60 Jahre Jahre Glaube und Heimat


Ich lag im Krankenhaus und hatte genügend Zeit, an meine Kindheit zu denken. Dabei kamen mir folgende Gedanken: Was hatten wir Glück …

-    dass wir auf dem Bauernhof helfen durften und dafür Milchsuppe oder ein Butterbrot bekamen,
-    dass wir liegen gebliebene Ähren auf den Feldern fanden und Mutter von dem Mehl Kuchen backte,
-    dass wir am Wegesrand Äpfel auflasen und es dann süßen Apfel-pfannkuchen gab,
-    dass wir vergessene Kartoffeln suchten und Mutter eine Pfanne Bratkartoffeln briet,
-    dass die jungen Brennnesseln wie leckerer Spinat schmeckten,
-    dass Mutter aus Wollresten die schönsten bunten Pullover strickte und u. a. aus Übergardinen Kleider nähte,
-    dass wir unseren Durst durch kühles Wasser aus dem Wasserhahn stillen konnten,
-    dass wir dadurch gelernt haben: Es gibt kein Butterbrot umsonst,
-    dass wir keine Ahnung hatten von Fast Food, Cola- und Limo-Getränken, Marken-Klamotten, Rauschgift, Graffiti und dergleichen, vor allem nie den Begriff „Infantilisierung der Armut“ gehört haben.

Mein Gott – was hatten wir Glück!
Rosemarie Vogel
Ausgabe: 08-1999


Oft schon habe ich beim Lesen das Gefühl, ich muss schreiben wie gut mir manche Artikel gefallen. Heute will ich es endlich tun. Im Heft 9/10 auf Seite 32 war es die Schilderung von H. Josef Gebert, die mich sehr beeindruckt hat. Die darin dargelegten Empfindungen sind mir wohlbekannt. Auch ich hatte bei den ersten Besuchen „daheim“ in den Jahren 90/91 das Gefühl, dass die geschundenen Häuser, wie Menschen denen nach einem schweren Unfall nicht geholfen wurde dastanden und um Hilfe riefen. Sie schrieen mich förmlich an „Helft’s uns!“ Wahrscheinlich empfindet man das deswegen so, weil darin all die lieben Menschen gewohnt haben, die jetzt in alle Welt zerstreut sind. Uns geht es ja – Gott sei Dank – wieder gut, aber unsere Gehöfte wurden anstatt gepflegt, geschunden. Und die können sich selbst nicht regenerieren. Trotz dieser düsteren Bilder zieht es mich von Zeit zu Zeit immer wieder „heim“ und jedes Mal denk ich mir, wenn Leute auf den Gassenbänken sitzen: Euch geht es gut, ihr könnt hier bleiben, ich muss wieder fort. Aber schön wäre es ja natürlich nur, wenn alle die ehemaligen Leute wieder um die Häuser herum, in den Geschäften, auf den Gassen, beim Wasserkor, in der Kirche usw. anwesend wären.
Auch die folgenden Berichte im erwähnten Heft in Sachen Erdäpfel und die Gedichte habe ich mit Freude gelesen. In heimatlicher Verbundenheit schicke ich viele Grüße!

Stefanie Schweiger (ehem. Friedl aus Oberhaid),
St. Peterstraße 11 a, A-4240 Freistadt
Ausgabe: 12-1999


Von der Böhmerwaldschriftstellerin Rosa Tahedl hörte ich das Wort: „Die Heimat konnte man uns nehmen, nicht aber die Heimat in uns“. Geboren im Jahr 1945 in Hammern im Böhmerwald habe ich die Vertreibung und Flucht nicht bewusst miterlebt. Als Jüngster der Familie wurde ich in einem Rucksack heimlich über die Grenze von Böhmen nach Bayern gebracht, eingenäht in ein Schaffell und warm eingepackt, um nicht zu erfrieren bei der Flucht im kalten Februar 1946 über das Berggebiet des Ossers. Als kleiner Junge hörte ich in der Familie von den Eltern und den drei älteren Brüdern oft von der früheren Heimat, ohne sie zu kennen. Irgendwie wurde diese unbekannte Heimat zu einer „Heimat in mir“. Zumal in den ersten Jahren auch davon öfters die Rede war, wann wohl eine Rückkehr möglich sein könnte.

Zum ersten Mal sah ich dann mit 13 Jahren vom Ossergipfel hinunter nach Hammern. Der Geburtsort, die „Heimat in mir“ war nun nicht mehr nur etwas, das ich nur von alten Fotos und Gesprächen kannte. Ich konnte sie in Natur sehen, wenn auch nur einen Teil des Ortes und nicht das Geburtshaus, die Rödermühle. Der Wunsch kam in mir auf, auch sie zu sehen und dort den Fuß hinzusetzen, wo meine Wiege stand. Er blieb in mir lebendig wie ein glimmender Docht über viele Jahre hinweg. Einmal wollte ich wenigstens die Stätte meiner Geburt aufsuchen und den Weg nachgehen, auf dem ich bei der Flucht unter gefährlichen Umständen über die Grenze gebracht wurde. Wann dieser Wunsch in Erfüllung gehen könnte, davon hatte ich keine Vorstellung. Aber immerhin gab ich den Wunsch nicht auf.

Überraschend kündigte sich dann durch die sanfte Revolution in der damaligen Tschechoslowakei die Erfüllung meines lang gehegten Wunsches an. Plötzlich tat sich eine Tür auf, die so lange versperrt war. Man konnte zwar - wie ich 1973- in dieses Land mit Visum und unter Angst erregenden Grenzkontrollen einreisen. Doch die ganz nahe an der Grenze liegenden Gebiete, in denen auch die Rödermühle, mein Geburtshaus, lag, durfte man nicht betreten. Erst mit dem Ende des Kommunismus in Tschechien war der Zugang auch in die früher versperrten Grenzregionen frei. An Pfingsten 1990 fuhr ich dann voller Spannung nach Hammern. Zuerst drängte es mich, die Rödermühle, meine Geburtsstätte aufzusuchen und meinen schon lange währenden Wunsch zu erfüllen. Was fand ich vor? Vom Geburtshaus standen noch die Grundmauern. Die Mühle und das Gebäude der Zwirnspulenfabrik meiner Eltern waren noch vorhanden und Reste der landwirtschaftlichen Gebäude. Auf einer übriggebliebenen Mauer ließ ich mich nieder. Die mir erzählten Geschichten von früher und von der Flucht liefen wie in einem Film vor meinen Augen ab. Nach einer Stunde des denkwürdigen Verweilens bei der Rödermühle machte ich mich auf den Weg zur Kirche. Sie bot einen traurigen Anblick. Ein Verbotsschild wies darauf hin, dass die baufällige Ruine nicht betreten werden durfte. Vom Friedhof bei der Kirche war fast nichts zu sehen. Er war mit Bäumen überwachsen. Etwa 90 Prozent der Höfe der Kühnischen Freibauern und der anderen Häuser und Betriebe in Hammern waren verschwunden. Von Unkraut überwachsene Steinhaufen erinnerten noch an sie. Die in mehreren Jahrhunderten angelegten Wiesen und Felder hatte sich der Wald wieder zurückgeholt. Ein Teil des Ortes war in dem neu angelegten Stausee versunken. Und wie eine hässliche Wunde durchzog der noch sichtbare Sperrzaun die sonst großartige Landschaft.

Die veränderte politische Lage, der freie Zugang, der erste im Jahr 1990 vor der Kirchen-Ruine von Hammern gefeierte deutsch-tschechische Gottesdienst ließ die „Heimat in mir“ aufleben. Der glimmende Docht wurde entfacht. Interessierte Landsleute und Tschechen aus dem nun von Hammern zu Hamry gewordenen Geburtsort fanden sich zusammen zu einem deutsch-tschechischen Arbeitskreis zur Wiederherstellung der Kirche. Mit Begeisterung machte ich mit. In einer durch die neuen Verhältnisse verursachten Euphorie entstand die Vision von einem wieder würdigen Gotteshaus für die ehemaligen und heutigen Bewohner dieses Ortes. Mit viel Idealismus wurden Spenden gesammelt und mit dem Vorhaben begonnen. Aber bald zeigte sich, dass die äußeren Sperren zwar abgebaut waren, aber nicht zugleich die Mauern in den Köpfen. Unterschiedliche Vorstellungen von Zuständigkeit, Planung und Durchführung des Projekts, gegensätzliche Denkweisen über die Gestaltung der Kirche prallten aufeinander, ganz zu schweigen von praktischen Schwierigkeiten wie Beschaffung eines oft nicht vorhandenen guten Baumaterials oder von einer verlässlichen Kalkulation der Kosten. Das gemeinsame Ziel vor Augen fanden sich jedoch immer wieder Lösungen für die entstandenen Probleme. Viel Überzeugungsarbeit und beharrliche Verhandlungen waren dazu nötig. Gegner einer Wiederherstellung der Kirche durch den deutsch-tschechischen Arbeitskreis gab es auch, auf beiden Seiten. Unter Tschechen hieß es: „Jetzt bauen die Deutschen zuerst die Kirche und dann wollen sie wieder zurückkommen.“ Unter den ehemaligen Hammerern schimpften manche: „Zuerst zerstören die Tschechen die Kirche, und dann sollen wir, die Vertriebenen, sie auch noch wieder für sie aufbauen. Nein, danke!“

Die dennoch nicht durch solche Widerstände und Schwierigkeiten aufzuhaltende Wiederherstellung der Kirche führte nebenbei zu einem Lernprozess. Wir Deutschen mussten erkennen: Die Tschechen litten darunter, dass es uns, den Heimatvertriebenen, mit unserem Geld plötzlich möglich war, die Art und Weise der Wiederherstellung der Kirche zu bestimmen, obwohl wir doch in ihren Augen froh sein müssten, überhaupt wieder in der einstigen Heimat etwas unternehmen zu können. Die Angst vor einer neuen Germanisierung – wenn auch nicht ausgesprochen vor uns – war zu spüren. Auch die deutsche Seele tat sich schwer, bei dem vielen Geld, das von ihrer Seite floss, die tschechische Einstellung zu akzeptieren, dass sie die eigentlichen Bauherren waren und das Sagen hatten, aber ohne Geld. Trotz solcher Hindernisse sind durch das gemeinsame Werk des Wiederaufbaus der Kirche im Laufe der Jahre gegenseitiges Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung gewachsen. Die einstigen Bewohner von Hammern und die derzeitigen Bewohner von Hamry verbindet das gemeinsame Interesse an diesem Ort, seiner Geschichte und die Liebe zu seiner schönen Lage im Böhmerwald. Wenn ein Heimattreffen stattfindet oder ein Fest gefeiert wird, ist es selbstverständliche Praxis geworden, dass gegenseitig eingeladen wird. Wenn ein größeres Projekt ansteht, wie die Errichtung eines Denkmals oder die Wiederbenützung des Friedhofs, dann wird vom Bürgermeister informiert und gemeinsam die Verwirklichung des Projekts mit dem Vorstand des Vereins „Kühnische Gemeinde Hammern“ überlegt.

Die gemeinsame Wiederherstellung der Kirche bewirkte eine mittlerweile auch von den Tschechen erkannte und anerkannte Belebung des Ortes. Schließlich wurden um die neue Kirche ein Hotel, eine Gaststätte und eine Pension errichtet. Zudem ist die bei der Wiederherstellung der Kirche mit enthaltene Intention der Versöhnung zwischen den ehemaligen Deutschen und den Tschechen, die jetzt dort wohnen, ein gutes Stück gelungen. Glaube und Heimat haben sich auch hier als segensreiche Kombination bewährt. Eine gute Grundlage für die Heilung alter Wunden durch die Vertreibung aus der Heimat bietet gerade der christliche Glaube. Seine Botschaft, dass wir von Gott her Brüder und Schwestern sind, versöhnt und führt Menschen trotz aller unterschiedlicher Nationalität und belasteter Vergangenheit neu zusammen. Gemeinsamer Glaube und gemeinsame Heimat sind eine Kraftquelle. Das war auch die Erfahrung des deutsch-tschechischen Arbeitskreises bei der Wiederherstellung der Kirche in Hammern. Wie bei diesem Beispiel gilt auch für das neu entstehende Haus Europa die Erkenntnis des Psalmisten: „Wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut“ (Ps 127,1). Nicht alle seelischen Wunden einer unseligen Vergangenheit zwischen Tschechen und Sudetendeutschen sind schon verheilt. Dennoch muss an der Brücke der Versöhnung weiter gebaut werden. Die Erlebnisgeneration der Vertriebenen mag sich da manchmal schwer tun. Doch die nachfolgenden Generationen - nicht mehr belastet sind durch schlimme Erfahrungen aus der Vergangenheit - sollten die Chance nützen in Erinnerung an die Wurzeln, aus denen sie kommen, im neuen Haus Europa die Brücke der Versöhnung zwischen Tschechen und Sudetendeutschen zu vollenden.


Ihr
Domkapitular Alois Ehrl


Liebe Leserinnen und Leser unserer Heimatzeitung, liebe Freunde des Böhmerwalds!


Das 10-jährige und 50-jährige Bestehen unseres Vereins und der Heimatzeitung wurden jeweils ausführlich gewürdigt und aufgearbeitet. Daraus lässt sich auch ein deutlicher Wandel von den Anfängen bis heute ablesen. Nicht nur, dass das alte Nachkriegsdeutschland seine Probleme meisterte, sondern dass sich die Heimatvertriebenen in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben integrierten und sie auf diese Weise einen entscheidenden Anteil am Wiederaufbau und dem Entstehen des deutschen Wirtschaftswunders hatten. Gerade die Heimatvertriebenen haben sich mit ungeheurem Fleiß hier eine neue Heimat aufgebaut.

Mittlerweile sind die nach dem Krieg entstandenen Grenzen und Mauern innerhalb Europas gefallen. Bereits beim 50-Jährigen gehörte der Eiserne Vorhang schon zehn Jahre zur Geschichte. Vieles ist in dem neuen Europa entstanden und gewachsen, auch alte Vorurteile konnten abgebaut werden, aber noch ist nicht alles aus der Vergangenheit überwunden. Nicht zuletzt das Festhalten an den Artikeln der Benesch-Dekrete, die die Vertreibung und die kollektive Schuld der deutschen Bevölkerung in Böhmen rechtfertigen, liegt immer noch wie ein Schatten über den Beziehungen.

Als 1989 die Grenzen durchlässiger wurden und es möglich wurde, ohne Schwierigkeiten, wieder in die alte Heimat zu fahren, schien das vielen Böhmerwäldlern wie ein Wunder. Mit viel Engagement machte man sich daran, Kirchen und Kapellen zu restaurieren, Glocken zu beschaffen, aber auch freundschaftliche Kontakte zu den jetzigen Bewohnern der alten Heimat zu gründen. Dazu haben die Bezieher von „Glaube und Heimat“ durch ihre großzügigen Spenden einen entscheidenden Beitrag geleistet. Vieles ist hier gelungen und es gibt in weiten Bereichen ein gutes Miteinander. Das konnte Kanonikus Irsigler beim 50-jährigen Bestehen feststellen.
Die letzten zehn Jahre haben aber auch ihre Spuren hinterlassen. Ernüchternd und sachlich gilt es festzuhalten, dass sich die Hoffnung auf ein Wiedererblühen der christlichen Kultur in Tschechien nach 40 Jahren Sozialismus nicht erfüllt hat. Eine anfängliche Euphorie ist der Realität gewichen. Zahlreiche schön renovierte Kirchen werden nur einmal im Jahr genutzt, wenn die ehemaligen Bewohner sich dort zum Pfarrtreffen versammeln. Einbrüche und Diebstähle von sakralen Kunstgegenständen haben ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Gerade in ländlichen Gegenden, die durch die Abwanderung von jungen Familien in die Städte immer mehr entvölkern, ist dies der Fall.
Es gibt aber Gott sei Dank auch hoffnungsvolle Zeichen. Lassen sie mich dafür Beispiele nennen:
Das ist für mich die Wallfahrtskirche Gojau. Seit 1999 wirken dort vier deutsche Vinzentinerinnen, die ein großartiges seelsorgliches Netzwerk aufgebaut haben und durch unermüdliches selbstloses Wirken nun die ersten Früchte ernten dürfen. Die Erfahrung, dass sich wieder eine katholische Gemeinde gefunden hat, die vor allem durch eine beispielhafte Kinder- und Jugendarbeit geprägt ist, gibt den jungen Menschen die Möglichkeit, für sich selber den Wert und die Kraft des Glaubens zu entdecken, um sich dann bewusst dafür zu entscheiden.

Auch die Mönche im Stift Hohenfurth lassen sich trotz großer Schwierigkeiten nicht entmutigen. Die Aufgabe der Wiederbesiedelung des Zisterzienserstifts und eine Neuevangelisierung unter den Bewohnern der Region im Geiste Benedikts und Bernhards, verlangen einen langen Atem, um so ein überzeugendes Beispiel gelebten Glaubens in einem weitgehend nichtglaubenden Umfeld zu geben.

Blicken wir vor diesem Hintergrund auf unseren Verein Glaube und Heimat, dann ist hier ebenfalls ein gravierender Umbruch erfahrbar. Die Erlebnisgeneration, also die Menschen für die Glaube und Heimat gegründet wurde, sterben mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand weg. Mit jedem Sterben eines Böhmerwäldlers stirbt aber auch ein Stück Verbundenheit mit der alten Heimat, sterben Erinnerung und Wissen um die Geschichte.

Daher ist unsere dringlichste Aufgabe neben der Betreuung unserer alten Mitglieder der Erlebnisgeneration, die Jugend für den Böhmerwald, seine Geschichte, Kultur und Traditionen zu interessieren und sie an unseren Verein heranzuführen. Dabei geht es mir nicht allein um reine Neubezieher von Glaube und Heimat, die einen finanziellen Verlust ausgleichen, sondern darum, Menschen den Blick für die deutsche Geschichte zu weiten, Halbwahrheiten und Unwissen zu beleuchten und vor allem die Nachgeborenen für die alte Böhmerwaldheimat zu begeistern. Ein Mensch, der seine Geschichte nicht kennt, tut sich schwer die Gegenwart zu leben, und noch schwerer die Zukunft aus der Erfahrung der Geschichte der Vorfahren zu gestalten.
Eine erste Hilfe dazu sehe ich in der zweisprachigen Nennung der alten Ortsnamen. Da gibt es Namen, die aus der heutigen tschechischen Benennung durchaus dem deutschen Namen zuzuordnen sind. Der Ortsname der Gemeinde meiner Vorfahren war Malsching, dies ist aus dem tschechischen Malsin noch abzuleiten. Dass aber Dolni Dlouha Unterlangendorf hieß oder sich hinter Vissy-Brod das alte Hohenfurth verbirgt, das wissen jüngere Menschen kaum noch. Darum soll mit der tschechischen Ergänzung nicht der deutsche Ortsname ersetzt oder vergessen werden, sondern der Bezug aus der heutigen Situation, die Spuren zur Vergangenheit leiten. Junge Menschen nutzen heute andere Medien, ob es uns gefällt oder nicht. Natürlich wollen wir an der gedruckten Ausgabe von Glaube und Heimat festhalten. Dem steht aber nicht entgegen, dass wir uns im Internet einer weiteren Gruppe von Interessierten öffnen. Gerade die weltweite Nutzungsmöglichkeit mit Querverweisen und Verknüpfungen bieten hier einen schier unerschöpflichen Informationsschatz, auch für viele Regionen aus dem Böhmerwald, die hier schon seit einiger Zeit mit guten Informationen vertreten sind.

Ganz wichtig für ein Gewinnen der jungen Menschen sind grenzüberschreitende Begegnungen in Form von gemeinsamen Unternehmungen auf den Spuren der Geschichte. Sie machen das Verständnis und die Eigenheiten des jeweils anderen Landes zugänglich und helfen so, Vorurteile, aber auch Unwissen bzw. noch schlimmeres Halbwissen zu beenden.

Liebe Leserschaft unserer Zeitung, liebe Mitglieder unseres Vereins, ich habe versucht, in diesem Grußwort einige wesentliche Gedanken zum Selbstverständnis unseres Vereins und unserer Aufgabe im Blick auf die Verständigung und die Aussöhnung mit der Vergangenheit zu geben. Der Eiserne Vorhang ist zwar als Grenze schon lange gefallen, als Grenze in den Köpfen und Gedanken mancher Menschen ist er noch vorhanden. Dafür mag es sicher gute Gründe geben, dass dem noch so ist, denn manche Wunde heilt auch nach über 60 oder mehr Jahren nicht. Und trotzdem! Nichts soll unversucht bleiben, in einem vereinten Europa, fußend auf unserer gemeinsamen Kultur und dem christlichen Glauben, aus der Vergangenheit zu lernen, das Heute gut zu gestalten und eine gemeinsame Heimat zu entdecken. Dazu erbitte ich für alle, die sich darum bemühen, Gottes reichen Segen.

Euer
Siegfried Weber, Vorsitzender