Geistliches Wort 2012

weber_ausl2012




Dekan Siegfried Weber,
Militärpfarrer,
Vorsitzender von
Glaube und Heimat


Liebe Leserinnen und Leser unserer Heimatzeitung,

in vielen alten Barockkirchen, auch im Böhmerwald,  findet man meistens beim Eingang an der Decke das bekannte Symbol für die Heiligste Dreifaltigkeit: Das Dreieck mit dem Auge. Gott sieht uns, wenn wir kommen und wieder hinausgehen, sein Blick begleitet uns. Schon im Alten Testament finden wir viele Textstellen, die davon sprechen, daß Gott seinen wohlwollenden Blick auf uns richtet. „Doch das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, die nach seiner Güte ausschauen“ Ps 33,18.

Bestimmte Kreise in der Kirche haben daraus das kontrollierende Auge Gottes gemacht zum Beispiel in dem Spruch, „Ein Auge ist, das alles sieht, auch wenn’s in dunkler Nacht geschieht.“ Gott sieht alles, Gott vergisst nichts, Gott rechnet am Ende ab. Nicht wenige machen der Kirche noch heute einen Vorwurf, mit diesem sehenden und strafenden Gott, den Menschen Angst gemacht zu haben. Wie dem auch sei. Dieses Auge Gottes in den Kirchen ist eingebettet in ein Dreieck. Diese geometrische Figur, die drei Punkte miteinander verbindet, drei Ecken, drei Spitzen, jede für sich und doch in der Konstruktion gegenseitig bedingt. In dieser Verbundenheit wird das Symbol zum Zeichen der Heiligsten Dreifaltigkeit. Dieses Fest feiern wir immer am Sonntag nach Pfingsten und es galt über Jahrhunderte als eines der wichtigsten Feste, auch wenn es mehr einen theologischen Denkansatz bringt, hatte es im katholischen Leben einen festen Platz. Im Zuge des zweiten Vatikanischen Konzils hat man sich dieses Festtages erneut angenommen und hat festgestellt, dass dieses Fest nicht einer theologischen Idee hinterhergeht, sondern die Theologie hat darüber nachgedacht, was in der Tradition der Kirche gefeiert wurde und hat nach Worten dafür gesucht. Die sprachliche Krux bleibt. Wie kann ich von diesem einen Gott reden ohne ihn dann im christlichen Denken in 3 Gottheiten aufzuteilen, was ja im Begriff der Person gerne gedacht wird. Derzeit befinde ich mich ja wieder in Afghanistan und für Muslime ist bei allem Respekt den sie uns Christen entgegenbringen, diese Vorstellung daß wir über den einen und einzigen Gott so nachdenken und von ihm reden und in dieser Weise an ihn glauben einer Gotteslästerung gleich.

Das lateinische Wort für Person kommt von personare, hindurchschallen. Es bezieht sich auf die Maske, die Theaterschauspieler trugen. Aus diesem Spezialbegriff hat sich das Wort entwickelt, mit dem im Abendland das Besondere des Menschen bezeichnet wird.
Wenn wir von Gott in den 3 Personen von Vater Sohn und Geist reden, dann sind das unterschiedliche Ausprägungen Gottes, unterschiedliche Begegnungsweisen Gottes in der Welt, durch die aber immer der eine und ungeteilte Gott hindurchklingt.

Dies ist ein Glaubensweg, den wir als Christen gehen in der Spannung zwischen Geheimnis und Erkenntnis. Gott will sich nicht verstecken oder verbergen, ganz im Gegenteil, er will dass wir ihn entdecken.

Im Evangelium des Dreifaltigkeitssonntags hören wir den Schluss des Matthäusevangeliums. Jesus versammelt die Jünger auf dem Berg. Dann heißt es „Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel.“ Dieser Zweifel ist Teil des christlichen Lebens bis heute. Das ist auch gut so, denn der Zweifel will uns anregen zum Nachdenken und Mut machen zu fragen. Von Jesus heißt es im Evangelium, nicht daß er die Zweifler schimpft, sondern es heißt: „Er trat auf sie zu“ und ruft ihnen nochmals sein Programm in Erinnerung und sendet sie aus, zu verkündigen und zu taufen. Nicht die Besten werden ausgewählt, auch die Zweifler sind gesendet. Sie alle werden Zeugen dieses Einen Gottes, den Jesus verkündet hat in Wort und Tat: „Wer mich sieht, sieht den Vater“ (Joh 14, 9), „das Wort, das ihr hört stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat“ (Joh 1, 24),  darum „empfangt den Heiligen Geist“ (Joh 20, 22).

Liebe Leserinnen und Lesern,
ich möchte Euch einladen den Dreifaltigkeitssonntag bewusst zu feiern. Diesen einen Gott zu erkennen, der will daß wir ihn entdecken, dem wir unsere  Zweifel hinhalten dürfen, der auf uns zugeht und uns sendet, er dieser Gott, der uns voll Liebe ansieht, wenn wir seinem Ruf folgen und vor den Altar treten, um Gottesdienst zu feiern, der uns aber auch sieht und begleitet wenn wir ins Leben hineingehen und wenn wir ihm unsere Hände und unsere Stimme geben als Zeugen der frohen Botschaft heute.

Euer Siegfried Weber, Militärdekan
derzeit PRT Kunduz, Afghanistan

woegbauer

 

 

 

 

Othmar Wögerbauer O.Praem

 

Liebe Leserinnen und Leser von Glaube und Heimat,

Ich bin seit 20 Jahren Pfarrer in einer Kleinpfarre und habe unlängst den 11 Kindern der 3. und 4. Schulstufe mein Kloster (das Prämonstratenserstift Schlägl am Böhmerwald)  gezeigt, das ja in der Nähe liegt, das aber wie alles Naheliegende die meisten Kinder nur vom Vorbeifahren kennen. Das Kloster ist einfach eine Selbstverständlichkeit – seit fast 800 Jahren. Besucht wird es hauptsächlich von Touristen.

Für die Kinder war das natürlich spannend, und sie durften neben Kirche, Bibliothek und Bildergalerie auch ein wenig dorthin schauen, wo man als Tourist sonst keinen Zutritt hat: ins Refektorium (Speiseraum), in die Rekreationsräume (sozusagen die Wohnzimmer in einem Kloster), in den Garten mit dem Schwimmbad…  Und irgendwann stellte ein Kind fest: „Ihr habt es aber schön!“ Und ich durfte zugeben: Ja, wir haben ein Kloster, in dem man gut und gerne leben kann. Ich habe den Kindern auch gesagt: Ich bin gerne ein Ordensmann und eigentlich wundere ich mich darüber, dass nicht doch mehr junge Menschen an dieser Lebensform Interesse haben.

Manchmal fragen die Kinder, wie ich dazu gekommen bin, Priester zu werden – und dann erzähle ich ihnen, wie das so war: dass ich Ministrant werden durfte, wie mein Interesse gerade durch die Nähe des Klosters geweckt worden war, wie ich durch den Kontakt mit dem Konvent einfach hineingewachsen bin in diese Gemeinschaft und wie meine Familie meine Entscheidung mitgetragen hat.

Wenn ich heute zurückschaue, dann kann ich das tun mit großer Dankbarkeit. Ich habe gern in diesem Beruf gearbeitet – und ich tu es immer noch. Es ist eine sehr abwechslungsreiche Arbeit, (man ist Lehrer, Gottesdienstleiter, Prediger, Kanzleikraft, Hausmeister, Bauherr, Koch... man hat zu tun mit Kunst… aber vor allem mit Menschen, mit jungen und alten, mit nahestehenden und fernen.  Ich habe viel Zuneigung erfahren, und natürlich auch Gelegenheit gehabt, mich dann und wann zu ärgern, denn das gehört wahrscheinlich auch dazu). Es war gut, dass ich mich in eine Ordensgemeinschaft eingebunden habe, so habe ich neben der Pfarre (und meiner Familie) noch ein Zuhause…  und ich bin sehr, sehr dankbar, dass ich diesen Weg gehen durfte.

Der Respekt vor diesem Beruf  möge in der Gesellschaft wieder jene Atmosphäre schaffen, die es möglich macht, dass junge Menschen überhaupt wieder anfangen, sich für diesen Beruf zu interessieren.

Othmar Wögerbauer O.Praem.
Pfarrer von Schwarzenberg am Böhmerwald
Dechant des Dekanates Altenfelden

warmut-neu

 

 

 

Pfarrer Gerald Warmuth

 

 

Dankbarkeit


Liebe Landsleute,

Im August fahren immer wieder viele in die alte Heimat, auch von uns Nachgeborenen. Wir gehen zu Wallfahrtsgottesdiensten, zu Pfarrtreffen oder inzwischen auch einfach um Urlaub zu machen.
Immer noch fahren wir, so viele Jahre nach der Vertreibung. Bei meinem letzten Besuch zum Pfarrtreffen wurde mir bewusst, dass das gar nicht selbstverständlich ist. Das geht nur, weil dort Menschen leben, die alles irgendwie weitertragen. Manche Ortschaften, sogar einige Kirchen sind völlig verschwunden. Wir können den Enkeln nur noch die Stelle zeigen, wo die Kirche stand. Aber andere stehen noch, weil dort Menschen sind, die unter schwierigsten Bedingungen weitermachen, Kirchen und Häuser erhalten und beleben.
Pfarrer, die sich mit ein paar ganz wenigen alten Leuten Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst treffen.
Mir tut es gut zu wissen, auch in 50 Jahren wird es diesen Ort und diese Kirche noch geben. Hier sind meine Wurzeln,  hier ist ein Teil von mir. Wir „Heimkehrer“ werden immer weniger. Dieses Jahr waren zum ersten Mal mehr Ortsansässige als Gäste beim Patrozinium. Wir haben uns bei ihnen  und beim Ortspfarrer mit einem Applaus bedankt. Wir haben gedankt, dass sie sich vor Ort einsetzten und dass wir, wenn wir einmal im Jahr kommen, wieder miteinander feiern können.
Vorbei sind die Zeiten der Schikane an den Grenzen.
Vorbei sind die Zeiten der ideologischen Geheimniskrämerei. In den Archiven werden interessierte Besucher freundlich betreut. Die Kirchenbücher und sogar die Luftaufnahmen unserer Heimat aus dem Jahr 1952 wurden ins Internet gestellt. Gemeinsam mit den Menschen in der Tschechischen Republik graben wir in der Vergangenheit.
Für mich sind diese Erfahrungen keine Selbstverständlichkeit.
Die Klage steht noch im Raum. Aber die Melodie wandelt sich von der Klage zu Dankbarkeit.
Ich wünsche allen, die den Weg nach Südböhmen nicht mehr machen können ein Stück von dieser Erfahrung. Ein Stück von dieser Zuversicht, es geht weiter. Ein Stück von dieser Dankbarkeit.

Ich grüße Sie herzlich

Pfr. Gerald Warmuth,
Seelsorgeeinheit Winnenden-Schwaikheim-Leutenbach
(Heimatpfarrei: Umlowitz)

wenzl

 

 

 

 

Pater Josef Wenzl SDB

 

 

Glaube schenkt Heimat!

„Wer weiß, wo ihr hinkommt, ob ihr dort Gelegenheit habt zur Erstkommunion geführt zu werden“, sagte zu uns 8-9-jährigen Buben und Mädchen aus dem Schulsprengel Kaltenbrunn unser Pfarrer P. Nikolaus Lonsing. „Auch wenn ihr über ein Jahr keine Schule mehr habt, möchte ich euch doch in Religion unterrichten“. Vermutlich am Weißen Sonntag 1946 hatten wir unseren hohen Tag, die feierliche Erstkommunion.
Ein Foto mit 19 Buben und  10 Mädchen in Weiß und in der Mitte P. Nikolaus ist Beweis dafür. Nur einige erkenne ich und weiß ihre Namen. Wohin sie gekommen sind und ob es ihnen ähnlich ergangen ist wie mir, habe ich nicht erfahren.

Anfang Oktober 1946 erreichte auch die Josl-Familie von Woisetschlag Hsnr. 3 der Auslieferungsbescheid, nach drei Tagen mit 50 kg Gepäck pro Nase Haus und Hof zu verlassen und mit eigenem Gespann am Sammelplatz der Gemeinde vorzufahren.

Nach ca. drei Wochen kamen wir – die Eltern und 10 teils erwachsene Kinder – in Schnaitsee im äußeren Chiemgau an. Im Gasthaus gleich neben der Pfarrkirche verbrachten wir die erste Nacht. Die Glocken weckten uns.
Vater und Mutter gingen zur heiligen Messe. Froh und zuversichtlich kamen sie zurück. Sie fühlten sich wie daheim, denn hier können wir unseren Glauben leben und Mut und Kraft daraus schöpfen.

Am Vormittag holte uns ein Bauer ab. Mit Sack und Pack fuhren wir ein paar Kilometer zu seinem Hof. Im Zubau sollten wir uns einrichten. Nur ein Herd und ein Kanape waren vorhanden. Der Vater zimmerte aus ungehobelten Balken Bettstätten zusammen, die mit Strohsäcken belegt wurden. Als Wandschmuck und zum Familiengebet brachte er unser großes Herz-Jesus-Bild an. Wie die zwei Räume nach und nach wohnlich wurden, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.
Für uns jüngere Geschwister hieß es nach vielen Monaten wieder in die Schule zu gehen. Weil ich nur ein Zeugnis hatte, kam ich zunächst in die 2. und bald in die 3. Klasse, die Pfr. Martin Bauer auf die  Beichte und die Kommunion vorbereitete. Weil er mich  aus der Klassengemeinschaft nicht ausschließen wollte, durfte ich nochmals feierlich zum Tisch des Herrn treten.
Davon habe ich kein Foto, wohl aber eine Urkunde, ausgestellt am 2. Mai 1948.

Nach drei Jahren wurde ich aus der 7. Klasse entlassen, da ich bereits 14 Jahre alt  war. Lehrstellen waren damals knapp, so dass ich schließlich auf Empfehlung des Pfarrers an das Spätberufenen-Gymnasium der Salesianer Don Boscos nach Benediktbeuern kam, wo ich mich schnell wohl fühlte und später auch in den Orden eintrat..

Nach wenigen Wochen starb am 11. November 1951, eine Woche vor seinem 60. Geburtstag, ganz unverhofft unser Vater an Magendurchbruch. Pfr. Bauer würdigte ihn in seiner Grabrede als großen Beter, der alle seine Lieben in  Gottes Hände legte.

Seine Frau, unsere Mutter, folgte ihm trotz schwachen Herzens erst nach 30 Jahren in die ewige Heimat.
So lange war sie der Mittelpunkt der Großfamilie Wenzl, die sie täglich vor dem Herz-Jesus-Bild in ihrer Wohnung der Liebe Gottes empfahl.

Wenn sie dabei alle einzeln Gott vorstellte, hatte sie schon zu tun. Sechs ihrer Kinder haben alle kirchlich geheiratet und ihr 30 Enkelkinder geschenkt. Sie erlebte auch noch die Geburt von Großenkeln in noch höherer Anzahl. Darüber hat sie sich sehr gefreut, vor allem dass sie alle gesund und munter sind.

Ihr besonderes Gebet begleitete sicher auch uns drei , die wir einen geistlichen Beruf gewählt haben. Ich fühlte mich nie in die Richtung zum Priestertum von ihr  gedrängt, gleichwohl glaubte ich zu spüren, dass sie meine Wahl nicht ungern sah.

Ähnlich erging es wohl auch meinen Schwestern, die in einen Orden in München und in ein Säkular-Institut in Würzburg eintraten.

Am 14. März 1982 , einem Sonntag, ist unsere Mutter gestorben. Sie hatte noch  mehrfach Besuch. Dann ist sie beim Abedessen friedlich entschlafen. Sie stand im 84. Lebensjahr, ein schönes Alter, aber ein guter Mensch stirbt immer zu früh.

Eine Tochter ist ihr nach sieben Jahren  im 53.  Lebensjahr ganz unverhofft gefolgt. Ein Hirntumor war schuld, den sie sich nach 20 Jahren als Krankenschwester in Namibia geholt hatte. Am 6. Juni 2008 ist die älteste Tochter, Mutter von acht Kindern,  mit 85 Jahren aus dieser Welt geschieden.

Drei Brüder haben die 80-ger überschritten und die jüngste aus unserer heimatvertriebenen Familie  ist 68 Jahre. Wer von uns acht, die wir noch das irdische Leben haben, als nächste/r in die Ewigkeit eingehen wird, weiß Gott allein. 

Früher oder später hoffen wir, alle im Himmel vereint zu sein, die Ewige Heimat zu finden. Das ist unser Glaube und den lassen wir uns nicht rauben!

Liebe Landsleute und Leser von „Glaube und Heimat“,
aus dem Glauben leben zu können und in ihm sogar Heimat zu finden, ist eine Gnade Gottes, um die wir für uns selbst und für unsere Lieben beten können.

Gruß + Segen aus dem Kloster Ensdorf
P. Josef Wenzl SDB

Wichtige Termine

Aktuelle Titelseite

NEUERSCHEINUNG

Zum Seitenanfang