Am 16. Juli war ein festlicher Tag im Stift Hohenfurth. Abt Alberich Siwek feierte sein 60-jähriges Priesterjubiläum. Zahlreiche Mitbrüder aus dem Zisterzienserorden und darüber hinaus waren zu diesem Ehrentag gekommen, darunter der Bischof aus Budweis, 9 Äbte, auch zahlreiche ehemalige Angehörige der Stiftspfarreien die heute nach der Vertreibung in Deutschland und Österreich leben und Gläubige aus Tschechien, Oberösterreich und Polen feierten das festliche Hochamt in der Stiftskirche mit. Abt Petrus aus dem Stift Rein in der Steiermark hielt die Festpredigt. Das Stift Rein war nach der Auflösung des Stifts Hohenfurth durch die Kommunisten der Zufluchtsort für viele Hohenfurther. Nach dem Gottesdienst war bei herrlichem Wetter ein gemeinsames Mittagessen im Garten des Klosters, zu dem alle eingeladen waren. Abt Alberich war trotz etwas angeschlagener Gesundheit bei bester Laune und freute sich mit seinen Gästen über ein gelungenes Fest.

Ansprache zum 60-jährigen Priesterjubiläum von Abt Alberich Siwek, Stift Hohenfurth

Hochwürdigster Herr Bischof Jiri aus Budweis,
Hochwürdigste Herren Äbte,
Liebe Mitbrüder, und Ordensschwestern,
Liebe Festgemeinde,
Lieber Abt Alberich!!
Im Namen unserer Gemeinschaft Glaube und Heimat, aber auch ganz persönlich möchte ich Dir zu Deinem Jubiläum gratulieren.
Vor 60 Jahren hast Du Dein „adsum“ gesprochen und Dich ganz in den Dienst als Priester unserer Kirche gestellt. Das ist der Grund unseres Festes und der Anlass des Dankens. Niemand konnte damals ahnen, welchen Lauf die Geschichte nimmt und welchen Weg Dich Gott führen würde. Der zweite Weltkrieg mit allen seinen Folgen, hat auch Dein Heimatland und Dein persönliches Schicksal geleitet.
Viele Jahre gehörtest Du zur Gemeinschaft der Zisterzienser an der Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee und Dein Dienst als Religionslehrer am berühmten Internat Salem hat Dich und die Schüler gleichermaßen geprägt.
Dann führte Dich der Lebensweg wieder zurück nach Polen, jetzt als Abt, als Vater und Vorsteher Deiner Brüder. Nach dieser Zeit, in einem Alter, in dem andere sich so langsam zurücklehnen, hast Du nochmals im Vertrauen auf Gott eine ganz neue Aufgabe übernommen, die Dich hierher nach Hohenfurth führte, um den Wiederaufbau aber noch viel mehr die Wiederbelebung der Gemeinschaft zu unterstützen. Es war ein trostloses Bild, das sich hier am Ende des Kommunismus geboten hat. Nicht nur das Kloster war in weiten Teilen zerfallen und heruntergekommen, dies war letztlich auch ein Abbild für den moralischen Zustand der Menschen hier.
Mit Kraft und Mut hast Du Dich Deiner Mitbrüder angenommen und bist ihnen ein Vater geworden. Die Heimatvertriebenen aus dieser Region sind Dir und deinen Brüder unendlich dankbar, dass aus den Trümmern dieser Anlage nach und nach wieder ein stattliches Kloster ersteht.
Vieles konnte in dieser Zeit geleistet werden, was auch untrennbar mit dem Namen Kanonikus Franz Irsigler und dessen Bruder Ernst Irsigler verbunden ist, die leider nicht mehr unter uns leben. Die Haushälterin und Mitstreiterin von Kanonikus Franz Irsigler, Frau Johanna Dehnert, ist aber heute unter uns und bekräftigt so die alte Verbundenheit.
Gemeinsam konntet ihr manches bewegen und wieder zum Leben erwecken. Heute ist dieser Ort wieder ein einladendes und mit Gottes Geist erfülltes Haus.
Dieser Tage habe ich eine wunderbares Wort Deines Priors erfahren. Der sagte: „Unser Herr Abt ist jetzt manchmal ein wenig müde, aber er segnet uns jeden Morgen und jeden Abend“.
Lieber Abt Alberich, wie kann man es schöner als mit diesen Worten ausdrücken, als dass Du ein Segen bist.
Wir alle wünschen Dir noch eine lange Zeit in Hohenfurth, dass Gott Dir die Gesundheit einigermaßen erhält, dass Du auch selber Gottes Segen erfahren darfst und dass das Werk Früchte trägt zum Segen für das Stift Hohenfurth und für die Menschen im Böhmerwald.

Abt Petrus Steigenberger OCist,
Stift Rein Kloster Hohenfurth, am 16. Juli 2006
Ausgabe 09/10-2006