube an Gott weiter am Verdampfen ist! Die Missachtung des Menschenlebens zeigt sich von der Abtreibung bis hin zum Terrorismus!
Schon vor 100 Jahren öffnete sich der Himmel! Am 13. Mai erscheint die Gottesmutter Maria in Portugal drei Hirtenkindern und weist sie an, den Rosenkranz für den Frieden in der Welt zu beten. Sechs Monate - immer am 13. - erscheint sie den Kindern und offenbart ihnen die sogenannten „Geheimnisse von Fatima“, die sich auf die Zukunft Europas und der Kirche beziehen, unter anderem auf das Attentat auf Papst Johannes Paul II., der fest daran glaubte, nur durch die Hilfe der „Frau von Fatima“ am 13. Mai 1981 überlebt zu haben. Im Jahr 1930 wurde dieses Phänomen „Fatima“ kirchlich anerkannt. Das Sonnenwunder vom 13.Oktober 1917 ist immer noch nicht wissenschaftlich erklärt!
Seit 100 Jahren pilgern Christen in Scharen nach Fatima, einem kleinen Ort in Portugal etwa 130 km nördlich von der Hauptstadt Lissabon. Viele nähern sich auf Knien egal ob alt oder jung, gesund oder von Krankheit gezeichnet, um Buße zu tun und um Vergebung zu bitten. Die Sühne steht noch vor der Krankenheilung! Fatima zählt mit jährlich zwischen vier und sechs Millionen Pilgern neben Lourdes in Frankreich, Guadalupe in Mexiko und Aparecida in Brasilien zu den größten katholischen Wallfahrtsorten.
Zum 100. Jahrestag der ersten Erscheinung der Gottesmutter Maria am 13. Mai 1917 pilgert der große Marienverehrer Papst Franziskus - am 13.03.2013 = 13 („getaufte Quersumme“) wurde er in das hohe Amt von den Kardinälen gewählt - nach Fatima und wird seine großen Anliegen der Weltkirche, ihren Glaubensschwund, unterstützt von hunderttausenden Mitpilgern vorstellen! Dazu sind wir zuhause ebenfalls eingeladen, gebeten wie an jedem 13. des Monats, dem Fatima-Tag.
In vielen Pfarreien und Wallfahrtsorten wird der 13. regelmäßig begangen, so auch bei uns in Vilsbiburg in der Bergkirche Mariahilf. Seit 15. August 2016 bin ich von Ensdorf in der Oberpfalz, wo ich - einschließlich Noviziatjahr vor 60 Jahren - 20 Jahre war, hierher nach Niederbayern, nahe Landshut versetzt worden. Mit einem Mitbruder (61) betreuen wir Salesianer Don Boscos seit 2005 die Wallfahrtskirche, die viele Jahrzehnte die Kapuziner von Altötting geleitet haben. Zu ihnen gehört der Diener Gottes P. Viktrizius Weiß, dessen Seligsprechung erbeten wird. Zu den täglichen  Eucharistiefeiern kommen Gläubige aus der Stadt Vilsbiburg und aus der Umgebung.
An jedem 13. des Monats ist Fatima-Tag. Dazu wird jeweils ein Prediger für die Eucharistiefeiern um 9.00 und 19.30 eingeladen sowie zur Andacht um 14.00. Frühmessen werden um 6.30 und 8.00 gehalten und Beichtgelegenheiten angeboten und wahrgenommen. Der feierliche Abschluss des Fatima-Tags ist die eucharistische Lichter-Prozession nach der hl. Messe in der Kirche oder bei günstigem Wetter vor der Wallfahrtskirche mit den Doppeltürmen seit der Renovierung in Ziegelrot.
Erfreulich viele Männer und Frauen aus der näheren und weiteren Umgebung nehmen sich jeweils Zeit und schaffen die vielen Stufen in unsere Wallfahrtskirche. Den Rosenkranz kann man überall sogar unterwegs im Auto beten. Nach jedem Gesätz wird das Gebet, um das Unsere Jungfrau in Fatima bat, gebetet: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.“ Auf diese Weise verliert die Zahl 13 ihren ominösen Schrecken, im Gegenteil sie wird zu Heil und Segen!

Ein gesundes Jahr 2017 an Leib und Seele wünscht

P. Josef Wenzl SDB,
geb. in Woisetschlag – Hohenfurth


Domkapitular i.R. Alois Ehrl, Stellv. Vorsitzender von „Glaube und Heimat“

Domkapitular i.R. Alois Ehrl,
Stellv. Vorsitzender von
„Glaube und Heimat“

Geistliches Wort - 03|2017

„Mutig vorwärts - gläubig aufwärts - liebevoll seitwärts“

Zum Leben gehören Höhen und Tiefen. Es wäre schön, wenn jeder Tag uns nur Sonnenschein bescheren würde. Aber das Leben kennt eben nicht nur helle Tage. Aus dieser Erfahrung heraus sagt die Mystikerin Teresa von Avila: „Bete nicht um leichtere Lasten, sondern um einen starken Rücken!“ Tiefen durchzustehen und zu bewältigen, ist nicht selbstverständlich. Wir fühlen uns da oft überfordert. Leichter gelingt es mit der von Gott geschenkten Kraft. Das, was Teresa den starken Rücken nennt, ist die Hoffnung auf Gottes Verheißung, dass unser Leben unter einem guten Stern steht, auch dann, wenn wir diesen Stern zeitweise nicht entdecken können. Es empfiehlt sich, sich Gedanken zu machen, wie wir zu einem solch starken Rücken finden. Drei Merksätze dazu habe ich beim Gründer des Jugendverbandes Neudeutschland entdeckt, bei dem Jesuiten Ludwig Esch. Sie lauten: „Mutig vorwärts - gläubig aufwärts – liebevoll seitwärts.“

Mit dem „mutig vorwärts“ können wir eine Einstellung vertiefen, die uns hilft, gelassen in Herausforderungen des Lebens zu bleiben, weil wir Gott an unserer Seite wissen. Er ist ein liebender und menschenfreundlicher Gott, ein Gott mit uns. Er ist einer von uns geworden in Jesus Christus. Auch regt das „mutig vorwärts“ an, nach vorne den Blick zu wenden und uns nicht mit Altem zu belasten. Es bekommt uns besser, statt uns von Enttäuschungen und Missstimmungen in Beschlag nehmen zu lassen, mehr das Vertrauen in uns wachsen zulassen, dass Gott unsere Wege mitgeht und unsere menschlichen Bemühungen ergänzt mit seiner Kraft. „Befiehl dem Herrn deinen Weg; vertrau ihm er wird es fügen!“ (Ps 37,5) Eine Wegweisung, die mich persönlich oft mit Zuversicht erfüllt, wenn es gilt, eine besondere Herausforderung zu bewältigen.
Das „gläubig aufwärts“ legt uns nahe, dass wir unser Leben intensiver mit dem Evangelium verbinden. Es wäre gut, weniger dem anzuhangen, was die Werbung, der Trend und Geist der Zeit uns als Weg zum Glück anbieten, sondern vielmehr dem Wort Gottes, das an uns ergeht, um uns den Weg zur Fülle des Lebens zu weisen. Ein Kanon im neuen Gotteslob (Nr. 450) ruft uns dies in Erinnerung: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

Der dritte Merksatz „liebevoll seitwärts“ weitet den Blick von uns weg hin zu den Menschen um uns. So wie wir selbst es gerne haben, dass uns andere mit Liebe, Respekt und Wertschätzung begegnen, heißt es auch für uns nach dem Gebot Jesu zu leben: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Konkret bedeutet das für uns Heimatvertriebene z. B. vom eigenen erlebten Schicksal her nicht mit denen mit zu heulen, die gegen die heutigen Flüchtlinge Stimmung machen, sondern für sie Verständnis zu haben, wenn sie in unserem Land Zuflucht vor Krieg und Terror suchen. Hat nicht auch uns ein Willkommen damals gut- und eine Ablehnung entsprechend wehgetan. „Liebevoll seitwärts“ ist eine herzliche Einladung, die Gelegenheiten zu nützen, wo unsere Liebe zum Nächsten gefragt ist.

„Mutig vorwärts - gläubig aufwärts – liebevoll seitwärts“ – ein Programm für die Gestaltung unseres Lebensalltags. Vielleicht hilft es Ihnen auf dem Weg durchs Jahr und lässt die geschenkten Tage zu kostbaren und gesegneten Tagen werden.

Alois Ehrl, Domkapitular em.


Siegfried Weber,
Vorsitzender
von Glaube und Heimat

Geistliches Wort - 04|2017

Liebe Leserinnen und Leser von Glaube und Heimat!

Tod und Auferstehung sind zentrale Themen im christlichen Glauben, die aber auch gleichzeitig eine große Herausforderung darstellen. Für alle Menschen ist der Tod eine unausweichliche Wirklichkeit, keiner kann ihm entrinnen. Dieser Erfahrung ist auch der heutige Mensch ausgesetzt, der in einer oft säkularen Welt dieses Thema verdrängt, weil die Welt keine Antwort bietet außer einem zurückkehren in diese Welt im Gedanken der Wiedergeburt oder der Vorstellung diese Welt ist das Ende, also nutze den Tag und dein Glück, nimm, was das Leben dir bietet, sonst bist du am Ende der Dumme.
Nun, auch glaubende Menschen tun sich schwer mit der Wirklichkeit des Sterbens und des Todes, liegt er doch in einem Bereich, der uns verschlossen bleibt, auch wenn die Wissenschaft immer noch glaubt, dem Tod die Macht rauben zu können um ein ewiges irdisches Leben zu erschaffen, ungeachtet der Frage wohin dies führen würde und ob es erstrebenswert ist.
Schon die alttestamentlichen Psalmbeter, machen sich ihre Gedanken über den Tod. Oft wird er auch als unumstößliche Gerechtigkeit bezeichnet: „Weise sterben, genauso gehen Tor und Narr zugrunde. Das Grab ist ihr Haus auf ewig, ob sie auch Länder nach ihren Namen benannten“ (Ps 49, 11, 12). Das kann als Trost dienen, besonders für die, die in ihrem Leben am Rande standen und ihren täglich Kampf in der Mühsal des Lebens führen mussten und auch heute noch führen müssen. Diesem Gedanken einer letzten Gerechtigkeit steht ein zweiter daneben, daß Gott nicht den Tod des Menschen (Sünders) will, sondern seine Umkehr und sein Leben. Damit wird der Blick über das Unausweichliche hinausgelenkt. Der biblische Gott ist ein Gott des Lebens, bei aller Endlichkeit der irdischen Geschöpflichkeit. Hier verlassen wir freilich den letzten sicheren Grund und begeben uns auf den Weg des Glaubens. Genau das aber ist das große Geschenk, das Gott uns Menschen ins Herz gelegt hat, die  Sehnsucht nach Leben in Fülle, jenseits der irdischen Sterblichkeit. Darum können gerade wir als Christen bei aller Sorge und Angst vor der Endlichkeit des Lebens eine Zusage mitnehmen, die sich durch das Neue Testament hindurchzieht. Die der Vergänglichkeit, dem Tod geweihte Schöpfung,  erfährt eine Neuschöpfung im Tod. Die Fastenzeit geht in einem jeden Jahr auf diese Grundfragen menschlicher Existenz ein und gibt Ansätze für Antworten aus dem Glauben, die natürlich eine Herausforderung bedeuten.
Am 5. Fastensonntag hören wir eine kleine Ostergeschichte, vom Tod des Lazarus, den Fragen der Jünger Jesu, der Trauer von Marta und Maria aber auch vom Glauben. Wenn Jesus vom Schlaf spricht meint er den Tod, in seiner letzten Unausweichlichkeit, er verweist aber darauf, daß es aus dem Tod ein Erwachen geben kann, für den der glaubt. Maria und Marta trauern, der Schmerz über den Tod des Bruders sitzt tief und spiegelt die Ohnmacht wider, nicht nur weil er tot ist, sondern weil ihnen auch die Position des Mannes in der Familie abhandengekommen ist. Auch ihr Leben ist damit nicht mehr das, was es vorher war. Sie sind verzweifelt, sie trauern, klagen und sie glauben. Jesus zeigt ihnen einen Weg auf, er spricht ein Wort, das wir so oft an den Gräbern hören und uns schwer  tun zu glauben. „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer lebt an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben“ (vgl. Joh 11, 25+26). Martas Antwort ist eindeutig: „Ja Herr, ich glaube“! Es ist interessant, dieses Glaubensbekenntnis, denn in Lk 10, ist Marta noch ganz von den weltlichen Dingen in Anspruch genommen und sie rügt ihre Schwester, die zu Füßen Jesu sitzt.
Die Herausforderung des Glaubens wird Erfüllt: Der Machtvolle Ruf Jesu: „Lazarus, komm heraus“, bleibt nicht ohne Wirkung. Die irdischen Leichenbinden sind vor Gott keine Todesfesseln, denn dieser Gott steht über dem Tod. Und wieder steht der Glaube an Jesus am Ende der Geschichte.
Liebe Leserinnen und Leser, es gibt den Einen, der helfen kann. Er nennt sich die Auferstehung und das Leben und er ist es auch in Wirklichkeit, weil er der Einzige ist, Jesus, der menschliche Geschöpflichkeit, irdischen Tod und ewiges Leben untrennbar miteinander verbindet.
Die jährliche Feier der 40 Tage vor Ostern, führen alle, die sich darauf einlassen, tiefer in den Glauben hinein. Dazu gehören unsere Fragen und Zweifel, unser Schreien und unser nicht glauben können. Es gilt aber auch uns der Ruf: „Du! Komm heraus, aus Deinem Grab, mitten im Leben. Lass dir jetzt schon einen Vorgeschmack auf Leben in Fülle geben“. Diese Geheimnisse des Glaubens haben in unterschiedlichen Riten und Gebräuchen eine Hilfe zum Verständnis und zur Annäherung gefunden. Gerade die Liturgie der Karwoche ist eine Einladung zum Mitgehen im wörtlichen Sinn. Angefangen von der Palmprozession, dem Gehen entlang der Kreuzwegstationen und dem Gebet, dem Aushalten bei der Ölbergwache, die Trauermetten, das Verweilen am Hl. Grab, die Auferstehungsfeier oder der Gang mit dem Osterwasser. Diese Bräuche waren auch ein Teil eines gelebten katholischen Glaubens im Böhmerwald, diese Traditionen haben nichts von ihrer Ausstrahlung verloren und können auch heute dem Glaubenden helfen, sich tiefer an Christus zu binden. Wie Lazarus sich aus dem Grab rufen lässt und Zeuge der Macht Gottes über den Tod wurde, so dürfen wir uns rufen lassen, komm heraus aus deinen täglichen Gräbern, lass dir den Glauben schenken und stärken. Der Glaube an Jesu Auferstehung nimmt das Osterfest für uns schon heute voraus. An diesem Glauben hängt alles.
Ich wünsche Euch noch gesegnete Fasten- und Kartage und ein frohes Osterfest.

Euer
Siegfried Weber
Kanoniker in Budweis und
Vorsitzender von Glaube und Heimat