60 Jahre Jahre Glaube und Heimat


Beziehersituation
In den letzten zehn Jahren verminderte sich die Bezieherzahl von 7 338 auf 5 412 Abonnenten. Die Mehrzahl der treuen Leser sind ältere Personen. Sehr oft endet mit deren Ableben auch der Abonnentenbezug. Schade! Im Jahr 2008 gab es zum Beispiel 380 Abbestellungen aber auch 100 Neubezieher.

Wo wohnen die außerdeutschen Bezieher?
408 Abonnenten in Österreich, 51 in Tschechien, 9 Schweiz,
9 USA, 6 Schweden, 2 Italien, 2 Brasilien, je ein Heft in Australien, Slowakei, Niederlande, Großbritannien, Frankreich und Kanada.

Bezugspreis
1999 wurde für das „Jahresabo“ (umgerechnet) 25 € eingefordert. Seit 2004 beträgt der Preis 29 €. Wie sind die derzeitigen Gestehungskosten und was bleibt übrig? Die Gestehungskosten variieren von Jahr zu Jahr. In den vergangen vier Jahren mussten zur Herstellung der elf Monatshefte durchschnittlich 27,26 € aufgewendet werden. Der Rest von 1,74 € blieb übrig für Zuschüsse an die Heimatkirchen, Glockenkaufzuwendungen und dergleichen. Mit zunehmendem Bezieherschwund wird allerdings das geringe „Plus“ aufgezehrt. Eine Erhöhung des Bezieherpreises wird nicht mehr aufzuhalten sein.

Portovergleich einst und jetzt

In der Statistik „der ersten zehn Jahre“ ist der Portobetrag mit drei Pfennige angegeben. 1959 kostete das Heft 25 Pfennige. Der Portoanteil betrug also 12 Prozent.
Heutzutage kostet ein Monatsheft 2,64 €, das Porto 39 Cent. Der Prozentanteil liegt bei 14,7 Prozent.
Spendenbereitschaft
Alljährlich spenden viele Personen kleine und größere Beträge für verschiedene Zwecke. Mit diesen Spenden und den eigenen Mitteln (Überschüsse/Zinsen) konnten in der Zeit von 1999 bis 2008 hohe Gesamtbeträge weitergegeben werden. Genau sind es 209 664 € an missionierende Geistliche aus dem Böhmerwald und 528 434 € für Kirchenprojekte, Unterstützungen, Zuschüsse und sonstige Zuwendungen.

Prognose für die nächsten Jahre
Die Verantwortlichen des Heftes arbeiten mit aller Kraft daran, das Heft auf Dauer am Leben zu erhalten. Kostenminderungen konnten da und dort erzielt werden. Die Finanzsituation ist nach wie vor gut.
Dennoch sollte es gelingen, mit dem Heft Zugang zu den jüngeren Lesern zu finden. Es wäre schön, wenn die vielen Mitleser eigne Abonennten werden würden. Ferner sollten die älteren Heimattreuen die jüngere Nachkommenschaft als Bezieher werben. Jeder Neubezieher investiert in das „Nichtvergessen“ der Heimat.

Erich Schaufler
Geschäftsführer „Glaube und Heimat“


80 zu werden ist schon ein großes Geschenk und ein Grund zu danken und zu feiern. Im Namen des Vorstands, der Berichterstatter und der vielen tausend Leser gratuliert Dir, lieber Ernst, „Glaube und Heimat“ zu diesem Festtag. Wir hoffen, wünschen und beten, dass Dir Gott weiterhin Kraft und Gesundheit schenkt.
Deine Lebensdaten und die Leistungen für die Heimatvertriebenen, insbesondere für uns Böhmerwäldler, haben Weihbischof Gerhard Pieschl, Limburg – der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlings- und Vertriebenenseelsorge – und ich als damaliger Vorsitzender des Vereins „Glaube und Heimat“ zu Deinem 60 Geburtstag gewürdigt („ Glaube und Heimat“ August 1983 ). Noch umfassender gratulierte Frau Barbara Zeis mit herzlichen Worten zu Deinem 70. Geburtstag ( Heft August 1993).
In diesem Jahr kommt zum „runden“ Geburtstag noch dein Jubiläum“ 25 Jahre Redakteur und Verwalter von „Glaube und Heimat“ dazu.
Nach dem unerwarteten Heimgang von P. Richard Ackermann und Hans Hölzl wurde in der 21. Generalversammlung des Vereins „Glaube und Heimat“ am 7. und 8. Oktober 1977 ein neuer Vorstand gewählt, in dem Du auf vielfältige Bitten Redaktion und Verwaltung übernommen hast. Die Verwaltung wurde von Neuler nach Beilngries verlegt und Bernhard Ludwig vom Funk-Druck Eichstätt gab der Zeitschrift ein neues und freundliches Gesicht.
Die Neugestaltung von „Glaube und Heimat“ sowie alle weiteren Unternehmungen und Pläne wurden im Vorstand in harmonischer Eintracht und mit großem Engagement beschlossen. Dann ging es ans Werk. Alle taten, was möglich war. Mit Deinen betriebswirtschaftlichen Erfahrungen und mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung hast Du die Bezieheradressen erstellt, sowie Versand und Einzug der Gebühren geordnet. Mit mündlicher und schriftlicher Werbung hast Du 3500 Neubezieher geworben und durch Spendenaufrufe die 39.000,- DM Schulden allmählich abgetragen. Mit Deinem Bruder Franz als Schriftleiter und den übrigen Mitgliedern des Vorstands sowie durch die Berichterstatter blieb „Glaube und Heimat“ als beliebtes und gern gelesenes Bindeglied der Böhmerwäldler erhalten, ja es wurde auf die weltweit in der Zerstreuung lebenden Böhmerwäldler ausgedehnt.
Deiner Initiative ist es zu verdanken, dass auch die Missionare und Missionsschwestern aus dem Böhmerwald, die keine helfende Diözese „im Rücken“ haben, jährlich mit mehr als 40.000,- DM zu Weihnachten unterstützt wurden – eine Summe, die bis jetzt zusammen auf eine halbe Million DM angewachsen ist.
Ohne unsere Zeitschrift wären die Wallfahrt nach Mariazell mit zwei Sonderzügen aus Stuttgart und Frankfurt, das Jubiläum „200 Jahre Diözese Budweis“ in Passau mit 15.000 Teilnehmern sowie die 50 Pfarrfahnen, die mehrfachen Wallfahrten zum Grab unseres heiligen Bischofs Neumann in Philadelphia und die Besuchsreisen zu Böhmerwäldlern in Amerika und Südafrika und die Treffen in den Heimatpfarreien nicht zu denken gewesen.
Mit der Öffnung der Grenze nach der „samtenen Revolution“ setzte ein reger Besucherstrom in die ehemalige Heimat ein. Die Besucher erlebten, wie es im Böhmerwald wirklich aussieht. Die Enttäuschung war groß, als sie mit eigenen Augen sahen, was mit ihrem Elternhaus, mit den Gräbern der Verstorbenen, mit den Kirchen und Kulturdenkmälern geschehen war. Es ist verständlich, dass die Heimatvertriebenen zwiespältige Gefühle hatten, dass sie fragten: Sollen wir denen helfen, die das angerichtet haben? Viele Heimatvertriebene waren aber bereit, große Opfer zu bringen. Frau Barbara Zeis hat in dem Buch „Böhmerwaldkirchen im neuen Kleid – Glocken für die Heimat“ die Kosten und Spenden zusammengestellt, die von den Pfarrgemeinschaften für die über 50 erneuerten Kirchen, für die Kapellen, Marterln und Friedhöfe aufgebracht wurden. Dabei wurden sie von zahlreichen Diözesen in Süddeutschland und Österreich unzerstützt, in denen die heimatvertriebenen Böhmerwäldler jetzt wohnen. Auch staatliche Stellen haben geholfen, besonders Österreich. Es sind viele Millionen DM, die in aller Stille gespendet wurden. Dies sind sichtbare Zeichen unserer Versöhnungsbereitschaft, es ist eine Sprache, die auch Tschechen verstehen sollten.
Lieber Ernst, Gott weiß wie große Geldsummen durch Deine treuen Hände geflossen sind und wie viele Tag- und Nachtstunden gewissenhafter Kleinarbeit Du in diesen 25 Jahren dafür aufgewendet hast. Deine Frau Gertrud hat Dich umsichtig mit ihrem großen Engagement und steter Freundlichkeit unterstützt. Die Bischof – Neumann – Medaille, mit der Ihr beide ausgezeichnet wurdet, ist ein Zeichen des Dankes für die große Selbstlosigkeit, mit der Ihr den heimatvertriebenen Landsleuten geholfen habt, die Vertreibung im Lichte des Glaubens zu bestehen.

Johannes Barth
Ausgabe 08-2003


Am 29. Juni werden es 50 Jahre, dass Pfarrer i. R. und Vorsitzender des Vereins Glaube und Heimat e. V. Franz Irsigler im Dom zu Regensburg zum Priester geweiht wurde. Am Sonntag, den 01. Juli 2001 schaut er voller Dankbarkeit bei einem festlichen Gottesdienst um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche zu Beilngries zurück auf diesen bedeutungsvollen Tag. Fünf Jahrzehnte sind es mittlerweile geworden, seitdem der Böhmerwaldsohn Franz Irsigler im Dienst des Guten Hirten steht, nach wie vor mit Freude, Eifer und Hingabe.

Der Geistliche wurde am 30.08.1920 in Malsching im südlichen Böhmerwald geboren. Nach der Volks- und Bürgerschule besuchte er das Jesuitengymnasium in Mariaschein und machte 1939 die Matura in Krummau. Wie viele seiner Altersgenossen musste er als Soldat den Zweiten Weltkrieg mitmachen. Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg wurde er wie die meisten seiner Landsleute aus der Heimat im Böhmerwald vertrieben. Nach kurzer Tätigkeit und Studium in München fand er Aufnahme im Priesterseminar in Regensburg. Am 29.06.1951 empfing er die Priesterweihe. Er wurde zunächst Kaplan in Wackersdorf und dann Dekanatsjugendseelsorger. Im Jahre 1953 wurde ihm die Expositur Fuhrn übertragen und 1962 die große Pfarrei Teisnach im Bayerischen Wald. Dort baute Pfarrer Irsigler eine beispielhafte Sozialstation auf und wurde dafür mit der „Goldenen Caritas-Ehrennadel“ gewürdigt. Auf Grund eines Asthmaleidens musste er im Jahre 1985 um Versetzung in den Ruhestand bitten. In Beilngries, dem Wohnsitz seines Bruders, nahm er seinen Alterssitz. Nachdem er durch Gottes Fügung ein Heilmittel gegen seine Atemnot fand, widmete er sich in besonderer Weise der seelsorgerlichen Betreuung seiner heimatvertriebenen Landsleute. Seit mehreren Jahren ist er Vorsitzender des Vereins Glaube und Heimat e. V., der die Monatsschrift gleichen Namens herausgibt. Diese Zeitschrift ging aus dem früheren Bistumsblatt der Diözese Budweis hervor. Viele Initiativen zur Unterstützung der Kirche in Südböhmen nach Vertreibung und Abschub der Deutschen tragen seine Handschrift.
Bei einem Pfarrtreffen in seiner einstigen Heimatpfarrei in Malsching sagte Pfarrer Irsigler: „Die Reste des Glaubens und der christlichen Kultur in unserer ehemaligen Heimat zu neuem Leben zu erwecken, wollen wir unsere geistliche und materielle Hilfe gern zur Verfügung stellen.“ Es ist mit sein Verdienst, dass viele Kirchen des Böhmerwaldes in den einstmals deutschen Gebieten aus Ruinen wieder entstanden sind. Millionen Deutsche Mark flossen durch Aufrufe in Glaube und Heimat für die Restaurierung der Kirchen dorthin. Der Versöhnung mit den jetzigen tschechischen Bewohnern in der alten Heimat dienten auch Gottesdienste, die der Geistliche hielt und viele Wallfahrten. Unter anderem leitete er Wallfahrten an das Grab des Hl. Bischofs Johannes Nepomuk Neumann in Philadelphia (USA), der aus Prachatitz im südlichen Böhmerwald stammte. Durch die Zeitschrift Glaube und Heimat, deren Schriftleiter Pfarrer Irsigler lange Jahre war, entstand ein Band, das die Pfarreingemeinschaften des Böhmerwaldes zusammenhält. Zudem fördert unsere Monatsschrift auch den Kontakt mit den aus dem Böhmerwald stammenden Priestern und Schwestern in den Missionen. Vor kurzem ehrte den Geistlichen der Generalabt der Zisterzienser in Rom für seine großen Verdienste um das Kloster Hohenfurth mit der Aufnahme in die Familie der Zisterzienser. In der Pfarrei Beilngries leistet Pfarrer Irsigler mit der Übernahme von Gottesdiensten dem Ortspfarrer und den ihm anvertrauten Gemeinden noch wertvolle Hilfe.
Wir Böhmerwäldler und Leser von Glaube und Heimat erbitten für unseren hochverdienten Jubilar Gottes Segen und noch viele gesunde Jahre. Wir wünschen ihm die Erhaltung seiner Schaffenskraft und noch einen erfüllten Lebensabend. Von Herzen danken wir ihm für seine Liebe zum Böhmerwald, für die geistliche Begleitung der Landsleute in der schwierigen Phase des Anfangs in der neuen Heimat und seinen seelsorgerlichen Dienst durch all die Jahre bis heute, für seinen großen Einsatz zur Ehre Gottes und zu unserer Freude, ebenso auch für seine Bemühungen um den Erhalt der Kirchen im Böhmerwald und um neue freundschaftliche Beziehungen mit den jetzigen Bewohnern in der alten Heimat.

Alois Ehrl, Domkapitular
Ausgabe 08-2001


Erhebender Tag für deutsche und tschechische Priester in Budweis beim gemeinsamen Priestertag am 19. Juni in Budweis/Budejovice. Hohe Ehrung für Pfarrer i. R. Franz Irsigler.
Am 9. März hatte der Budweiser Bischof Antonin Lischka alle aus seiner Diözese stammenden und auch nach der Vertreibung ordinierten Priester, Diakone und Führungsleute zu einer Festfeier des Hl. Johann Nepomuk Neumann (Landsmann aus Prachatitz und späterer Bischof von Philadelphia) in die Nikolaus-Kathedrale zu Budweis eingeladen. 34 deutsche Geladene aus der Bundesrepublik und Österreich sowie 50 tschechische Geistliche seiner Diözese waren seinem Ruf zum ersten Priestertag nach dem Kriege gefolgt. In seiner Einladung brachte er zum Ausdruck, dass damit durch die gemeinsame Feier der Eucharistie die schmerzlichen Wunden der Vergangenheit, die man sich gegenseitig zugefügt hatte, durch die Bitte um Verzeihung und den Segen Gottes geheilt werden mögen. Alle Lesungen wurden in deutscher und tschechischer Sprache vorgetragen.
Vor dem Segen erlebte der langjährige Herausgeber von „Glaube und Heimat“ Spendensammler und Pendant des belgischen Speckpaters Van Straaten Pfarrer Franz Irsigler eine Art Erhebung in den Adelsstand, nämlich die Erhebung zum Kanonikus E. h. mit Brustkreuz und Ring, also Einreihung in die Chorherren der Kathedrale von Budweis.
Warum diese Ehrung? Pfarrer Irsigler erkannte, dass in fast keinem Land, in dem nach dem Krieg die Kommunisten die Macht übernommen hatten, die Kirche so sehr verfolgt wurde wie in der Tschechoslowakei. Die meisten Priester wurden einer so genannten „produktiveren“ Arbeit zugeführt und/oder eingesperrt. Eine Verbindung zu Rom oder den westlichen Bistümern war kaum möglich. Die Geistlichen, die noch unter erschwerten Bedingungen Gottesdienste halten konnten, hatten kaum Konkretes vom Vatikanischen Konzil Anfang der 60er Jahre erfahren. Die Kirche war am Ausbluten. Während der schwersten Zeit und danach sammelten Irsigler mit den Landsleuten ca. 20 Millionen DM (mehr als 300 Millionen Tschechenkronen), eine große Menge liturgischer Bücher (Gesangbücher, Lektionare, Bücher theologischen Inhalts) und transportierte diese in die böhmischen Länder. Er lud die tschechischen Priester zur Erholung, zu Exerzitien und Informationstagungen nach Deutschland ein. Irsigler half, wenn und wo er konnte. Das haben ihm die tschechischen Kirchenoberen nicht vergessen. Daher diese Ehrung als Geste des Dankes.
Neben der Einladung zum Mittagessen besuchten wir die theologische Fakultät, um von alltäglichen Sorgen und theologischen Themen zu erfahren.
Den Abschluss bildete ein Besuch der bischöflichen Residenz und ein Wortgottesdienst in der Marien-Klosterkirche. Nach einer Würdigung des Lebenswerkes von Johann Nepomuk Neumann.
Bußakt in beiden Sprachen: Deutsche und Tschechen haben oft den Segen Böhmischen Miteinanders verschiedener Völker und Kulturen missachtet, sind einander als Zeugen der Liebe Christi schuldig geblieben, haben sich im Laufe der Geschichte immer wieder verletzt, und schließlich einander durch nationalsozialistischer Unterjochung, Nachkriegsunrecht und Vertreibung Wunden geschlagen, die bis in unsere Tage nicht wieder gut gemacht sind und nicht geheilt sind. Sie belasten ein unbefangenes Zu- und Miteinander unserer Völker. Um der Zukunft Europas willen übernehmen wir dafür Verantwortung und bitten um Vergebung und Vergeben. Barmherziger Gott, bekehre unsere Herzen und erbarme dich unser.
Nach dieser Vergebungsbitte umarmten sich als Zeichen der Versöhnung die Bischöfe von Budweis, Antonin Lischka und der Weihbischof von Limburg, Gerhard Pieschl.
Frank Reif, Diakon

Bischöfliche Kurie Böhmisch Budweis
Dem Hochwürdigsten Herrn P. Franz Irsigler
Beilngries
Anlässlich des Jahrestages Deiner Priesterweihe am 29. Juni 2001 gebe ich – in Würdigung Deiner vielfachen Verdienste, wie ich den freundlichen Berichten innerhalb des tschechischen, deutschen und österreichischen Klerus entnehme – und mit Dank für deine Sorge um die Gläubigen, die einst in der Böhmisch-Budweiser Diözese gelebt haben – insbesondere um die Wallfahrtskirche Gojau, gebe ich dir bekannt, dass ich dich gemäß Kanon 509 CIC heute am 19. Juni 2001 am Fest des hl. Johannes Nepomuk Neumann zum Ehrenkanonikus der Cathedralkirche zum hl. Nikolaus in Böhmisch-Budweis, zugleich mit den damit verbundenen Rechten und Pflichten nach der Norm der hl. Kanones und der Statuten des Cathedralkapitals ernannt haben.
Böhmisch Budweis am Fest des hl. Johannes Nepomuk Neumann
ThDr. Antonín Liška, Bischof

Hochwürdigster Herr Pfarrer Irsigler.
Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Mühe und Arbeit, die Sie im Namen Gottes für Ihre Landsleute und für das Bistum (f. die Diözese) České Budějovice leisten.
Ist bekannt, dass mit Ihrer Hilfe die Zeitschrift „Glaube und Heimat“ seit 1948 Kontakt hält unter den Gläubigen, die aussiedeln mussten, stärkte das Gottvertrauen in schweren Zeiten und sammelt und vermittelt Spenden für die Pfarreien der Budweiser Diözese und auch an die 19 Missionare und Schwestern, die aus Diözese Budweis stammen und jetzt keine Diözese „im Rücken“ haben.
Seit der „Wende“ führen die Renovierungen zu zahlreichen intensiven Kontakten zwischen Tschechen und Deutschen, nicht nur während der Bauzeit, sondern auch bei Einweihungsfeiern und Pfarrtreffen. Die Gastfreundschaft und die Mitfeier bei den Gottesdiensten sind eindrucksvoll.
Die Versöhnungsbereitschaft von beiden Seiten ist groß. Besonders erfreulich ist die brüderliche Zusammenarbeit zwischen tschechischen und deutschen Priestern.
Dazu haben der Verein „Glaube und Heimat“ und die gleichnamige Zeitschrift in ihren 50 Jahrgängen wesentlich beigetragen, besonders der langjährige Schriftleiter Pfarrer Franz Irsigler.

ThDr. Antonín Liška, Bischof von Budweis
Ausgabe 08-2001


Der hohe „runde Geburtstag“ von Pfarrer Franz Irsigler am 30. August 2000 soll uns Anlass sein zu fragen, wo die Wurzeln liegen für sein tatkräftiges und erfolgreiches Wirken als Seelsorger sowie als Vorsitzender und Schriftleiter von „Glaube und Heimat“. Der Apostel Paulus schreibt in seinem ersten Brief an die Korinther (3, 10): „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde habe ich wie ein guter Baumeister den Grund gelegt.“ Diesen Satz kann Pfarrer Irsigler wohl auch auf sich anwenden. Zu den Geistesgaben und Talenten, die ihm geschenkt wurden, kam die christliche Erziehung im Elternhaus, das Beispiel des vorbildlichen Pfarrers Dechant P. Benedikt Kastner in Malsching, das Studium am Jesuitengymnasium in Mariaschein und nach dem Wehrdienst die theologische Ausbildung bis zur Priesterweihe 1951 in Regensburg. Nicht vergessen seien die unermüdlichen Gebete vieler für ihn.

Zur „Gnade Gottes“ und zu den Früchten einer soliden Bildung kommt bei Pfarrer Irsigler das Naturell des Böhmerwäldlers, der gewohnt ist, hart zu arbeiten, tief zu graben und Steine wegzuräumen, damit der Acker Frucht bringe. Der Jubilar hat als Seelsorger wie ein guter Baumeister immer wieder den Grund gelegt, besonders in den Aufgaben, die sich aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil für die Seelsorge in den Gemeinden ergeben. Oft hat er mühsam Neuland gerodet und vieles von der Wurzel her angepackt. Einige Beispiele seien genannt aus seinen Pfarreien Fuhrn, Teisnach und Geiersthal. Fünf Kirchen ließ er renovieren. In Teisnach hat er auch das Pfarrheim St. Margaretha gebaut, für eine neue Orgel gesorgt, die erste Sozialstation gegründet und einen Betrieb für 400 Arbeitsplätze angesiedelt. In Teisnach und Geiersthal ließ er zwischen 1962 und 1985 vier Volksmissionen durchführen. „Einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 2, 11). Zu diesen Aufgaben als Pfarrer übernahm er 1977 nach dem Tod von P. Ackermann kurz entschlossen die Schriftleitung von „Glaube und Heimat“. Da sich sein Bruder Ernst bereit erklärte, die Redaktion und die Verwaltung zu übernehmen, konnte mit einer neuen Vorstandschaft und mit Herrn Bernhard Ludwig vom Funk-Druck Eichstätt die Zeitschrift „Glaube und Heimat“ gerettet werden. Sie blieb das Band, das die Pfarrgemeinschaften des Böhmerwaldes zusammenhält, auch mit den Priestern und Schwestern in den Missionen sowie die Pfarrtreffen und die Renovierung unserer Heimatkirchen fördert. In der Predigt beim Pfarrtreffen an seinem 70. Geburtstag 1990 sagte Pfarrer Irsigler in Malsching: „Die Reste des Glaubens und der christlichen Kultur in unserer ehemaligen Heimat zu neuem Leben zu erwecken, wollen wir unsere geistliche und materielle Hilfe gern zur Verfügung stellen.“ Obwohl wir vermuten, dass man uns 3,5 Millionen Sudetendeutschen die geraubte Heimat niemals mehr zurückgeben wird, hat unsere Zeitschrift „Glaube und Heimat“ den Boden für die Versöhnung bereitet. Die Böhmerwäldler haben viele Millionen Deutsche Mark für die Restaurierung der Heimatkirchen aufgebracht. Der Versöhnung dienen auch die vielen Wallfahrten und Gottesdienste, die Pfarrer Irsigler durchführte, mehrmals sogar an das Grab des heiligen Bischof Neumann in Philadelphia in Nord-Amerika. Unvergessen ist seine Predigt auf dem Kalvarienberg in Mariazell 1981, wo er den Weg von uns Heimatvertriebenen schilderte:
„Aus der Heimat von gestern zum Heil von morgen auf dem Weg des Kreuzes und der Vergebung.“

Wer kann ermessen, wie solche Wallfahrten den Glauben stärken, wenn die Lieder erklingen, die wir daheim gesungen haben. Sie berühren Tiefenschichten in unserer Seele, die das gesprochene Wort nicht erreicht. Wer kann ermessen, wie das Kirchenbewusstsein wächst, wenn die von Pfarrer Irsigler angeregten Fahnen unserer Pfarreien durch die Prozessionen schweben, als wollten sie uns sagen: Wenn wir auch zerstört, geschändet, vernachlässigt sind, wir bestehen vor Gott für euch weiter, solange ihr euch um uns schart“, wie Professor Josef Dichtl schrieb. Pfarrer Irsigler hat trotz mehrerer schwerer Erkrankungen und auch noch im Ruhestand mit „Glaube und Heimat“ ein Aufbauwerk für die Kirche in unserer Heimat zuwege gebracht, von dem die Deutsche Bischofskonferenz sagt: „Solche gelungenen Werke im kirchlichen Raum haben dazu geführt, dass neue Brücken insbesondere auch zu unseren tschechischen Nachbarn geschlagen wurden.“ Für die Aktivitäten hat Pfarrer Irsigler viele Wohltäter und treue Helferinnen und Helfer gewonnen: den Vorstand und die Mitgliederversammlung von „Glaube und Heimat“, die Berichterstatterinnen und Berichterstatter sowie seine engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: seine Haushälterin Hanne Dehnert und seinen Bruder Ernst mit seiner Frau Gertrud. Die Wurzeln von Pfarrer Irsigler liegen in seinem Glauben an Gott und in seiner Liebe zur Heimat eben in „Glaube und Heimat“. Gott schenke dem Jubilar den Lohn für die Mühen, die er aufgewendet hat! Wir gratulieren von Herzen und beten weiterhin für ihn um Gottes Segen und ein gesundes Naturell des Böhmerwäldlers.

Prälat Johannes Barth